Selbstgespräche

Hallo!

Wenn jemand gern kommentiert und redet, wenn er alleine ist nennt man das Selbstgespräche führen.

Ich habe auch gelesen, dass darin eigentlich nichts Schlimmes sein soll.

Jetzt ist es aber so, dass derjenige, um den es jetzt geht, der Selbstgespräche führt unter anderem auch nach einem Streit oder einem Argument vor sich hin brabbelt, wenn er meint allein zu sein.

Bsp. „Die nervt mich die Ganze Zeit“ nicht gedacht aber ausgesprochen.

Nun hat seine Partnerin, die so gut wie niemals Selbstgespräche führt, seit einiger Zeit das Gefühl, dass wenn immer sie den Partner vor sich hinreden hört, dieser sich über sie beschwert. (Sie hat es halt manchmal „überhört“)

Trotz der Beteuerung, dass dies nicht so sei, fühlt sie sich jetzt jedes Mal schlecht, wenn Sie mitbekommt, dass Ihr Partner Selbstgespräche führt, deren Inhalt sie nicht hören kann.

Der „Selbstsprechende“ fragt sich nun, wie er sein Verhalten anpassen kann, da dies eigentlich automatisch ist und er sich erst daran erinnert, dass er nicht mehr selbsreden wollte, wenn es zu spät ist.

Gibt es eine geeignete Methode sich das Selbstgespräche führen abzugewöhnen?

Oder ist es einfacher Verständnis beim Partner zu „trainieren“?

Die Mutter (Anfang 60) des Selbstgespräche Führenden spricht selbst auch in Anwesenheit von anderen Personen. Über die Jahre hinweg hat sie immer mehr selbst gesprochen und der selbstsprechende will nicht, dass er sich genauso entwickelt.

Besten Gruß
Mathias

hi mathias,

abgewöhnen kann man sowas nicht so einfach. 1. macht sie das schon viele jahre und 2 hat das ja seine gründe (auch wenn ihr diese nicht bewusst sind) - ohne dass sie sich über die gründe bewusst wird, geht nix mit ändern. mal davon abgesehen, sie würde es nur ändern wenn sie sieht, das es ungut oder nicht nötig ist.

was sie damit erreicht müsste sich also in luft auflösen… aber es klingt für mich, als erreiche sie sehr gut was sie „will“ - so kann sie sagen was sie will - ohne es „gesagt“ zu haben. - das bewirkt doch ne menge - sie schlägt andere damit mal „KO“, man lässt sie in ruhe oder was sonst noch…

wenn man jemandem etwas „abgewöhnen“ will gehört dazu verdammt viel selbstdisziplin und vorherige auseinanderseztung sowie training - man darf nämlich nicht mehr wie gehabt reagieren und muss die neuen möglichen reaktionen genau durchdenken auf sinn und wirkung.

vorstellbar wäre für mich auch; ihr EINMAL zu sagen, das es einem nicht gefällt, warum nicht und wie man sich künftig verhalten wird wenn es wieder vorkommt (z.b raum verlassen, gespräch verweigern, etc)
gut wäre nat auch ein vorschlag zur alternative (du kannst mir negatives auch direkt ins gesicht sagen. nur dann bin ich bereit mich mit dir darüber auseinander zu setzen (was sie aber derzeit gar nicht will, wie es scheint)
und dann braucht man einen laaaaaaaaaaaaaaaangen atem, denn sie wird es dennoch 1 mio mal machen!- neue verhaltensweisen lernt der mensch nur schwer und zäh - und vor allem nur dann wenn er durch neue dinge einen gewinn - und durch die alten muster einen verlust hat - den sie ja wohl bisher nicht hat…

hoffe, das was in der eile dennoch halbwegs verständlich und ggfs. sogar hilfreich. sonst frag nach :smile:

LG

nina

hi nina,

danke für die lange antwort…die Antwort ja allgemein gültig war.

in meiner Frage ging es nicht um die ältere Mutter sondern um den Sohneman der sich halt noch für jung genug hält Verhaltensweisen leichter zu verändern und so eventuell vermeiden kann, dass seine Partnerin sich unnötig aufregt.

