Hallo Metapher,
mit „Selbstbezüglichkeit“ liegst du schon mal in der richtigen
Richtung. Sie ist die Grundstruktur für alle sog.
(pragmatischen oder logischen) Paradoxien (oder auch Aporien).
Was die mit Selbstbezüglichkeit zu tun haben, erscheint mir erklärungsbedürftig.
Klassisches Paradebeispiel: „Hör endlich auf, zu tun, was ich
dir sage!“
Das Beispiel ist denn doch verschieden von: „wenn ich jemanden anschreie: „schrei nicht!““
Bei diesem Beispiel handelt es sich um die Handlungen zweier verschiedener Personen, und das als Paradoxie oder Aporie zu bezeichnen, setzt Gleichheit der Personen voraus, die weder logisch noch sozial gegeben sein muss. Ich will hier nicht den Satz vom Jovi und Bovi strapazieren.
Dein Beispiel ist als auch sog. Double-bind-Botschaft ganz anders gelagert. Hier erhält jemand zwei gegensätzliche Befehle, die er logischerweise nicht beide befolgen kann, weil sie sich scheinbar ausschließen.
Ich sage „scheinbar“, weil gerade an diesem „Paradebeispiel“ die Grenzen der pragmatischen Betrachtung sich zeigen, wenn man nicht die sematischen Aspekte in die Analyse einbezieht. Will sagen: Ein Satz hat ggf. als Gesamtaussage verschiedene Bedeutungsschichten, die sich gerade nicht durch eine eindimensionale pragmatische oder sprachlogische Analyse erschließen.
Ein von mir hoch geachteter Lehrer pflegte genau dies zu seinen Schülern zu sagen: „Ich verbiete euch zu gehorchen!“, womit er seine Schüler keineswegs in Aporie und Handlungslähmung versetzte, sondern im Gegenteil sie über die (natürlich intendierte) Reflexion über Notwendigkeit und Grenzen von Befehl und Gehorsam zu selbstbestimmt handelnden Subjekten „erzog“.
Das hübsche Pendant zu deinem Paradesatz aus der gegensätzlichen Perspektive ist ja übrigens die Anekdote, nach denen Kinder in einer antiautoritären Kindergruppe zu ihren Betreuern kamen und fragten: „Müssen wir heute schon wieder machen, was wir wollen?“.
Grüße
Harry