Schwulenhass bei Jugendlichen

Hallo

Ist es normal (im Sinne von ‚gesund‘), wenn ein 17-jähriger Jugendlicher eine ausgesprochene Abneigung nicht nur gegen Schwule, sondern auch allgemein gegen Bilder von nackten Männern hat, auch wenn das ganz normale Fotos ohne jeden erotische Anspruch sind?

Oder ist das ein Zeichen für Probleme mit sich selbst, mit dem eigenen Geschlecht?

Oder kann es beides sein?

Viele Grüße

Hi!

Ist es normal (im Sinne von ‚gesund‘), wenn ein 17-jähriger
Jugendlicher eine ausgesprochene Abneigung nicht nur gegen
Schwule, sondern auch allgemein gegen Bilder von nackten
Männern hat, auch wenn das ganz normale Fotos ohne jeden
erotische Anspruch sind?

Oder ist das ein Zeichen für Probleme mit sich selbst, mit dem
eigenen Geschlecht?

In diesem Alter sehe ich das häufig, dass Abneigungen gegen bestimmt Gesellschaftsgruppen gebildet und auch offen geäußert werden. In meinen Klassen geht das häufig soweit, dass daraus auch Mobbing entstehen kann.

Meiner Meinung nach hat das vielfältige Gründe:

  • In diesem Alter findet Identitätssuche, -findung, -bildung statt. Die Teenies versuchen herauszufinden, was sie gut finden und was nicht. Dazu gehören Neigungen und Abneigungen. Möglicherweise halten sie es für wichtig, sich gegen bestimmte Dinge deutlich abzugrenzen.
    Manchmal nur der Abgrenzung wegen, um sich überhaupt irgendwo zu positionieren oder einer Gruppe anzugehören.

  • Auch die sexuelle Entwicklung ist im vollen Gange. Und da Schwulsein bspw. noch nicht ganz zur Normalität gehört, wird alles, was einen in diese Nähe rücken könnte, erstmal kategorisch abgelehnt, damit nicht der Verdacht aufkommt, man könne homosexuell sein.Das Anschauenmögen nackter Männer gehört bestimmt dazu.

  • Jugendliche, die möglicherweise ein homosexuelles Interesse bei sich entdeckt haben und das noch nicht akzeptieren können oder Angst davor haben und den ganzen Prozess eines Coming outs fürchten, reagieren sicher auch heftiger auf alles, was diesen Verdacht bestätigen würde.

Oder kann es beides sein?

Ich glaube, die meisten Dinge im Leben sind „sowohl-als auch“ statt „entweder-oder“.

LiebeGrüßeChrisTine

Hi

In diesem Alter sehe ich das häufig …

Also voraussichtlich kein Grund für eine psychiatrische Behandlung? :smile:

Viele Grüße und vielen Dank!

wenn ein 17-jähriger

Jugendlicher eine ausgesprochene Abneigung nicht nur gegen
Schwule, sondern auch allgemein gegen Bilder von nackten
Männern hat, auch wenn das ganz normale Fotos ohne jeden
erotische Anspruch sind?
Oder ist das ein Zeichen für Probleme mit sich selbst, mit dem
eigenen Geschlecht?
Oder kann es beides sein?

Viele Grüße

Gutentag Simsy Mone,

es kann auch mit Rivalitäts Gedanken zu tun haben.

Und was die Antipathie gegen Schwulen angeht ist es vielleicht den, — für nicht entwickelten Menschen ganz normalen,— Ur-Hass gegen alles „Anders Sein“. Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Jugendlichen noch nicht über ein ganz entwickeltes Hirn verfügen. Dementsprechend ist dann die Reaktion.
Ähnliche Reaktionen findet man aber auch bei ältere Männer. Und die Beweggründe sind die gleiche.

Gruss: Ge-es

Moin,

Oder ist das ein Zeichen für Probleme mit sich selbst, mit dem
eigenen Geschlecht?

weniger das, als ein Problem des Alters. Flaschenpost hat ja schon eine sehr gute Antwort gegeben da kann ich nichts ergänzen. Nur eine persönliche Erfahrung beitragen.

