...seit ich fünf Jahre alt bin... oder war?

Seit Jahren nervt mich etwas.

Jemand erzählt etwas aus der Vergangenheit, was sich bis in die Gegenwart fortsetzt und erwähnt dabei sein damaliges Alter.

Ich bin der Ansicht, dass es beispielsweise von einem 13jährigen korrekt heißen muss:
„Seit ich fünf Jahre alt WAR, macht mein Vater Sonntags immer mit mir Ausflüge“.
Oft höre ich aber folgende Variante:
„Seit ich fünf Jahre alt BIN, macht mein Vater sonntags immer mit mir Ausflüge.“

Was ist korrekt? Die zweite Variante klingt in meinen Ohren absolut falsch.

Moin, Manuela,

Jemand erzählt etwas aus der Vergangenheit, was sich bis in
die Gegenwart fortsetzt

genau da liegt der Hase im Pfeffer, hier wird ein Zeitraum mit einem Zeitpunkt verknotet, deshalb wirken beide Varianten ein wenig schräg. Korrekt wäre wohl seit ich 5 Jahre alt geworden bin, in meinen Ohren klingt aber seit meinem 5. Geburtstag viel besser. Oder halt seit 7 Jahren.

Gruß Ralf

Ich sage in solchen Situationen eigentlich auch eher: „seit meinem 5. Lebensjahr“ (wobei wir jetzt nicht darüber diskutieren müssen, dass man ja während seines 5. Lebensjahres erst 4 Jahre alt ist :wink: )

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seit ich fünf Jahre alt bin!
Hi Manuela

Was ist korrekt? Die zweite Variante klingt in meinen Ohren
absolut falsch.

In meinen Ohren klingt die erste falsch. Die kommt mir eher vor, als hätte ein Engländer oder Amerkaer sein Deutsch noch nicht absolut auf den Punkt gebacht. Die sagen nämlich „Since I was five years old“, wenn ich mich nicht täusche.
Im Deutschen hingegen ist imho "Seit ich fünf BIN " die weitaus häufigere und auch gewohnter klingende Fassung. Und -wie man so schön sagt- durch die normative Kraft des Faktischen wird es dann auch die richtigere sein.
:wink:
Gruß,
Branden

Aber „seit ich fünf bin“ suggeriert doch (meiner Ansicht nach), dass ich es nach wie vor bin, also noch nicht meinen 6. Geburtstag erlebt habe.

Aber „seit ich fünf bin“ suggeriert doch (meiner Ansicht
nach), dass ich es nach wie vor bin, also noch nicht meinen 6.
Geburtstag erlebt habe.

Nicht wirklich. Ich weiß, was Du meinst, Manuela, aber Sprache ist ja sowieso in erster Linie nicht logisch, sondern beruht auf Gefühlen, Erfahrungen, Traditionen, die sich ständig entwickeln.
Kein Mensch wird einem 50jährigen, der sagt, dass er Briefmarken sammelt, seit er 5 ist (und nicht seit er 5 war), auch nur einen Augenblick ernsthaft unterstellen, er sei noch nicht einmal 6 Jahre alt. :wink:
Gruß,
Branden

Kein Mensch wird einem 50jährigen, der sagt, dass er
Briefmarken sammelt, seit er 5 ist (und nicht seit er 5 war),
auch nur einen Augenblick ernsthaft unterstellen, er sei noch
nicht einmal 6 Jahre alt. :wink:
Gruß,
Branden

Nein, das nicht, aber ich würde in so einem Fall schon kurz zusammenzucken und mir den Mann als 5Jährigen vorstellen. Sagen würde ich sicher nichts. Aber mir tut diese Ausdrucksweise einfach in meinem „Sprachgefühlzentrum“ weh :o).
Aber vielleicht ist mein Sprachgefühl in diesem Fall ja einfach falsch programmiert.

