im Rahmen einer mehrmonatigen Mental-Ausbiltung könnte die Möglichkeit bestehen, dass mein Bruder und sein Sohn durch den Ausbilder der Scientology verfallen ist.
Ich suche jetzt nach einen Ansatz um mehr darüber in Erfahrung zu bringen. Könnt Ihr mir helfen? Mich interessieren zunächst zwei Fragen.
Wie kann ich in Erfahrung bringen ob an der Vermutung etwas dran ist?
Wenn Scientology Anhänger sehr aktiv sind (wie z.B. der Ausbilder), gibt es darüber irgendwo zugängliche Namenslisten?
Ein paar Internetadressen wären sicherlich auch hilfreich.
Hallo Torsten,
leider kann ich Dir zu Deinen beiden Fragen keine direkten Hinweise geben. Wenn Du ausreichend Englisch beherrscht, möchte ich Dir (und ggf. auch Deinem Bruder und Deinem Neffen) ein Buch empfehlen: Bare-Faced Messiah von Russell Miller.
Das Buch kann als Augenöffner für potentielle Scientologen dienen, als Argumentationshilfe für Diskussionen mit Scientologen (es vermittelt reichlich Background-Informationen) oder auch generell als eine Studie über die Entstehung einer Religion.
Der Weg in die Scientology Sekte (und in ihrer Abhängigkeit) beginnt im Allgemeinen mit 4 Schritten:
Schritt: Kontaktaufnahme und Überzeugungsarbeit
In Fußgängerzonen sprechen freundliche Scientology – Missionare (Auditoren) Passanten an. Mit fragen wie „Hast du Probleme?", „nutzt du wirklich dein wahres geistiges Potenzial?" werden die Menschen in Gespräche verwickelt. Mit pseudowissenschaftlichen Argumenten wird der Weltbestseller >Dianetik
aber man kann jetzt nicht gegen seinen eigenen Willen irgendwie „scientologisch“ manipuliert werden, oder?
Mir ist ein Job angeboten worden in einer Multimedia-Firma, über die man aber in der Stadt munkelt, dass sie mit Scientology „gemeinsame Sache“ macht - alles nur Gerüchte, aber wer weiß …
Bei einem Vorstellungsgespräch ist mir aufgefallen, dass ich bei einer Anstellung dann an firmeninternen „Trainingsmaßnahmen“ teilnehmen müsste - soll wohl, wenn ich das richtig mitbekommen habe, so eine Art „Fortbildungscharakter“ haben.
Ich hab den Job seinerzeit abgelehnt, weil ich es Besseres bekommen hatte.
WENN es denn stimmen würde, dass diese Firma mit Scientology „was am Hut hat“, könnten dann besagte „Trainingsmaßnahmen“ eine Gehirnwäsche scientologischer Art für die Mitarbeiter sein?
Angenommen, man würde teilnehmen, wie ist das dann: kann man sich selbst soweit „schützen“, dass man nicht manipuliert werden kann? Oder laufen da schon Automatismen ab?
Angenommen, man würde teilnehmen, wie ist das dann: kann man
sich selbst soweit „schützen“, dass man nicht manipuliert
werden kann? Oder laufen da schon Automatismen ab?
Entgegen aller Behauptungen, ist bis heute ist noch kein Mittel bekannt, das den freien menschlichen Willen ohne extreme Einwirkung (Folter etc.) brechen kann. Hypnose et al. funktionieren auch nur (wenn überhaupt), wenn man sich darauf einläßt.
Möglicherweise ist in mehreren Jahrzenten die forschung soweit einen Menschen durch Kontrolle der Hirnströme zu lenken, aber das ist noch ein weiter weg.
Viel gefährlicher sind die „weichen“ Methoden, die den Willen nicht brechen, sondern einen in die Irreleiten, z.B. durch Propaganda.
Entgegen aller Behauptungen, ist bis heute ist noch kein
Mittel bekannt, das den freien menschlichen Willen ohne
extreme Einwirkung (Folter etc.) brechen kann. Hypnose et al.
funktionieren auch nur (wenn überhaupt), wenn man sich darauf
einläßt.
Ach was, Anwar. Manch einer, der im Gefängnis
nicht gebrochen wurde, konnte im „Lehnsessel“
gebrochen werden. Und er merkte es nicht einmal.
Die menschliche Psyche ist ein kleiner Ball in
Händen des Fachmanns
hallo Sem,
leider nur zu wahr.
Die Psychologie ist ein wesentlich schärferes Schwert, als die Folter.
Jeder Mensch ist manipulierbar. Das kann man tagtäglich an sich selbst merken (Stichwort: Werbung).
Ist man dann auch noch auf einen Job angewiesen, dann macht man halt diese „Übungen“ mit… und merkt nicht, dass man die Grenze schon überschritten hat. Selbst wenn man sich fest vornimmt: „ich tu nur so, als würde ich da mitspielen!“
Alle Religionen arbeiten mit diesen Methoden.
Grüße
Raimund
Ach was, Anwar. Manch einer, der im Gefängnis
nicht gebrochen wurde, konnte im „Lehnsessel“
gebrochen werden. Und er merkte es nicht einmal.
Da möchte ich mal einwerfen, dass diese Leute nicht „gebrochen“ wurden, sondern sich einfach nur entwickelt haben. Wie willst Du zwischen freier Entwicklung und Zwang unterscheiden, wenn Du die Grenze so weit nach außen verlegst?
