'se hebbt' oder 'se harr' ?

„…dat he sik föhlt as een swien, dat se bi´t Afsteken nich dodkregen harr!“
Weiß jemand was über die Verbreitung von „hebbt“ und „harr“ ?
Gilt „harr“ womöglich auch in der 1. und 2. Person Plural ??

„…dat he sik föhlt as een swien, dat se bi´t Afsteken nich
dodkregen harr!“
Weiß jemand was über die Verbreitung von „hebbt“ und „harr“ ?
Gilt „harr“ womöglich auch in der 1. und 2. Person Plural ??

„Se hebbt“ heißt : Sie haben.

„Se harr“ heißt : Sie hatte. Nicht : Sie hatten.

Es müßte dann heißen : nicht dodkregen hebbt.

Eine andere, vielleicht gebräuchlichere Rede wäre :

„nicht dodkregen harrn“

Oldenburg/Ammerland???

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andere Vermutung

Es müßte dann heißen : nicht dodkregen hebbt.

„nich dodkregen hebbt“ heisst: nicht todgekriegt haben.

„nich dodkregen harrn“ heisst: nicht todgekriegt hatten.

also eine andere Vergangenheitsform.
In dem genannten zeitlichen Zusammenhang:

"…dat he sik föhlt as een swien, "
müste es also „dodkregen hebbt“ heißen oder die andere Variante:

„…dat he sik föhlt het as een swien, dat se bi`t Afsteken nich dodkregen harrn!“

Gruss
Marion (emsländisches Platt)

Allns klor…
Es handelt sich bei dem Zitat um eine (freie) Übersetzung aus dem Lateinischen (Visio Godeschalci, 1190). Anscheinend hat der Übersetzer hier einen Fehler gemacht und meinte „hebbt“ bzw. „harrn“. Meine Platt-Kenntnisse sind leider nicht so… ich hatte bei „harr“ eher an eine lokale Besonderheit gedacht.
Danke an die Leute vom Fach !
Schade übrigens, daß Platt so „out“ ist.
Stephan

Wieso out???
Bei uns wird noch sehr viel Platt gesprochen. Selbst in den Schulen geht es jetzt wieder los.

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Schade übrigens, daß Platt so „out“ ist.

Wieso out???
Bei uns wird noch sehr viel Platt gesprochen. Selbst in den
Schulen geht es jetzt wieder los.

Hallo Werner,
also hier (Vierlande / Lauenburgisches)ist es so, wie wohl meistenorts auch: Großvatter sprach hauptsprachlich noch platt. Mein Vater kann es noch, spricht aber normalerweise hochdeutsch. Mit uns Kindern wurde nie Platt gesprochen, wir verstehens halt noch, aber das ist alles. In sehr ländlichen Bereichen laüft diese Entwicklung wohl etwas verzögert ab, aber es nimmt doch stetig ab.
Wir hatten in der Schule auch eine „Einheit“ Standard-Platt, die hat aber bei mir, und ich möchte sagen: bei keinem meiner Mitschüler irgendwelche Spuren hinterlassen. Das Interesse, was ich jetzt in dieser Richtung habe, hat sich erst vor wenigen Jahren entwickelt, und ich bin damit wohl ein Einzelfall in meiner Altersklasse.
Die lokalen Eigenheiten werden auf jeden Fall verschwinden, das ist schon bedauerlich genug. Ist es nicht kurios, wenn in Neuengamme „wedder“ gesagt wird und in Kirchwerder (Nachbarort): „Weller“! Find ich toll.
Stephan

Hallo Stephan!

Wedder für Wetter? Heißt bei uns „Weer“. Dat Weer.

