Selbstmord in der Familie?

Hallo liebes WWW-Team,

Kann es sein das ein gewisses Selbstmord-Risiko in der Familie liegt? Ich habe eine Bekannte, deren Cousin ist von einem Hochhaus gesprungen indem er sich das Leben genommen hat. Auch ihre Cousin hat schon viele Selbstmordversuche hinter sich. Und meine Bekannte ist meines Erachtens auch nicht ganz gesund auch wenn sie in keiner Behandelung zur Zeit ist. Sie hat mir mal von Aussetzern erzählt, die sie manchmal an wenn es ihr nicht besonders gut geht. Naja ich wollte fragen ob meine Sorge um meine Bekannte berechtigt ist? Bitte antwortet mir so schnell es geht. Danke im Voraus

Mit freundlichen Grüssen
Bye
Feng

Hi,

nicht das Selbstmordrisiko an sich, sondern vererbbare psychische Krankheiten wie Depression allgemein, und ne Menge anderer Sachen, liegen durch die Vererbbarkeit natürlich in der Familie.

Fast kein einziges Selbstmordopfer entscheidet wirklich frei für sich, dass es nicht mehr leben möchte. Sprich, so gut wie immer liegen die Gründe in psychischer Erkrankung.

Also, in dem Sinne, ja, die Vererbbarkeit ist da.
Was aber nicht heisst, dass jeder Verwandte eines Selbstmordopfers selbstmordgefährdet ist.

Gruss, Isabel

Hallo Isabel,

als kleine Ergänzung zu Deinem guten Posting noch ein paar Zahlen (weißt ja, ich bin ein Zahlenfetischist): Von allen Personen, die Suizid begehen, sind ca. 40-60% depressiv, ca. 20-30% alkoholkrank und ca. 2-12% schizophren. Das Suizidrisiko der Personen, die nicht psychisch erkrankt sind, beträgt ca. 1%, daß Risiko von Personen, die schwer depressiv sind, liegt bei ca. 15%.

Beste Grüße,

Oliver

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Hallo Isabel, Oliver,

stellt Euch mal vor, Ihr habt Alles - Materiell, Menschen, Alles worauf Ihr Euer Leben aufgebaut habt, verloren.

Seid selber schwer krank, Medikamente werden nicht bezahlt, weil die nicht ins Budget des Sozialamtes passen, Wohnung müßt Ihr raus, da sie euch krank macht (durch verschiedene Krankheitserreger).

Ihr wißt, das Eure Zukunft gleich Null ist, ein Leben am Rande der Gesellschaft.

Kraft zu kämpfen ist nicht mehr da.

Was würdet ihr einem solchen Menschen raten: „Das Leben geht schon irgendwie weiter?“

Ich habe vollstes Verständnis dafür, wenn dieser Mensch beschließt, sein Leben zu beenden.

LG
Gertrud

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

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Hi,

es gibt verschiedene Gründe für eine statistische Häufung von Suiziden:

  1. das statistische Argument: Suizide sind seltene Ereignisse und damit nicht nach der Gaußschen Glockenkurve verteilt. Die Verteilung ist im Gegensatz so, daß die Mehrzahl der Familien nie einen Suizid hatte, einige wenige Familien aber mehrere. Auf die Zukunft lässt dies aber keinerlei Schluss zu

  2. Vererbung (z.B. einer Anlage zur Depression bzw. zu depressiven Reaktionen auf problematische Lebenssituationen)

  3. Erziehung (Unfähigkeit zu einer erfolgreichen Auseinandersetzung mit bestimmten Problemen, da man es nicht von den Eltern lernen konnte)

  4. Vorbildwirkung (Suizid wird scheinbar eher als Alternative in Betracht gezogen, wenn man Beispiele im Verwanden/Freundeskreis hat

  5. Suizid als Auslöser für Suizide naher Angehöriger (sei es, dass man mit dem Suizid nicht zurechtkommt, oder aber sich schon lange umbringen wollte, aber es wegen einem nahen Angehörigen nicht getan hat, um ihn nicht zu verletzen.

Nun ist es aber nicht unbedingt so, dass man solchen Einflüssen quasi hilflos ausgeliefert ist. Kritisch wird es m.e. eigentlich erst dann, wenn der Betreffende selber aufhört, nach einer Lösung zu suchen.

A.

Hallo,

und weiter(?)gedacht: angenommen, ich habe das verloren, was „nur“ für mich lebenswert, Existenzgrundlage, Werte beinhaltend war, aber nicht unbedingt mit den allgemeinen - damit meine ich mehrheitlich so gelebten - Wertvorstellungen übereinstimmt, oder noch zugespitzter gedacht: angenommen, ich interpretiere meine persönliche (Entscheidungs)Freiheit dahingehend, dass ich, wenn ich meine Angelegenheiten schön geordnet habe, auch jederzeit selbst mein Leben selbst beenden darf, würde mir dann wohl ebensoviel Verständnis entgegengebracht? Ich zweifle daran. Haben wir nicht meistens „nur“ für das Verständnis, was wir nachvollziehen können, sei es aus eigenem Erleben, aus Erfahrungen oder einfach mittels Vorstellungskraft?

