Seeblockade

Hallo.

Wie hat die britische Seelblockade im 1. Weltkrieg zu Ernährungsproblemen führen können? Auf welche lebenswichtigen Nahrungsmittel war Deutschland denn aus anderen Ländern angewiesen? Getreide, Fleisch und Gemüse gab es ja aus dem Inland. Nachdem viele in der Landwirtschaft erforderliche Arbeitskräfte und Pferde im Krieg waren, war die Versorgung natürlich schlecht. Welchen Einfluß hat aber die Seeblockade darauf gehabt?

Grüße
Ostlandreiter

Auch hallo.

Wie hat die britische Seelblockade im 1. Weltkrieg zu
Ernährungsproblemen führen können? Auf welche lebenswichtigen
Nahrungsmittel war Deutschland denn aus anderen Ländern
angewiesen? Getreide, Fleisch und Gemüse gab es ja aus dem
Inland. Nachdem viele in der Landwirtschaft erforderliche
Arbeitskräfte und Pferde im Krieg waren, war die Versorgung
natürlich schlecht. Welchen Einfluß hat aber die Seeblockade
darauf gehabt?

Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Inselblockade, http://de.wikipedia.org/wiki/Blockade, http://de.wikipedia.org/wiki/1._Weltkrieg
Vielleicht war weniger die Seeblockade für die Hungertoten
verantwortlich, als mehr der Umstand, dass kaum einer da war
um die Bevölkerung ausreichend zu versorgen. So direkt kann
man das mit dem Abstand von 80-90 Jahren natürlich nicht
mehr sagen.
Ausserdem wären Schiffe mit Nahrungsmitteln vermutlich nicht
vom Erreichen des Zielhafens aufgehalten worden.

HTH
mfg M.L.

Hallo !
Die brit. Seeblockade war ausschlaggebend für die Hungersnot in Deutschland.
Im Gegensatz zum 2.Wk hatte Deutschland nicht die russischen Getreidegebiete besetzt. War also von allen Seiten blockiert. Ebenso fehlte Frankreich mit seinem Weizenanbau.

mfgConrad

Hallo !

Hier noch ein Auszug aus dem Spiegel Geschichtswerk.

Die britische Seeblockade
Entgegen den Bestimmungen des Völkerrechtes verhängte die britische Regierung im Ersten Weltkrieg eine Fernblockade gegen die deutsche Küste, um das Deutsche Reich von den Einfuhren aus Übersee abzuschneiden.
Die Seeblockade wurde in der Form einer Sperrlinie im Kanal und zwischen Norwegen und den Shetlandinseln errichtet: Am 2. November 1914 erklärte die englische Regierung die gesamte Nordsee zum Sperrgebiet und wies alle Schiffe an, kontrollierte Seewege in der Nähe der englischen Küste zu benutzen. Die Schiffe wurden von der englischen Kriegsmarine durchsucht, für Deutschland bestimmte Waren wurden beschlagnahmt. Weil Deutschland bei Milchprodukten, Kunstdünger, Kraftfutter, Baumwolle und anderen Gütern auf Einfuhren aus Übersee angewiesen war, entstand im Reich bald ein Mangel an diesen Produkten. Die Landwirtschaft konnte wegen fehlenden Kunstdüngers und mangelnden Saatguts die Vorkriegsproduktion nicht aufrechterhalten, was zu einer stetigen Verschlechterung der Versorgungslage führte. Laut Angaben des Reichsgesundheitsamtes starben im Ersten Weltkrieg etwa 750.000 Deutsche an den Folgen der Fernblockade, die erst im Januar 1919 aufgehoben wurde.

mfgConrad

Hallo !
Die brit. Seeblockade war ausschlaggebend für die Hungersnot
in Deutschland.
Im Gegensatz zum 2.Wk hatte Deutschland nicht die russischen
Getreidegebiete besetzt. War also von allen Seiten blockiert.
Ebenso fehlte Frankreich mit seinem Weizenanbau.

Sicher war es blockiert - die Frage war ja, in welchem Umfang Deutschland Nahrungsmittel aus dem Ausland brauchte.
Die nicht vorhandenen Lieferungen aus Frankreich und Rußland waren ja nicht durch die Seeblockade bedingt.
Wer hätte an Deutschland normalerweise Getreide geliefert?

beschlagnahmt. Weil Deutschland bei Milchprodukten,
Kunstdünger, Kraftfutter, Baumwolle und anderen Gütern auf
Einfuhren aus Übersee angewiesen war, entstand im Reich bald
ein Mangel an diesen Produkten.

