Schwiegermutter hat Brustkrebs - Ein paar Fragen

Hallo zusammen,

seit gestern wissen wir, dass meine Schwiegermutter Brustkrebs hat. Sie hat es gestern von ihrem Arzt erfahren. Das sie verständlicher Weise ziemlich vor den Kopf geschlagen war gestern, konnte sie uns nicht so viele Informationen geben. Ich vermute sie konnte es durch den Schock selber nicht so richtig aufnehmen was der Arzt gesagt hat, oder der Arzt hat weiter nichts gesagt.

Was sie erfahren hat ist, dass sie jetzt so schnell wie möglich operiert werden soll um den bösartigen Knoten zu entfernen. Wie es dann weitergehen soll wissen wir nicht.

Von einer Bekannten weiß ich, dass während der Operationen auch Lymphgewebe entnommen wird um festzustellen, ob sich die Krebszellen im Körper verteilt haben. Habe ich das richtig verstanden?

Wird eine anschließende Chemotherapie nur gemacht, wenn sich Krebszellen im Körper verteilt haben? Oder wird auf jeden Fall zu einer Chemotherapie geraten auch wenn dies nicht der Fall ist? Von meiner Bekannten habe ich erfahren, dass bei ihr 5 veschiedene Ärzte 2 verschiedene Vorgehensweisen vorgeschlagen haben. Kurz zur Information: Bei meiner Bekannten wurde im Lymphgewebe nichts weiter gefunden. Sie hat von 3 Ärzten gesagt bekommen, dass sie eine Chemotherapie machen soll, 2 sagten ihr sie solle keine machen. Woher kommen diese unterschiedlichen Meinungen?

Wäre es ratsam auf jeden Fall eine Chemotherapie nach der Operation zu machen?

Meine weiteren Fragen beziehen sich auf die Zeit der Chemotherapie. Weiß jemand wie lange so ein Bestrahlungszyklus geht? Was könnten im schlimmsten Fall für Nebenwirkungen auftreten? Da wir überlegen meine Schwiegermutter für den Fall der Fälle in dieser Zeit zu uns zu holen, möchte ich möglichst viele Informationen sammeln.

Noch etwas wichtiges: Gibt es spezielle Kliniken, die auf Brustkrebs spezialisiert sind und einen guten Ruf haben? Vorrangig würde mich die Region NRW oder Niedersachsen interessieren an erster Stelle das Münsterland. Falls es in unserer Region nichts gibt, wären auch andere Regionen interessant.

Eine letzte Frage habe ich dann noch: Kennt jemand ein gutes Krebsforum im Internet, in dem sich betroffene austauschen können?

Vielen Dank und viele Grüße

Samira

Hallo Samira,

Hut ab zu der Entscheidung, sich so um sie kümmern zu wollen.
Alles kann ich Dir nicht beantworten, ein wenig vielleicht doch.

Meist wird der sog. Wächterknoten rausgenommen und mit „Schnellschnitt“ histologisch untersucht, damit man noch während der OP entscheiden kann, weitere Lymphknoten zu entfernen.

Sie hat von 3 Ärzten
gesagt bekommen, dass sie eine Chemotherapie machen soll, 2
sagten ihr sie solle keine machen. Woher kommen diese
unterschiedlichen Meinungen?

Sicherlich unterschiedliche Erfahrungen mit unterschiedlichen Chemotherapeutika…abhängig vom jeweiligen Zustand der Frau, also Metastasen oder nicht, ansprechen auf ein Medikament oder nicht u.s.w.

Wäre es ratsam auf jeden Fall eine Chemotherapie nach der
Operation zu machen?

Da wird hoffentlich noch ein Arzt antworten.
Ich kenne zumindest Frauen, bei denen es bisher nicht notwendig war.

Was könnten im schlimmsten Fall für Nebenwirkungen
auftreten?

