Selbständigkeit eines 10-jährigen

Hallo!

Während einige von Euch noch den wohlverdienten Urlaub genießen, hat bei uns die Schule bereits wieder begonnen.

Unser Sohn besucht nach Schulwechsel jetzt die 5. Klasse. Wenn ich ihn abends frage, ob er alle Hausaufgaben erledigt und die Schultasche gepackt hat, bekomme ich stets ein überzeugendes Ja zu hören. Wenn ich jedoch die Schultasche kontrolliere - fehlen fast täglich (!) Hausaufgaben, Bücher, Hefte, oder sie sind unvollständig, oder der Atlas wird jeden Tag mitgeschleppt…

Mich nervt das allmählich, denn ich meine, in der 5. Klasse sollten solche Kontrollen überflüssig sein. Es ist keineswegs so, dass unser Sohn meint „Mutti macht das schon“. Ich vermisse bei ihm einfach ein gewisses Maß an Ehrgeiz und Verantwortungsbewusstsein. Und ich denke, man kann bei einem 10-jährigen sehr wohl an die Vernunft appellieren und erwarten, dass er inzwischen ein bisschen vom „Ernst des Lebens“ begriffen hat!

Er ist im allgemeinen ein guter Schüler, dem das Lernen nicht schwer fällt. Allerdings muss ich hinzufügen, dass er die ersten vier Jahre in eine Klasse ging, in der EHRGEIZ ein absolutes Fremdwort war …
Ich habe auch so meine Zweifel, ob das „spielerische Lernen“ in der Grundschule für alle Kinder immer die geeignete Unterrichtsmethode ist.

Was meint Ihr, sollte ich darauf warten, dass bei ihm irgendwann „der Knoten platzt“ und er von selbst mehr Eigenverantwortung übernimmt? Oder strengere Erziehungsmaßnahmen ergreifen?! Mehr Druck ausüben? Oder die Dinge ihrem Selbstlauf überlassen?

Anita

Hi, Anita,
ich würde ihn einfach mal ganz offen darauf ansprechen, dass das, was er sagt, nicht stimmt, und ihm sagen, dass du es nicht magst, von ihm angelogen zu werden. Frag ihn doch, warum er sich nicht traut, dir die Wahrheit zu sagen.

Vielleicht kannst du ja mit ihm eine Abmachung treffen, dass er seine Hausaufgaben später macht, wenn er nachmittags lieber spielen will. Oder ihr legt feste Hausaufgabenzeiten plus Ausweichzeiten etwas später fest (Ausweichzeiten, falls es nicht langt).

Hausaufgaben machen ist halt eine Pflicht und nichts, was man machen kann, wenn man Lust dazu hat, und sonst nicht. Das muss er lernen, sonst macht er es später genauso weiter.

Gruß, die Elbin

Hallo Anita.
So einen hab ich auch. Jetzt 11 und in der sechsten Klasse. Arbeitsverhalten 4, weil ständig was vergessen. Ich bin jetzt zu strengen Kontrollen übergegangen, die ihn natürlich nerven, aber abschaffen kann er sie ja selber. Neues Schuljahr-neue Lehrer-neue Chance! Ich hoffe auch jedes Jahr auf Besserung.
Gib nicht auf! Es bessert sich wirklich.
Gruß
R.

Mehr Kontrolle
Hallo Anita,

so schlampig war mein Sohn auch und ist es zum Teil noch heute. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung würde ich sagen, daß wohl auch Dein Sohn mit den Jahren vernünftiger und ordentlicher werden wird, aber schnell wird das nicht gehen.

Früher wäre man diesem Problem mit dem Rohrstöckchen beigekommen, aber heutzutage haben die Eltern keine vergleichbare Strafmöglichkeit mehr. Schimpfen und tiefschürfende Gespräche werden genausowenig durchgreifende Besserung bringen wie Fernsehverbot, Geldstrafen oder Prämien.

