Schwieriges Kind? Was ist los'? HILFE

Hallo,

Durch Erfahrung?

Durch die Erfahrung, dass es alle toll und prächtig finden,
wenn man sich aggressiv verhält? DAS wage
ich jetzt mal aufgrund meiner eigenen Erfahrungen zu
bezweifeln.

Das funktioniert genauso wie: ein Kind muss sich auf der Herdplatte verbrennen, dann langt es nie mehr dahin.
Allerdings könnte man auch, dem Kind erklären, dass das heiß ist und die Hand in die Nähe bringen, so dass es die Hitze (unangenehm) fühlt, ohne verletzt zu werden.
Das würde aber mehr Arbeit bedeuten.

Gruß
Elke

Hi Andrea,
nimm das Folgende bitte nicht persönlich, Deine positiven
Erfahrungen möchte ich Dir nicht absprechen. Ich möchte nur
meine ziemlich gegensätzliche Meinung hier anbringen.

Hi Kernig,
kein Problem, dafür halten wir uns schließlich in einem Diskussionsforum auf.

Wie wäre es denn mit elterlicher Erziehungsarbeit statt
Therapie? Nicht die Verantwortung an andere abgeben, das Kind
als „krank und behandlungsbedürftig“ hinstellen, sondern das
unerwünschte Verhalten durch Erziehungsmethoden abstellen.

Erziehungsverantwortung auszulagern halte ich, na klar, auch für das Mittel, zu dem man greifen sollte,
wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft wurden. Mein Vorschlag begründet sich wie folgt:
Ein guter Ergotherapeut untersucht das Kind umfassend auf kognitive, sensorische, physische und
psychische Auffälligkeiten hin und kann basierend auf seinen Ergebnissen Empfehlungen aussprechen,
wie in der Erziehung weiter vorgegangen werden kann. Das könnte dann beispielsweise auch TripleP
oder eine Erziehungsberatung sein. Die Kritik, dass ein Kind dann gleich als „krank und
behandlungsbedürftig“ abgestempelt wird, kann ich so nicht stehen lassen, denn man läßt i. d. R. sein
Kind ja auch in den üblichen Abständen von einem Kinderarzt auf rein organische Beschwerden hin
untersuchen ohne es gleich in die „kranke“ Ecke zu stellen.

Im übrigen kenne ich TripleP aus meiner ursprünglichen beruflichen Laufbahn und halte das Konzept für
stimmig und sinnvoll für gesunde Kinder, deren Eltern mit ihrem Verhalten das eigentliche Problem
darstellen. Das gilt es aber in dem von Tamara beschriebenen Fall erstmal abzuklären.

Ich hatte Ähnliches mit meinem Sohn im Sinn, weil er recht
zappelig ist und ich ihm den Eintritt in die Schule
erleichtern wollte. Unser Hausarzt hat mich im Gespräch davon
überzeugt, dass eine Ergotherapie keine langfristige Lösung
wäre. Sie macht die Kinder zu Patienten, sie fühlen sich nicht
mehr verantwortlich für ihr Tun, ähnliches gilt für die
Eltern. Unsere Geschichte ging so weiter: Er wurde (ohne
Ergotherapie) eingeschult, zappelt laut Lehrerin immer noch
auffällig viel herum, sie hat aber mit ihm zusammen schon in
der 1. Klasse eine Verbesserung erreicht, durch ganz normale
Erziehungsmaßnahmen, hin und wieder tritt es phasenweise auf
und wird dann in der Situation unterbunden. Er lernt Stück für
Stück sich in der Klasse so aufzuführen, dass er die anderen
nicht nervt. Und das hat er dann selbst aktiv erreicht. (Siehe
auch „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“, dort habe ich
Jahre später die Meinung des Kinderarztes (inzwischen ist sie
auch meine) wiedergefunden.)

Ja, das Buch fasst längst Bekanntes recht eingängig zusammen. Für mich war es einfach die Bestätigung
dessen, was ich und wahrscheinlich viele andere auch schon geahnt hatten.
Etwas off topic, aber dem geneigten Leser möchte ich auch empfehlen:
„Was Familien trägt - Werte in Erziehung und Partnerschaft“ von Jesper Juul
und
„Smart Love - Erziehen mit Herz und Verstand“ von Martha und William Pieper

Schönen Abend noch!