Ach was, Anwar. Manch einer, der im Gefängnis
nicht gebrochen wurde, konnte im „Lehnsessel“
gebrochen werden. Und er merkte es nicht einmal.
Da möchte ich mal einwerfen, dass diese Leute nicht
„gebrochen“ wurden, sondern sich einfach nur entwickelt haben.
Wie willst Du zwischen freier Entwicklung und Zwang
unterscheiden, wenn Du die Grenze so weit nach außen verlegst?
„Zwang“ würde ich „objektiv“ dort vermuten, wo eine
nicht von aussen objektiv zu begründende Loyalität
durch eine andere nicht objektiv zu begründende
Loyalität ersetzt wurde. Egal wie.
Diese Gefahr besteht immer, der Verstoss
gegen Wechsel der Loyalität kommt in den
obersten Geboten (Verboten) selbst so
unterschiedlicher Subkulturen wie dem
Judentum und der Waffen-SS zum Ausdruck.
Du sollst keinen anderen Gott …
Meine Ehre heisst Treue
(um einmal extreme Beispiele zu nennen).
Durch die ständige Aufweisung dieser
Regeln wehren sich benannte Strukturen
gegen die in der schwachen Psyche immer
möglichen „Entwicklungen“.
Aus der Sicht des Individuums kann es ja
nur „Entwicklungen“ geben. Die Aufrecht-
erhaltung der Ich-Konsistenz erfordert
das
Angenommen, man würde teilnehmen, wie ist das dann: kann man sich selbst soweit „schützen“, dass man nicht manipuliert werden kann? Oder laufen da schon Automatismen ab?
Das hängt von einem selbst ab. Je besser man sich selbst kennt, also sowohl die hellen, wie auch die dunklen Seiten seiner Person, desto weniger anfällig ist man dafür. Die persönliche Reife eines Menschen ist nicht vom Alter abhängig. Z.B. Man reagiert nicht mehr auf Werbung wo andere sagen, nur wenn du dieses und jenes besitzt oder tust, bist du OK.
„Zwang“ würde ich „objektiv“ dort vermuten, wo eine
nicht von aussen objektiv zu begründende Loyalität
durch eine andere nicht objektiv zu begründende
Loyalität ersetzt wurde. Egal wie.
Also ist Liebe zwang. Und Patriotismus. Und Altruismus. Seltsam.
Aus der Sicht des Individuums kann es ja
nur „Entwicklungen“ geben. Die Aufrecht-
erhaltung der Ich-Konsistenz erfordert
das
Nein, das stimmt so IMO nicht. Die Leute in Diktaturen akzeptieren ihre Situation vielleicht, sind damit aber nicht einverstanden. Sie sind eben „gebrochen“, nicht überzeugt. Auch nach Jahren werden sie sich nicht dorthin entwickeln ihren Diktator zu mögen (auch wenn sie das nach außen vermitteln). Und dieses Verhalten steht nicht im Gegensatz zur Ich-Konsistenz.
Ich bleibe dabei, man kann, aus freiem Willen, einer Sache „verfallen“. Aber es gibt keinen einfachen Schalter, der umgelegt werden muss, damit man plötzlich von einer Sache überzeugt ist. „Abhilfe“ wäre da nur durch extreme Methoden, wie in Huxleys „Brave New World“ möglich.
Zum Thema „konstante Entwicklung“ (passt zwar nicht so ganz, ist aber eine meiner Lieblingsstellen, Malory in Höchstform):
But nowadays men can not love seven night but they must have all their desires: that love may not endure by reason; for where they be soon accorded and hasty heat, soon it cooleth. Right so fareth love nowadays, soon hot soon cold: this is no stability. But the old love was not so; men and women could love together seven years, and no licours lusts were between them, and then was love, truth, and faithfulness: and lo, in like wise was used love in King Arthur’s days. Wherefore I liken love nowadays unto summer and winter; for like as the one is hot and the other cold, so fareth love nowadays; therefore all ye that be lovers call unto your remembrance the month of May, like as did Queen Guenever, for whom I make here a little mention, that while she lived she was a true lover, and therefore she had a good end.
hallo Sem,
leider nur zu wahr.
Die Psychologie ist ein wesentlich schärferes Schwert, als die
Folter.
Jeder Mensch ist manipulierbar. Das kann man tagtäglich an
sich selbst merken (Stichwort: Werbung).
Ist man dann auch noch auf einen Job angewiesen, dann macht
man halt diese „Übungen“ mit… und merkt nicht, dass man die
Grenze schon überschritten hat. Selbst wenn man sich fest
vornimmt: „ich tu nur so, als würde ich da mitspielen!“
Alle Religionen arbeiten mit diesen Methoden.
Grüße
Hallo, Raimund
Ziemliche Verallgemeinerung. Aber dennoch kann ich das Problem nachvollziehen. Muß das so bleiben? Wo liegt der Knackpunkt?
Ist es das EGO mit seinen Strategien und Taktiken gegen die allgegenwärtige Todesangst? Wenn ich über diese begrenzte Lebensspanne hinausgreifen und mein Ich in eine erweiterte Wirklichkeit hinein transzendieren kann, lernt das Ego sich zu beruhigen. Keine Angst (vor dem Tod), keine Erpreßbarkeit in diesem Leben. Auch nicht von der Werbung. Auch von keiner Religion nicht. Autoritäten sind irrelevant. Ein Job, der meine Eigenmanipulation erfordert und mich zum Narren macht, kann meiner nicht sein. Usw usw
Hast du es schon mal so gesehen Raimund?