Du mußt eben täglich rechtzeitig kontrollieren, zur Nachbesserung auffordern, diese wiederum nachkontrollieren und nachbessern lassen, und zwar dann, wenn noch genug Zeit fürs Nacharbeiten ist. Diese Dienstleistung benötigt Dein Sohn, sie muß jemand zuverlässiges erbringen, und das bist nach Lage der Dinge eben Du. Frage Deinen Sohn, wie Du seiner Ansicht nach dieses Problem lösen könntest, und er wird Dir auch keinen anderen Vorschlag machen können.

Was Du schreibst von „Selbständigkeit“, „Ernst des Lebens begriffen“ usw. das stimmt durchaus – schon für manche Erstklassler, manch anderer lernt es später, viel später oder gar nicht richtig.

Gruß,

Wolfgang Berger

Hallo Anita,

vorweg, meine Tochter ist so alt wie Dein Sohn, und dieses Problem kenne ich auch.

Nach meiner Einschätzung wirst Du schlichtweg um mehr Kontrolle nicht herumkommen, weil ein Mindestmaß an Ordentlichkeit (Hausi gemacht, Hefte und Bücher alle beieinander) ihm das Leben im Schulalltag und später im Beruf eine Erleichterung sein können, wenn die Leistungsfähigkeit mal absacken sollte. So hat dies als Wert Vorrang vor dem ihm beim Flüggewerden zu unterstützen.

Vorab habe ich bei Gelegenheit mich mit der Lehrerin darüber unterhalten. Ich wollte vermeiden, dass 2 Erwachsene (die Lehrerin und ich) gleichzeitig ein Kind unnötig klein machen, sprich, ich wollte die Einschätzung der Lehrerin im Bezug zu der Schlampigkeit meiner Tochter hören. So war sie informiert, dass ich sie Zuhause nicht laufen lasse, aber (genau wie Du es sagst) sie auch für zu alt halte, sie wie eine ABC-Schützin zu behandeln.
Ich lasse sie eine Weile laufen, und schaue sporadisch nach. Wenn ich nach ein paar Mal feststelle, dass sie sich um nichts mehr kümmert, kontrolliere ich regelmäßig, und fordere Ordnung mit Androhung von Sanktionen ein. Warum ich so hinterher bin, habe ich ihr erklärt.
Alles in allem ist das eine Gradwanderung.

  • ich gestehe ihr das Kind sein zu (den Weg des geringsten Widerstands zu gehen ist doch typisch für Kinder), aber mit zunehmenden Einschränkungen. Nämlich…
  • ich erwarte von ihr, dass sie, mit allen den Vorteilen, die sie als 10 jährige genießt, auch entsprechenden Verpflichtungen nachkommt.
  • ich habe ihr die Gründe für meinen Druck erklärt, und übe den auch konsequent aus, wenn ihre Nachlässigkeiten nicht mehr aufhören
  • ich respektiere sie als Mitmensch, und drücke ein Auge zu, wenn es nicht 100%ig ordentlich ist
  • ich versuche die Lehrerin mit einzubinden, weil ich als Kind die Erwachsenen (Mutter und Lehrer) eher als meine Feinde erlebt habe.

Und ich habe mir von Bekannten sagen lassen, deren Kinder mitten in der Pupertät stecken, dass der Einfluss auf die Kinder mit zunehmenden Alter abnimmt. Was ich heute an Marotten knicken kann, erledige ich lieber gleich.

liebe Grüße
Claudia *der es vor der Pupertät jetzt schon graut*

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Zwei Probleme
Liebe Anita,

ich sehe hier zwei Probleme, die ich getrennt angehen würde: einmal die mangelnde Selbsteinschätzung: warum sagt er ja, wenn die Sachen nicht in Ordnung sind? Lügt er (was du schreibst, klingt eher nicht danach) oder besitzt er keinen Überblick über die wirklichen Anforderungen? Ich würde versuchen ihm klar zu machen, wie wichtig es dir ist, auf seine Aussagen vertrauen zu können. Erkläre ihm ausführlich, wozu Hausaufgaben da sind und warum Schüler lernen müssen, sich zu organisieren. Hat er auch sonst Schwierigkeiten mit der Selbsteinschätzung oder ists nur das leidige Thema Schule?

