„Am Boden eines Sektglases, das 10 cm hoch gefüllt ist, wird
eine Blase vom Durchmesser 3 nm gekeimt. Wie groß ist ihr
Durchmesser unmittelbar unter der Oberfläche?“
(Oberflächenspannung: 0,073N/m, Dichte: 1,03g/cm^3)
Rehnen wir zunächst einmal den Druck aus, den der Hohlraum (eine Blase wäre es erst außerhalb der Flüssigkeit) am Boden des Glases hat. Dieser setzt sich zusammen aus dem Luftdruck p über dem Sekt, dem statischen Druck ρ*g*h und dem Binnendruck 2*σ/r0 infolge der Oberflächenspannung. Dieser Druck ist gleich der Summe aus CO2- und Wasserdampfpartialdruck. Der CO2-Partialdruck am Boden des Gefäßes beträgt also
p0 = 2*σ/r0 + ρ*g*h + p - p*H2O
Wenn die Blase aufsteigt, fällt der statische Druck weg und der CO2-Partialdruck beträgt
p1 = 2*σ/r1 + p - p*H2O
Wenn beim Aufstieg des Hohlraums die in ihm enthaltene Stoffmenge an CO2 konstant bleibt (das ist zwar nicht so, aber davon lassen wir uns die Laune nicht verderben), dann folgt aus dem Gesetz des idealen Gases, daß das Produkt aus CO2-Partialdruck und Hohlraumvolumen konstant bleibt. Nach einigem Umstellen erhalten wir:
0 = (p - p*H2O)*(r13-r03) + 2*σ*(r12-r02) - ρ*g*h*r03
Wenn wir jetzt die Konstanten
σ = 0,073 N/m (Oberflächenspannung)
ρ = 1030 kg/m3 (Dichte)
r0 = 1,5*10-9 m (Anfangsradius des Hohlraums)
h = 0,1 m (Anfangstiefe)
g = 9,81 m/s2 (Erdbeschleunigung)
p = 101325 Pa (Luftdruck)
p*H2O = 2000 Pa (Wasserdampfpartialdruck)
einsetzen, erhalten wir
0 = r13 + 1,47*10-6m*r12 - 1,33*10-23m3
Bevor ich mit den Cardanischen Formeln auf diese Gleichung losgehe, versuche ich es mit einer Näherungslösung, indem ich nach dem Fixpunktsatz ein Iterationsverfahren entwickle:
ri+1 = √[(1,33*10-23m3-ri)/1,47*10-6m]
Wenn ich als Startwert den Ausgangsradius verwende, dann erhalte ich
r1 = 1,50001*10-9 m
r2 = 1,50001*10-9 m
usw.
Das verfahren konvergiert also schon nach dem ersten Schritt und verrät uns, daß der Hohlraum seine Größe beim Aufstieg nicht spürbar ändert.
Als Bonus könnte ich noch berechnen, wie groß der Radius wird, wenn der Hohraum die Flüssigkeit verläßt. Da er dabei zur Blase wird, erhält er eine zusätzliche Grenzschicht, wodurch sich der durch die Oberflächenspannung erzeugte Binnendruck verdoppelt. Die Gleichung lautet dann
0 = r13 + 2,94*10-6m*r12 - 1,33*10-23m3
und ergibt einen Radius von 1,06*10-9 m. Das Gasvolumen schrumpft also beim Verlassen der Flüssigkeit.