Schwierige Freundschaft

Hallo ihr Lieben,

ich hab im Januar diesen Jahres jemanden kennen gelernt, der mittlerweile einer der wichtigsten Menschen meines Lebens ist. Wir hatten von Anfang an eigentlich ne sehr tiefe Sympathie füreinander. Er ist vom Leben des öfteren mal enttäuscht worden, kommt also doch eher schwer aus sich raus und redet über Probleme, aber mit der Zeit hatte ich das Gefühl, dass er soviel Vertrauen zu mir entwickelt hatte, dass er des öfteren mal kam und erzählte, was ihn bedrückte. Das war eigentlich ne sehr intensive Zeit.

So, nun verändern sich Freundschaften ja bekanntlich. Und seit einiger Zeit zeigt er mir nun irgendwie nur noch sehr wenig, dass er mich mag. Erst dachte ich, die Sympathie ist vielleicht n bisschen abgeebbt, hab ihn darauf angesprochen, er meinte nein, dem sei nicht so. Trotzdem gibt er sich recht kühl die ganze Zeit, es hat was von Alltag, falls ihr versteht was ich meine. So nach dem Motto „Du weißt doch, dass ich dich mag, also frag doch nicht ständig.“. Ich dagegen vermisse es extrem, einfach mal spontan in den Arm genommen zu werden, ohne Grund, oder einfach mal gesagt zu bekommen „hey, ich hab dich gern“. Darauf meint er, das kann er nicht. Oder will er nicht, das wurde nicht ganz klar.

Ganz allgemein ist es schwierig, mit ihm über Probleme zu reden, die ihn und mich betreffen. Er ist super darin, zuzuhören und Ratschläge zu geben in Dingen, die ihn nicht betreffen. Aber sobald man einfach mal sachlich darüber reden will, dass einem am andern etwas missfällt, fasst er das als Vorwurf auf. Das nagt an ihm, das weiß ich, und genau da sitzt im Prinzip mein Problem. Ich bin ein Mensch der Ehrlichkeit, wenn irgendwo ein Wurm drin ist, dann behebe ich den gern, indem ich das anspreche. Das geht hier aber so gut wie immer nach hinten los, und jedes mal nach so einen Gespräch denke ich mir „Du Brot, warum hastes auch angesprochen, weißt doch, dass er das nicht hinkriegt, sich nicht von Zweifeln zerfressen zu lassen“. Und trotz besserem Wissen fange ich immer wieder mal an, mit Unstimmigkeiten bei ihm anzuklopfen. Und jedes mal denk ich mir wieder „Mensch, hab doch einfach mal n bisschen mehr Geduld als eine Woche, halt dich doch einfach mal an das, was er sagt, nimm die Situation als gegeben hin und sei dir bewusst, dass er kein Problem mit dir hat und eben so ist, wie er ist.“

Ich möchte ihn nicht verändern, er sagt aber ab und zu recht sarkastisch, er sei gut darin, Leute zu vergraulen, also im Grunde hat er diese Situation auch schon x-mal erlebt, nur hat die jeweilige Person dann gleich das Handtuch geworfen und die Freundschaft abgebrochen. Dazu ist er mir viel zu wichtig, und außerdem hatte er ja schon öfters das Vertrauen, bei mir/mit mir Dinge auszuprobieren, die er bei anderen nicht gemacht hätte, einfach in dem Wissen, dass ich nicht gleich verärgert bin und davon renne. Ich bin auch jetzt nicht verärgert, ich bin einfach nur traurig. Und ich weiß, dass es überhaupt nichts bringt, ihn jetzt unter Druck zu setzen und Forderungen aufzustellen, à la „wenn du nichts änderst, wird unsere Freundschaft dran zerbrechen“. Ich war meist der auffangende Part und ich weiß, dass ich ihm seine Launen lassen muss, damit er sie vielleicht doch irgendwann etwas bessern kann, auch zum Wohle anderer Freundschaften. Er ist sich sozusagen bewusst, dass er Freunde manchmal ziemlich vor den Kopf stößt, kann in diesen Momenten aber nicht anders, weil er sich selbst Vorwürfe macht.