Das zweite Problem ist natürlich die Hausaufgabengeschichte selbst. Mein Rat wäre, dass du dir erst einmal zwei Wochen lang jeden Tag Zeit nimmst, um mit ihm Schritt für SChritt die optimale Hausaufgabenorganisation zu erreichen. Wie führt man ein Hausaufgabenheft? Wie sind die Hefte/Bücher eingebunden; kann man vielleicht hier durch ein Farbsystem oder AUfbewahrungssystem sich die Sache erleichtern? Oder vielleicht ein schönes Plakat aufmalen, auf dem - abgeleitet aus dem Stundenplan - draufsteht, was jeden Tag einzupacken ist. Wie sihet überhaupt sein Arbeitsplatz aus? So übersichtlich wie möglich gestalten; ein System finden, das Schule von Freizeitkram trennt. Gute, neue und möglichst wenige Sachen zum Arbeiten motivieren.

Wichtig ist, dass du mit ihm möglichst viel über Organisatorisches sprichst, weniger über die konkreten Hausaufgaben selbst, die weitestgehend in seiner Verantwortung bleiben sollten. ABer mit der Organisation sind 10jährige in der Regel überfordert.

Dann eine schöne Motivation überlegen. Für jeden Tag, wos klappt, gibts einen Punkt, bei nicht allzu vielen Punkten bereits den Besuch im Vergnügungspark oder die spannende Nachtwanderung mit Lagerfeuer oder oder. Langfristig wirkendes Belohnungssystem ausarbeiten. Es ist wirklich so, wie schon geschrieben wurde: Wichtig, dass ers jetzt lernt, in der 8. Klasse kommen sonst spätestens die Probleme und dann gibts viel weniger Möglichkeiten darauf einzuwirken.

Erzähle ihm ruhig zwischendurch öfter, warum du Schulbildung für wichtig hältst und wie es dir selbst mit dem Lernen und dem Organisieren ergeht. Wie fühlst du dich, wenn du deine Steuererklärung machen musst? Besprich mit ihm ruhig die inneren Widerstände und was du und andere tun, um sie zu überwinden. Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile. Erkläre ihm auch, was noch wichtiger ist als Schulbildung. Achte unbedingt darauf, dass das Thema Schule nicht die Familie beherrscht.

Viel Erfolg wünscht
Juliane

Danke für Eure Tipps und Ratschläge!

Zur Ehrenrettung meines Sohnes muss ich vielleicht noch anfügen, dass ich sein Verhalten nicht als Schlampigkeit bezeichnen würde. Ich glaube auch nicht, dass er mich vorsätzlich belügen will, wenn er behauptet, dass seine Schulsachen in Ordnung wären. Ich würde es eher mit Gleichgültigkeit, Desinteresse, Verträumtheit umschreiben. Wo es doch sooooo viele wichtigere und interessantere Dinge im Leben gibt … :smile:
Im Prinzip hat er ja Recht; aber um ein Mindestmaß an Ordnungssinn und Eigenständigkeit kommt eben keiner von uns herum! Und was Hänschen nicht lernt … Seh ich auch so!

Gestern war übrigens Elternabend, und eine andere Mutter schilderte mir von ihrem Sohn genau das gleiche …

In dem Zusammenhang frage ich mich manchmal (wäre eigentlich ein separates Thema wert), inwieweit unsere Spaßgesellschaft dazu beiträgt, dass viele Kinder zwar gern konsumieren, sich berieseln und unterhalten lassen - aber immer weniger zu Eigenverantwortung bereit sind. Und vor allem: diesen Lebensstil schon fast als Normalität ansehen!
Dort gegenzusteuern und andere Maßstäbe zu setzen, wird meiner Meinung nach immer schwerer. Oder sehe nur ich das so?