*nachdenklich*
Anna

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Huhu!

Weder Isabel noch Oliver haben Suicid irgendwie ethisch bewertet, sondern nur Statistiken zitiert …

Ansonsten kann man natürlich fast immer irgendwelche Fälle konstruieren, die so krass sind, das man sagen muß: Joah, haste recht, in dem Fall wärs gerechtfertigt.

Aber diese Fälle haben die beiden auch mit berücksichtigt, in dem sie gesagt haben, das nur ganz wenig Leute, die Suicid begehen, nicht depressiv sind, d.h. das Leute, die wirklich keinen Grund mehr haben, zu leben, sich auch umbringen.

(Ich halte mich da eher an ein Zitat, dessen Quelle ich vergessen habe:
Suicid ist eine finale Lösung für ein temporäres Problem)

Grüßlis!
Scrabz aka Philipp (aka Drache).

Hallo,

und weiter(?)gedacht: angenommen, ich habe das verloren, was
„nur“ für mich lebenswert, Existenzgrundlage, Werte
beinhaltend war, aber nicht unbedingt mit den allgemeinen -
damit meine ich mehrheitlich so gelebten - Wertvorstellungen
übereinstimmt,

Ich glaube, die Entscheidung für oder gegen das Weitermachen wird sogar generell stärker dadurch beeinflusst, was ein persönliches Leben trägt (bzw. den Verlust dieser Dinge) als durch das Vorhandensein (oder nicht) der Dinge, die allgemein anerkannt sind.

Haben wir nicht meistens „nur“ für das Verständnis, was wir :nachvollziehen können, sei es aus eigenem Erleben, aus Erfahrungen :oder einfach mittels Vorstellungskraft?

Ich halte es für reinen Zufall, ob das Lebensgefüge eines einzelnen Menschen zufällig mit allgemein anerkannten Werten und Zielen übereinstimmt. Das Verständnis füreinander wird dadurch nicht erleichtert.

Dazu fällt mir noch ein: Es gibt ja vor allem in den asketischen Traditionen einiger Religionen immer wieder diese Idee, dass vollkommener Friede und das wirkliche Glück nur zu erreichen sind, wenn man sich von allen Bindungen an „weltliche Dinge“ befreit - also lernt, beispielsweise einer Beziehung oder einem Beruf nicht allzu sehr nachzutrauern. Es ist sicher kein Zufall, dass viele gläubige Menschen die Religion erst als Folge von Schicksalsschlägen entdecken - und dass man zufriedene, verschont gebliebene Menschen mit Entsagungsphilsophien jagen kann!
Geht das: Leben pur, ohne dass man ihm unbedingt eine Form geben muss?

Grüße,

Beate

(die durchaus von ihren Nachbarn beeindruckt ist: buddhistische Lebensgemeinschaft, in einem ehemaligen Klostergebäude angesiedelt)

Hallo Beate,

und weiter(?)gedacht: angenommen, ich habe das verloren, was
„nur“ für mich lebenswert, Existenzgrundlage, Werte
beinhaltend war, aber nicht unbedingt mit den allgemeinen -
damit meine ich mehrheitlich so gelebten - Wertvorstellungen
übereinstimmt,

Ich glaube, die Entscheidung für oder gegen das Weitermachen
wird sogar generell stärker dadurch beeinflusst, was ein
persönliches Leben trägt (bzw. den Verlust dieser Dinge) als
durch das Vorhandensein (oder nicht) der Dinge, die allgemein
anerkannt sind.

Eben, Hintergrund meines Gedankens war ja nicht, Ursachen oder Gründe für den eigenen Suizidwunsch zu finden, sondern der Zweifel an dem Verständnis dieses Wunsches für Außenstehende, wenn die Entscheidung eben aufgrund von Wertverlusten getroffen wurde, die für die Umwelt desjenigen nicht nachvollziehbar sind. Daran schloss sich dann dieser Gedanke an, wofür wir überhaupt Verständnis entwickeln (können?):

Haben wir nicht meistens „nur“ für das Verständnis, was wir :nachvollziehen können, sei es aus eigenem Erleben, aus Erfahrungen :oder einfach mittels Vorstellungskraft?

Ich halte es für reinen Zufall, ob das Lebensgefüge eines
einzelnen Menschen zufällig mit allgemein anerkannten Werten
und Zielen übereinstimmt.

Das mag sein, dennoch stimme ich dem

Das Verständnis füreinander wird dadurch nicht erleichtert.

nicht zu, denn in meinen Augen bedarf es einer größeren Offenheit (und damit meistens auch mehr Mut und mehr Vertrauen), etwas mir Unbekanntes und Fremdes zu akzeptieren, als das bei vertrauteren Dingen der Fall ist.

Es ist sicher kein Zufall, dass viele gläubige Menschen die
Religion erst als Folge von Schicksalsschlägen entdecken - und
dass man zufriedene, verschont gebliebene Menschen mit
Entsagungsphilsophien jagen kann!