Wenn er da raus will, müsste er meiner Meinung nach erstmal aufhören, sofort an seiner Person zu zweifeln, wenn jemandem mal etwas missfällt an ihm. Davon läuft die Person ja nicht gleich weg. Ihm das zu sagen, fällt auf relativ fruchtlosen Boden, er weiß es im Prinzip selber, schafft aber nicht, es anzunehmen. Ich weiß, im Grunde hat er das Vertrauen zu mir, das an unserer Freundschaft zu erproben, die Zweifel einfach mal auszublenden, nur leider sind solche Versuche in letzter Zeit dann doch häufiger gescheitert. Ist ja ansich nicht schlimm, nur sind wir jetzt an einem Punkt, wo er meint, er braucht einfach mal 14 Tage Sendepause. Wir sehen uns sonst fast täglich, da mag das einige Wogen beruhigen, trotzdem hab ich das Gefühl, die Freundschaft hat schon Risse bekommen. Und ich will nicht, dass diese noch tiefer werden.

Also kurz gesagt ist das Problem, dass ich es nicht schaffe, an seine Sympathie zu mir zu glauben, ohne dass er mir das ab und zu mal spontan zeigt, und dass er es nicht schafft, bei klärenden Gesprächen die Ruhe zu behalten und darauf zu vertrauen, dass ich ihm keine Vorwürfe und Schuldgefühle machen will.

Da ich nicht verlangen kann, dass er was ändert, muss ich anfangen. Das heißt in diesem Fall, vorerst keine Probleme zwischen uns ansprechen. Es geht ja eigentlich auch nur um dieses eine, was eigentlich recht irrational ist, mich aber dennoch belastet.

Habt ihr n Tip für mich, wie ich es schaffe, in Momenten, wo ich ihn gern darauf ansprechen würde, gerade die Klappe zu halten bzw. wie ich mir selber das Selbstvertrauen geben kann, dass ich nicht an seiner Sympathie zu zweifeln brauche?

Vielen Dank fürs Zuhören.

Gruß
Yvi

Hallo Yvi,

erstmal kurz eine Frage. Seit ihr „nur“ gut befreundet oder seit ihr ein Paar? Das kann man deinem Beitrag nicht so ganz entnehmen. Es liest sich zwar so als wenn ihr nur Freunde seit, aber unterschwellig lese ich irgendwie mehr aus deinem Text. Deswegen frage ich.

Falls ihr gut befreundet seit, möchte ich dir mit auf den Weg geben, dass es verschiedene Arten von Freundschaften gibt. Was ich damit sagen will: Du solltest akzeptieren, dass er kein Freund ist der jeden Tag Gefühlsduseleien austauscht und auf übermäßigen Körperkontakt steht. Das scheint zu seiner Persönlichkeit zu gehören. Wenn du diese Art von „Kommunikation“ brauchst, lebe sie mit anderen guten Freunden aus. In ihm hast du einen Freund, der es nicht so gerne mag. Lerne es zu akzeptieren. Dafür kannst du andere Dinge mit ihm erleben, die dir vielleicht in anderen Freundschaften fehlen. So ist jede Freundschaft anders. Du kannst nicht von einem Menschen alles bekommen.

Du schreibst zwar, dass du ihn nicht verändern willst - schreibst aber gleichzeitig, dass du mit seiner etwas kalten Art manchmal nicht klar kommst. Es ist an dir zu lernen damit umzugehen, wenn dir die Freundschaft zu ihm wichtig ist. Kann es sein, dass es dir ein wenig an Selbstvertrauen mangelt? Denn nur so kann ich mir erklären, dass es dir ein Bedürnis ist des öfteren von ihm zu hören, dass du ihm wichtig bist. Weißt du, man muss sich sowas nicht ständig sagen.

Mit deinen Zweifeln machst du so eine Freundschaft eher kaputt. Menschen, die es eh schwer haben sich gefühlsmäßig anderen mitzutueilen, setzt du damit sehr sehr unter Druck. Solche Menschen nehmen dann lieber Abstand, wenn es ihnen zu viel wird.

Werde etwas selbstbewusster und selbstsicherer, dann kannst du auch mit solch einer schwierigen Freundschaft gut umgehen - ohne dass du ständig zweifelst ob er dich mag.

Gruß

Samira

Wow, bis auf ein paar minimale Einzelheiten beschreibt das genau die Situation mit einer guten Freundin von mir, wobei ich mich dann ihr gegenüber so verhalte, wie dein Freund dir gegenüber. Ich kann nicht sagen woran es bei ihm wohl liegt, aber ich kann dir erklären wie es bei mir ist.