Ich war in einer reinen Jungenschule und im Alter von sagen wir mal 14 bis 18 war einiges u.a. eben auch schwul ein absolutes Unding für uns.
Wir hatten einen Lehrer und einen Mitschüler im Verdacht es zu sein (waren es beide nicht) und das reichte, um ihnen das Leben schwer zu machen. Dafür zeigte sich, daß einige derer, die sich bei diesem Tun besonders hervortaten, sich später als schwul outeten. Was ja die Aussagen von Flaschenpost nur unterstützt.

Gandalf

Hi

Nein , ganz bestimmt nicht .
Auch ganz normale erwachsene Männer können durch das verhalten von Personen mit dieser Neigung so angekekst sein , das Sie sich auf die Seite stellen : geht mir aus dem Weg und lasst mich in Ruhe.

Eine ursprüngliche akzeptanz , bzw das egal sein , wie wer und wie immer , schlägt zu einer Abneigung um.

So beispielweose einem Speditionsfahrer passiert , der dusseligerweise am CSD durch Köln fuhr und eine Strasse passieren musste wo sich gerade der Umzug befand .
Die Polizei bat Ihn ca 45 Minuten zu warten , dann könne er durch.

Er wartete , stellte seinen Sitz auf Liegesitz und wollte etwas entspannen.
alle paar Minuten bekam er die Fahrertür aufgerissen , man solle mitkommen und feiern…
Der Fahrer wollte seine Arbeit tun , seine Arbeitszeit lief , an feiern nicht zu denken .
Wenn dieser Fahrer nichts mit dem CSD zu tun haben will , warum lässt man ihn dann nicht einfach in ruhe ?

Vorher war ihm diese Menschengattung egal , …macht was ihr wollt , aber lasst mich damit in ruhe , heute geht er in erinnerung an diese Sache hoch , wenn ein Schwuler ihm gegenüber seine Neigung zeigt.

Wenn genau diese Betroffenen nicht so viel Wind machen würden und anderen Personen , die sich noch nie grossartig darüber gedanken gemacht haben , gemäss dem Motto : Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden , leben und in ruhe gelassen werden möchten , gäbe es wohl auch weniger Abneigungen gegen Schwule .

Als weitern Punkt könnte man erwägen , das es ein Schlüsselerlebniss für diesen Jugendlichen gab und möglicherweise geekelt davon lief .

Toni

Hallo,

entschuldige - aber dein Beispiel ist einfach lächerlich.

alle paar Minuten bekam er die Fahrertür aufgerissen , man
solle mitkommen und feiern…

Das hatte doch gar nichts mit Schwulsein zu tun, sondern mit Leuten in Feierlaune ,die halt andere animieren wollen mitzumachen.
Das kann genausogut passieren, wenn man als Nicht-Feiernder in die Nähe eines Kerwe/Kerb/Kirchweih-Umzuges kommt oder bei einem Fasnachtsumzug usw.

Vorher war ihm diese Menschengattung egal , …macht was ihr
wollt , aber lasst mich damit in ruhe , heute geht er in
erinnerung an diese Sache hoch , wenn ein Schwuler ihm
gegenüber seine Neigung zeigt.

Wenn so eine kleine Irritation (die doch eigentlich als freundliche Einladung gedacht war, und eigentlich nur in der Häufung nervig war - wobei die einzelnen ja nichts dafür können, dass es schon 25 andere versucht haben, etwas Freude in das Leben des LKW-Fahrers zu bringen) einen „Hass“ oder zumindest eine Abneigung gegen Schwule auslöst, dann war das Verhältnis zu Schwulen vorher mit Sicherheit auch nicht „normal“ oder „egal“.
Selbst ein einmaliges sexuelles Angebot, selbst ein unangebrachtes sexuelles Angebot, löst doch nicht eine solche Reaktion gegen alle, die zufällig gleiche sexuelle Neigungen aus.
Nur weil mich gerade am Wochenende ein Besoffener an der Tankstelle ziemlich aggressiv angemacht hat und „mich mitnehmen“ wollte, habe ich doch nichts gegen Besoffene generell (oder gegen Hessen, der Mann sprach nämlich hessisch, oder gegen Dunkelhaarige, oder gegen Glattrasierte, oder gegen …).