Hallo Fragewurm,

Aber „seit ich fünf bin“ suggeriert doch (meiner Ansicht
nach), dass ich es nach wie vor bin, also noch nicht meinen 6.
Geburtstag erlebt habe.

Du hast ein Sparschwein mit 31 Euro.

Hast du nun 5 Euro oder hattest du 5 Euro ??

5 Euro sind ja eine Teilmenge der 31, somit bist du ja auch im Besitz der Teilmenge.

Wenn jetzt gestern im Sparschwein 50 Euro waren.
Hatest du dann gestern 32 Euro oder verneinst du diese Frage, weil es ja 50 waren ?

Ich bin ja auch heute noch „Besitzer“ meines fünften Lebensjahres.

MfG Peter(TOO)

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Wer sagt denn schon, dass er fünf Euro im Sparschwein hat, wenn es 31 sind? :wink: Und auch in dieser Situation würde ich „…seit ich fünf Euro im Sparschwein hatte…“ preferieren oder vielleicht eher sagen „…seit ich zum ersten Mal fünf Euro im Sparschwein hatte…“

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Hallo Fragewurm,

Wer sagt denn schon, dass er fünf Euro im Sparschwein hat,
wenn es 31 sind? :wink:

Angeberin !! :wink:

Wenn ich dich frage: „hast du 5 Euro“, antwortest du dann mit: „Nein, ich habe 31 im Sparschwein“ ?
Oder mit: „seit ich ich 5 Euro im Sparschwein hatte…“ :wink:

Und auch in dieser Situation würde ich
„…seit ich fünf Euro im Sparschwein hatte…“ preferieren oder
vielleicht eher sagen „…seit ich zum ersten Mal fünf Euro im
Sparschwein hatte…“

Jetzt wirst du ungenau !
Diese beiden Ausagen, besagen überhaupt nichts über den aktuellen Inhalt deines Sparschweins aus, das könnte JETZT auch leer sein.

„Seit ich 5 Euro im Sparschwein habe“ besagt, dass jetzt noch mindestens diese 5 Euro im Schwein sind.

„…seit ich fünf Euro im Sparschwein hatte…“ bzw.
„…seit ich zum ersten Mal fünf Euro im Sparschwein hatte…“, ist auch zutreffend, wenn das Sparschwein jetzt leer ist.

MfG Peter(TOO)

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Hallo, Mauela,

was die anderen bisher von sich gaben - Ralf ausgenommen - , täte ich ganz schnell vergessen. Da wird gemeint und nicht gewusst, was dem Namen des Forums hier widerspricht.

„seit“ ist eine Konjunktion - unter anderem auch eine Präposition, aber das ist hier irrelevant - , die den Beginn eines Zustandes, der bis jetzt andauert, bezeichnet.

Darum ist das Präsens danach ganz in der Ordnung.

Mach dir das klar an dem Satz:

Seit sie bei uns arbeitet, ist sie als zuverlässige Fachkraft anerkannt.

Hier zu sagen: Seit sie bei uns arbeitete … ist ganz unsinnig.

Bei deinem Beispielsatz ist freilich zu bemerken, dass der Zustand „fünf Jahre alt sein“ durch die nachfolgenden Jahre nicht mehr wirklich herrscht; aber er ist immer noch fünf + die dazugekommenen Jahre alt.

Das mag etwas verzwerch klingen, ist es zuletzt auch, aber durchgängige Logik leistet Sprache, zumal die deutsche, nicht.

Auch der Duden gibt an:

_seit; Präp. mit Dat.: seit dem Zusammenbruch; seit alters (­)R 46), seit damals, gestern, heute; seit kurzem, langem; Konjunktion:smile: seit ich hier bin ; vgl. aber seid

© Dudenverlag._

Beste Grüße Fritz

Hallo Branden,

Kein Mensch wird einem 50jährigen, der sagt, dass er Briefmarken
sammelt, seit er 5 ist (und nicht :seit er 5 war), auch nur einen
Augenblick ernsthaft unterstellen, er sei noch nicht einmal 6 Jahre
alt.