Meine Freundin weist mich oft auf meine Ängste und Probleme hin, und darauf dass ich etwas dagegen tun muss. Schön und gut, allerdings muss auch irgendwann genug sein. Ich bin ein Mensch der die Dinge lieber für sich selbst überdenkt, und versucht sie alleine zu bewältigen, und sich dann an andere Leute wendet, wenn (und wann) ICH es will. Wenn ich mich dann mal entschließe sie wegen etwas Persönlichem um Rat oder Hilfe zu bitten, sie mich aber in einem (für mich) unpassenden Zeitpunkt darauf anspricht, mache ich komplett dicht. Da sie das dann nicht akzeptiert, gibt es meist Streit, und sie wirft mir vor sie wäre mir nicht wichtig genug, das ich sie an meinem Leben teilhaben lasse würde. Was aber totaler Blösdsinn ist, ich bin einfach sehr emotional und situationsabhängig.

Wenn sie dann z.B weiter rumbohrt und mir evtl sogar vorwürfe macht, zieht mich das dann extrem runter. Sodass wenn ich vorher einen Aufwärtstrend in Sachen Stimmung und Problemlösung bemerkt hab, und ich kurz davor bin genug Mut angesammelt zu haben etwas anzugehen, sich das ganze wieder in wohlgefallen auflöst. Obwohl es eigentlich mein Problem und Fehler ist, nehm ich ihr das dan übel. Was natürlich falsch ist, aber ich ärgere mich dann so über mich selbst dass es nicht ausreicht es nur mir selbst übel zu nehmen. Somit sind ihre Bemühungen und Versuche zwar gut gemeint und lobenswert, gehen aber immer nach hinten los.

Mittlerweile ist es so weit dass ich mich nicht mehr mit ihr treffen möchte wenn etwas wichtiges anliegt, dass ich in Angriff nehmen möchte. Da ich eine gute Grundstimmung und angesammelten Mut dafür brauche, um es auch zu schaffen. Der kleinste selbstzweifel würde das ganze Vorhaben zunichte machen. Sie ist einer der wichtigsten Menschen für mich und ich sehe sie wirklich gerne, und vermisse es so viel Zeit wie möglich mit ihr zu verbringen, aber ich muss auch ein wenig an mich selbst denken. Sonst geht es nämlich immer so weiter, Teufelskreismäßig.

Und so ist es dann auch dass ich, wenn wir uns dann treffen, distanzierter ihr gegenüber bin als ich eigentlich möchte. Doch es kommt mir falsch vor sie erst in den Arm zu nehmen, und sie im nächsten Moment anzuschwindeln dass ich am nächsten Tag etwas geplant habe, obwohl ich eigentlich nur etwas wichtiges erledigen möchte. Aber es geht nicht anders, denn wenn ich ihr die Wahrheit sage, will sie gleich wieder über die Angelegenheit reden, hält mir vor wie wichtig es ist und was ich noch weiteres zu erledigen habe. Wie würde ich mir wünschen dass sie in solch einer Situation einfach sagen würde: „Okay, du schaffst das schon.“, dann nen blöden Witz macht und das Thema gegessen wär.

Etwas lang geworden, sorry. Aber vielleicht hilft es dir ja deinen Freund etwas zu verstehen.

Ich merke grade, dass ich etwas von dem eigentlichen Thema abgewichen bin. Jedenfalls ist es bei uns sehr ählich, sie wirft mir auch vor ich würde nicht mit Kritik klar kommen, würde das Vertrauen und die emotionale Bindung zu ihr langsam kappen. Die Sache ist dass ich sehr gut mit Kritik klar komme, allerdings möchte ich mir die Kritik anhören, sie annehmen, drüber nachdenken, eventuellen ärger darüber verfliegen lassen, und mich dann erst dazu äussern. Sie will aber sofort Ergebnisse, was mich ärgert, was sie wiederrum ärgert, was das ganz sehr aufschaukelt und alles darin endet dass wir uns streiten und Dinge sagen die nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun haben und die man garnicht so meint wie man es sagt. Sie formiert die Dinge auch oft sehr unglücklich, wie z.B: Findest du das eigentlich gut wie du…, Naja, so wie ich dich kenne machst du das eh so und so…, Du kannst ja eh nicht anders als…, Wär es vielleicht mal möglich dass du…, So wie du das machst bringt das eh nichts…, So kriegst du das eh nicht gebacken… usw. Das ärgert mich auch. Ich versuch Leute immer sehr sanft auf solche Dinge anzusprechen: Nicht dass es mich großartig stört, aber …, Glaub nich dass ich dir jetzt was böses will…, etc.