1 „Gefällt mir“

Hallo,

mit Erfahrung meine ich eine Seite der Erfahrung, die bitterste. 3 Arten von Erfahrungen, gibt es zu sammeln:

  1. Die einfachste: Durch Nachahmen.
  2. Durch nachdenken, die edelste Erfahrung.
  3. Die eigene, die Bitterste.

Es kann gut sein, daß dieses „agressive“ Kind mal an ein anderes agressives Kind kommt, daß es einfach „umhaut“. Dann kann sich die Agressivität legen. Das meinte ich mit Erfahrung.

Gruß

Hallo,

ich kenne aus aus meinem Bekanntenkreis eine Frau die absolut inkonsequent mütterlicherseits erzogen worden ist und Sie hat eine Abneigung gegenüber Agression, deshalb meine Frage.
Was ist eine konsequente Erziehung? Hast Du ein Beispiel dafür?

Gruß

Hallo,

ich kenne aus aus meinem Bekanntenkreis eine Frau die absolut
inkonsequent mütterlicherseits erzogen worden ist und Sie hat
eine Abneigung gegenüber Agression, deshalb meine Frage.

Nun ja, Menschen sind unterschiedlich und reagieren auch unterschiedlich. Und monokausal sollte man solche Dinge auch nicht sehen. D.h. wie sich ein Mensch entwickelt hängt von der Kombination vieler Dinge ab. Aber dass Aggressionen offenbar nicht ganz selten mit inkonsequenter Erziehung und fehlenden Grenzen zun tun hat, ist offenbar nicht ganz von der Hand zu weisen.

Was ist eine konsequente Erziehung? Hast Du ein Beispiel
dafür?

Konsequenz heißt für mich deutliche - vernünftige - Grenzen zu setzen und grundsätzliche Regeln aufzustellen, und diese auch durchzusetzen. D.h. wenn es Essen gibt, dann sitzt man am Tisch, bis der letzte fertig gegessen hat, und es wird nicht akzeptiert, wenn ein Kind früher aufsteht (Ausnahme natürlich sachliche Gründe). Wird trotzdem früher aufgestanden, wird dies nicht einfach ignoriert, sondern angesprochen, und dann auch durchgesetzt, dass die aufgestellte Regel eingehalten wird.

Wenn Sohnemann gerade mal wieder Spaß daran hat die Wände mit Spielzeug zu bearbeiten gibt es sofort eine deutliche Ansage (1). Wird nicht reagiert gibt es einer weitere Ansage mit Hinweis auf Konsequenzen (2) und bei (3) wird die dann auch durchgezogen (Spielzeug wird weggenommen und auch nicht im Zusammenhang mit diesem Ereignis wieder zurück gegeben). Inzwischen reicht es oft aus einfach nur zu zählen :wink:

Besagte Mutter von zwei Kindern war das genaue Gegenteil. Horrorszene: Wir trafen uns bei einer Freundin, die ein Lokal bewirtschaftete im Lokal. Die Kinder sagten nicht mal „Hallo“, sofort ging es über Tisch und Bänke, enormer Lärmpegel (wir hatten uns zum Lernen verabredet), es kam zu ersten Sachschäden. Mehr als ein „lass das doch bitte sein“ kam von der Mutter nicht. Kein Wunder, dass sich die Monster darauf ein Ei pellten. Wir mussten schließlich die Sache abbrechen.

Sohnemann anderer besagter Mutter schlug ständig nach einer Freundin, ohne dass die Mutter reagierte. Freundin griff zur Selbshilfe und drohte selbst Konsequenzen an, und schlug bei 3 wie angekündigt zurück (nicht im Sinne von Schlagen zum Verletzen, sondern nur um zu zeigen dass dies weh tut). Konsternierter Blick, und das Thema war erledigt. Nur die Mutter machte Alarm.

