Selbstdarstellung im Internet

Hallo!

Mit zunehmender Verwunderung beobachte ich, dass es Leute gibt, die es nötig haben, sich bspw. im Schüler-VZ oder Studi-VZ derartig selbst zur Schau zu stellen, indem sie sich dort übermäßig profilieren, ihre Vorlieben, Abneigungen und Hobbies detailliert auflisten, eine größtmögliche Anzahl an „Freunden“ sammeln, in Gruppen mit ~lustigen~ Namen beitreten, massenweise Bilder und Fotoalben von sich und Freunden veröffentlichen, sich oberflächliche oder nichtssagende Nachrichten (etwa: hab dich lieb! *bussy* *kiss* lg sandra) auf ihre Pinnwände schreiben und so weiter und so fort.

Wie bewertet man das aus psychologischer Sicht? Ist das eine Form von Narzissmus?

Gruß
michl

Hallo michl!

Wie bewertet man das aus psychologischer Sicht? Ist das eine
Form von Narzissmus?

Irgendwie ist es ein Zeichen der Zeit. Vor 20 Jahren waren es die Tassen, Armbänder, Schlüsselanhänger, danach die TShirts, Autoaufkleber und heute die Präsenz im Web.
Der Narzissmuss unserer heutigen Zeit hat (hatte) schon vor 40/50 Jahren begonnen und steigert sich immer mehr zur Dekadenz. Auch wenn der Höhepunkt noch nicht erreicht ist.

Die einen gucken überrascht und überrumpelt die anderen sehen es als eine Aufforderung sich auch mal zu präsentieren.
Die menschliche Natur sowie ihre Bedürfnisse, als auch Neigungen sind mal komplex und mal simpel gestrickt.

Wir menscheln einfach nur herum und wenn einer stirbt dann dreht sich die Welt trotzdem weiter. Auch wenn es uns nicht vorstellbar ist.

Genauso könntest du auch die Forenwelt in Frage stellen.
Was haben wir Foris, in diversen und diesem Forum, Beiträge veröffentlicht, unser Wissen und unsere Erfahrungen zum Besten gegeben und doch landet alles irgendwo im Internet-Nirwana oder man wird, nach LANGER-Zugehörigkeit, einfach komplett oder teilweise gesperrt.

Selbst deine Frage hier, könnte man als narzistisch beurteilen, da du in diesem das Verhalten von zig tausenden als narzistisch verurteilst. Selbst wenn diese Unterstellung in einer Frage verkleidet wurde :wink:

Grüsse
Krümel

Der Narzissmuss unserer heutigen Zeit hat (hatte) schon vor
40/50 Jahren begonnen und steigert sich immer mehr zur
Dekadenz. Auch wenn der Höhepunkt noch nicht erreicht ist.

Wieso „vor 40/50 Jahren“? Was war damals? Und welcher Höhepunkt?

Genauso könntest du auch die Forenwelt in Frage stellen.
Was haben wir Foris, in diversen und diesem Forum, Beiträge
veröffentlicht, unser Wissen und unsere Erfahrungen zum Besten
gegeben und doch landet alles irgendwo im Internet-Nirwana

Wenn ich mich nicht ganz täusche, so gelangt manches Wissen, das hier erfragt wird, gelegentlich auch mal zu praktischer Anwendung.
Ich verstehe aber nicht, was das mit meiner Frage zutun hat!? Alte Zeitungen landen schließlich auch im Altpapier. Und das ist doch irgendwie auch ganz gut so, oder? ;o)

Selbst deine Frage hier, könnte man als narzistisch
beurteilen, da du in diesem das Verhalten von zig tausenden
als narzistisch verurteilst. Selbst wenn diese Unterstellung
in einer Frage verkleidet wurde :wink:

Finde ich nicht. Meine Frage lautete, ob man derartiges Verhalten denn schon als narzisstisch beurteilen kann, ich habe aber nicht behauptet, dass ich bedingungslos ALLE Mitglieder dort über einen Kamm schere und als narzisstisch verurteile, zumal meines Erachtens lange nicht alle dort dazu neigen, sich dort exzessiv selbst darzustellen. Falls sich das so anhörte, bitte ich um Entschuldigung.

michl

Kommunikation? Leben?
Hi,

vielleicht ist den Usern dort ihre Psychologie ziemlich egal und sie machen einfach was ihnen Spaß macht?

Studi-VZ derartig selbst zur Schau zu stellen, indem sie sich
dort übermäßig profilieren, ihre Vorlieben, Abneigungen und
Hobbies detailliert auflisten, eine größtmögliche Anzahl an
„Freunden“ sammeln, in Gruppen mit ~lustigen~ Namen beitreten,
massenweise Bilder und Fotoalben von sich und Freunden
veröffentlichen, sich oberflächliche oder nichtssagende
Nachrichten (etwa: hab dich lieb! *bussy* *kiss* lg sandra)
auf ihre Pinnwände schreiben und so weiter und so fort.

