Schwieriger Satz

Hallo allerseits,

(leider) noch eine Frage zu Hauptsätzen und Nebensätzen - ich werde es dann aber auch gut sein lassen für heute :wink:.

Er schlug ihm mit einem Hammer auf den Kopf, was ihm leid tat.

  1. Wenn ich nun frage: „Was tat ihm leid?“ dann erhalte ich als Antwort „Dass er ihm mit einem Hammer auf den Kopf schlug“. Da dieser Teilsatz sich einigermaßen erfragen lässt und nicht-eingeleitet ist, muss es ein NS sein.

  2. Wenn ich nun „Was ihm leid tat“ betrachte, dann ist der Teilsatz eingeleitet mit der Konjunktion „was“. Wenn ich den Satz mit einem Adverbial erweitere um sicher zu gehen, dass das finite Verb auch tatsächllich die Endstellung hat: „Was ihm sehr leid tat“, dann sehe ich, dass das finite Verb tatsächlich die Endstellung auch behält --> Es ist ein NS.

Beides zusammen kann jetzt aber nicht sein, eines der Sätze muss ja ein HS sein.

Vielen Dank euch und Grüße!

Philocyber

Hallo,

„Er schlug ihm mit einem Hammer auf den Kopf, was ihm leid
tat.“

  1. Wenn ich nun frage: „Was tat ihm leid?“ dann erhalte
    ich als Antwort „Dass er ihm mit einem Hammer auf den Kopf
    schlug“
    . Da dieser Teilsatz sich einigermaßen erfragen
    lässt und nicht-eingeleitet ist, muss es ein NS sein.

Meine Lehrerin hat uns in der Schule die Eselsbrücke gegeben, das was alleine stehen kann ist der HS. Das ist erst mal immer ein ganz guter Ansatz, um für sich den HS und NS zu finden. Das heißt, „Er schlug ihm mit einem Hammer auf den Kopf“ ist der HS. Außerdem steht das Verb ganz klassisch für einen HS an der zweiten Stelle.

Würde der Satz lauten: „Es tat ihm leid, daß er ihm mit einem Hammer auf den Kopf schlug.“

Dann wäre „Es tat ihm leid“ der HS. Der Teilsatz kann alleine stehen und das Verb steht an zweiter Stelle. Der Rest wäre dann NS, wird mit „daß“ eingeleitet und die Verbendstellung zeigt es ebenfalls an.
Es gibt nur einige Ausnahmen, daß im HS das Verb nicht an zweiter Stelle steht, in Fragesätzen zum Beispiel. Aber in den meisten Aussagesätzen trifft man das Verb an der zweiten Stelle an.

  1. Wenn ich nun „Was ihm leid tat“ betrachte, dann ist
    der Teilsatz eingeleitet mit der Konjunktion „was“. Wenn ich
    den Satz mit einem Adverbial erweitere um sicher zu gehen,
    dass das finite Verb auch tatsächllich die Endstellung hat:
    „Was ihm sehr leid tat“, dann sehe ich, dass das finite Verb
    tatsächlich die Endstellung auch behält --> Es ist ein NS.

Korrekt

Liebe Grüße,
Ramona

Hi nochmal,
ich bin zwar in der Terminologie nicht so firm wie du, aber meiner unmaßgeblichen Meinung nach ist dieses „was ihm Leid tat (neue Rechtschr.: groß!, geht mir gegen den Strich)“ ein Relativsatz, nur dass es kein einzelnes Bezugswort gibt.
Das wäre z. B.der Fall, wenn es hieße: „Er schlug ihm mit einem Hammer auf den Kopf, der danach heftig dröhnte.“
Dein Relativsatz bezieht sich auf das gesamte Prädikat „schlug ihm mit einem Hammer auf den Kopf“.
Ob das aber so erklärt werden kann, würde ich gern selbst noch mal von einem geübten germanisten (einer … -in)überprüft wissen. Vielleicht äußert sich ja noch jemand dazu.
Alles Gute
Sandra

Hallo Sandra, hallo Philocyber,

meiner unmaßgeblichen Meinung nach ist dieses "was ihm Leid tat … ein Relativsatz, nur dass es kein einzelnes Bezugswort gibt.

