Hallo ihr Lieben,
ich hab im Januar diesen Jahres jemanden kennen gelernt, der mittlerweile einer der wichtigsten Menschen meines Lebens ist. Wir hatten von Anfang an eigentlich ne sehr tiefe Sympathie füreinander. Er ist vom Leben des öfteren mal enttäuscht worden, kommt also doch eher schwer aus sich raus und redet über Probleme, aber mit der Zeit hatte ich das Gefühl, dass er soviel Vertrauen zu mir entwickelt hatte, dass er des öfteren mal kam und erzählte, was ihn bedrückte. Das war eigentlich ne sehr intensive Zeit.
So, nun verändern sich Freundschaften ja bekanntlich. Und seit einiger Zeit zeigt er mir nun irgendwie nur noch sehr wenig, dass er mich mag. Erst dachte ich, die Sympathie ist vielleicht n bisschen abgeebbt, hab ihn darauf angesprochen, er meinte nein, dem sei nicht so. Trotzdem gibt er sich recht kühl die ganze Zeit, es hat was von Alltag, falls ihr versteht was ich meine. So nach dem Motto „Du weißt doch, dass ich dich mag, also frag doch nicht ständig.“. Ich dagegen vermisse es extrem, einfach mal spontan in den Arm genommen zu werden, ohne Grund, oder einfach mal gesagt zu bekommen „hey, ich hab dich gern“. Darauf meint er, das kann er nicht. Oder will er nicht, das wurde nicht ganz klar.
Ganz allgemein ist es schwierig, mit ihm über Probleme zu reden, die ihn und mich betreffen. Er ist super darin, zuzuhören und Ratschläge zu geben in Dingen, die ihn nicht betreffen. Aber sobald man einfach mal sachlich darüber reden will, dass einem am andern etwas missfällt, fasst er das als Vorwurf auf. Das nagt an ihm, das weiß ich, und genau da sitzt im Prinzip mein Problem. Ich bin ein Mensch der Ehrlichkeit, wenn irgendwo ein Wurm drin ist, dann behebe ich den gern, indem ich das anspreche. Das geht hier aber so gut wie immer nach hinten los, und jedes mal nach so einen Gespräch denke ich mir „Du Brot, warum hastes auch angesprochen, weißt doch, dass er das nicht hinkriegt, sich nicht von Zweifeln zerfressen zu lassen“. Und trotz besserem Wissen fange ich immer wieder mal an, mit Unstimmigkeiten bei ihm anzuklopfen. Und jedes mal denk ich mir wieder „Mensch, hab doch einfach mal n bisschen mehr Geduld als eine Woche, halt dich doch einfach mal an das, was er sagt, nimm die Situation als gegeben hin und sei dir bewusst, dass er kein Problem mit dir hat und eben so ist, wie er ist.“
Ich möchte ihn nicht verändern, er sagt aber ab und zu recht sarkastisch, er sei gut darin, Leute zu vergraulen, also im Grunde hat er diese Situation auch schon x-mal erlebt, nur hat die jeweilige Person dann gleich das Handtuch geworfen und die Freundschaft abgebrochen. Dazu ist er mir viel zu wichtig, und außerdem hatte er ja schon öfters das Vertrauen, bei mir/mit mir Dinge auszuprobieren, die er bei anderen nicht gemacht hätte, einfach in dem Wissen, dass ich nicht gleich verärgert bin und davon renne. Ich bin auch jetzt nicht verärgert, ich bin einfach nur traurig. Und ich weiß, dass es überhaupt nichts bringt, ihn jetzt unter Druck zu setzen und Forderungen aufzustellen, à la „wenn du nichts änderst, wird unsere Freundschaft dran zerbrechen“. Ich war meist der auffangende Part und ich weiß, dass ich ihm seine Launen lassen muss, damit er sie vielleicht doch irgendwann etwas bessern kann, auch zum Wohle anderer Freundschaften. Er ist sich sozusagen bewusst, dass er Freunde manchmal ziemlich vor den Kopf stößt, kann in diesen Momenten aber nicht anders, weil er sich selbst Vorwürfe macht.
Wenn er da raus will, müsste er meiner Meinung nach erstmal aufhören, sofort an seiner Person zu zweifeln, wenn jemandem mal etwas missfällt an ihm. Davon läuft die Person ja nicht gleich weg. Ihm das zu sagen, fällt auf relativ fruchtlosen Boden, er weiß es im Prinzip selber, schafft aber nicht, es anzunehmen. Ich weiß, im Grunde hat er das Vertrauen zu mir, das an unserer Freundschaft zu erproben, die Zweifel einfach mal auszublenden, nur leider sind solche Versuche in letzter Zeit dann doch häufiger gescheitert. Ist ja ansich nicht schlimm, nur sind wir jetzt an einem Punkt, wo er meint, er braucht einfach mal 14 Tage Sendepause. Wir sehen uns sonst fast täglich, da mag das einige Wogen beruhigen, trotzdem hab ich das Gefühl, die Freundschaft hat schon Risse bekommen. Und ich will nicht, dass diese noch tiefer werden.
Also kurz gesagt ist das Problem, dass ich es nicht schaffe, an seine Sympathie zu mir zu glauben, ohne dass er mir das ab und zu mal spontan zeigt, und dass er es nicht schafft, bei klärenden Gesprächen die Ruhe zu behalten und darauf zu vertrauen, dass ich ihm keine Vorwürfe und Schuldgefühle machen will.
Da ich nicht verlangen kann, dass er was ändert, muss ich anfangen. Das heißt in diesem Fall, vorerst keine Probleme zwischen uns ansprechen. Es geht ja eigentlich auch nur um dieses eine, was eigentlich recht irrational ist, mich aber dennoch belastet.
Habt ihr n Tip für mich, wie ich es schaffe, in Momenten, wo ich ihn gern darauf ansprechen würde, gerade die Klappe zu halten bzw. wie ich mir selber das Selbstvertrauen geben kann, dass ich nicht an seiner Sympathie zu zweifeln brauche?
Vielen Dank fürs Zuhören.
Gruß
Yvi
