Selbstmord

Hallo zusammen,
ich arbeite in einer Werbeagentur und soll eventuell eine Kampgane zum Thema
Selbstmord machen. Ziel ist natürlich nicht, daß sich jetzt alle Leute umbringen. Nein,
es ist eine sog. Socialkampagne deren Aufgabe es ist, das Tabuthema Suizied
„gesellschaftsfähig“ zu machen und Spenden für eine Organisation zu generieren.
Könnt ihr mir Eure Meinungen, Ansichten und Erfahrungen zum Thema Selbstmord
mitteilen?! Wie gehen wir damit in unserer Gesellschaft um? Ist es wirklich ein
Tabuthema über das man nicht gerne spricht??? Schreibt einfach drauf los. Wie
sollte Eurer Meinung nach eine Kampagne mit diesem Thema umgehen?
Vielen Dank für Eure Hilfe.
Gruß Oli

kein tabuthema, nur, mit wenigen ausnahmen ist meine meinung zu selbstmördern: feigling!
es gibt meistens eine lösung
plo
http://www.possums.de

tja, so sieht die gesellschaft es üblicherweise, aber warum tut sie das eigentlich?

weil mensch unbedingt am leben hängen muss, egal obs ihm unerträglich ist, oder nicht?
ich denke mal das die menschen einfach selber entscheiden können sollten ob ihnen leben gefällt oder nicht, wenn ein kranker mensch sich dafür entscheidet, nicht mehr leiden zu wollen, dann sollte da kein mensch mit dem wort feigling um sich werfen dürfen.

natürlich gibt es meistens eine andere lösung, fragt sich nur ob mancheine/r diese lösung will.

feige ist es bestimmt genausowenig wie eine heldentat.
der erhobene zeigefinger der gesellschaft ist viel viel schlimmer.
wer gefunden wird, der schreit um hilfe, wer dabei stirbt, der wollte auch sterben.

wer will darüber richten dürfen?

gruß

loewas

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Hallo,

ich glaube du weisst nicht, was Depressionen sind!

Gruss, Nisil

da muß ich zugeben: stimmt, depri kenne ich nicht!
aber viele andere gründe warum jemand selbstmord macht.
ich hatte früher eine freundin, eine sehr gute sogar, die hatte stress in der familie, den stress den wohl jeder mit 17 hat.
jetzt wäre sie so alt wie ich, aber, wie gesagt, sie hatte stress
plo
http://www.possums.de

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Hallo Oliver,
das ganze ist wahrscheinlich deshalb ein Tabuthema,weil die Beweggründe zum Selbstmord ziemlich in die Intimsphäre des
betroffenen gehen.Darüber spricht man in der
Öffentlichkeit halt nicht so gern.Es ist ja
auch nicht so,das diese Menschen alle sehr
labil sind.Jeder,der sich damit ein wenig auseinandersetzt,wird sehen,daß das ganze
ein sehr komplexes Thema ist.Die Aussage
meines Vorredners (Feigling)finde ich ziemlich unsachlich.Damit disqualifiziert er
sich selbst.Ich wünsche niemandem,mal in der
Situation zu sein und ich spreche da aus eigener Erfahrung.Feige ist für mich eher
jemand,der sich nicht mit sich selbst und
seiner Umwelt auseinandersetzt.
Falls Du Dich wirklich dafür interessieren
solltest,kannst Du mir mal mailen.
Gruß Sebastian

hallo, also eine kampagne zum thema suizid zu entwerfen ist verdammt schwierig, weil es doch ein ziemlich sensibles Thema ist. was mich noch interessiert was für eine Organisation ist das für die damit Spenden gesammelt werden sollen? Wie soll die Kampagne ungefähr sein, sind auch events geplant oder nur print und tv kampagnen?
so jetzt noch zu deinen fragen, also selbstmord ist schon ein ziemlich grosses Tabuthema in unserer Gesellschaft, sonst gäb es nicht so viele Selbstmörder bzw. Selbstmordversuche, d.h. wenn die Menschen sich mit dem Thema auseinander setzen würden sie die kleinen Hilferufe von den Betroffenen vielleicht eher erkennen. Außerdem könnten dann Selbstmordgefährdete besser aus sich rauskommen, wenn sie das gefühl haben hey da hört mir jemand zu.
So ansonsten schließ ich mich zu teilen meinen Vorredner an.

