Hi Julia,
da muss ich doch auch mal nen Kommentar zu abgeben, nachdem ich die meisten postings gelesen habe.
Erstens sind MINDESTENS 10% der Bevoelkerung homosexuell. Es ist nicht ‚normal‘, im Sinne von der Norm entsprechend, weil eben fast 90% heterosexuell sind. Aber es ist auch nicht abnormaler als, wie ich zB, Linkshaender zu sein, was auch nicht der ‚Norm‘ entspricht.
Es ist nicht abartig, oder entartet, oder sonstwas. Und vor allem, keiner WAEHLT, schwul zu sein, sondern wird so geboren. Es ist also VOELLIG normal, in dem Sinn das es in der Natur immer eine Anzahl von Ausnahmen gibt.
Die genauen ‚Ursachen‘ der Homosexualitaet sind immer noch nicht 100% bekannt, ausser, dass man stark annimmt, dass es am Hypothalamus, der bei Schwulen kleiner ist, liegt.
Ich finde es zwar schrecklich, dass Homosexuelle immer noch nicht von der Gesellschaft voll aktzeptiert werden (und da helfen auch keine Gesetzte, die die Homosexualitaet legalisieren). Aber Linkshaender zu sein war vor ein paar Generationen auch noch verpoent. Alles, was ‚anders‘ ist, wird im allgemeinen verpoent.
Und Menschen mit ‚mental illnesses‘, sei es Schizophrenie, Depression, ADD, … sind auch immer noch mit einem Stigma behaftet, obwohl sie fuer ihr Leiden genauso wenig koennen, sondern damit auf die Welt gekommen sind. Anderssein ist einfach unakzeptabel.
Aber was ich eigentlich sagen wollte:
Im Allgemeinen gibt es sehr viel mehr Maenner als Frauen, die die Vorstellung von einer homosexuellen Beziehung eklig finden. Nicht nur ‚falsch‘, ‚unakzeptabel‘, sondern EKLIG.
Und ich bin mir voellig sicher, dass das damit was zu tun hat, dass wir Frauen ja eh von nem Mann vergewaltigt werden koennen (und der Mann denkt, na, dazu ist das weibliche Geschlechtsorgan ja auch da). Wenn ein Mann sich aber vorstellt, dass IHN jemand vergewaltigt, ist das ne voellig andere Sache.
Die meisten Leute, die ich kenne, haben zwar nichts gegen Schwule. Aber ich hab auch schon oft genug mit Leuten, Maennern, geredet, die das eben ‚eklig‘ fanden, und wenn man ein bisschen nachbohrt, ist das eigentlich immer das, was ihnen Probleme macht.
Ich haette keine Probleme, ne Frau zu kuessen. Hab’s zwar nicht vor, aber ich wuerde SEHR viel lieber von einer netten, attraktiven Frau gekuesst werden, als von nem total ekligen Mann!!
Andere Leute behaupten, dass, wenn wir in einer anderen Kultur leben wuerden (zB eben das alte Griechenland), dh, anders sozialisiert worden waeren, wir alle bisexuell waeren - dh, unseren Partner danach waehlen wuerden, dass er/sie uns gefaellt, und nicht, dass er/sie ein bestimmtes Geschlecht hat. Das kann ich mir eigentlich recht gut vorstellen, selbst bei den Maennern, die total ‚homophobic‘ (sorry, don’t know the German term) sind.
Was jemand von Kirche & Familie geschrieben hat, stimmt nicht so ganz, bzw es ist noch ‚schlimmer‘, da die Kirche, vor allem die katholische, denkt, ‚sex is for procreation‘. And two people of the same gender can’t procreate. Therefore they shouldn’t have sex.
Und obwohl die kirchliche Einstellung im Leben der meisten Menschen heute nicht mehr so wichtig ist, oder nicht mehr so ernstgenommen wird, traegt diese Einstellung bis heute dazu bei, Homosexuelle zu als ‚abartig‘ etc zu verurteilen.
Ich lebe uebrigens in Irland, einem natuerlich erzkatholischen Land, wo es sehr, sehr lange dauerte (bis vor kurzem, um genau zu sein), bis Homosexualitaet ueberhaupt legalisiert wurde.
Seltsamerweise gibt es hier in diesem Land eine unglaublich hohe Anzahl von Maennern, die als Kinder oder Jugendliche entweder von Erwachsenen (Priestern und anderen Erziehern in Institutionen, Nachbarn, Familienmitgliedern), oder von aelteren Jugendlichen vergewaltigt wurden. Womit nicht gesagt sein soll, dass irgendeiner der Vergewaltiger schwul war - im Gegenteil. Die Erwachsenen waren paedophiles, die juengeren mussten sich einfach an irgendwem auslassen - und das war halt jemand schwaecheres.
Man kann es sich kaum vorstellen. Ich will die Iren jetzt hier nicht schlecht darstellen, aber die irische Psyche ist schon anders. Hat auch sehr viel mit Repression zu tun (der katholischen Kirche, die erst in den letzten Jahren, vor allem, als viele dieser Skandale aufgeflogen sind, ihre Macht verloren hat).
Warum erzaehl ich Dir das? Weil man in dem Zusammenhang sogar verstehen kann, wo eben der Ekel, und die Vorstellung von der Vergewaltigung, herkommt. Schade, dass diese Menschen nicht aktzeptieren koennen, dass schwule Maenner sie nun gar nicht anfassen wuerden. Aber es ist halt so, und ich glaube so ‚tolerant‘ zu sein, dass ich bei JEDER Ungerechtigkeit, sei es Rassismus, Homophobia or whatever, doch nach Gruenden suche, warum die Leute solche Vorurteile besitzen. Auch wenn sie diese zu Unrecht besitzen, muss man erstmal die Gruende dafuer finden, bevor man die Vorurteile abbauen kann.
Einen lieben Gruss aus Dublin,
Isabel
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]