Selbstmord der Mutter - wie Kind begegnen?

Hallo!

Die Mutter einer der engeren Freundinnen meiner Tochter (6 Jahre) hat sich vor zwei Tagen erhängt. Das Mädchen kommt morgen wieder in den Kindergarten und ich frage mich, wie ich ihr begegen soll, falls ich ihr begegne, wenn ich meine Tochter abhole. Für die Kleine muss das ein unglaublicher Schock sein.

Ich wäre dankbar, wenn jemand einen guten Tipp hätte.

Danke!
Michael

…ratlos…

ich weiss auch nicht wie ich mich verhalten würde…
Aber ich würde wahrscheinlich mit der Betreuerin des Kindes sprechen. Evetuell ist sie informiert in wie weit das Kind informiert ist und hat sich eine Strategie überlegt. Vielleicht wird auch in der Gruppe darüber gesprochen dass die Mutter des Kindes tot ist und Deine Kinder werden Dir Fragen stellen…?

Das ist eine sehr schwierige Situation.

mit nachdenklichen Grüßen
Sue

freundlich und mit Respekt vor ihren Gefühlen
Hallo Michael,

Kinder schätze ich als wesentlich sensibler als Erwachsene ein, weil sie mangels Sprachkenntnisse ihr Leben durch Beobachten und Tun meistern. Deshalb wird das Mädchen jedes Ausnahmeverhalten der anderen allzu deutlich empfinden, und es wird sie verunsichern.
Auf der anderen Seite fehlt ihr die Erfahrung einer Erwachsene - absehbares Verhalten an den Tag zu legen, sprich bei dem Kind wird nichts aufgesetzt sein, und sie wird sich so benehmen wie sie es gerade für richtig hält.
Als Mutter würde ich sie so freundlich wie immer grüßen, nicht mehr und nicht weniger. Will sie nicht bemerkt werden, dann würde ich das auch respektieren. Auf keinen Fall würde ich versuchen sie aufzuheitern oder ein Trauergespräch anzufangen, weil das Aufgabe der Erzieherin ist, wenn es ihr angemessen erscheint.

viele Grüße
grilla

Hallo michael,

nunja, inzwischen wirst du vielleicht schon im KiGa gewesen sein…
Keiner von uns, und Du vielleicht auch nicht, weiss, ob das Mädchen die Mutter erhängt gesehen hat oder nicht. Jedenfalls wird sie „wissen“, dass die Mutter gestorben ist (was auch immer sie sich darunter nun vorstellt).
Ich würde ihr auch kein Gespräch aufzwingen, sie nicht fragen, wie es ihr „nun so geht“ usw. Möglichst nromal bleiben, aber auch -je nach dem, was sie signalisiert, zeigen, dass Du „bescheid“ weiss. Versuche dann nicht so zu tun, als wäre nichts.

Ich sehe es an unserer Tochter, dass Kinder mit Tod, Grusel, Krankheit usw. anders umgehen als wir. Man sollte das Mädchen unterstützen auf dem Weg, den sie einschlägt, um mit dem Tod ihrer Mutter klarzukommen, ohne ihr jetzt von Erwachsenenseite vorzuschreiben, wie sie es zu tun hat. Ich meine, vielleicht kann sie momentan noch nicht trauern, weil sie noch nicht begreift/begriffen hat, was es bedeutet.

Vielleicht erfährst Du etwas über Deine Tochter, was Dir weiterhilft.
Vielleicht kann man das Mädchen auch einmal einladen, wenn Deine Tochter mit ihr befreundet ist, dürfte das ja kein Problem sein. Vielleicht kommt dann das gespräch auf den tod der Mutter.
Vielleicht möchte das Mädchen aber auch lieber alleine sein, das merkt man ja dann auch.

Kinder sind zwar einerseits sehr empfindsam auf diesen Gebieten, die ich ansprach, andererseits schockt sie manches noch nicht so sehr, wie uns oder wie wir annehmen.

Ich würde es so machen wie bei einem Erwachsenen, der einen Todesfall hatte:
Schauen, was er signalisiert und versuchen, darauf einzugehen und Offnheit für ihn/seine Situation zu zeigen ohne mich ihm aufzudrängen.

Gruss,
K’König

Aufnehmen, was das Kind signalisiert.

Sich nicht aufdrängen.

In der Regel bereiten Erzieherinnen sich (situationsorientiert) auf solche Situationen vor, um sie mit den Kindern zu besprechen.

Über das Thema Tod, Trauer etc. gibt es Bilderbücher, die mit dem Kind besprochen werden können.