Meist ist es dann auch so, dass wenn ich denke dass das ganze vorüber ist, sie einige Minuten später wieder mit dem gleichen Thema anfängt, oder mir hinterläuft wenn ich den Raum verlasse usw. Ich weiss nicht ob du die Sachen ähnlich handhabst, allerdings sind es halt Sachen die ein Gespräch für mich sehr unerträglich machen…

Huhu!

Kann es sein, das er zuerst in dich verknallt war, und dann irgendwann festgestellt hat, das nichts läuft, und dir jetzt halt die kalte Schulter zeigt, damit du dich irgendwann wieder aus seinem Leben verabschiedest?

Viele Grüße!
Ph.

Hallo Yvi,

in Teilen Deines Postings erkenne ich eigenes Verhalten.

Es wurde bereits gemutmasst, dass er anfangs in Dich verknallt war und inzwischen Hoffnungen in diese Richtung aufgegeben bzw. als vergebens erkannt hat. Oder aber, er hat nun jemand anderes und distanziert sich von Dir, um Dir nicht unnötig weh zu tun.

Ansonsten halte ich Eure Freundschaft für nicht so ungewöhnlich: Viele Freunde und/oder Paare können besser über anderes und andere sprechen als über sich selbst. Ich halte das auch für schwierig, weil ich als gebranntes Kind schnell den Verdacht hätte, hinter Kritik steckt der Versuch, mich bzw. mein Handeln zu manipulieren.

Würde man hier fragen, wann der richtige Zeitpunkt ist, zum ersten Mal mit dem freund/der Freundin zu schlafen, wären vermutlich viele Antworten sinngemäß: Wenn die Zeit dafür reif ist bzw. wenn Du soweit bist oder sobald Du es willst. Das gilt wohl auch für andere Dinge in Beziehungen . . .

hallo

nein, definitiv nicht.

gruß
yvi

Hallo Yvi,

in Teilen Deines Postings erkenne ich eigenes Verhalten.

Es wurde bereits gemutmasst, dass er anfangs in Dich verknallt
war und inzwischen Hoffnungen in diese Richtung aufgegeben
bzw. als vergebens erkannt hat. Oder aber, er hat nun jemand
anderes und distanziert sich von Dir, um Dir nicht unnötig weh
zu tun.

nein, weder noch. ich mutmaße dahingehend nicht, ich bin mir sicher.

gruß
yvi

Hallo,

Beende es.

Gruß
Michael

Nein.

Ich dachte eigentlich, meine Frage war eindeutig gestellt. Nichts anderes steht hier zur Debatte. Danke für deinen gutgemeinten Ratschlag.

Gruß
yvi

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Yvi,

auch wenn Du es nicht hören willst, es ist trotzdem gut gemeint.

Es gibt Beziehungen, die auf einer tiefen, gegenseitigen Sympathie beruhen und trotzdem unmöglich sind. Eben weil sie extrem anstrengend sind, weil bestimmte - für den einen oder anderen wichtige - Themen ausgeblendet werden müssten, weil Verbiegungen erforderlich sind …

Meines Erachtens lebst Du ein Helfersyndrom (sorry) aus. Willst Du das wirklich? Willst Du Dich wirklich seinen(!) Regeln unterwerfen, was für Dich anstrengend ist? Glaubst Du wirklich, dass er dann für Dich das selbe zu tun bereit ist, auch wenn es für ihn anstrengend wird? Nch Deiner Erfahrung wohl eher nicht, er wird dann im unpassendsten Moment auf „Abstand“ gehen. Und das willst Du Dir antun?

Habt ihr n Tip für mich, wie ich es schaffe, in Momenten, wo
ich ihn gern darauf ansprechen würde, gerade die Klappe zu
halten bzw. wie ich mir selber das Selbstvertrauen geben kann,
dass ich nicht an seiner Sympathie zu zweifeln brauche?

Sei Du selber. Wenn es nicht reicht, dann akzeptiere, dass das eben so ist. Entweder jetzt oder in einem Jahr. Ja, das ist traurig, aber that’s life. Alles andere ist Krampf in einer echten Freundschaft und lässt mich an dem Begriff zweifeln (nebenbei, das ist auch der Grund, warum hier durchaus die Vermutung von Verliebtheit im Raume steht. Was Du hier beschreibst, ist keine reine „Freundschaft“, da geht es irgendwie emotional tiefer bei euch beiden - und es muss keine sexuelle Attraktion sein, es gibt noch mehr zwischenmenschliches zwischen Himmel und Erde).