Er spricht einfach das manchmal aus, was andere eben vielleicht nur Denken würden und denkt er wäre alleine.

Besten Gruß
Mathias

hallo mathias,

du schreibst:

Er spricht einfach das manchmal aus, was andere eben
vielleicht nur Denken würden und denkt er wäre alleine.

hier fällt mir nichts andere ein als (kann gut sein, auch das ist nicht hilfreich für dich, aber mehr weiss ich leider nicht dazu zu sagen:

manchmal? - ich meine damit, wenn es selten ist, müsste es nicht unbedingt ein problem darstellen. da es das aber scheinbar doch ist,
wird es 1. nicht so selten sein und 2. nicht wie die sonst „übliche“ art des selbstgespräches. (er hat ein kommunikationsproblem würde ich meinen, denn die übliche art zu kommunizieren die direkte sein - jemandem sagen was einen bewegt.)

wenn doch: sollte sich mal auseinandersetzen mit sich. denn zum einen wird er nicht immer denken allein zu sein, zum anderen geht es dabei nicht nur um die annahme allein zu sein. das mag die vordergründige, die bewusste begründung sein, doch dahinter steht immer noch etwas anderes. auch wäre es evtl. ne gute sache ich zu erinnern wie es begann - irgendwann hat er schliesslich damit angefangen und das auch wieder aus einem bestimmten oder mehreren grund/gründen.

noch immer denke ich hier in richtung mangel an konfliktvermögen - direkte auseinandersetzungen, disskussionen, streit - sich abgrenzen - jemanden oder etwas ablehnen etc - dass er damit probleme hat und sich evtl dessen nichtmal bewusst ist - auf diese weise beides umgeht - die auseinandersetzung mit sich und eben dem gegenüber.
wie auch immer die gründe gelagert sein mögen - für mich klingt es nach einer art methode, die als hilfmittel benutzt wird - da die „üblichen“ methoden nicht von ihm genutzt werden können (nicht gelernt oder zu ängstlich oder sonstiges)

die frage ist aber doch eigentlich, will er es ändern? hierbei ist evtl. nichtmal wichtig warum er macht was er macht - nur ob er es ändern will. - da muss man testen was geht, was hilfreich ist. durchdenken und eben auch schauen, was sich damit dann verändern würde, für ihn vor allem erstmal und ob er das so leisten kann und will.
änderungen sind immer erstmal stress, deshalb muss man von einer gewissen dauer ausgehen bevor überhaupt etwas greift.

das ginge nur mittels eines planes, also überlegungen wie er auf neue und andere weise mitteilen kann was ihn bewegt - und der grundlegenden bereitschaft auch wiederworte auszuhalten (was ja durchaus auch ein problem sein könnte welches mit der strategie umgangen wird) und argumente vorzubringen oder - was mir noch wichtiger erscheint - die eigenen gefühle lernen zu formulieren - dafür kann es viele methoden geben die helfen könnten.
z.b 3 mal pro woche ein gezieltes gespräch miteinander bei dem jeder sagen kann was ihm/ihr nicht gefallen hat und warum nicht (ohne vorwürfe zu machen) und auch was gefallen hat.
sicher gibts auch andere möglichkeiten als nur dieses eine beispiel
das bedeutet dann aber bei der methode - feste zeiten für beide - keine möglichkeit auf eine absage des treffens am tisch - egal ob einer was zu sagen hat oder nicht - mind 10 min sitzenbleiben auch wenn beide schweigen. ich-ebene verwenden - ich finde, ich fühle, ich denke, ich will, ich mag nicht…
nicht du bist, du hast…

ansonsten empfehle ich den buchhandel - sich mal umschauen was es zum thema kommunikationsprobleme oder so in die richtung evtl. passendes gibt oder wahlweise mal einen profi aufsuchen und mit dem nach wegen suchen - muss ja deshalb nicht in eine lange therapie ausarten.

liebe grüsse

nina