Und dies ist ein zweiter wichtiger Punkt: Kinder müssen die Konsequenzen ihres Handelns selbst tragen, und Eltern sollten sie nicht grundsätzlich in Schutz nehmen und unhinterfragt „zum Wohle“ des Nachwuchses tätig werden. Denn sonst verpufft natürlich der Effekt jeglicher Konsequenz. Wenn Eltern jede Strafarbeit in der Schule gleich vor Gericht bringen, jede schlechte Note als persönlichen Angriff ansehen, und sich gar nicht vorstellen können, dass die vielleicht auch berechtigt sein könnte, dann lernen Kinder nie für sich selbst und ihr Handeln Verantwortung zu übernehmen.

Gruß vom Wiz

4 „Gefällt mir“

Ergänzungen
Morgen nochmal.

Das mit Arzt und Patient ist ein wenig schwierig, nach meiner Erfahrung. Als es um die Einschulung ging, hat nach einem Umzug eine Ärztin aus dem Gesundheitsamt die Untersuchung gemacht. Sie hat 3 oder 4 gravierende „Mängel“ an unserem Kind festgestellt und uns unbedingt diverse Therapien empfohlen.

  • Mangelnde Mundspannung und schlechte Aussprache - ihm fehlten die oberen 2 Schneidezähne ->Logopädie
  • Stifthaltung, zu festes Aufdrücken, irgendwas an der Koordination
  • Das Männchen, das er zeichnen sollte, hat ihr auch nicht gefallen (zu wenig Details). Der 2.Arzt fragte ihn dazu nur: „Malst Du lieber etwas anderes“ Worauf unser Kind erleichtert nickte und einen superdetaillierten Dinosaurier malte.

Wir sind also brav zu Kinderarzt, mit der Erwartung, dass dieses bestätigt wird. Wie schon geschildert, war dies nicht der Fall. Er geht in die 2. Klasse und macht sich gut, trotz der nicht behandelten „Störungen“. Vielleicht einfach Glück? Aber das ist der Hintergrund für meine Zweifel an der Massen-Ergotherapierung an Kindern, wie sie derzeit praktiziert wird.

Ein weiteres Argument des Kinderarztes war: Ist das Kind erst einmal bei einem Ergotherapeuten, wird dieser -wegen der genauen Beobachtungsmöglichkeit- noch viele weitere Störungen finden, die Sache würde sich also verschlimmern. Mir klang das logisch, überprüft haben wir das natürlich nicht.

i. d. R. sein
Kind ja auch in den üblichen Abständen von einem Kinderarzt
auf rein organische Beschwerden hin
untersuchen ohne es gleich in die „kranke“ Ecke zu stellen.

Man geht ja ohne Problemschilderung zur Vorsorge, der Arzt kann also ohne „Therapieerwartung“ das Kind untersuchen.

Ich möchte hier keineswegs der Ergotherapie grundsätzlich Böses unterstellen. Mir sind auch Fälle bekannt, in denen sie Gutes bewirkt hat. Ich plädiere nur dafür, sie nicht als bequemen Ausweg zu sehen.

Aber da waren wir uns ja durchaus grundlegend einig

Schöne Grüße
kernig

1 „Gefällt mir“

Hi!

Eigentlich wollte ich mich hier raushalten, ABER hier kommen jene 3 Punkte, die bei meinem Kind absolut NIX geholfen haben - er war zwar auch aggressiv, aber zum Glück nicht in dieser heftigen Form:

Was man aber sofort machen kann, zumindest versuchen, auch
wenn das Nerven kostet: das Prinzip der „positiven
Konditionierung“, also:

  • sobald er erwünschtes Verhalten zeigt, dafür loben und
    Aufmerksamkeit geben

Das geht ja noch, aber jetzt:

  • wenn er unerwünschtes Verhalten zeigt, so weit möglich
    ignorieren
  • wenn es nicht mehr ignorierbar ist, die Situation verlassen

Genau DAS hat uns die Sozialpädagogin (sic!) ebenfalls gesagt - Ergebnis?

  1. ein verwüstetes Kinderzimmer (Möbel waren Schrott!)
  2. ein kaputtes Fenster (4-fachverglasung da Flughafennähe - DAS muß mal geschafft werden!)
  3. 3 Kinder in ambulanter Behandlung

So, und nun viel Spaß mit den Eltern von Punkt 3), wie Du ihnen Deine letzten beiden Punkte erklärst!