Grüße
Jürgen

Hallo Yvi,

ich hab mich gut in deine Situation hineinversetzen können, da ich so einiges von „früher“ wiedererkannt habe. In dir und in ihm. Ein paar Gedanken dazu, wenn es gestattet ist…

ich hab im Januar diesen Jahres jemanden kennen gelernt, der
mittlerweile einer der wichtigsten Menschen meines Lebens ist.

Kannst du sagen, warum, weswegen er diesen Status innehat? Einer der wichtigsten Menschen in eines anderen Menschen Leben zu sein, ist etwas sehr hohes, großes, etwas wunderbares und schönes …

Wir hatten von Anfang an eigentlich ne sehr tiefe Sympathie
füreinander. Er ist vom Leben des öfteren mal enttäuscht
worden, kommt also doch eher schwer aus sich raus und redet
über Probleme, aber mit der Zeit hatte ich das Gefühl, dass er
soviel Vertrauen zu mir entwickelt hatte, dass er des öfteren
mal kam und erzählte, was ihn bedrückte. Das war eigentlich ne
sehr intensive Zeit.

Das kann eine Marotte von mir sein: „eigentlich“ klingt ein bisschen einschränkend und gar negierend, und ich neige immer zum Nachhaken: „und uneigentlich?“.

So, nun verändern sich Freundschaften ja bekanntlich. Und seit
einiger Zeit zeigt er mir nun irgendwie nur noch sehr wenig,
dass er mich mag. Erst dachte ich, die Sympathie ist
vielleicht n bisschen abgeebbt, hab ihn darauf angesprochen,
er meinte nein, dem sei nicht so. Trotzdem gibt er sich recht
kühl die ganze Zeit, es hat was von Alltag, falls ihr versteht
was ich meine. So nach dem Motto „Du weißt doch, dass ich dich
mag, also frag doch nicht ständig.“.

Unter dem Satz steht für mich ganz klein untendrunter „Geh´ mir nicht auf die Nerven!“ Sorry …

Es ist nicht so wichtig, was ein Mensch sagt, sondern was er letzten Endes tut.

Ich dagegen vermisse es
extrem , einfach mal spontan in den Arm genommen zu werden,
ohne Grund, oder einfach mal gesagt zu bekommen „hey, ich hab
dich gern“. Darauf meint er, das kann er nicht. Oder will er
nicht, das wurde nicht ganz klar.

Nun, es ist egal, ob er nicht will oder nicht kann. Dir fehlt es, und das zählt. Jeder Mensch braucht das, und das hat nichts mit Selbstbewusstsein zu tun.

Ganz allgemein ist es schwierig, mit ihm über Probleme zu
reden, die ihn und mich betreffen. Er ist super darin,
zuzuhören und Ratschläge zu geben in Dingen, die ihn nicht
betreffen. Aber sobald man einfach mal sachlich darüber reden
will, dass einem am andern etwas missfällt, fasst er das als
Vorwurf auf. Das nagt an ihm, das weiß ich, und genau da sitzt
im Prinzip mein Problem.

Da erkenne ich mich in ihm wieder. Über so etwas zu sprechen, es auf den Tisch zu bringen … never! Das zu lernen, hat bei mir Jahre gedauert und ich kann es noch immer nicht richtig.

Ich bin ein Mensch der Ehrlichkeit,
wenn irgendwo ein Wurm drin ist, dann behebe ich den gern,
indem ich das anspreche. Das geht hier aber so gut wie immer
nach hinten los, und jedes mal nach so einen Gespräch denke
ich mir „Du Brot, warum hastes auch angesprochen, weißt doch,
dass er das nicht hinkriegt, sich nicht von Zweifeln
zerfressen zu lassen“. Und trotz besserem Wissen fange ich
immer wieder mal an, mit Unstimmigkeiten bei ihm anzuklopfen.

Es ist ganz einfach dein Recht, zu äußern, was dich bedrückt. Dafür musst du dich nicht schimpfen, nachher.

sei dir bewusst, dass er kein Problem mit dir
hat und eben so ist, wie er ist."

Werde dir bewusst, ob du auf Dauer am ausgestreckten Arm hängend leben willst. Egal, ob das eine Freundschaft, eine Beziehung ist, welche Gefühle „im Spiel“ sind, was aus deinem Text nicht so ganz klar hevorgeht, aber auch nicht wirklich was zur Sache tut.