Ansonsten…, tja, das ist schon ein mehr als bitteres Thema. Auch relativ ratlos
Bernice

Hallo allerseits,

danke erstmal für eure Antworten. Noch bin ich dem Mädchen nicht begegnet, weil sie schon abgeholt wurde, bevor ich am Mittwoch meine Tochter abholte. Zudem bringe ich sie auch nur selten zum Kindergarten und hole sie noch seltener ab, so dass ich ihr nicht oft begegne(n werde).

Aber eure Antworten zusammenfassend ist es wohl am besten ihr natürlich zu begegnen und nicht nach ihrem Befinden zu fragen (was mir sicher schwerfallen wird). Am Mittwoch (wegen des Feiertages der einzige Kindergarten Tag bisher), verhielt sie sich völlig „normal“ (also wie immer), sie ist wohl noch in tiefer Verdrängung.

Alles Gute wünscht
Michael

Hallo KK,

Keiner von uns, und Du vielleicht auch nicht, weiss, ob das
Mädchen die Mutter erhängt gesehen hat oder nicht. Jedenfalls
wird sie „wissen“, dass die Mutter gestorben ist (was auch
immer sie sich darunter nun vorstellt).

Meine Tochter war 8 als sie mit diesem Thema konfrontiert wurde. Ich war ebenso ratlos, sie wusste aber letztlich „nur“, dass ihr Vater gestorben war. Über das „wie“ würde ich in dem Alter nicht sprechen… (wie du schon sagst, man weiß natürlich nicht, ob das Mädchen die Mutter gesehen hat). Ich würde vor allem mit der betreuenden Person sprechen, schon auch, um zu fragen, ob man - wie auch immer - irgendwie „da sein“ kann. Denn das weitere Problem ist ja auch der „übriggebliebene“ Erwachsene, der sehr wohl auch große Probleme mit dieser Art Tod hat, zusätzlich kommt die Hilflosigkeit dem Kind gegenüber dazu…

Ich würde ihr auch kein Gespräch aufzwingen, sie nicht fragen,
wie es ihr „nun so geht“ usw. Möglichst nromal bleiben, aber
auch -je nach dem, was sie signalisiert, zeigen, dass Du
„bescheid“ weiss. Versuche dann nicht so zu tun, als wäre
nichts.

sehr richtig. Auf keinen Fall den Kontakt zu dem Kind meiden, aus Angst etwas falsches zu sagen!! Das Wort „Unbefangenheit“ klingt vielleicht eine Spur zu heiter für dieses Thema, aber es passt im Grunde. Sei unbefangen. Nimm das Kind in den Arm, wenn es weint und lach mit ihm und mach den größten Scheiß, wenn es lacht…

Ich sehe es an unserer Tochter, dass Kinder mit Tod, Grusel,
Krankheit usw. anders umgehen als wir. Man sollte das Mädchen
unterstützen auf dem Weg, den sie einschlägt, um mit dem Tod
ihrer Mutter klarzukommen, ohne ihr jetzt von Erwachsenenseite
vorzuschreiben, wie sie es zu tun hat. Ich meine, vielleicht
kann sie momentan noch nicht trauern, weil sie noch nicht
begreift/begriffen hat, was es bedeutet.

das kam viel viel später. Ich hatte oft schon gedacht, dass sie tatsächlich dieses Erlebnis „gut verarbeitet“ hat. Weit gefehlt, das bricht immer wieder hervor und dann sollte man so offen wie irgendwie möglich darüber sprechen. Die Emotionen annehmen und leben… ich denke, selbst heute nach fast 12 Jahren ist das Thema natürlich lange nicht „gegessen“. Wir sprechen drüber und es gibt Rituale, die meine Tochter ganz für sich alleine haben möchte. DAs ist aber ein Entwicklung über diese lange Zeit und nichts vorhersehbares…

Vielleicht erfährst Du etwas über Deine Tochter, was Dir
weiterhilft.
Vielleicht kann man das Mädchen auch einmal einladen, wenn
Deine Tochter mit ihr befreundet ist, dürfte das ja kein
Problem sein. Vielleicht kommt dann das gespräch auf den tod
der Mutter.

also ich hatte eher das Gefühl, dass die anderen Kinder gar nicht großartig fragten, sondern einfach nur sehr lieb waren (aber es war halt auch schon Hort und nicht mehr Kindergarten, entsprechend waren die Kids schon etwas älter).

auf jeden Fall: sei sehr sensibel und offen/Gesprächsbereit, aber versuche nicht zu „therapieren“.

Grüße
Gerry