Nebenwirkungen können je nach Medikament unterschiedlich sein. Der Klassiker Haarausfall ist nicht bei jedem.
Übelkeit, Erbrechen, trockene Haut bis hin zu starken tiefen Einrissen mit offenen Wunden (dick Fettcreme drauf und Stoffhandschuh drüber), Infektanfälligkeit,
Bewährt haben sich in unserer Familie frischer Ingwer als Tee gegen die Übelkeit und unterstützend Nahrungsergänzung guter Qualität, besonders für die Tage, an denen mit Essen gar nichts ging.
Wenn die Übelkeit nachlässt, und sie weiß, worauf sie Appetit hat, ihr unbedingt das geben, ansonsten schauen, wie es z.b. mit Äpfeln u.a. Vit- und Mineralstoffhaltigen Lebensmitteln ist, auch Fettsäuren und Eiweiße sollten genügend „reinkommen“.
Je nach Höhe der Gewichtsabnahme (muss meist Protokoll führen, Gewicht, Temperatur…) auch hochkalorische Lebensmittel, was nichts nützt, wenn sie es nicht runterbekommt.
Es kann auch mal eine akute allergische Reaktion entstehen, die optimalerweise noch in der Praxis erkannt wird und dort direkt gegengesteuert wird. Also bitte wirklich nach einer Infusion noch in der Praxis verbleiben, nicht zu schnell raus gehen.

Ganz wichtig ist die lymphtherapeutische Versorgung nach der OP.

Allein in Münster findest Du schon eine Auswahl auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Lymphologie. www.dglymph.de
Einfach Postleitzahl eingeben…

Erfahrene Lymphtherapeuten kennen auch die Situation von Brustkrebspatientinnen sehr gut und können darauf eingehen.
Prophylaktisch hat es sich bewährt gegen die starke Ausbildung eines Lymphödems durch Lymphknotenentfernung und gegen die Bildung von harten Strängen der im Gewebe verbleibenden Lymphbahnen, selbst wenn sie hart geworden sind, kann man sie noch verbessern.
Wichtig ist auch evtl Kompression durch Wickelungen oder Armstrumpf, wird individuell angepasst, die Lymphtherapeuten helfen dabei.
Außerdem sollte sie auf der Seite sich, wenn es geht, kein Blut abnehmen lassen, schwere Arbeiten lassen u.s.w. Häufig werden solche Tips vergessen.
Die Lymphtherapie muss vom Arzt verschrieben werden, wie Physio. Wenn man aber aus einer Klinik mit der entsprechenden OP kommt, sollte das eigentlich kein Problem mehr sein.

Ich hoffe, das hilft schon mal ein wenig.

Viel Kraft
Kathy

Ein grober Überblick
Guten Tag Samira,

erst einmal Luft holen. Den Zirkus habe ich vor ca. 1 Jahr mit meiner Nachbarin mitgemacht.

Das gesamte weitere Vorgehen lässt Zeit genug sich zu informieren. Außerdem hat es bei dem häufigen Brusttumor (jede 8-te Frau) ziemlich gutes Datenmaterial um zu entscheiden. Wenn du dich beruhigt hast; es steht sehr viel in der Wikipedia (kein Wunder) und die Weblinks dort bieten auch viel Information.

  1. schnell nach Biopsie: Entscheidung schnelle OP oder bei größeren Tumoren erst mit Strahlen- und/oder Chemotherapie um den Tumor einzudämmen und Metastasen zu verhindern. Dazu gehört aber auch die Bestimmung des Tumortyps. Das beantwortet auch die Frage, ob eine Chemotherapie wirklich etwas bringt, weil z.B. der Tumor nicht darauf anspricht, oder auch stärker auf Hormone reagiert.

Da gleich eine OP angesetzt wurde, dürfte es sich um einen kleinen Tumor in einem frühen Stadium handeln.

  1. während der OP/der nachfolgenden Biopsie des entnommenen Gewebes und Begutachtung der Form des Tumors (abgegrenzt, unklarer Übergang in das gesunde Gewebe).

  2. einige Wochen Abheilzeit der OP-Wunde

  3. danach Strahlentherapie, Dauer: ca. 6 - 8 Wochen. Nebenwirkung: Hautrötung, einige Monate Müdigkeit, bei schlechter Einstellung evtl. Verhärtung von Lungengewebe

Die Strahlentherapie bietet sich der Erfahrung nach auf jeden Fall an, unabhängig von einer nachfolgenden Chemotherapie.