Bei Milchprodukten, Kraftfutter und Kunstdünger?

Milch war doch sowieso nicht haltbar, und Butter und Käse aus Asien oder Südamerika?
Was Kraftfutter betrifft und Kunstdünger, kenne ich mich nicht aus, aber welches Viehfutter soll das gewesen sein, das man importieren mußte?

Für die Baumwolle ist es offensichtlich, aber die ist nicht zum Essen.

Ich kenne einen Bericht, der dem von dir zitierten sehr ähnlich ist. Leider wurde in diesem auch nicht näher darauf eingegangen.

Grüße
Ostlandreiter

Ich hab mich mit einem verwandten Thema („Deutsche Wirtschftspolitik in WWI“) für meine Magisterprüfung beschäftigt. Mal schauen, was ich noch zusammenbekommen:

Milch war doch sowieso nicht haltbar, und Butter und Käse aus
Asien oder Südamerika?

Halte ich auch für unwahrscheinlich. Und außerdem kann ich mich nicht erinnern, was in die Richtung gelesen zu haben. Ich kann mich aber dumpf erinnern, dass es schon früh Importe größerer Mengen Butter aus Irland gegeben hat, bin aber nicht zu 100% sicher.

Was Kraftfutter betrifft und Kunstdünger, kenne ich mich nicht
aus, aber welches Viehfutter soll das gewesen sein, das man
importieren mußte?

Soja wurde bereits als hochwertiges Viefutter importiert, in erster Linie handelte es sich, wenn ich mich korrekt erinnere, um Abfallprodukte aus der Sojaöl-Produktion. Ähnliches gilt auch für Rückstände anderer Ölpflanzen.

Ganz entscheidend war aber der Kunstdünger. In diesem Punkt hatte die Blockade tatsächlich den folgenschwersten Einfluss auf die deutsche Landwirtschaft. Die ausreichende Nahrungsmittelproduktion in einem relativ dich besiedelten Land mit vergleichsweise wenig Agrarfläche war (und ist) nur mit ausreichend Kustdünger möglich. Zum weitgehend unterbrochenen Import kam noch die Tatsache hinzu, dass Kunstdünger und Sprengstoff (Munition) aus den gleichen Ausgangsstoffen, die weitestgehend aus Südamerika kamen, hergestellt wurden. Und für die deutsche Regierung ging nun mal die Munitionsproduktion (Materialschlachten!) vor. Da blieb nur wenig Nitrat für Düngemittel übrig.

Allerdings sollte man die Folgen der Blockade auch nicht überbewerten. Die Unfähigkeit der Verwaltung zur vernünftigen Rohstoffbewirtschaftung sowie weitere kriegsbedingte Umstände wie mangelnde Arbeitskräfte oder die Konfiszierung von Pferden für die Armee waren mindestens genauso bedeutsam, wenn nicht sogar wichtiger.

Wer hätte an Deutschland normalerweise Getreide geliefert?

Argentinien, Brasilien, die USA.

beschlagnahmt. Weil Deutschland bei Milchprodukten,
Kunstdünger, Kraftfutter, Baumwolle und anderen Gütern auf
Einfuhren aus Übersee angewiesen war, entstand im Reich bald
ein Mangel an diesen Produkten.

Bei Milchprodukten, Kraftfutter und Kunstdünger?

Milch war doch sowieso nicht haltbar, und Butter und Käse aus
Asien oder Südamerika?Was Kraftfutter betrifft und Kunstdünger, kenne ich mich nicht
aus, aber welches Viehfutter soll das gewesen sein, das man
importieren mußte?

Milch war doch sowieso nicht haltbar, und Butter und Käse aus
Asien oder Südamerika?

Da kommt also nur noch Südamerika in Frage?

Warum nur Südamerika??

Deutschland handelte mit über 100 Überseeländern.

Deutschland hatte eigene Kolonien. Aus diesen wurden Lebensmittel eingeführt, wie z.B. Pflanzenfette für Margarine. Obst, Citrusfrüchte, Lebertran für die Gesundheit der Kinder. USW;USW;USW!!!

Das alles konnte schlagartig nicht mehr geliefert werden.

