Servus,
warum ist es SO schwer auf eine konkrete frage eine konkrete
und sachbezoge antwort zu bekommen?
beispiel 1 frage: kannst du mir heut mal helfen, das…zu
machen? antwort: ich muss heut noch zur post!
Ist doch eine gute Antwort. Sie bedeutet, dass der Antwortende grundsätzlich nicht abgeneigt ist zu helfen, aber selbst ebenfalls Pläne hat, die berücksichtigt werden sollten. Da Du mehr bist als nur ein Sprachcomputer, d.h. Kontext-Wissen besitzt (z.B. wie weit die nächste Post weg ist, wie lange es normalerweise dort dauert, wann die Post schließt etc.) kannst Du nun genauer planen, als wenn der Antwortende gesagt hätte „Vielleicht, kommt darauf an.“
Im Grunde ist nämlich nicht die Antwort unpräzise, sondern schon die Frage. Hättest Du gefragt: „Kannst Du mir heute von 17:00 bis 20:00 Uhr mal helfen, das … zu tun?“ Hätte der Antwortende z.B. genauer antworten können. Ohne Zeitangabe hingegen kann er Deine unpräzise Frage auch nicht präzise beantworten.
beispiel 2:
ist es blasphemie wenn kirchlichen würdenträger in der
geschichte immer wieder ihre ziele mit der begründung „gott
will es“ durch drücken (kreuzzüge, inquisition, …)
Antwort:wenn ich als gläubiger ein gottgefälliges leben führe,
so tut mir das gut!
Auch hier ist die Frage viel zu unpräzise gestellt, weil sie eine Reihe von Annahmen voraussetzt, denen der Antwortende nicht unbedingt zustimmen muss. Um aber eine genaue Antwort zu geben müsste er erst einmal eine Konkretisierung Deiner Frage fordern.
Was ist z.B. für Dich Blasphemie, bzw. wo beginnt diese für Dich?
Vielleicht ist Blasphemie für Dich schon der dahin gesagte Ausdruck „Verdammt, wo habe ich jetzt meine Brieftasche!“, während für den Antwortenden die Blasphemie erst beginnt, wenn man eine Jesus-Statue verbrennt.
Außerdem wird in der Frage impliziert, dass es bei Kreuzzügen, Inquisition etc. den kirchlichen Würdenträgern um die Durchsetzung egoistischer (bzw. weltlicher) Ziele ging. Das kann man wiederum anders sehen, denn wahrscheinlich waren viele kirchliche Würdenträger die an Inquisitionen mitwirkten durchaus von deren Rechtmäßigkeit überzeugt.
So könnte man noch weitere Punkte in der scheinbar präzisen Frage finden, die hinterfragt werden müssten.
Eigentlich hätte also der Antwortende sagen müssen:
„Wie meinst Du das…? Warum nimmst Du an das…? etc.“
Dass er allerdings eher eine rechtfertigende Antwort für den Glauben an sich gibt, zeigt noch einen weiteren Aspekt von Sprache. Sprache ist nur sehr selten ein reiner Austausch von Informationen, sondern in der Regel spielen auch Kontext, Gefühle, Meinungen etc. eine Rolle.
Offensichtlich empfand der Antwortende die (provozierend) gestellte Frage weniger als ernst gemeinten Informationsbedarf, sondern vielmehr als eine Art rhetorische Frage mit dem Ziel den Glauben als solchen zu diffamieren. Je nach Kontext (Gestik, zuvor getätigte Aussagen, etc.) kann die Antwort daher durchaus angemessen (i.S.v. präzise) gewesen sein.
Gerade bei Fragen, die im Kern schon Annahmen als gegeben voraussetzen, denen der Antwortende nicht zustimmt, kann man solche „emotionalen“ Antworten immer wieder beobachten, weil der Antwortende stärker die Art der Frage als deren Informationsgehalt bewertet.
Also um Deine Frage zu beantworten:
Selten sind subjektiv präzise Fragen wirklich objektiv präzise, so dass auch die Antwort z.B. aus Sicht des Antwortenden präzise sein kann, aber aus Sicht des Fragenden unpräzise erscheint.
Außerdem ist Sprache eigentlich nie ein reiner Austausch von Informationen (wir sind ja keine Computer), daher sind auch Fragen und Antworten stets mit einer emotionalen Komponente eingefärbt.
Weitere Gründe, wie zu schnelles Lesen bzw. flüchtiges Zuhören, Mitteilungsbedürfnis, Unwissen, etc. würde ich als „sekundäre Störungen“ des Informationsaustausches bezeichnen und sind daher an dieser Stelle von mir nicht weiter vertieft worden.
Gruß,
Sax