Wenn genau diese Betroffenen nicht so viel Wind machen würden
und anderen Personen , die sich noch nie grossartig darüber
gedanken gemacht haben , gemäss dem Motto : Jeder soll nach
seiner Facon glücklich werden , leben und in ruhe gelassen
werden möchten , gäbe es wohl auch weniger Abneigungen gegen
Schwule .

Deshalb sollen sich alle Schwule bitte wieder in ihre Schränke begeben und nur rauskommen, wenn sie ganz sicher sind, dass „Normale“ sie ja nicht zu Gesicht kriegen.
Die Mainstreamgesellschaft macht permanent „Wind“ über ihre heterogene Einstellung, das fängt an bei Berichten über welcher Promi mit wem, über Heiratsannoncen (und alles was mit Hochzeit zu tun hat), über die gängigen Reklameklischees und was weiß ich. Und warum soll dann nicht auch mal eine Alternative zu sehen sein?

Als weitern Punkt könnte man erwägen , das es ein
Schlüsselerlebniss für diesen Jugendlichen gab und
möglicherweise geekelt davon lief .

??

Gruß
Elke

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Übers Ziel hinausschießen
Hallo,

ich habe bei den jungen Herren oft das Gefühl, dass sie nicht wissen, wann man sich „genug“ abgegrenzt hat, so dass auch der Letzte kapiert hat, dass man gaaaanz, gaaanz sicher voll und 100% hetero ist. Darum wird halt notfalls alles, was auch nur ansatzweise auf ein wie auch immer geartetes Interesse hinweisen könnte, konsequent gemieden.
Ich führe häufig mit jungen Leuten ein Rollenspiel durch, bei dem die Rollen wahllos zugeordnet werden. Da ergibt es sich gelegentlich, eine gegengeschlechtliche Rolle zugelost zu bekommen. Bei vielen ist auch da das Geschrei groß, obwohl das Spiel sehr kurz dauert und keine weitere Handlung (z.B. sich verkleiden, sich entsprechend verhalten) hat.
Je sicherer man in der eigenen Rolle wird, desto leichter kann man irgendwann auch andere Rollen einnehmen. Diese scharfe Abgrenzung ist für die meisten nur ein Durchgangsstadium.

Viele Grüße

Hi

Im grunde ist es mir persönlich egal wer morgen in der Bildzeitung steht und wer wen geheiratet hat .
Ich habe dieses Beispiel zitiert , weil es bekannt geworden ist , aber auch ich selbst habe schon die Erfahrung gemacht , mitten am helligsten Tag , mitten bei der Arbeit , das mir jemand ein Gespräch über Schwule und deren Beziehungsprobleme auf den Backen malen will.

Ich habe noch nichts der gleicehen über Karneval gehört , wer nicht feiern will , bleibt zu hause oder wird zumindest in ruhe gelassen

Auch mich interessiert das Thema Null komma Null , ich kümmere mich nicht um andere Leute und schon gar nicht um die Klatschpresse.

Ich brauche blos die Berichterstattung der Bild um das Thema Kachelmann zu lesen und das die Bild jetzt eine Anzeige am Hals hat wegen übler Nachrede usw .

Wenn sie mal in die Situation kommen , einen Artikel in der Zeitung zu lesen , wo Sie selbst dabei waren , dann denken Sie oftmals , das war gar nicht dort , von was schreiben die ?

deswegen gehe ich meinen Weg und der ist am Thema Schwul ohne beachtung , wenn ein Schwuler einen Schwulen heiraten will , von mir aus soll er das tun , von meiner Seite spricht da nichts dagegen .
Aber wenn ich tuntenhaft von der Seite angemacht werde , Hei Süsser , ich hätte heute abend etwas schönes für dich … dann bekommt diese Person unwirsch meine Meinung gegeigt .