Auf Grund dieser Seeblockade lagen in den überseeischen Häfen hunderte deutscher Frachtsegler fest. Ein Durchbruch nach Deutschland war mit Seglern unmöglich. Die Seeblockade begann ja nicht erst bei Helgoland, sondern schon hinter den Ladehäfen dieser deutschen Schiffe.
Als dann die meisten Länder auf Seiten der Alliierten mit in den Krieg zogen, wurden diese Schiffe interniert. Und wurden dann, bei Beendigung des Krieges, willkommene Beute.
Im mexikanischen Hafen von Santa Rosalia lagen 12 deutsche Segler sieben Jahre fest. Von 1914 bis 1921.

Die Viermastbarken „Orotava“, „Hans“, „Egon“, „Wandsbek“, „Reinbek“, „Thielbek“, „Lasbek“, „Schürbek“, „Helwig“, „Harvestehude“, „Walküre“, „Adolf Vinnen“.

Diese Schiffe wurden dann an die Siegermächte verteilt.

Die Seeblockade eines Landes beginnt nicht an seiner Küste, sondern dort, wo sich seine Schiffe befinden. In einem neutralen Hafen sind sie sicher. Aber nach dem Auslaufen und wenn es in Japan wäre, sind sie gefährdet.

mfgConrad

Die Seeblockade eines Landes beginnt nicht an seiner Küste,
sondern dort, wo sich seine Schiffe befinden. In einem
neutralen Hafen sind sie sicher. Aber nach dem Auslaufen und
wenn es in Japan wäre, sind sie gefährdet.

Ja gut, aber das ist ja dann schon nicht mehr die englische Seeblockade.

Und warum nicht??
Zu UK gehörte damals die halbe Welt. Wenn australische Kriegsschiffe neutrale Häfen blockierten, weil dort deutsche Schiffe lagen, so war das die britische Blockade. Australien gehörte zu UK.

Und viele andere Länder mehr.

Ich begreife nicht ganz, worum es Dir eigentlich geht! Die britische Blockade Deutschlands beschränkte sich nicht auf den Raum Helgoland-Cuxhaven.
UK war damals Weltreich!

mfgConrad

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Und warum nicht??
Zu UK gehörte damals die halbe Welt. Wenn australische
Kriegsschiffe neutrale Häfen blockierten, weil dort deutsche
Schiffe lagen, so war das die britische Blockade. Australien
gehörte zu UK.

Und viele andere Länder mehr.

Ich begreife nicht ganz, worum es Dir eigentlich geht! Die
britische Blockade Deutschlands beschränkte sich nicht auf den
Raum Helgoland-Cuxhaven.
UK war damals Weltreich!

Es bezog sich darauf, daß viele Länder, etwa in Südamerika, eh nichts mehr lieferten und die Schiffe festgehalten haben.

Es bezog sich darauf, daß viele Länder, etwa in Südamerika, eh
nichts mehr lieferten und die Schiffe festgehalten haben.

Sicher, das dies auch Chile mit dem Rohstoff Salpeter betraf ?

Ciao maxet.

Es bezog sich darauf, daß viele Länder, etwa in Südamerika, eh
nichts mehr lieferten und die Schiffe festgehalten haben.

Sicher, das dies auch Chile mit dem Rohstoff Salpeter betraf ?

Ciao maxet.

ganz sicher nicht. Die USA lieferten auch noch hochwertige kriegswichtige Ware an die Deutschen. Durch die Blockade durch. Mit den deutschen Handels-U-Booten.

mfgConrad

Hallo

Weil Deutschland bei Milchprodukten,
Kunstdünger, Kraftfutter, Baumwolle und anderen Gütern auf
Einfuhren aus Übersee angewiesen war, entstand im Reich bald
ein Mangel an diesen Produkten.

Zumindest das mit dem Kunstdünger ist falsch. In deutschland wurde zu der Zeit der Kunstdünger erfunden und auch synthetisch hergestellt. tatsächlich war Deutschland vom naturdünger Guano aus Argentinien abgeschnitten. Der Grund war, dass man diesen braucht um schießpulver und Schießbaumwolle zu machen. Aber gerade in diesem Punkt haben die Briten sich verrechnet, dadurch dass Haber und Bosch die Ammoniaksynthese provitabel gemacht haben, war es Deutschland leicht möglich Nitrate zu synthetisieren. Weswegen der Krieg auch so lange dauerte. Eher ein Problem am Ende des kriges waren die ausgeleierten Kanonenrohre der Deutschen.

Viele Grüße
Martin