Schwierig: Chemotherapie, L.A.N.C.E. - Nutzen?

Hallo,

leider muss ich mich mit der Thematik befassen. Zu den Fakten, Details lasse ich sehr großzügig außen vor:

Person (w), 75J

05/2011: Diagnose Unterleibskrebs, danach Totaloperation, Entfernung aller Lymphknoten im Bauchraum.
10/2011: Wucherungen an einer Narbe, neuerliche OP.
12/2011: Chemotherapie
03/2012: Erneute Probleme, Blutungen > Strahlentherapie
04/2012: Parallele Behandlung durch einen renommierten Osteopathen
06/2012: Feststellung Metastasenbildung am Bauchfell mit Wassereinlagerungen

Therapievorschlag: Chemotherapie, andere Behandlungsmöglichkeiten gibt es angeblich nicht. Heilungschancen existieren angeblich, lt. ärztl. Aussage würde es aber nicht einfach.

Nun schlägt der Hausarzt (Mitglied einer Tumorkonferenz, Fachmann) vor, die Dienste des Labores L.A.N.C.E.

http://www.lance.de/

zu nutzen. Nach seiner Aussage sei das Problem der ersten Chemo gewesen, dass sie nicht die gewünschte/erwartete Wirkung erbrachte, was daran läge, dass die Wirkstoffzusammensetzung lediglich auf Erfahrungswerten beruhen würde, und nicht spezifisch abgestimmt werden würde.
Und „LANCE“ würde eine perfekte Abstimmung (und damit eine höhere Erfolgsquote) ermöglichen.

Wer hat Erfahrung mit „LANCE“? Wer hat Erfahrungen mit der Idee, als Patient dem Chefarzt und Professor vorzuschlagen, nicht auf Erfahrungswerte, sondern auf „LANCE“ zu vertrauen?

In der derzeitigen Situation kommt es ausschließlich auf die Heilungsmöglichkeit und -Chance an. Sollten selbst zu tragende Kosten entstehen, ist dies nebensächlich. Dennoch wäre interessant, zu erfahren, wie teuer entsprechende Probenentnahmen für das Labor und die Laborkosten an sich wären.

Mifreundlichen Grüßen und bestem Dank an alle „Wissenden“

formica

Hallo formica,

ich bin selber kein Arzt, aber neoplastisch Betroffener, ums kryptisch-möglichst auszudrücken.

Auf der Website fand ich keine Angaben, was genau eigtl. getestet wird, vermutlich Tumor-Gewebeproben in Kombination mit div. Chemos.

Das macht deswegen Sinn weil Krebs nicht gleich Krebs ist, selbst zB Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs.
Der Unterschied ist dabei welche DNA-Mutationen eines Zelltyps eine unkontrollierte Vermehrung auslösen bzw. nicht verhindern. Ein Wirkstoff einer „modernen“ Chemotherapie greift aber jeweils nur an „bestimmten“ Stellen an. ZB wird eine Kinase gehemmt, die sonst zur unkontrollierten Zellteilung führt. Wenn aber beim Betroffenen die Mutation nicht vorliegt, die dazu führt, dass die Kinase ihren Job nicht richtig macht (= zB immer auf „ein“ steht anstatt auf Umgebungssignale zu reagieren), dann lohnt es nicht den entsprechenden Wirkstoff einzusetzen. Bzw. wenn diese eine Mutation vorliegt sollte man diesen Stoff in der Chemo berücksichtigen.

Hier wird aber (vermutlich & wie gesagt) kein Gentest gemacht sondern ein Test an den Gewebeproben, inwieweit diese auf einen Wirkstoff (oder eine Kombination aus Einzelstoffen?) reagieren.

hth,

Stefan

Hallo,

da schlagen mehr als zwei Herzen in meiner Brust, da hier ein paar Details fehlen (z.B. was ist für Dich Unterleibskrebs? Endometrium-Karzinom?) und einige Schlüsse gezogen werden müssten, die man nicht mal eben über das Internet ziehen sollte.

Zu LANCE. Es ist nicht der einzige Anbieter des „ATP-based tumour chemosensitivity assay“. Er ist halt ein sehr lauter und teurer. Verschiedene Hochschulkliniken (und andere private Anbieter) bieten diesen (sofern sinnhaft) ebenfalls an.

Solche Labore profitieren von der Not der Patienten in der Kosten dann nebensächlich werden (wie auch der Osteopath :smile: ). Es sollte immer auch ein Gegenwert kommen, was in einer - wie es für mich klingt - Palliativsituation, so ein Labor nicht zu leisten vermag (ganz absehen von der notwendigen OP, um Tumorgewebe zu gewinnen!), denn hier geht es nicht mehr primär um Effektivität der Chemotherapie, sondern um Verträglichkeit, um Lebensqualität zu erhalten. Das kann der Test nicht zeigen.

Ansonsten ist der ATP-based tumour chemosensitivity assay kein Exotenverfahren in der Gynäkologie und ein Chefarzt wird das Stichwort in einem Gespräch vermutlich gut einordnen und werten können. Nur Mut, was das angeht!

Gruß,

Manticor