Sowas nennt man/ich Kommunikation. Wenn mir Menschen real gegenübersitzen (zB einem Kollegen) kucke ich die einfach mal an, die kucken mich an und dann kucke ich wieder woanders hin. Ich meine nicht flirten, sondern einfach so ein nonverbales „ich habe registriert, dass du noch da bist und ich weiß, dass du mich auch noch wahrnimmst“. Sowas geht im Internet nicht. Also schreibe ich kurz „Liebe Grüße“ und gut ist.
Vielleicht ist das „Liebe Grüße“ auch Teil eines langen Gespräches das abwechselnd per mail, icq, sms, Profileintrag und Telefon geführt wird? DU liest nur diese zwei Wörter, kapierst gar nix und denkst die beiden sind bekloppt…

Wie bewertet man das aus psychologischer Sicht? Ist das eine
Form von Narzissmus?

Ich würde das als eine Form des sozialen Lebens bezeichnen :wink:

LG,
J~ :smile:

Wieso „vor 40/50 Jahren“? Was war damals? Und welcher
Höhepunkt?

Das war einige Jahre nach dem 2tenWK und der Höhepunkt wird wahrscheinlich darin gipfeln, dass RTL2 dafür wirbt die ganzen Kriegsleichen nicht zu beerdigen sondern zu Gourmets zu verarbeiten.

Wenn ich mich nicht ganz täusche, so gelangt manches Wissen,
das hier erfragt wird, gelegentlich auch mal zu praktischer
Anwendung.

Natürlich ist das der Fall, ändert aber nichts daran, dass die Artikel trotzdem irgendwann wie „Zeitungspapier“ verschwinden.

Ich verstehe aber nicht, was das mit meiner Frage zutun hat!?

Es war meine freie Interpretation deiner Fragen und die folge der Gedanken die ich dazu hatte.

Finde ich nicht.

Tja, die Beiträge in den Foren fallen immer zum Opfer der Interpretationen der jeweiligen Geister die hinter der Tastatur sitzen und antworten (oder auch nicht)

Meine Frage lautete, ob man derartiges
Verhalten denn schon als narzisstisch beurteilen kann, ich
habe aber nicht behauptet, dass ich bedingungslos ALLE
Mitglieder dort über einen Kamm schere und als narzisstisch
verurteile, zumal meines Erachtens lange nicht alle dort dazu
neigen, sich dort exzessiv selbst darzustellen.

Zu deiner Frage ob es eine Form des Narzissmus sei, würde ich mit Ja antworten. Im Internet darf sich jeder mit allem repräsentieren. Ob es eine Firma ist die ein Foto des Geschäftsführers zeigt (wofür?) oder das Bild des Parkplatz/der Lagerhalle (wofür?), oder die private HP die vollgestopft ist mit Infos über die diversen Fusspilzbehandlungen und natürlich den dazugehörigen Bildern.

Gestern war ich auf der site von wer-kennt-wen und da wird genau das Bild widergespiegelt was du hier aufgelistet hast. Man kennt angeblich Gott und die Welt, ist in jeder nur möglichen Gruppe Mitglied und überhaupt Kussie hier und Bussie da. Auch wenn es nur die Nachbarn vom Nebenhaus sind und man sich gerade erst verabschiedet hat.

Gruss
Krümel

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Psychologisch betrachtet ist das einer der wichtigsten Aspekte der Kommunikation über das Medium Internet und zeugt somit auch oft von einer gewissen „Internet-Kompetenz“ - natürlich kann man es auch übertreiben, aber grundsätzlich gilt:

Das Internet bzw. die meisten Dienste darin sind Kommunikationsmedien mit starker Kanalreduktion. Durch Simulation auf der einen Seite (also in diesem Fall Selbstdarstellung) und Imagination (also „Ergänzung“ der gehlenden Informationen im Kopf) werden sozusagen Lücken gefüllt, die im Gegensatz zu persönlichen Begegnungen bedingt durch die Einschränkungen des Mediums vorhanden sind.

Das führt dann im Idealfall unter anderem zu einer größeren „Selbstentfaltung“ und gefestigteren Identitäten einzelner Individuen, im Schlimmsten zu purer Manipulation - wobei die kritischen Variablen wohl die Zusammensetzung der Gruppe, deren Internetkompetenzen sowie Motivationen sind.

Hängt natürlich alles noch von vielen anderen Dingen ab und ist generell sehr diffus - allein zu der Frage könnte man 1 Buch schreiben und jeder der’s lesen will müsste vorher 10 andere durcharbeiten, um alles zu verstehen.

Man könnte das ganze z.B. auch unter dem Gesichtspunkt betrachten, dass jemand wohl eher sein Ideal-Selbstbild darstellt als ein realistisches und dadurch, dass andere dieses „sehen“ einem stärkeren Druck verspürt, sich diesem anzunähern oder zumindest den Anschein zu erwecken.

Eine Prise Dissonanz-Theorie kann weiterführend auch nicht schaden - schließlich erzeugen zum einen für andere sichtbare Verstöße gegen die „evtl etwas idealisierte Selbstdarstellung“ als auch solche kleine Problemchen: „X soll wissen dass ich…“ aber „Y soll nicht glaube dass“ in zusammenhang mit „sowohl x als auch y können das sehen“ 'ne ganze Menge davon.

Andererseits klingt das alles nach 'ner Menge Denkarbeit… bleiben wir doch einfach bei „Narzissmus“, das war einfacher. Diese blöden narzisstischen Internetleute, schreiben immer alles überall rein und machen sich wichtig!

Ich geh schlafen.