Hi zusammen,
ich bin momentan Mentorin für eine 15-Jährige Schülerin. Ich helfe ihr mit Prüfungsvorbereitungen, Organisation ihres Lernens etc.
Zusätzlich wollten wir (über die Ziele hatten wir uns anfangs unterhalten) auch an ihrem Selbstbewusstsein arbeiten. Sie fragt nicht nach im Unterricht, da sie nicht als dumm dastehen will. Dadurch verpasst sie aber einigen Stoff, weil sie ihn nicht versteht oder muss sich immer darauf verlassen, dass ihre Mitschüler es verstanden haben und ihr erklären können.
Ich will ihr wirklich gerne helfen, nur, wie mache ich das? Gibt’s irgendwelche Sachen, die wir probieren könnten, um sie etwas selbstbewusster zu machen? Sie ist sehr sportlich und kann auch hervorragend Flöte spielen, ihre Noten sind an sich auch nicht schlecht. Deswegen bin ich mir nicht sicher, wie ich ihr am Besten helfen kann.
Danke für die Hilfe.
Kel
Hi!
Eine Alternative wäre, dass sie ihre Lehrer nach oder vor dem Unterricht fragt. Dies fällt ihr sicherlich leichter, weil sie sich somit nur dem Lehrer offenbaren muss, dass sie etwas nicht verstanden hat, nicht jedoch der gesamten Klasse. Vor dem Lehrer braucht sie sich nicht verstellen, denn der macht seinen Eindruck vielmehr an ihren Ergebnissen in den Arbeiten fest. Wenn sie etwas nicht verstanden hat wird er es an ihren Arbeiten merken und ihr möglicherweise vorwerfen nicht nachgefragt zu haben.
Ansonsten wäre es bestimmt hilfreich sich vor Augen zu führen, wie oft andere nachfragen und dass sie deshalb meist nicht als dumm gelten. Auch kann fragen zeigen, dass man die präsentierten Fakten hinterfragt, was kein Mangel sondern ein Vorteil ist, was den anderen auch deutlich wird. Sie hat sicherlich schon festgestellt, dass viele ihrer Mitschüler viele Dinge auch nicht verstehen. Wenn sie das weiß, kann sie auch leicht verstehen, dass diese sie keinesfalls für dumm halten werden, wenn sie fragt. Im Gegenteil viele ihrer Mitschüler trauen sich wahrscheinlich auch nicht zu fragen und werden ihr dankbar sein, dass sie es getan hat.
Ich empfehle auch, dass sie über ihre eigenen Erlebnisse mit dem Fragen ihrer Mitschüler nachdenkt und daraus ableitet, wie sie und ihre Mitschüler diese wirklich empfinden. Sie wird die Fragen ihrer Mitschüler keienesfalls als dumm empfinden, und so würde es auch der Mehrzahl ihrer Mitschüler gehen, wenn sie fragte.
Weitere Möglichkeit: Fragen stellen und die Mitschüler beobachten oder befragen, wie sie diese empfunden haben. Damit kann sie irrationale Erwartungen abbauen. Außerdem sollte sie sich klar machen, dass schon ein Grundverständnis nötig ist, um überhaupt eine Frage stellen zu können.
Du möchtest gern ihr Selbstbewusstsein stärken. Allerdings kann auch Negativdenken helfen. Sie muss sich nur vorstellen, wie schlimm es wäre nicht zu fragen. Die daraus erwachsende Motivation wird groß genug sein, um sich zum Nachfragen zu überwinden.
Ich hoffe einige hilfreiche Anregungen gegeben zu haben.
Gruß
Falk
Hi Kel!
Ich finde super, dass du dich so für die Schülerin einsetzt. Ich denke wichtig ist erst mal die Klassenstruktur mit ihr zu besprechen und welches verhältnis sie zu den Lehrern hat.Die Frage ist nämlich, ob sie Angst hat vor dem Lehrer oder dem Schüler dumm dazustehen. Letzeres kann ich gut nchvollziehen und kann sich wohl auch ohne professionelle hilfe wieder bei ihr einrenken, sobald sie in eine andere Klasse kommt.Zudem kann sie den Lehrer dann ja auch nach der Stunde mal abpassen und ihn darauf ansprechen, ob er es nicht in der nächsten stunde nochmal erklären möchte oder ob er noch kurz zeit hat, etc.
Wenn sie generell damit Probleme hat bei Lehrern um Hilfe zu fragen, dann wird es schon wieriger. Denn ich nehme dann an, dass sie auch sehr hohe Erwartungen an sich selbst stellt. Und da kommt dann mit ins Spiel, welche Rolle ihre Eltern spielen, etc. Eine Freundin von mir war erst wegen einer sozialen Phobie in Behandlung, die mussten dann sich sog. Shame attacs aussetzten, d.h. sie wurden bewusst mit den Situationen konfrontiert, die sie für so grausam empfunden haben. Diese Methoden sind aber, denke ich, nur unter psychologisch therapeutischer Aufsicht zu empfehlen. Damit kannst du ihr nur immer wieder sagen, dass keine Fragen dumm sind und dass die Lehrer deshalb ihren beruf haben, weil sie Kindern etwas vermitteln wollen. Und jeder lernt anders und sie hat auch ein recht darauf es vermittelt zu bekommen. Vlt. würde es ihr auch helfen sichj mit ihrer Musikalität am Schulallatg zu beteiligen, z.B. In Konzerten. Eben auch als Beweis für sich selbst: ich kann zwar nicht alles perfekt, aber DAS kann ich besser als ihr alle. Mir selbst hat der Gedanke immer sehr geholfen, dass ich auch große Stärken habe (im ürbigen spiele ich auch sehhhhhhhr gern Flöte
).
Viel Erfolg, euch beiden!
Regina
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Hallo,
ich würde eins machen:
Frag doch einfach mal direkt jmd, von dem du weißt, das er nicht schüchtern ist, ob er / sie es verstanden hat und was es für Fragen gibt.
Vielleicht suchst du dir da jemanden, der mit ihr befreundet ist und redest vorer mit ihm über dein Vorhaben. Oder direkt vor der Klasse ansprechen, das es ganz wichtig ist, Fragen zu stellen, da es immer schwieriger wird. Bei uns gab es mal ein Spiel, wo je nachdem wieviel Zeit war, jeder dran kam, eine Frage stellem MUSSTE oder durfte, so verliert man langsam die Angst. Es gibt schließlich keine dummen Fragen nur dumme Antworten…