Anita

Hallo!
Mag sein das der Vorschlag der modernen Erziehung widerspricht.
Vergiß Du doch auch mal
Taschengeldzahlung
Erlaubnis zum Fernsehen
Erlaubnis mit Freunden spielen gehen
etc
Unser Sohn hat am Besten durch Erfahrung gerlernt, vieles Predigen nützt nichts.
Gruß
PiRo

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Hallo Anita,
ich würde sagen, Dein Sohn hat ein Problem mit dem Schulwechsel.
Oder war es Früher such schon so? Vielleicht hat er Probs ind er Schule oder kommt einfach mit der neuen Art der Lehrer nicht klar.
Ansonsten kann ich nur sagen, daß es nicht nur bei 10-jährigen so ist.
Unserer ist 13 und hat die selben Probleme. Seid diesem Schuljahr geht er auf das Gymnasium - die Umstellung war enorm, zumal in seiner alten Klasse der Anteil der Montessouri-Schüler sehr stark war.
Bei Ihm haben wir das jetzt so gelöst. Zum Glück ist meine Frau zu hause und kann die Sache kontrollieren.
Er muß (!) am Nachmittag min. eine Stunde etwas für die Schule tun, dabei ist seine Zimmertür auf und meine Frau schaut gelegentlich hin.
Extrem ist es aber mit seiner Ordnung.
Beispiel, regelmäßig müssen wir ihn daran erinnern, daß er seine Unterhosen mal wechseln muß.
Oder letztes Wochenende, er war Samstag baden - klar bei dem Wetter. Sonntag wollte er gleich nach dem Mittag essen los. Rein in sein Zimmer, Rucksack geschnappt und wollte weg.
Das kam mir etwas sehr seltsam vor, so schnell Tasche packen? Vorbereiten ist nicht sein Ding, das sie vielleicht hätte gepackt sein können.
Also gefragt, ob das die nassen Sachen von gestern sind, die er drin hat - „JA“.
Zweite Frage, wo die zweite Badehose ist, „… die habe ich im Urlaub bei Oma vergessen…“
Tja mit nassen Sachen geht es nicht, also mußte er seinen Rucksack auspacken und zu hause bleiben.
Klar tat es mir auch leid, aber ich denke er hat gelernt, zumal seine Kumpels vor der Tür standen und er ihnen erklären mußte warum er nicht mitdarf - und er hat es so erklärt wie es war.

Hallo Dobbs,

ich würde sagen, Dein Sohn hat ein Problem mit dem
Schulwechsel.

Diese Vermutung liegt nahe, aber ich glaube, dem ist nicht so. Seine Oberflächlichkeit ist ein generelles Problem (zumindest in den Bereichen, die ER nicht für so wichtig hält!), und war auch schon in den vergangenen Schuljahren da.

Beispiel, regelmäßig müssen wir ihn daran erinnern, daß er
seine Unterhosen mal wechseln muß.

*grins* Da bin ich ja noch vergleichsweise gut dran !!

Zweite Frage, wo die zweite Badehose ist, „… die habe ich im
Urlaub bei Oma vergessen…“

Kommt mir soooo bekannt vor !!!
Bei der letzten Klassenfahrt, wo eigene Bettwäsche mitzubringen war, haben wir ein Bettlaken eingebüßt … Kopfkissen und Bezug waren doch wieder in der Reisetasche, wozu also noch die Matratze abziehen …
Tröstlich, dass es nicht nur mir so geht !!

Grüße, Anita

Hallo Anita,
meine Tochter war mit 10 genauso ! Und mit 11. Und mit 12…
Im Oktober wird sie 18, aber eine Änderung ist noch nicht in Sicht…
Dabei habe ich mich wirklich jahrelang bemüht, das Verhalten durch Kontrollen, Mithilfe, Vorhaltungen, Konsequenzen, vernünftige Gespräche…zu ändern. Mit dem Erfolg, dass ich immer genervter wurde und es doch nichts geholfen hat (dabei hatte ich meine Ansprüche eh schon auf ein absolutes Minimum heruntergeschraubt !).
Seit etwa 3 Jahren lass ich sie jetzt machen wie sie meint, mit dem Ergebnis, dass sich an ihren mittelmäßigen schulischen Leistungen nichts geändert hat, wir aber ein wesentlich entspannteres Verhältnis zueinander haben.
Und wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich als Schülerin auch nichts von dem in die Praxis umgesetzt, was sich in der Theorie der Lehrer und Eltern immer so vernünftig und plausibel anhört, und aus mir ist auch was geworden :wink:))
Also: Locker bleiben ! rät die
Heidi