Hallo Margrit,
es geht um meine Schwiegermutter, der ich helfen möchte, weiß
aber nicht wie.
Sie hat seid vielen Jahren Depressionen und nimmt Tabletten
dafür, außerdem sitzt sie im Rollstuhl, sie hat kaputte
Kniegelenke und Hüfte, die sie aber nicht opperieren lassen
will.
zunächst einmal vermute ich, dass deine Schwiegermutter im Seniorenalter ist.
Seid einiger Zeit erzählt sie mir immer wieder, das ihr Mann
ständig irgendwo hin pinkelt, alles ist nass, sie muß ständig
wischen. Jetzt sind es sogar schon die Wände und das Sofa. Sie
sagt sie erwischt ihn aber nie dabei. Deshalb streiten sich
die beiden sehr viel, weil sie nur am wischen ist und am
lüften, weil es ja „stinkt“.
Kann sie denn aus dem Rollstuhl und theoretisch die Fussböden von alleine wischen? Stelle ich mir schwierig vor oder sagt sie nur, dass sie wischen muss und kann es eigentlich garnicht?
Dem ist aber nicht so, es ist
nichts nass und riecht auch nicht, das hab ich ihr schon öfter
gesagt, das es nur Schatten sind, aber dann sagt sie nur
keiner glaubt mir, alle halten mich für Verrückt.
Sie ist dann
immer total fertig. Ich möchte ihr helfen, aber ihr Arzt
(Nervenarzt)ist zur zeit im Urlaub. Was kann ich da tun?
Also von meinen Patienten, die zum größten Teil auch depressiv sind, kann ich nur mutmaßen:
Ich will jetzt deiner Schwiegermutter nichts unterstellen und kenne ihre körperliche Verfassung nicht. Ist sie noch kontinent, geht sie alleine auf die Toilette? Braucht sie viel Unterstützung bei der täglichen Körperpflege?
Wenn sie Kontinent ist, kann es sein, dass vielleicht eine beginnende
Inkiontinenz entwickelt hat und es ihr unangenehm ist?
Wie sieht es mit den kognitiven (geistlichen) Fähigkeiten aus? Neigt sie dazu viel zu vergessen oder ist sie gar zu manchen Qualitäten desorientert (Zeit, Situation, Person, Ort)?
Ist eine beginnende Demenz bekannt?
Es ist nämlich so, dass viele Menschen, die mit zunehmenden Alter immer vergesslicher werden. Das kann man auch in Phasen unterteilen. Und die beginnde Phase ist nahezu fast das, was Du hier beschrieben hast:
Die Leute merken schon, dass sie vergesslich werden und versuchen das noch zu übertuschen. Eine beliebte Methode ist, die Schuld an ihrem eigenen Versagen auf andere abzuschieben („Ich war das nicht!“ - „Guck dir mal den an, der kriegt ja garnichts mehr auf die Reihe. Unverschämtheit!“ - „Es tropft von der Decke. Dieser Nachbar, der wieder mal vergessen hat, den Wasserhahn zuzudrehen!“).
Diese Menschen wollen sich dann bestätigt und angenommen fühlen. Die Schwierigkeit hier ist, dass bei deiner Schwiegermutter noch die schwere Depression hinzukommt.
Helfen kann man insofern nie, in dem man ihnen sagt, da ist nichts. Stell dir vor, jemand würde zu dir sagen: „Es ist das Jahr 1976“ dann sagst du: „Bist du bekloppt??!! Es ist doch 2005!“ - „Nein, Margrit. Das stimmt nicht, Du musst dich da irren. Wir haben 1976, ganz sicher. Geht es Dir nicht gut?“ - „Willst Du mich für dumm verkaufen??!“ (jemand anderes): „Nein, Margrit er hat recht. Wir haben 1976“.
Was passiert? Du fühlst dich veräppelt und ärgerst Dich, weil Du mit 100prozentiger Sicherheit weißt, dass es nicht 1976 ist.
Wenn Du deiner Schwiegermutter versuchst das auszureden, dann wird sie ählich reagieren (daher hatte sie mit Dir und ihrem Mann auch streit).
Meistens stecken hinter solchen Aussagen immer ein Grund („Da ist ein Mann unter meinem Bett!“ (obwohl da niemand ist). Meistens kommt das von Frauen, die ihren Mann verloren haben. Da ist es falsch zu sagen, dass da niemand ist, sondern gezielt Fragen nach dem Mann zu stellen („War er groß/klein, Augenfarbe… etc“). Schnell merkt man, dass diese Beschreibung recht schnell auf den verstorbenen Ehemann passt (in den meisten Fällen - es können natürlich auch tatsächliche optische Halluziationen sein) und dann merkt man auch schnell, dass die Frau ihren Mann vermisst.
Wenn jemand sagt (wie schon oben beschrieben), dass alles nass ist, weil irgendjemand überall hinpinkelt, obwohl da nichts ist, dann hat das meisten den Ursprung, dass diese Menschen merken, dass sie ihren Urin nicht mehr halten können und es alleine nicht mehr auf Toilette schaffen. Das ist natürlich super peinlich und niemand mag es, darauf angesprochen zu werden oder sich das einzugestehen, dass es nicht mehr so klappt, wie vorher. Also sagen sie, es waren andere.
Diesen Menschen muss man das Gefühl vermitteln, dass das kein Weltuntergang ist und sie jederzeit die Hilfe die man ihnen anbietet annehmen können (aber sie werden das nicht annehmen).
Von daher würde ich dir in diesem Fall raten, gezielte Fragen nach dem Pinkler zu stellen („Wo hat er hingepinkelt?“ „Wann ist das bemerkt worden?“ etc). So kann man sich hindurchschlängeln und vielleicht kriegt man auch den wahren Grund heraus, was da eigentlich los ist.
Nichtsdestotrotz ist eine Vorstellung beim Arzt unabdingbar, um mögliche Hlluzinationen auszuschließen oder zu bestätigen.
Das ist jetzt alles nur eine Vermutung meinerseits aufgrund der Informationen, die Du in deinem Anfangsthread geschildert hast. Ferndiagnosen usw sind immer recht schwierig, daher könnte ich mit meinen Erklärungsversuchen auch völlig daneben liegen. Aber mit Gesprächen kann man ansich nicht soooviel falsch machen.
Gruß Margrit
gruss
levi