Grüße,
Tomh

PS: Ein einziger Besuch beim Kinderpsychologen hat dann wahre Wunder bewirkt.

1 „Gefällt mir“

Hi!

(Wie schon unten erwähnt:smile:

Schau Dich mal nach einem Kinderpsychologen um - Kinderarzt würde ich selber hier mal eher außer Betracht lassen;

Oft ist die Ursache für _abnormales_ Verhalten schneller gefunden, als ein Tobsuchtsanfall dauern kann … glaub mir, ich weiß, wovon ich rede …

Grüße,
Tomh

HI Tom
DAnke für deine Antwort, du hast es echt ins schwarze getroffen.

  • sobald er erwünschtes Verhalten zeigt, dafür loben und
    Aufmerksamkeit geben

Das geht ja noch, aber jetzt:
ok

  • wenn er unerwünschtes Verhalten zeigt, so weit möglich
    ignorieren
  • wenn es nicht mehr ignorierbar ist, die Situation verlassen

Genau DAS hat uns die Sozialpädagogin (sic!) ebenfalls gesagt

  • Ergebnis?
  1. ein verwüstetes Kinderzimmer (Möbel waren Schrott!)

Auch schon erlebt

  1. ein kaputtes Fenster (4-fachverglasung da Flughafennähe -
    DAS muß mal geschafft werden!)

NOCH nicht

  1. 3 Kinder in ambulanter Behandlung

Da liegt genau mein Persönliches Problem an der Sache.
Ich halte mich aus Streitereien der Kinder meisst raus, ich finde es recht gesund wenn gestritten wird.
Aber sobald es um Beissen, kratzen, etccc geht, da werde ich sowas von sauer!!!

Ich lasse meinem Kind nicht den Schädel einschlagen, genausowenig wie ich es von meinem Sohn auch nicht machen lassen würde.

UND WIR REDEN HIER NICHT VON LEICHTEN SCHUBSERN ODER MAL EIN PAAR HAARE AUSZIEHEN.

Darf ich fragen was der Kinderps. raugefunden hat??

So, und nun viel Spaß mit den Eltern von Punkt 3), wie Du
ihnen Deine letzten beiden Punkte erklärst!

Grüße,
Tomh

PS: Ein einziger Besuch beim Kinderpsychologen hat dann wahre
Wunder bewirkt.

Hi!

UND WIR REDEN HIER NICHT VON LEICHTEN SCHUBSERN ODER MAL EIN
PAAR HAARE AUSZIEHEN.

Glücklicherweise waren es _nur_ ambulante Behandlungen - also weder Brüche noch ähnliches (eines der Kinder war mein Sohn, als er sich etwas überschätzte) - leider arteten die Streitereien aus, sodaß unser Eingreifen (und das der anderen Eltern) zu spät erfolgte … glücklicherweise war die „Gegenseite“ nicht nachtragend …

Darf ich fragen was der Kinderps. raugefunden hat??

Das Gutachten:
Dass es sein könnte, das er (hoch)begabt ist/wäre und seiner Zeit ca. 2 Jahre voraus war - geistig und teilweise körperlich, allerdings nicht in seinem Sozialverhalten, das darunter gelitten hat (er forderte Sachen von sich und den anderen, die in ihrem Alter ganz einfach noch nicht machbar waren und ließ dann seinen Ärger freien Lauf)

Unsere Reaktion:
Also suchten wir einen entsprechenden Kindergarten und wir fanden ihn auch - glaubten wir zumindest, denn all die Versprechungen und Ankündigungen stellten sich als nicht einmal die halbe Wahrheit heraus … Besserung stellten wir immer nur fest, wenn er einige Tage NICHT in den Kindergarten ging und wir die Vorschläge des Psychologen (ihn zu FORDERN) umsetzen konnten - 1,2 Tage Kindergarten und alles war wieder weg …

Die Fortsetzung:
Nun haben wir ihn ein Jahr früher zur Schule geschickt und dazu noch in eine Mehrstufenklasse mit Monetessori-Schwerpunkten - er ist zwar noch immer kein Goldkind, aber im Vergleich zu früher nicht wiederzuerkennen … und das er sich noch immer jeden Tag auf die Schule freut, scheint ein gutes Zeichen zu sein …

Grüße,
Tomh