Sein und haben

Häufig hört man folgendes:
Ich bin am Bahnhof gestanden, und wartete auf den Zug.

Das dürfte falsch sein.

Richtig wäre es ja wohl so:
Ich habe am Bahnhof gestanden, und wartete auf den Zug.
Oder:
Ich stand am Bahnhof, und wartete auf den Zug.

Warum ist das eine falsch und das andere richtig?

Welche Verben werden mit „sein“ und welche mit „haben“ konjugiert?
Ich erinnere mich, daß es da so einen Sinnspruch gibt, der das sehr schön veranschaulicht, allein ich weiß ihn nicht mehr.

Die falsche Variante ist häufig im süddeutschen Raum zu vernehmen, wenngleich sich diese Unart metastasengleich nach Norddeutschland auszubreiten scheint.

Gibt es eigentlich eine mundartliche Grammatik, die zwar zur offiziellen Grammatik falsch ist, aber in sich dann doch wieder „richtig“ ist? Sodaß also der falsche Gebrauch von „sein“ statt „haben“ aus mundartlicher Sicht durchaus richtig sein kann? Ich denke hier z.B. an eine bayerische Grammatik, oder auch an eine plattdeutsche Grammatik.

  1. Zeitengebrauch
    In Verbindung zu „sein“ und „haben“ frage ich mich auch immer, wann gebrauche ich im deutschen denn nun das Präteritum, das Perfekt und das Plusquamperfekt?

Danke schon für Eure Aufklärung!

Ich bin am Bahnhof gestanden, und wartete auf den Zug.

Ich habe am Bahnhof gestanden, und wartete auf den Zug.

Warum ist das eine falsch und das andere richtig?

Die Faustregel lautet, dass nur Verben der Bewegung mit „sein“ konjugiert werden.

In Süddeutschland und in Österreich sagt man dennoch „Ich bin gesessen“, „Ich bin gelegen“ und „Ich bin gestanden“.

http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,346…

  1. Zeitengebrauch
    In Verbindung zu „sein“ und „haben“ frage ich mich auch immer,
    wann gebrauche ich im deutschen denn nun das Präteritum, das
    Perfekt und das Plusquamperfekt?

http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Ver…
http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Ver…
http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Ver…

Gruß
Kreszenz

Servus, Kreszenz,

In Süddeutschland und in Österreich sagt man dennoch „Ich bin
gesessen“, („Ich bin gelegen“) und „Ich bin
gestanden“.

ja, ich „habe“ gesessen bedeutet bei uns, man war im Gefängnis und wir unterscheiden zwischen stehen (+sein) und gestehen (+haben). Mir jedenfalls liegt immer ein „was denn“ auf der Zunge, wenn ich höre: ich habe gestanden…*lach*

Gruß, jenny

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Hallo, Jenny,

ja, ich „habe“ gesessen bedeutet bei uns, man war im
Gefängnis und wir unterscheiden zwischen stehen (+sein) und
gestehen (+haben). Mir jedenfalls liegt immer ein „was denn“
auf der Zunge, wenn ich höre: ich habe gestanden…*lach*

das weiß auch der zitierte Zwiebelfisch :wink:

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass natürlich auch die Süddeutschen und die Österreicher „stehen“ und „sitzen“ in Verbindung mit „haben“ kennen - und zwar im übertragenen Sinne: Erst hat er gestanden (= ein Geständnis abgelegt), dann hat er gesessen (= war im Gefängnis).

Gruß
Kreszenz

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Gegen Diskriminierung des Süddeutschen!
Hallo!

Richtig wäre es ja wohl so:
Ich habe am Bahnhof gestanden, und wartete auf den Zug.

Nö, das ist falsch. Richtig wäre:

„Ich habe am Bahnhof gestanden und auf den Zug gewartet.“ (Beides findet ja gleichzeitig statt, deswegen kannst Du auch keine unterschiedlichen grammatischen Zeiten dafür verwenden).

Warum ist das eine falsch und das andere richtig?