der Satz „was ihm leid tat“ wird tatsächlich nicht von einer Konjunktion eingeleitet, sondern vom Pronomen „was“. Die Grammatiker streiten sich ein bisschen, wie sie diese Konstruktionen bezeichnen sollen, aber „weiterführender Relativsatz“ ist, denke ich, immer noch eine brauchbare Bezeichnung dafür. Wie Sandra schon geschrieben hat, bezieht sich dieser Relativsatz nicht auf ein bestimmtes Substantiv, sondern auf den ganzen Satz davor – daher: weiterführend.
Siehe auch: http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Satz/Kom…

Dass dieser weiterführende Relativsatz ein Nebensatz ist und das andere dann der Hauptsatz, wurde ja bereits gesagt und anhand der Verbstellung auch erklärt.

Zur Ergänzung: Man kann nach diesem „was“ mit „Wer oder was tut ihm leid?“ fragen, da es als Pronomen die Funktion eines Subjekts oder Objekts des Nebensatzes(!) erfüllen kann, was bei einer Konjunktion nicht so wäre. Dass sich das „Pronomen“ dann nicht auf ein „Nomen“, sondern auf den ganzen vorhergehenden Satz bezieht, macht die Sache natürlich nicht einfacher, aber hat ja auch niemand behauptet :wink:

Viele Grüße
Michael

1 „Gefällt mir“

Hallo Sandra,
Ich bin zwar kein Germanist, aber dafür ein (geübter?) Linguist und ich stimme deiner Analyse zu. Entweder ist das also ein „kopfloser Relativsatz“ oder aber der relativiert über das gesamte Prädikat, wie du schon sagtest.
Dafür ein Stern. :smile:

Viele Grüße,

  • André

Dass sich das „Pronomen“
dann nicht auf ein „Nomen“, sondern auf den ganzen
vorhergehenden Satz bezieht, macht die Sache natürlich nicht
einfacher, aber hat ja auch niemand behauptet :wink:

Hallo,
Das ist eigentlich nicht schlimm, denn dass sich ein Pronomen immer auf irgendein Nomen beziehen oder dafür einstehen müsse, ist eine etwas veraltete Ansicht der Schulgrammatiker. Für „er“ und „sie“ und „welcher“ und so mag das noch funktionieren, aber schon für „ich“ und „du“ scheitert’s: denn dafür kann man keine Nomen einsetzen.

Dafür erschwert das etwas die Definition von „Pronomen“.

Gruß,

  • André

es tut mir leid: Reformen bringen großes Leid
Moin, Sandra

dieses "was ihm Leid tat (neue Rechtschr.: groß!,

Mitnichten!

geht mir gegen den Strich)"

Die Rechtschreibung entspricht Deinem Strich

_ Großschreibung :
das Leid
Freud und Leid
großes/schweres Leid tragen
jemandem/sich ein Leid antun
jemandem/sich ein Leid tun
Dir wird kein Leid geschehen.

Zusammenschreibung :
jemandem leidtun
Es tut mir leid.
Sie haben mir leidgetan.
die leidtragende Bevölkerung
die Leidtragenden
jemandem etwas zuleide oder zu Leide tun
jemandem etwas zuleid oder zu Leid tun Regel

Getrennt- und Kleinschreibung in Verbindung mit sein und werden :
es leid sein
es leid werden
jemandem leid sein
jemandem leid werden
es leid sein lassen_
http://www.canoo.net/services/Controller?dispatch=sp…

canoo ist nicht allein: http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/services/s…

Ob canoo recht hat oder Recht hat, das ist allerdings gehupft wie gesprungen:
_ Groß- oder Kleinschreibung in Verbindung mit Verben wie den folgenden :
recht haben - oder: - Recht haben
recht behalten - oder: - Recht behalten_
http://www.canoo.net/services/Controller?dispatch=sp…

Ach ja, es könnte alles so einfach sein, wenn die grammatische Legislative es sich nicht so schwer täte …

Pit

ein

Relativsatz, nur dass es kein einzelnes Bezugswort gibt.
Das wäre z. B.der Fall, wenn es hieße: „Er schlug ihm mit
einem Hammer auf den Kopf, der danach heftig dröhnte.“
Dein Relativsatz bezieht sich auf das gesamte Prädikat „schlug
ihm mit einem Hammer auf den Kopf“.
Ob das aber so erklärt werden kann, würde ich gern selbst noch
mal von einem geübten germanisten (einer … -in)überprüft
wissen. Vielleicht äußert sich ja noch jemand dazu.
Alles Gute
Sandra

Hallo Philocyber!

