Zunächst mal glaube ich, dass Du Dir schon ein bisschen zuviel Gedanken über sie machst:
Zum Einen entfernt man sich, wenn man über Wochen und Monate mit psychologischer Evaluation einer nahestehenden (!) Person befasst ist, von der Objektivität und Angemessenheit. Ich lese aus Deinem Artikel einen leichten Aktionismus heraus. Du fragst, welche Therapie sinnvoll ist und wie Du helfen kannst. Du willst offenbar irgendetwas „reparieren“. Dabei ist es in der Psychologie immer fraglich, ob etwas kaputt ist.
Vorausgesetzt, es besteht der Bedarf, kann es andererseits verhängnisvoll für euch beide sein, wenn Du dich als „Therapeut“ einspannen lässt.
Der erste Schritt wäre daher, klarzustellen, wie ihr zueinander steht. Mir scheint, dass für Dich eine Beziehung nicht infrage kommt. Du bist aber durchaus emotional befangen und siehst Dich in der Pflicht ihr zu helfen. Das halte ich für sehr anerkennenswert, weil man die rücksichtslosen Trampel deutlich öfter findet als die sensiblen Helfer.
Deine Empfindung musst Du ihr aber erklären. Menschen in ihrer Lebenssituation fällt es (in der Regel) schwer, Freundlichkeit von Zuneigung zu unterscheiden.
Das wird evtl. nicht ohne Tränen gehen, aber da müsst ihr durch. Erst wenn das Verhältnis von solchen Hoffnungen bereinigt ist, kannst Du überhaupt versuchen, ihre Situation zu erfassen. Das schreibe ich, weil die wichtigste Voraussetzung dafür Deine Ehrlichkeit ist. Du darfst sie nicht in Deine Fürsorge nehmen und ihr dann die Tür vor der Nase zuschlagen. Das muss vorher geklärt sein.
Was ihre Situation angeht, sind einige Fragen offen und ich bezweifle, dass Du selbst einen ausreichenden Überblick darüber hast. Du hast in Deinen Gedanken das Pferd eher von hinten aufgezäumt und wohl vieles unterstellt.
hetero, Jungfrau (körperlich),
In welcher Situation habt ihr darüber gesprochen? Das ist doch sehr persönlich. Ich fürchte, da bist Du schon weiter gegangen als Dir eigentlich recht ist und hast ihr etwas vorgemacht.
(vermutlich Vaterkomplex)
Der „Vaterkomplex“ ist ein oft bemühtes Phantom der Trivialpsychologie. Den Versuch, Liebe in natürliches und widernatürliches Verhalten aufzuspalten hat man glücklicherweise schon aufgegeben. Wenn man dennoch einen Vaterkomplex definieren möchte, müsste man sagen, dass jede Beziehung unter 30 teilweise davon motiviert ist. Das ist darin begründet, dass der Altersunterschied von 4 Jahren, der durchschnittlich zwischen den Partnern liegt, in dieser Zeit noch einen Unterschied an Lebenserfahrung bedingt.
Dass sie den Altersunterschied ignoriert, sollte also kein Hauptaugenmerk sein.
Wohnt allein, ziemlich weit weg vom Elternhaus, aber Papi ruft
jeden Abend an.
Das ist doch eher Papis Problem. Wie steht sie dazu? Es wäre zu erwarten, dass es ihr auf die Nerven geht. Wenn es ihr Wunsch ist, lässt sich daraus jedoch noch lange kein psychisches Problem ableiten.
Fährt bei fast jeder Gelegenheit nach Hause, wobei sie an den Wochenenden in
letzter Zeit öfter auch hier geblieben ist, um sich mit mir zu treffen.
Hat sie das Bedürfnis nach Hause zu fahren oder möchte ihre Familie sie sehen?
Was ist eigentlich mit der Mutter? Du hast sie mit keinem Wort erwähnt.
Womit beschäftigt sie sich, wenn sie zuhause ist? Ich rechne damit, dass sie den „Absprung“ aus dem Elternhaus zum Ende der Teenie-Zeit nicht geschafft hat. Das würde man daran erkennen, dass sie zuhause Dinge tut, die sie auch bei sich machen könnte, also kein Vorhaben besteht, dass die Fahrt zu den Eltern rechtfertigen würde. Dann ist darauf achten, dass das Lösen von den Eltern nicht zugunsten einer Bindung an Dich geschieht.
Ihre Wohnung ist fast steril eingerichtet, so gut wie keine
persönliche Note, sie empfindet sie als zweckmäßig, ich als
abweisend (eigentlich unbewohnt). Auf das bisschen
persönlichen Stil, das sie eingebracht hat, ist sie sehr
stolz.
Das ist ebenfalls ein Punkt, der symptomatisch für ihre Persönlichkeit ist, aber nicht für ein Problem. Wenn sie sich wohlfühlt, muss man das als Geschmackssache abhaken.
Wenn ich ihr dann, so schonend
wie möglich sage, was ich denke, fängt sie oft an zu weinen,
was mir eigentlich sagt, dass ich auf der richtigen Spur bin.
Dann gilt es, auf dieser Spur zu bleiben, auch wenn das anstrengend sein mag. Es nutzt ihr nichts, wenn sie ansonsten nur in Deiner Abwesenheit weint. Das Weinen ansich ist nicht das Zeichen einer emotionalen Verletzung sondern der Bereitschaft, diese Verletzung zu zeigen. Es wäre falsch, jeden Lösungsversuch zu Beginn des Weinens abzubrechen. Vielmehr interessiert, was sie nach dem Weinen sagt, wenn sie ihre Seele von Ballast befreit hat.
Nun bin ich weder Psychologe, noch sonst was in der Richtung
und habe Angst, dass ich da was kaputt machen könnte.
Um das zu vermeiden, solltet ihr euch in euren Gesprächen darauf konzentrieren, was sie unglücklich macht, und nicht darauf, was Du als unnormal empfindest.
Habe auch Angst, daß sie sich in mich verlieben könnte, was dann
mit Sicherheit einen großen Scherbenhaufen ergeben würde.
Das zu klären ist Tagesordnungspunkt Nr. 1.
2.Frage: Was könnte ihr helfen? Welche Therapie? (Würde die
Krankenkasse event. die Kosten noch einmal übernehmen?)
Ich bin auch kein Psychologe und daa nur so spezifisch gebildet (forensische Kommunikationspsychologie), dass ich nichts medizinisch einordnen kann. Aber ich habe den Eindruck, dass eine psychische Symptomatik mit Behandlungsbedaf eher nicht vorliegt. Vielleicht melden sich ja die Leute vom Fach hier noch zu Wort.