In der Tat kaum, es sei denn, er ist unbestechlich und lässt sich von läppischen Äußerlichkeiten nicht beeinflussen :smile:
Aber im Ernst: Ich glaube, Manuela hat recht:

seit er Briefmarken sammelt, ist er zufrieden ==> d.h., er tut es noch heute, und er ist es noch heute
seit er 5 ist, trinkt er Milch ==> analog, d.h., er ist heute 5 Jahre alt, und trinkt Milch

Aber die Variante Manuelas: „Seit ich fünf Jahre alt WAR, macht mein Vater Sonntags immer mit mir Ausflüge“ geht grammatikalisch nicht und ergibt auch keinen Sinn.

Die Konjunktion „seit“ verbindet m.E. ein vergangenes Ereignis mit einem späteren Zustand. Daraus müsste grammatikalisch folgen, dass beide Verben zumindest in zeitlicher Konkordanz, wenn auch nicht in gleichem tempus stehen müssen:
„Seit er hier war, habe ich ihn nicht mehr gesehen.“ Das tempus des Hauptsatzes steht für zutreffende Abgeschlossenheit zum Zeitpunkt der Äußerung (perfekt, konstatiert), das des Nebensatzes für rekurrent zutreffende Feststellung, über deren Abgeschlossenheit mangels hellseherischer Kraft sich nichts sagen lässt; beide bewegen sich aber in zeitlicher Verbundenheit, wenn auch in verschiedenen tempora.

Ich möchte drambeldier zustimmen:
„hier wird ein Zeitraum [der mit ‚seit‘ eingeleitet wird] mit einem Zeitpunkt [Hauptsatz] verknotet, deshalb wirken beide Varianten ein wenig schräg [sind falsch!, sowohl grammatisch als auch logisch]. Korrekt wäre wohl:
Seit ich 5 Jahre alt geworden bin,“ [macht mein Vater mit mir Ausflüge]. Ha! Ein ungewohntes Beispiel für den Sinn einer Grammatik!

Da drängt sich mir eine weitere Frage auf: Könnte es sich beim gewohnten Ausdruck um eine Art umgangssprachlicher Ellipse handeln, à la „Ich habe keine Zeit!“
Aber das frage ich mal separat.
Grüße
Heinrich

contra
hi,

„seit“ ist eine Konjunktion - unter anderem auch eine
Präposition, aber das ist hier irrelevant - , die den Beginn
eines Zustandes, der bis jetzt andauert, bezeichnet.

ja

Darum ist das Präsens danach ganz in der Ordnung.

prinzipiell schon.

Mach dir das klar an dem Satz:

Seit sie bei uns arbeitet, ist sie als zuverlässige
Fachkraft anerkannt.

Hier zu sagen: Seit sie bei uns arbeitete … ist ganz
unsinnig.

nicht, wenn sie nicht mehr „bei uns arbeitet“.

Bei deinem Beispielsatz ist freilich zu bemerken, dass der
Zustand „fünf Jahre alt sein“ durch die nachfolgenden Jahre
nicht mehr wirklich herrscht; aber er ist immer noch fünf +
die dazugekommenen Jahre alt.

exakt.

Das mag etwas verzwerch klingen, ist es zuletzt auch, aber
durchgängige Logik leistet Sprache, zumal die deutsche, nicht.

hier ist in der deutschen sprache (von meinem sprachgefühl her) mehr logik drin.

Auch der Duden gibt an:

_seit; Präp. mit Dat.: seit dem Zusammenbruch; seit alters
(­)R 46), seit damals, gestern, heute; seit kurzem, langem;
Konjunktion:smile: seit ich hier bin ; vgl. aber seid

© Dudenverlag._

auch das dudenbeispiel sagt nichts zur gestellten frage. es spricht typischerweise von „hier“. der zustand dauert also noch an.
wenn der zustand des hierseins vorbei ist (durch orts- oder zeitverlagerung), würde man m.e. sagen:
„seit ich dort …“ und dann eben auch „war“.

es hängt ganz davon ab, ob der zustand „5 jahre alt sein“ als noch andauernd betrachtet wird.

hth
m.