Gruss Nicole

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Hallo,

du scheinst in dieser Hinsicht wenig einfuehlsam zu sein.
Gut, dieses Maedchen hatte den „ueblichen Stress“ den man eben so mit 17 Jahren hat.
Das ist aber DEINE Einschaetzung der Situation und die muss nicht einmal falsch sein. Aber deine Sicht der Dinge ist in diesem Fall eher nebensaechlich. Entscheidend ist die Sicht der Betroffenen.
Und wenn sie alles uebertrieben negativ sieht, dann muss das ernst genommen und vorsichtig korrigiert werden.
Ein Drepressiver weiss oft selber (rein verstandesmaessig), dass es ihm eigentlich gut gehen sollte, nur dass er eben seine Gefuehle nicht auf die Reihe bekommt. Warum soll man ihm also erzaehlen, was er schon weiss. Hier ist eine fachkundige Therapie angebracht!
Ich spreche hier nicht von den paar Bescheuerten, die Selbstmorddrohungen als Druckmittel einsetzen, sondern von den vielen echt suizidgefaehrdeten, die (es wurde bereits erwaehnt) oft schon einen langen Leidensweg hinter sich haben.

Gruss, Niels

ich hatte früher eine freundin, eine sehr
gute sogar, die hatte stress in der
familie, den stress den wohl jeder mit 17
hat.
jetzt wäre sie so alt wie ich, aber, wie
gesagt, sie hatte stress

Hallo,
Das hört sich für mich danach an, daß Du heute noch enttäuscht und verletzt bist, daß sie sich umgebracht hatte,…obwohl sie einen guten Freund hatte!
Das tut mir für Dich sehr leid.
Ich kann gut verstehen, daß man da wütend wird. Du hast ihr wahrscheinlich bis heute noch nicht verziehen, daß sie Dich über diesen Weg einfach verlassen hat
Ilona
Die ähnliches auch schon mal erlebt hat.
Ich finde nämlich auch, daß es immer einen Ausweg gibt, zumal wenn Menschen da sind, die ihre Unterstützung angeboten haben.
Ilona

richtig, ich meinte die von dir als bescheuert titulierten
plo
http://www.possums.de

Loewas moechte ich im Prinzip zustimmen, den Anderen nicht. Zunächst sollte man endlich mit dem Begriff „…mord“ aufraeumen und sich zu einem nicht wertenden Wort bequemen wie „Selbsttoetung“. Ich will hier keine lange Abhandlung von mir geben. Alle monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) verdammen jeweils mit definierten Ausnahmen Selbsttoetung als schwerstes Vergehen, dessen sich ein Mensch schuldig machen kann, und wir sind natuerlich eingefangen durch eine solche Tradition.
Die ethische Diskussion bezieht sich in der Regel auf schwerkranke, moeglichst krebskranke Menschen im „Endstadium“, was immer das heissen mag. Dies erscheint mir eine unzulaessige Vereinfachung des Problems. Natuerlich sollte sich nicht jeder Mensch in einem voellig normalem, voruebergehendem depressiven Zustand (z.B. Pubertaet) umbringen. Aber es geht in der Tat um die Frage, ob man „im Prinzip“ ueber das Ende des Lebens selbstverantwortlich entscheiden darf. Der Meinung bin ich allerdings.
Ich halte es fuer ueberfaellig, dass Medien sich enttabuisierend mit dem Thema beschaeftigen. Leider werden normalerweise
moralisiernde oder „mitleidende“ Aussagen verkuendet, die dem Thema und den Menschen nicht gerecht werden.
Viel Erfolg!
Ruediger Dierkesmann

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Na klar!
Aber meiner Meinung nach muss man Selbstmord nicht Gesellschaftsfähig machen…
Das Gespräch und doie Auseinandersetzung mit diesem Thema aber gern

> meine meinung zu selbstmördern: feigling!

hi peter,
es klingt jetzt wahrscheinlich total fies, ist aber ernst gemeint von mir (da selbst betroffen gewesen). stell dir vor, du hast einen zuckerschock (oder wie das heisst, bei diabetikern), und es geht dir so richtig scheisse; und der kommentar deiner umwelt ist: „stell dich nicht so an ! reiss dich zusammen !“

  • so etwa fühlt man sich als depressiver (der vielleicht gerade über selbstmord nachdenkt), wenn man hört: „feigling! stell dich dem leben!“
    …nicht sauer sein. ist jetzt echt nicht als „schlag unter die gürtellinie“ gemeint. aber es ist echt - zum teil - vergleichbar.