Er schlug ihm mit einem Hammer auf den Kopf, was ihm leid
tat.

  1. Wenn ich nun frage: „Was tat ihm leid?“ dann erhalte
    ich als Antwort „Dass er ihm mit einem Hammer auf den Kopf
    schlug“
    .

Eben, Du erhältst als Antwort: Es tat ihm leid, _ dass _ er ihn schlug.
Das „dass“ steht aber nicht in Deinem Beispielsatz.

Wenn Du wirklich einen uneingeleiteten Nebensatz hast, dann bekommst Du diesen mit der Frage auch uneingeleitet heraus:

„Alles ist vorbei, dachte sie.“ – Was dachte sie? Sie dachte, alles sei vorbei.

Netürlich kannst Du die Antwort auch so geben, dass der Nebensatz eingeleitet ist: Sie dachte, dass alles vorbei sei.
Aber in Deinem Beispiel kannst Du das nicht nur, sondern es geht gar nicht anders. Deshalb hast Du nicht den Teilsatz aus Deinem Beispiel erfragt.
Diesen kannst Du nicht erfragen. Es ist der Hauptsatz.

Liebe Grüße
Immo

P.S. Entgegen Sandras Meinung schreibt man „leidtun“ (als trennbares Verb) nach der neuen Rechtschreibung zusammen (siehe Regelwerk §34, Abs. 3 oder http://www.canoo.net/services/Controller?input=leidt…).

Dein Satz schreibt sich also: „Er schlug ihn, was ihm leidtat.“ Oder umgestellt: „Es tat ihm leid, dass er ihn schlug.“

Moin Pit!

Du hast ja Recht, ich habe das dem UP auch schon geschrieben, wollte es nun auch Sandra mitteilen, aber Du warst schneller. Sandra hat allerdings auch Recht, weil unter dem Begriff „Neue Rechtschreibung“ alles mögliche läuft, was sich die Reformer je ausgedacht haben.
Die erste und zweite Reform sahen tatsächlich „Leid tun“ vor, aber offenbar ging das selbst dem Sprachrat gegen den Strich und er entschied sich 2006 für „leidtun“.
Sandra hat also lediglich die letzte Reform der Reform verpasst, und irgendwie kann ich ihr das nicht verübeln.

Liebe Grüße
Immo

P.S. In SO-Berlin gibt es auf den gelben Wegweisern die Ausschilderung „Neue Spreebrücke“. Diese Brücke ist von 2002. Offiziell heißt sie „Wilhelm-Spindler-Brücke“. Der „Kaisersteg“ ist deutlich neuer, und trotzdem bleibt die Wilhelm-Spindler-Brücke sicher noch einige Jahre die „Neue Spreebrücke“ der Vorwegweiser.
Genauso wird für manche Menschen die Reform von 1998 (?) als „Neue Rechtschreibung“ überleben.

Nicht zum Thema, aber weil Du gerade hier bist
Du hast neulich im Dialektebrett nach der möglichen Herkunft des Worts „Mugatzen“ für Stachelbeeren im österreichischen Lungau gefragt. Der Frage bin ich irgendwann noch mal nachgegangen, wollte Dir eine Mail schreiben, und das habe ich dann vergessen.

Aber jetzt:
Es geschieht häufig, dass zwischen benachbarten Sprachen ein Austausch stattfindet. Drum habe ich mir die Bezeichnung für die Stachelbeere in Österreichs Nachbarsprachen angeschaut und bin in Slowenien (direkt neben dem Lungau) auf eine eventuelle Spur gestoßen:
Dort heißt die Frucht „Kosmulja“ http://sl.wikipedia.org/wiki/Kosmulja
Nun könnte es doch sein, dass die Lautfolge „mu“ übernommen wurde, und man hat das österreichische „gatzen“ drangehängt.
Nach einer Bedeutung von „gatzen“ habe ich nicht gesucht, vielleicht hat es gar keine bestimmte Bedeutung, aber jeder Dialektsprecher weiß, was gemeint ist.

Grüße
Pit

Hallo Immo,

JA DANKE! Habe dir (wie so oft) ein Sternchen gegeben, dafür, dass du meine Welt wieder geordnet hat…

grüße

Philocyber