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re
Hallo!

nicht, wenn sie nicht mehr „bei uns arbeitet“.

Damit fügst du eine neue Bedingung hinzu.

hier ist in der deutschen sprache (von meinem sprachgefühl
her) mehr logik drin.

Was du damit meinst,ist mir nicht klar.

es hängt ganz davon ab, ob der zustand „5 jahre alt sein“ als
noch andauernd betrachtet wird.

Es ist auch möglich zu sagen:

Seit ich dieses Buch las / gelesen habe, betrachte ich die Welt ganz anders.

Hier ist es ein enmaliges Ereignis, das einen neuen,länger andauernden Zustand bewirkte.

Es gibt sicher noch andere solcherartige Fälle.

Fritz

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Es ist auch möglich zu sagen:

Seit ich dieses Buch las / gelesen habe, betrachte ich die
Welt ganz anders.

Hier ist es ein enmaliges Ereignis, das einen neuen,länger
andauernden Zustand bewirkte.

Es gibt sicher noch andere solcherartige Fälle.

Eben, wie meinen Beispielsatz, der aussagt, dass jemand fünf Jahre alt WAR (es jetzt also nicht mehr ist), aber der Zustand der Ausflüge mit dem Vater dauert noch an.
Was ist denn an diesem Satz jetzt anders?

So ganz einleuchten will mir das immer noch nicht.

Ok, also habe ich Recht und auch Unrecht, oder? *seufz* Deutsche Sprache, schwere Sprache…

Das ist ja fast ein Fall für „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“.

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Mir will scheinen, dass wir aus diesem Dilemma erst rauskommen, wenn wir beiden Varianten ihre je eigene Berechtigung aussprechen können.

Mir ist inzwischen klar geworden, dass die Alterangabe, die mit der Präposition überhaupt kein Problem bereitet:

seit meinem fünften Lebensjahr

im Nebensatz mit der Konjunktion „seit“ auf zweierlei Weise angesehen werden kann.

Das Alter von fünf Jahren ist ein zeitlich begrenzter Lebensabschnitt, der nach dem sechsten Geburtstag endet und damit Vergangenheit ist.

In diesem Fall ist die Formulierung:

Seit ich fünf Jahre WAR

angebracht.

Das fünfte Lebensjahr kann aber auch als ein Lebensabschnitt in einer langen Folge von Jahren betrachtet werden. Dann hat mit fünf Jahren etwas begonnen, das heute noch andauert.
Und in dem Fall sagt man eben:

Seit ich fünf BIN

Ich weiß nicht, ob diese „Lösung“ für alle akzeptabel ist, aber ich sehe darin im Moment den einzigen Ausweg aus den Widersprüchen.

Gruß Fritz

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so denk ichs auch

Mir will scheinen, dass wir aus diesem Dilemma erst
rauskommen, wenn wir beiden Varianten ihre je eigene
Berechtigung aussprechen können.

so lernen wir alle täglich dazu.
ich finds super.
m.

Ich danke für die Zustimmung (owT)
FR

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Muss das Thema nochmal aufgreifen, weil gerade in einem Bericht eine 35 jährige Frau widerholt erklärt, etwas zu tun, seit sie 5 Jahre ist.
nein…verdammt, sie ist nicht 5. Sie ist 35 jahre alt!.
Eine 5 jährige kann sagen, seit sie 5 Jahre ist…
eine 35 jährige sagt,seit sie 35 ist, aber sie WAR 5 Jahre alt.
Also: seit sie 5 Jahre alt war macht sie dies und das…
Von der Vergangenheit bis heute in die Gegenwart.