Irgendwie fehlt mir da gerade der Zusammenhang - was meinst du damit? Also ich stimm dir da prinzipiell schon zu, ich hab nur eben den Zusammenhang nicht kapiert.

Geht das: Leben pur, ohne dass man ihm unbedingt eine Form
geben muss?

Was ist das, Leben ohne Form? Wie definierst du Form?

Lieben Gruß,
Anna

Hallo Anna,

und weiter(?)gedacht: angenommen, ich habe das verloren, was
„nur“ für mich lebenswert, Existenzgrundlage, Werte
beinhaltend war, aber nicht unbedingt mit den allgemeinen -
damit meine ich mehrheitlich so gelebten - Wertvorstellungen
übereinstimmt,

Ich glaube, die Entscheidung für oder gegen das Weitermachen
wird sogar generell stärker dadurch beeinflusst, was ein
persönliches Leben trägt (bzw. den Verlust dieser Dinge) als
durch das Vorhandensein (oder nicht) der Dinge, die allgemein
anerkannt sind.

Eben, Hintergrund meines Gedankens war ja nicht, Ursachen oder
Gründe für den eigenen Suizidwunsch zu finden, sondern der
Zweifel an dem Verständnis dieses Wunsches für Außenstehende,
wenn die Entscheidung eben aufgrund von Wertverlusten
getroffen wurde, die für die Umwelt desjenigen nicht
nachvollziehbar sind. Daran schloss sich dann dieser Gedanke
an, wofür wir überhaupt Verständnis entwickeln (können?):

Haben wir nicht meistens „nur“ für das Verständnis, was wir :nachvollziehen können, sei es aus eigenem Erleben, aus Erfahrungen :oder einfach mittels Vorstellungskraft?

Ich halte es für reinen Zufall, ob das Lebensgefüge eines
einzelnen Menschen zufällig mit allgemein anerkannten Werten
und Zielen übereinstimmt.

Das mag sein, dennoch stimme ich dem

Das Verständnis füreinander wird dadurch nicht erleichtert.

nicht zu, denn in meinen Augen bedarf es einer größeren
Offenheit (und damit meistens auch mehr Mut und mehr
Vertrauen), etwas mir Unbekanntes und Fremdes zu akzeptieren,
als das bei vertrauteren Dingen der Fall ist.

Beschreiben wir hier nicht zwei Seiten derselben Medaille? Du die Reaktion von Mitmenschen, die eben das, was sie einigermaßen kennen, leichter verstehen und wohl auch akzeptieren, ich die Vorgänge in der seelischen Welt eines einzelnen Menschen, die für andere nachvollziehbar sein können, aber nicht müssen. Natürlich sollten wir uns alle anstrengen, Unbekanntem gegenüber offener zu sein, als wir es im Alltag oft sind.

Es ist sicher kein Zufall, dass viele gläubige Menschen die
Religion erst als Folge von Schicksalsschlägen entdecken - und
dass man zufriedene, verschont gebliebene Menschen mit
Entsagungsphilsophien jagen kann!

Irgendwie fehlt mir da gerade der Zusammenhang - was meinst du
damit? Also ich stimm dir da prinzipiell schon zu, ich hab nur
eben den Zusammenhang nicht kapiert.

Stimmt schon, es hätte vielleicht in ein separates Posting gehört und ist auch eher frei assoziiert als logisch hergeleitet.

Das, was du zitierst, war eigentlich nur ein Beispiel: Gertrud und du, ihr nehmt als Auslöser für Selbstmordgedanken den Verlust der seelischen Lebensgrundlagen an. Diese Grundlagen sind recht konkret und sie haben mit Gütern zu tun, die uns mit unserer Umwelt verbinden: bei Gertrud Dinge, denen viele zustimmen würden - Gesundheit, Geld usw., bei dir eher Persönliches. Da fällt mir halt spontan ein, dass es Traditionen gibt, die besagen, dass man solche Dinge zwar schätzen, aber nicht als Grundlage nehmen soll - also Distanz zu „weltlichen Gütern“ als seelische Absicherung (was man nicht besitzt, kann man auch nicht verlieren), aber auch als Schlüssel zu einer Art „Leben an sich“, das nicht über greifbare Werte definiert wird.
Es ging mir wohl - nach den Fragen, die auf die Entscheidung zum Tod zielen - darum, was uns dazu treibt zu leben: „Sind“ wir, was uns mit der Umwelt verbindet, oder ist da noch etwas dahinter, was uns weitermachen lässt, auch wenn die Umwelt keine Stütze mehr darstellt?

Geht das: Leben pur, ohne dass man ihm unbedingt eine Form
geben muss?

Was ist das, Leben ohne Form? Wie definierst du Form?

Naja, es gibt wohl bessere Begriffe: Lebensinhalte, Identifikationsmöglichkeiten …

Lieben Gruß zurück und ein nicht gar so ernstes Wochenende,

Beate

Selbstmord (off topic)
Hi,

Ich habe eine Bekannte, deren Cousin ist von einem
Hochhaus gesprungen indem er sich das Leben genommen hat.

Donnerwetter.
Was hätte ich gegeben, das sehen zu dürfen.

Überrascht
Ray