Als „Hochdeutscher“ platt lernen und sprechen ist sehr schwierig. Wie Du schon sagst, welches Platt lernt man, bei Unterschieden schon auf einem km.
Bei uns an den Schulen wird demnächst Platt als dritte Fremdsprache eingeführt. An der Uni in Oldenburg gibt es einen Lehrstuhl dafür. Und der Hammer, d e r Experte für saterländer Platt ist ein schwarzer US-Amerikaner.
Zum Platt lernen ist die Zunge eines „Hochdeutschen“ zu schwerfällig. Man hört bei allen gelernten Plattsprechern heraus, daß sie eigentlich hochdeutsch reden.
Jede Region hält ihr Platt für das schönste bzw originale. Wir Oldenburger natürlich auch, obwohl ich selbst das Hamburger Platt für das schönste halte.
Gruß Werner

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Hallo Werner
:
: Als „Hochdeutscher“ platt lernen und sprechen ist sehr
: schwierig. Wie Du schon sagst, welches Platt lernt man, bei
: Unterschieden schon auf einem km.

Ich finde hier liegt auch ein Problem der Plattdeutschen Literatur. Gibt es da vielleicht so eine Art
„Standard“ der sich dort durchsetzt, oder ist das „geschriebene“ Platt so vielfältig wie das
gesprochene ?

Und der Hammer, d e r Experte für
: saterländer Platt ist ein schwarzer US-Amerikaner.

Naja, es soll ja auch europäische Experten für irgendwelche Dialekte südamerikanischer
Ureinwohner geben *g*.

: Zum Platt lernen ist die Zunge eines „Hochdeutschen“ zu
: schwerfällig. Man hört bei allen gelernten Plattsprechern
: heraus, daß sie eigentlich hochdeutsch reden.

Genau so hört man meiner Meinung heraus, ob jemand, der hochdeutsch spricht, eher ein
„Platt-sprecher“ ist. Zumindest bei uns in der Gegend wird dann beispielsweise das „r“ anders
gerollt (auf der Zungenspitze, ähnlich wie im Spanischen, was mir einen großen Vorteil beim
Erlernen des Spanischen eingebracht hat).

: Jede Region hält ihr Platt für das schönste bzw originale.
: Wir Oldenburger natürlich auch, obwohl ich selbst das
: Hamburger Platt für das schönste halte.

Ich halte das ostfriesische Platt für am schönsten. Das wir nicht gesprochen, sondern gesungen :smile:

PS: müsste dieser thread nicht eigentlich unter Fremdsprachen stehen ? *g*

Gruss
Marion

Hallo Marion!

Ich finde hier liegt auch ein Problem der Plattdeutschen
Literatur. Gibt es da vielleicht so eine Art
„Standard“ der sich dort durchsetzt, oder ist das
„geschriebene“ Platt so vielfältig wie das
gesprochene ?

Ich bin da kein Experte, aber das Oldenburger Platt ist am häufigsten in Büchern und Theaterstücken zu finden. Ich denke da an August Hinrichs und Hermann Löns. Beide waren etwas rechtslastig, aber das macht der Sprache ja nichts.

Naja, es soll ja auch europäische Experten für irgendwelche
Dialekte südamerikanischer
Ureinwohner geben *g*.

Da hast Du Recht. Dieser wird aber als Experte auch im Saterland akzeptiert. Bei irgendwelchen Fragen, die Sprache betreffend, wendet man sich an ihn. Ich glaube, er ist auch der Dozent an der Uni Oldbg. Man sieht ihn auch oft im Fernsehen.

Genau so hört man meiner Meinung heraus, ob jemand, der
hochdeutsch spricht, eher ein
„Platt-sprecher“ ist. Zumindest bei uns in der Gegend wird
dann beispielsweise das „r“ anders
gerollt (auf der Zungenspitze, ähnlich wie im Spanischen,
was mir einen großen Vorteil beim
Erlernen des Spanischen eingebracht hat).

Damit bin ich immer aufgefallen, obwohl ich 35 Jahre nicht hier gewohnt habe, sondern in Hamburg oder Umgebung.(Seefahrt). Und obwohl ich kein Platt spreche, es wohl könnte. Die ganze Familie sprach/spricht Platt.

Ich halte das ostfriesische Platt für am schönsten. Das wir
nicht gesprochen, sondern gesungen :smile:

Ostfriesen proken

PS: müsste dieser thread nicht eigentlich unter Fremdsprachen
stehen ? *g*

Ja, vielleicht oder auch nicht!
Gruß Werner