Selbständigkeit im sozialen Bereich?

Hallo,
seit Jahren arbeite ich als Angestellte im sozialen Bereich.
Meine Stelle wird von einer Kommune finanziert.
Seit einiger Zeit überlege ich, mich als Beraterin selbständig zu machen.
Bei einem anstehenden Treffen mit den entsprechenden VertreterInnen der Kommune möchte ich vorschlagen, dass ich quasi einen neuen „freien Träger“ bilde, also eine zusätzliche Institution werde, die für die Kommune die notwendigen anerkannten Beratungsleistungen durchführt - nur halt jetzt als neue „Firma“.

Wie stelle ich es an? Mir ist klar, dass ich noch eine 2. Person benötigen würde, die mich im Urlaubs- und Krankheitsfall vertreten würde.
Um meine derzeitige Stelle zu finanzieren, muß ich bei Vollzeit 18 Personen betreuen, faktisch sind es ca. 40.
Meine Idee ist:
Ich kündige bei meinem Arbeitgeber, gründe eine weitere Beratungsstelle und die Kommune gibt mir/ der neuen Beratungstelle den selben Betrag, den mein Arbeitgeber für mich erhielt, ca. so 60.000 EUR - d.i. Personalkosten + Sachkosten. Ich nehme (einen Teil der) KlientInnen mit. Das notwendige Equipment - Büro, PC, Telefon, etc. - hätte ich schon. Eine/n SteuerberaterIn für die korrekte Durchführung der Abrechnungen usw. fände ich, Sozialbeiträge KV etc. ließe sich regeln.
Da es sich um eine Pflichtaufgabe (§39,40 BSHG) der Kommune handelt, wäre die Finanzierung dann im Prinzip gesichert. Zudem handelt es sich um ein Arbeitsfeld, in dem die Beratungs- (bzw. Betreuungs-)tätigkeit durch eine neue Gesetzgebung tendentiell zu erweitern ist (s. BUB-Richtlinien und psychosoziale Betreuung).

Wer hat Erfahrungen als selbständige/r Berater/in im sozialen Bereich?
Ist es schlimm, wenn ich womöglich nur eine „Scheinselbständige“ wäre (weil meine „Aufträge“ ja wesentlich von nur ein oder zwei Kommunen kämen)? Auf was muß ich achten?
Ich bin für jede Anregung und Erfahrung in dieser Sache dankbar! Lieben Gruß! Mó

Hallo, da noch keiner was geschrieben hat, der sich damit auskennt, frag mal bei www.dbsh.de nach, ist ein Sozialpädagogen etc. Berufsverband, zu dem ich nur familiäre Bezihungen keine fachlichen habe.
Gruß Susannne

Hallo Mo,

zunächst würde ich in Vorgesprächen mit Deinem jetzigen Arbeitgeber klären, wie groß denn das künftige Arbeitsvolumen wird. Denkbar ist ja, daß er freundlicherweise die Gelegenheit ergreift, im Sozialbereich zu sparen, sprich nicht alle Deine Klienten weiterhin betreut. Dann stellt sich für Dich die Frage der Rentabilität, es sei denn, Du reißt noch andere Märtke auf, die z.Zt. nicht zu Deinem Aufgabenbreich gehören, z.B. Altenpflege.

Bei einem anstehenden Treffen mit den entsprechenden
VertreterInnen der Kommune möchte ich vorschlagen, dass ich
quasi einen neuen „freien Träger“ bilde, also eine zusätzliche
Institution werde, die für die Kommune die notwendigen
anerkannten Beratungsleistungen durchführt - nur halt jetzt
als neue „Firma“.

Ich würde die Damen und Herren vom Magistrat bzw dem Sozialausschuß nicht gleich direkt vor vollendete Tatsachen stellen, sondern zunächst nur die Idee in den Raum stellen. Gab es denn schon Gespräche in der Richtung, so daß Du eine Vorahnung hast? (Ein „Träger“ wirst Du nicht, ich verstehe darunter einen Kostenträger, der ja die Kommune schon ist).

Wie stelle ich es an? Mir ist klar, dass ich noch eine 2.
Person benötigen würde, die mich im Urlaubs- und
Krankheitsfall vertreten würde.

Nun mal langsam: Erst muß genügend reinkommen, um noch jemand zweiten einszustellen, oder hast Du zu viel Erspartes?

Um meine derzeitige Stelle zu finanzieren, muß ich bei
Vollzeit 18 Personen betreuen, faktisch sind es ca. 40.

Eben, eben, das muß erst mal gesichert sein. Überprüfe die Kalkulation und denke auch an die zu veranlagenden Steuern aus den Gewinnen bzw den Gewinn nach Steuern.

Meine Idee ist:
Ich kündige bei meinem Arbeitgeber, gründe eine weitere
Beratungsstelle und die Kommune gibt mir/ der neuen
Beratungstelle den selben Betrag, den mein Arbeitgeber für
mich erhielt, ca. so 60.000 EUR - d.i. Personalkosten +
Sachkosten. Ich nehme (einen Teil der) KlientInnen mit. Das
notwendige Equipment - Büro, PC, Telefon, etc. - hätte ich
schon. Eine/n SteuerberaterIn für die korrekte Durchführung
der Abrechnungen usw. fände ich, Sozialbeiträge KV etc. ließe
sich regeln.

Wenn ich Dich richtig verstehe, arbeitest Du z.Zt. für eine Beratungsstelle, die Aufträge von der Kommune erhält (oder ist es eine kommunale Beratungsstelle?). Und glaubst Du denn, daß Dein bisheriger Arbeitgeber Deine Aktivitäten so einfach hinnehmen wird? Woher nimmst Du die Sicherheit, daß Du die Aufträge dann kriegst und nicht Dein bisheriger Auftraggeber? Wenn der aber die Kommune selber ist, könnte er auch jemande anderes die Aufträge geben. Das Spielchen mit den Ausschreibungen bei den Gemeinden kennst Du ja, oder? Da geht nicht immer alles mit „rechten“ Dingen zu! Das beste Gebot wird nicht immer berücksichtigt bzw es wird im Nachhinein draufgesattelt.

Ist es schlimm, wenn ich womöglich nur eine
„Scheinselbständige“ wäre (weil meine „Aufträge“ ja wesentlich
von nur ein oder zwei Kommunen kämen)? Auf was muß ich achten?

Das Finanzamt kann Dir nicht vorschreiben, wieviele Kunden Du hast. Es meckert nur, wenn Du jahrelang keine Gewinne machst und quasselt dann was von Liebhaberei.

Dennoch finde ich Deinen Ansatz interessant und hätte ggf da noch eine weitergehende Idee. Da das aber hier zu weit führen würde, kannst Du mich anmailen, falls Interesse besteht.

Gruß Richard

Hallo Mo,

erkundige dich doch mal beim Bundesverband privater Anbieter sozialer dienstleistungen

http.//www.bpa.de

gruss
winkel