Seilwinden von Schleppern: mit Kraftregelung?

Moin,

möchte man bei starkem Seegang ein z.B. havariertes Schiff mit Hilfe eines Schleppers und einer Seilwinde schleppen hat man ja das Problem, dass sich der Abstand der beiden Schiffe durch den Wellengang kontinuierlich ändert. Deswegen ist ein konstant langes Seil unpraktisch weil es im Zugmaximum reißen und im Zugminimum schlaff fallen kann um sich im nächsten Moment wieder mit voller Wucht zu spannen.
Was man IMHO vermutlich eigentlich haben will ist also nicht eine konstante LÄNGE, sondern eine konstante ZUGKRAFT. So was könnte man mit Hilfe einer Regelung einer Seilwinde erreichen die immer so viel nachgibt bzw einholt wie notwendig. Also eine Kraftregelung (bzw auf die Winde bezogen eine Drehmomentregelung).

Sicher haben sich das schon andere Leute überlegt weswegen ich mich und euch frage: gibt es das schon? Wird das so tatsächlich gehandhabt? Oder gibt es das nicht weil … warum eben nicht? Was spricht dagegen?

Danke für 'ne Auflösung und VG,
J~

Scheint es schon zu geben:

https://www.dmt-winches.com/towing-winches/

Towing winches can include additional functions, depending on their utility, such as passive or active heave compensation, control systems, power units, constant tension and many more.

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Also:
Geschleppt wird ein Objekt auf hoher See mit einem extrem durchhängenden Schleppdraht. Gerne auf Distanzen von 1000 - 1500 m oder auch mehr. Der oder die Schleppdraht/drähte hängen dabei durchaus mal 100 Meter durch. Trotzdem die Maschine des Schleppers mit voller Leistung arbeitet, kommt der Schleppdraht nicht tight sobald der Anhang seine maximale Geschwindigkeit erreicht hat.
Sobald die Wellenhöhe zunimmt ändert sich die Entfernung und in geringem Maß auch die Geschwindigkeit ständig. Das federt der durchhängende Draht ab. Werden die Wellen so hoch, dass die Gefahr besteht, dass der Schleppdraht tight kommt muss die Leistung reduziert werden.
Wenn der Schleppdraht beim Schleppen auf See aus dem Wasser kommt bricht er!
Dass die Schleppdrähte beim Scheppen willentlich aus dem Wasser kommen wird nur bei einem auf Grund gelaufenen Schiff vorkommen. Da in einem solchen Fall der Anhang sich nicht der Zugrichtung mit bewegt, kann man mit dem Schlepper die Schleppleistung langsam so lange steigern bis die volle Kraft anliegt. Wenn genug Platz vorhanden ist kann der Schlepper beginnen zu schwoien; das heisst er schwingt vor dem Havaristen hin und her, dabei können dann auch über 1000 m 9 zölliger Schleppdraht aus dem Wasser kommen und wie eine Gitarrensaite singen. Die Zugkraft steigt durch das Schwoien nochmals beträchtlich an. Den physikalischen Grund dafür weiß ich aber nicht. Aber gnade Gott wenn der Schleppdraht in so einem Moment bricht; da wird kein stück Porzelan oder Glas in den Schränken mehr heile sein, das gibt einen Schlag wie von Thors Hammer auf die Verbände!
Das alles gilt für Bergungschlepper nicht für die Hafenschlepper, da kann man mit einer durchhängenden Leine nicht viel ausrichten.
Das bild zeigt einen Schlepp einer Bohrinsel (Sedco 702) vor Bahia 1976 mit 16ooo PS auf ca. 1000 m Distanz

1976 Sedco 702 im Schlepp vor Bahia 1

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1976 Sedco 702 im Schlepp vor Bahia 2
Und noch mal auch die Sedco 702 mit 2 Ankerziehschleppern zusammen ca. 24ooo PS. auf 1500 m Distanz. Fotografiert aus 28 m Höhe im Masttop.

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Danke @Hartmut_c879f0 für deine ausführliche Beschreibung der Sache und auch für die schönen Bilder! Ich nehme an, du warst selbst an Bord?
Dass die Schleppdrähte (nebenbei, ein schönes Wort für so dicke Seile :slight_smile: ) so weit durchhängen hätte ich nicht gedacht. Dann zieht also mehr oder weniger nur das Gewicht des Drahtes das Schleppgut und der Schlepper hält ihn halt in der richtigen Position? Dann braucht man meine angedachte Kraftregelung wohl eher nicht, schade :wink:

Aber warum ist es dann so schwer Havaristen bei hohem Wellengang abzuschleppen wenn der Draht sowieso nicht gespannt wird? Ich denke da aktuell an die „Eemslift Hendrika“ die gerade einige Tage antriebslos vor Norwegen trieb?

Vielen Dank noch mal und VG,
J~

Salop gesagt; Es ist nicht schwer die „Eemslift Hendrika“ abzuschleppen. Die Problematik bei diesem Fall ist, es ist schwer eine Schleppverbindung herzustellen.
Die Besatzung wurde abgeborgen. Warum die Besatzung gänzlich abgeborgen wurde wo offensichtlich ein funktionstüchtiges Freifallrettungsboot einsatzbereit ist, ist mir als ehemaliger Matrose in der Bergung schleierhaft. Das Schiff ist noch ausreichend schwimmfähig. Das Rettungsboot ist in jeder Lage zu Wasser zu bringen und Bergungsschlepper sind in dieser Region kurzfristig verfügbar. Mein Verdacht ist, dass die 9 Mann Besatzung mehr Transportbegleiter denn Seeleute sind. „Zu meiner Zeit“ wären 3 Mann an Bord geblieben und hätten bei Eintreffen der/des Schleppers die Schleppverbindung hergestellt. Selbst wenn auf dem Schiff ein totaler Ausfall der technischen Systeme vorliegen würde, kann man mit den Möglichkeiten die der Bergungsschlepper hat einen Schleppdraht übergeben. Es muss nur jemand an Bord sein der die immer dicker werdenen Leinen annimmt und wieder zum Schlepper zurück gibt.
BTW; für einen Bergungsschlepper ist ein Fall wie den der „Eemslift Hendrika“ wie ein Sechser im Lotto. Ich schätze mal die rechnen jetzt nach Tagespauschale ab und nicht nach „LOF“ :heart_eyes:

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Yapp! 9 Monate Brasilien Bohrinseln hin und her zerren, wochenlange Liegezeiten in Salvador, Natal, Recive, Rio, Cabo Frio.
Ich weiß wirklich nicht warum ich damals nicht auf einem Bohrinsel-Versorger dort angeheuert habe und geblieben bin.

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