Suizid - ein Lösungsmodell
In der Psychiatrie verstehen wir unter einem Suizid ein Lösungsmodell für ein Problem, von dem der Betroffene annimmt, es sei nicht anders zu lösen, als eben dadurch, sich das Leben zu nehmen. Das setzt aber voraus, und die Praxis beweist das auch, daß sich der Suizident schon vorher mit anderen Optionen als Suizid beschäftigt hat, bloß eben zu keiner für ihn akzeptablen Lösung gekommen ist.
Mal abgesehen davon, ob es tatsächlich Probleme gibt, die nicht anders zu lösen sind, als durch den Tod dessen, der diese Probleme hat, meine ich doch, wenn ich mir meine tägliche Praxis in der Psychiatrie ansehe, daß das Problem des Suizides in erster Linie ein Kommunikationsproblem ist: Die meisten Menschen unsere Zeit haben einfach nie gelernt miteinander nach Lösungsmodellen zu suchen. Kein Wunder in einer Zeit in der nur die Starken, Schnellen und Schönen (über-)leben dürfen/können.

Was das Suizidproblem bei Menschen mit tötlichen Krankheiten betrifft, denke ich, daß es in erster Linie ein Angstproblem ist, das nicht sein müßte, wenn das Antlitz unserer Medizin ein menschlicheres wäre. Meine Frau ist Krankenschwester in einem Hospiz. Wie sie in ihrer Praxis täglich erlebt, wollen krebskranke Menschen in erster Linie nicht sterben, sondern keine Schmerzen haben. Da die normale medizinische Praxis dem nicht nachfolgen kann (oder will oder was auch immer) bleibt den Betroffenen oft nur die Suizidalität als Ausweg. Werden hingegen die Schmerzen verhindert, fällt so gut wie automatisch auch die Suizidalität weg. (Das ist wie gesagt keine blasse Theorie sondern tägliche Erfahrung der Palliativmedizin,- nachzuvollziehen in jedem Hospiz).

Die Aktion den Suizid einer öffentlichen Diskussion zu stellen finde ich höchst angebracht. Gut, weiter so. Tolle Sache!

Christian.

Hallo Christian,

Was das Suizidproblem bei Menschen mit
tötlichen Krankheiten betrifft, denke
ich, daß es in erster Linie ein
Angstproblem ist, das nicht sein müßte,
wenn das Antlitz unserer Medizin ein
menschlicheres wäre.

Angst im Umgang mit totkranken Patienten, oder was meinst Du?
Hab auch frŸher mal als Krankenschwester mit totkranken Patienten zu tun gehabt, was fŸr das Personal oft eine †berforderung bedeutet hat, mangels entsprechender Ausbildung in GesprŠchsfŸhrung mit Totkranken bzw. Begleitung bei eigenen Problemen und €ngsten damit.(Supervision)

Meine Frau ist

Krankenschwester in einem Hospiz. Wie sie
in ihrer Praxis täglich erlebt, wollen
krebskranke Menschen in erster Linie
nicht sterben, sondern keine Schmerzen
haben. Da die normale medizinische Praxis
dem nicht nachfolgen kann (oder will oder
was auch immer) bleibt den Betroffenen
oft nur die Suizidalität als Ausweg.

Wann und wie lange darf denn Morphium verabreicht werden, oder ist das immer noch verboten, oder den Kassen zu teuer??
Gru§
Ilona

Angst im Umgang mit totkranken Patienten,
oder was meinst Du?

in erster Linie ist es die Angst der Patienten vor Schmerzen und Einsamkeit, die sie in den Suizid treibt. Die Angst der Helfer vor dem (eigenen) Tod multipliziert die Angst der Patienten natürlich noch.

Der Tod spielt in der Medizin keine Rolle, deshalb ist er nicht existent. Mediziner setzen sich mit dem tod nicht auseinander und versagen dann, wenn sie davor nicht mehr flüchten können. Hygeia sei dank ist das zumindest bei den Krankenschwesternin der letzten Zeit nicht mehr so der Fall.

Wann und wie lange darf denn Morphium
verabreicht werden, oder ist das immer
noch verboten, oder den Kassen zu teuer??

Ich kann dir nur über österreichische Verhältnisse Auskunft geben und da müßte ich ein Buch schreiben. Ich glaube aber nicht, daß die Kassen oder die Gesetze das Problem sind, sondern die mitunter grenzenlos anmutende Dummheit der verantwortlichen (Chef-)Ärzte.

Christian (der auch wirklich gute Ärzte kennt)