  1. danach evtl. Chemotherapie, abhängig vom Tumortyp, vom Stadium, …

Wurde auch schon ein Szintigramm gemacht? Wird meines Wissens nach vor der OP und nach der Strahlentherapie gemacht.

Von einer Bekannten weiß ich, dass während der Operationen
auch Lymphgewebe entnommen wird um festzustellen, ob sich die
Krebszellen im Körper verteilt haben. Habe ich das richtig
verstanden?

Ja, vom sog. Wächterknoten (siehe anderes Posting) wird eine Biopsie gemacht um eine der ersten Ausbreitungswege zu beobachten.

Wird eine anschließende Chemotherapie nur gemacht, wenn sich
Krebszellen im Körper verteilt haben?

Das ist so ein Problem. Das weiss man nicht so genau. Einzelne Krebszellen lassen sich beim Szintigramm nicht finden. Daher immer die Bestimmung des Tumortyps (wie gesagt, bei dem sehr häufigen Brustkrebs gibt es gutes Datenmaterial), die Beurteilung des Stadiums und die Risikoabwägung. Eine Chemotherapie kann im gesamten Organismus Schäden verursachen.

Oder wird auf jeden Fall zu einer Chemotherapie geraten auch wenn dies nicht der Fall ist?

Kommt wohl eher darauf an, wie gut der Anwender die Expertensystem-Software zur Beurteilung benutzen kann. Bei meiner Nachbarin war die Aussage, dass eine zusätzliche Chemotherapie ihre statistische Überlebenschance um 3 % verbessern kann. Im Alter von > 40 weniger interessant gegenüber den Risiken einer Chemotherapie und unscharf im Vergleich zu allen anderen Lebensrisiken.

Lymphgewebe nichts weiter gefunden. Sie hat von 3 Ärzten
gesagt bekommen, dass sie eine Chemotherapie machen soll, 2
sagten ihr sie solle keine machen. Woher kommen diese
unterschiedlichen Meinungen?

Wissensstand, Beurteilung von Wahrscheinlichkeiten (dabei versagen wir fast alle, ich auch), Erfahrung im Gebrauch der Datenbankanalysesoftware …

»Ohne Daten keine Taten.«

Wäre es ratsam auf jeden Fall eine Chemotherapie nach der
Operation zu machen?

Nein. Strahlentherapie wg. der lokalen Begrenzung: Ja.
Chemotherapie nach Datenlage. Es gibt Tumortypen die ganz wenig auf Chemotherapie ansprechen. Da sind die Nebenwirkungen (auch langfristig) eine klare Entscheidung dagegen. Da ist eher Hormontherapie angesagt, falls die nicht durch die Menopause sowieso auch überflüssig ist.

Aber dass lässt sich erst nach genauer Analyse entscheiden.

»Ohne Daten keine Taten.«

Noch etwas wichtiges: Gibt es spezielle Kliniken, die auf
Brustkrebs spezialisiert sind und einen guten Ruf haben?

Hmm. Es gibt sog. Brustzentren, das soll aber auch nicht so wichtig sein. Ich kann dir auf jeden Fall eine Adresse aus HD besorgen. Immerhin um Info für aktuell ausgebildete Ansprechpartner in NRW zu erhalten. Bitte schicke mir eine E-Mail, damit ich das nicht vergesse.

Eine letzte Frage habe ich dann noch: Kennt jemand ein gutes
Krebsforum im Internet, in dem sich betroffene austauschen
können?

Alldieweil diese Krebsart häufig ist, hat es viel Selbsthilfegruppen im lokalen Umfeld. Einfach in der Tageszeitung nachsehen oder eine Internet-Suchmaschine nutzen.

Gruß & erst mal tief durchatmen

Stefan

Ganz wichtig
Hallo Samira,

unabhängig von allen Beiträgen (die hoffentlich noch kommen), ein ganz wichtiger Ratschlag:

Besorgt von ALLEN Unterlagen (Befunde, Kurve, Photos! …) Kopien. Auch gegen Aufwandsentschädigung.

Holt eine zweite/dritte kompetente Meinung ein. Und dafür braucht ihr die Unterlagen. Und auch ein Photo des entnommenen Gewebes.

Gruß

Stefan

Hallo,
mal hier gefragt? http://www.krebsforum-lazarus.ch
Gruss Helmut