Ich möchte ihn nicht verändern, er sagt aber ab und zu recht
sarkastisch, er sei gut darin, Leute zu vergraulen, also im
Grunde hat er diese Situation auch schon x-mal erlebt, nur hat
die jeweilige Person dann gleich das Handtuch geworfen und die
Freundschaft abgebrochen.

Also stört sie ihn auch nach dem x-ten Mal nicht, sonst würde er versuchen, etwas daran zu ändern? Sarkasmus ist nicht so besonders hilfreich.

Ich bin auch jetzt nicht verärgert, ich
bin einfach nur traurig.

Das ist nur verständlich.

Und ich weiß, dass es überhaupt
nichts bringt, ihn jetzt unter Druck zu setzen und Forderungen
aufzustellen, à la „wenn du nichts änderst, wird unsere
Freundschaft dran zerbrechen“.

Richtig. So etwas lässt sich nicht erzwingen.

Ich war meist der auffangende
Part und ich weiß, dass ich ihm seine Launen lassen muss,
damit er sie vielleicht doch irgendwann etwas bessern kann,
auch zum Wohle anderer Freundschaften. Er ist sich sozusagen
bewusst, dass er Freunde manchmal ziemlich vor den Kopf stößt,
kann in diesen Momenten aber nicht anders, weil er sich selbst
Vorwürfe macht.

Dass du für ihn da sein willst, ihm helfen, ist ein sehr feiner Zug von dir. (Das ist so gemeint, wie es da steht!) Zumal es dir immer wieder weh tut, wenn nichts an Aufmerksamkeit zurückfließt.

Du solltest aber rausfinden, wie wichtig ihm es ist, sich zu ändern.
Die Mutter Theresa zu geben, der seelische Mülleimer zu sein, dafür solltest du dir zu schade sein. Ich weiß, ich hab leicht reden.
Wenn Gefühle da sind, wirken solche Worte wie ein Schlag in´s Genick …

Wenn er da raus will, müsste er meiner Meinung nach erstmal
aufhören, sofort an seiner Person zu zweifeln, wenn jemandem
mal etwas missfällt an ihm. Davon läuft die Person ja nicht
gleich weg.

Hm, das hab ich wiederum so´n bisschen mit ihm gemein :smile:

Ihm das zu sagen, fällt auf relativ fruchtlosen
Boden, er weiß es im Prinzip selber, schafft aber nicht, es
anzunehmen. Ich weiß, im Grunde hat er das Vertrauen zu mir,
das an unserer Freundschaft zu erproben, die Zweifel einfach
mal auszublenden, nur leider sind solche Versuche in letzter
Zeit dann doch häufiger gescheitert. Ist ja ansich nicht
schlimm, nur sind wir jetzt an einem Punkt, wo er meint, er
braucht einfach mal 14 Tage Sendepause.

Hm …

Also kurz gesagt ist das Problem, dass ich es nicht schaffe,
an seine Sympathie zu mir zu glauben,

Wir lesen nur deine Sichtweise, für ein ganzes Bild müsste man seine noch wissen. Doch:

Geglaubt wird in der Kirche, Sympathie und Zuneigung spürt man.

ohne dass er mir das ab
und zu mal spontan zeigt, und dass er es nicht schafft, bei
klärenden Gesprächen die Ruhe zu behalten und darauf zu
vertrauen, dass ich ihm keine Vorwürfe und Schuldgefühle
machen will.

Das ist ein hartes Pflaster …

Da ich nicht verlangen kann, dass er was ändert, muss ich
anfangen. Das heißt in diesem Fall, vorerst keine Probleme
zwischen uns ansprechen. Es geht ja eigentlich auch nur um
dieses eine, was eigentlich recht irrational ist, mich aber
dennoch belastet.

Das ist nicht irrational, so wie du es beschreibst.

Keine Probleme ansprechen … ist trotz allem nicht der richtige Weg. Das ist wie … einfach neue Tapete über schimmelige kleben.
Für ein paar Tage sieht es wieder schön aus, aber untendrunter blüht es weiter und nach paar Tagen ist er wieder draußen.

Habt ihr n Tip für mich, ?

Ehrlich gesagt … nein. Sorry …

Vielen Dank fürs Zuhören.

Gruß
Yvi

Gruß

M