Ich habe zufälligerweise einen schwulen Politiker gewählt , ich habe nichts gegen den , warum auch , wenn er seine Arbeit gut macht .
Ich habe seine Arbeit gewählt und nicht sein Privatleben !

Toni

Hallo,

Im grunde ist es mir persönlich egal wer morgen in der
Bildzeitung steht und wer wen geheiratet hat .

?? Ich verstehe den Zusammenhang nicht, zu meinem Posting.

Ich habe dieses Beispiel zitiert , weil es bekannt geworden
ist , aber auch ich selbst habe schon die Erfahrung gemacht ,
mitten am helligsten Tag , mitten bei der Arbeit , das mir
jemand ein Gespräch über Schwule und deren Beziehungsprobleme
auf den Backen malen will.

Das ist genau das Gleiche, wie wenn meine Kollegin mir erzählt, dass sie gestern abend mit ihrem Freund Streit hatte.
Das kann ich mir anhören oder sagen, dass es ich nicht interessiert oder dass es mir jetzt nicht passt.
Auch hier sehe ich nicht, was das damit zu tun hat, ob jemand schwul ist oder nicht.

Ich habe noch nichts der gleicehen über Karneval gehört , wer
nicht feiern will , bleibt zu hause oder wird zumindest in
ruhe gelassen

Dann fahr mal mit dem LKW oder dem PKW am Fasnachtsdienstag durch Dieburg in Hessen (um jetzt mal keine landesbekannte Fasnachtshochburg zu nennen). Da wirst du im Stau stehen, eventuell nicht weiterkommen und es werden immer wieder singende, schunkelnde Menschen in seltsamer Verkleidung an deinem Auto vorbeikommen und fragen, warum du so traurig guckst (obwohl du nur normal vor dich hingesehen hast) und dir vielleicht einen Schluck Bier oder Wein oder Schnaps anbieten und wenn du ablehnst, dich als Spielverderber oder Schlimmeres bezeichnen.
Und um bei deinem LKW-Fahrer zu bleiben: der hätte genauso gut daheimbleiben können oder den Umzug großräumig umfahren, wenn er beruflich irgendwo hin muss. Ich sehe keinen Unterschied.

Ich brauche blos die Berichterstattung der Bild um das Thema
Kachelmann zu lesen und das die Bild jetzt eine Anzeige am
Hals hat wegen übler Nachrede usw .

Wiederum frage ich mich, wo du mit dieser Aussage eine Verbindung zu meinem Posting siehst.

Wenn sie mal in die Situation kommen , einen Artikel in der
Zeitung zu lesen , wo Sie selbst dabei waren , dann denken Sie
oftmals , das war gar nicht dort , von was schreiben die ?

dito

Aber wenn ich tuntenhaft von der Seite angemacht werde , Hei
Süsser , ich hätte heute abend etwas schönes für dich … dann
bekommt diese Person unwirsch meine Meinung gegeigt .

Wo ist der Unterschied dazu, ob ein heterosexueller Mann eine Frau anmacht?
Sehe ich das richtig: als Mann gerätst du seltener in eine solche Situation wie eine Frau. Jedenfalls ,was die plumpe Anmache betrifft. Wiederum hat das nichts, aber auch gar nichts mit Schwulsein zu tun, sondern mit primitiver Anmache.

Ich habe seine Arbeit gewählt und nicht sein Privatleben !

Und was hat das, zum dritten Mal die Frage, damit zu tun, was ich in meinem Post geschrieben habe?
Du erinnerst mich an die südafrikanischen Weißen (ja ich weiß, schon wieder mein altes Thema, aber das ist nun mal Teil meiner Erfahrung), die sich so gerne als nicht-rassistisch beweisen wollten, und jeden zweiten Satz mit „ich habe ja schwarze Freunde…“ anfingen. Also ob das wirklich etwas über die eigene Einstellung gegenüber Schwarzen (oder Schwulen) aussagen würde.

Gruß
Elke

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