Die falsche Variante ist häufig im süddeutschen Raum zu
vernehmen, wenngleich sich diese Unart metastasengleich nach
Norddeutschland auszubreiten scheint.

Warum ist die Variante, die in Süddeutschland verwendet wird, die „falsche“ Variante? Warum ist es eine „Unart“? Sprache ist etwas lebendiges. Richtiges Deutsch wird nicht durch den Duden definiert, sondern was im Duden steht, richtet sich nach der Deutschen Sprache (so sollte es zumindest sein). Wenn also halb Deutschland (und wahrscheinlich die Alpenländer noch dazu) „sein“ + „gesessen“ für richtig halten, dann haben sie (meiner Meinung nach!) das gute Recht dazu. Vielleicht entspricht es nicht der „DIN-Norm für Deutsche Sprache“, aber es ist dennoch richtig.

Gibt es eigentlich eine mundartliche Grammatik, die zwar zur
offiziellen Grammatik falsch ist, aber in sich dann doch
wieder „richtig“ ist? Sodaß also der falsche Gebrauch von
„sein“ statt „haben“ aus mundartlicher Sicht durchaus richtig
sein kann? Ich denke hier z.B. an eine bayerische Grammatik,
oder auch an eine plattdeutsche Grammatik.

Das gibt es selbstverständlich, oder glaubst Du, dass Dialekte vollkommen regellose Gebilde sind? Selbst wenn es einem Auswärtigen gelingen sollte, die Laute eines Dialekts nachzubilden, wird er oft an der Grammatik scheitern, weil er die Regeln der Hochdeutschen Sprache anwendet, die im Dialekt durchaus falsch sein können.

Beispiel Schwäbisch:
Es heißt nicht „die Butter“, „die Schokolade“ oder „die Schürze“, sondern „der Butter“, „der Schoklad“ und „der Schurz“.

Michael

ups:smile:
Servus, nochmal:smile:

ich gestehe, ich habe den „Zwüflfischlink“ ned gelesen…sonst hätte ich keinen Senf dazu gegeben…

Aber schön, dass er unsere „Eigenheiten“ respektiert…*lächel*

Wie immer, lieben Gruß aus dem Waldviertel, jenny

‚Süddeutsche‘ Varianten falsch im Standarddeutsch
Hallo, Michael

Deine ‚süddeutschen‘ Varianten sind falsch, wenn sie im deutschländischen Standarddeutsch verwendet werden.

Wenn du sie ‚umgangssprachlich‘ verwendest, kann man sie nicht als falsch bezeichnen, weil die ‚Umgangssprache‘ nicht standardisiert ist.

Das Problem besteht eher darin, dass sich (im gesamten deutschsprachigen Raum) manche Leute nicht bewusst sind, welche Sprachvarietät sie gerade benutzen.

Gruss
Adam

Deine ‚süddeutschen‘ Varianten sind falsch, wenn sie im
deutschländischen Standarddeutsch verwendet werden.

Hallo,

Adam!

Dieser Behauptung möchte ich widersprehen. Vielleicht am besten mit den Worten von
Ludwig Zehetner: Baierisches Deutsch. München (Hugendubel) 1997, S. 8:
„Die deutsche Gegenwartssprache besteht nicht nur aus der überkommenen Literatursprache und einigen Versatzstücken aus einer nirgendwo recht verwurzelten Alltagssprache (meist nordwestdeutscher oder berlinischer Provenienz), die in den Medien und in der Jugendsprache um sich greift. Auch die vielfältigen Regionalismen ALLER Landschaften sind - soweit sie die Grenze der Schriftlichkeit überschreiten zur SCHRIFTSPRACHE zu rechnen.“
[statt Versaliendruck im Original gesperrt]
Im gesamten oberdeutschen Raum ist (nur) „ich bin gestanden“ und „ich bin gesessen“ richtig.
Hier bedeutet
ich habe gestanden: ich habe mein Vergehen zugegeben,
ich habe gesessen: ich war im Gefängnis.
Schöne Grüße!
Hannes