Selbstmordgedanken bei einem Freund, wie helfen?

Hallo miteinander

Da mir diese Plattform sehr kompetent erscheint, möchte ich gerne mal meine Frage stellen. Ein sehr guter Freund von mir hat Depressionen und wirft auch immer wieder das Thema Selbstmord auf.

Er denkt, er könne nichts erreichen und sein Versager. Er habe kein Leben verdient und es sei ja sowieso alles sinnlos. Das scheint eine rechte Depression zu sein, auch wenn ich ihn immer wieder ablenken kann. Doch manchmal driftet das sehr ab und er möchte sich am liebsten sofort umbringen.

Nun, ich kann normalerweise gut mit Menschen umgehen. Doch manchmal weiss ich bei ihm nicht weiter. Ich weiss, dass er zu einem Therapeuten gehen sollte. Habe ihm auch gesagt, dass das nicht schlimm sei. Doch er möchte nicht. Auch nicht, wenn ich ihn begleiten würde.

Nach Aussen spielt er übrigens der ganz normale und lockere. Er will nicht, dass jemand seine Probleme bemerkt.

Nun meine Frage: Wie soll ich reagieren wenn er mir erzählt, dass er sich jetzt am liebsten umbringen würde? Einerseits möchte ich ihm helfen und das Gefühl geben, dass er nicht allein ist. Doch ich kann für seine Selbstmordgedanken natürlich kein Verständnis zeigen.

Ich sage ihm dann immer, dass er ein supertoller Mensch ist und sehr wohl ein Recht auf Leben verdient hat. Irgendwie macht ihn dass dann noch trauriger.

Nochmals: Mir ist klar, dass ich die Wurzel nicht lösen kann. Aber wie kann ich ihm _momentan_ das Leben einfacher machen?

Danke schonmal für eure Hilfe.

Lg

PS: Ich hoffe diese Frage steht am richtigen Ort.

Hi Kanu!

Er denkt, er könne nichts erreichen und sein Versager. Er habe
kein Leben verdient und es sei ja sowieso alles sinnlos. Das
scheint eine rechte Depression zu sein, auch wenn ich ihn
immer wieder ablenken kann. Doch manchmal driftet das sehr ab
und er möchte sich am liebsten sofort umbringen.

Das ist mit Sicherheit eine Depression und auch keine leichte mehr, d.g. dein Freund ist behandlungsbedürftig.

Nun, ich kann normalerweise gut mit Menschen umgehen. Doch
manchmal weiss ich bei ihm nicht weiter. Ich weiss, dass er zu
einem Therapeuten gehen sollte. Habe ihm auch gesagt, dass das
nicht schlimm sei. Doch er möchte nicht. Auch nicht, wenn ich
ihn begleiten würde.

Da, finde ich, hast du schon alles richtig gemacht. Du kannst aber eines nicht für ihn tun: Ihm seine Verantwortung abnehmen. Jeder Mensch ist für ein Leben selbst verantwortlich und hat das Recht, damit zu machen, was er will (auch wenn das zynisch klingt).

Nach Aussen spielt er übrigens der ganz normale und lockere.
Er will nicht, dass jemand seine Probleme bemerkt.

Klar, das gehört dazu.

Nun meine Frage: Wie soll ich reagieren wenn er mir erzählt,
dass er sich jetzt am liebsten umbringen würde? Einerseits
möchte ich ihm helfen und das Gefühl geben, dass er nicht
allein ist. Doch ich kann für seine Selbstmordgedanken
natürlich kein Verständnis zeigen.

Völlig richtig. Du solltest ihm sagen, dass du für ihn die Verantwortung nicht tragen kannst.
Und du kannst ihn fragen, was er damit erreichen will, wenn er dir das erzählt? Will er, dass du ihn davon abhältst? Will er dir Schuldgefühle machen? Will er Mitleid? Sag ihm, dass er damit einen ziemlichen Druck auf dich ausübt und du nicht helfen kannst, sondern nur ein Therapeut.
Wenn er wirklich aus der Depression rauskommen will, und nur dann, dann muss er sich professionell helfen lassen. Und das ist nicht deine Aufgabe.

Ich sage ihm dann immer, dass er ein supertoller Mensch ist
und sehr wohl ein Recht auf Leben verdient hat. Irgendwie
macht ihn dass dann noch trauriger.

Ja, klar, und das hilft ihm gar nicht weiter, weil er etwas ganz anderes braucht und seine Probleme sehr viel tiefer sitzen.

Nochmals: Mir ist klar, dass ich die Wurzel nicht lösen kann.
Aber wie kann ich ihm _momentan_ das Leben einfacher machen?

Du kannst es nicht!
Zieh die Grenze, biete ihm Begleitung zum Psychotherapeuten an, aber spiel nicht selbst den Therapeuten.

LiebeGrüßeChrisTine

P.S.: Depressionen sind heilbar! Je früher, desto besser!

Dir und deinem Freund Alles Gute!

Hallo Kanu

Depressionen könnten zwar bedeuten, dass mittelfristig Medikamente und/oder ärztliche Hilfe ein Pfeiler der Hilfe ist - wirklich nachhaltig kann die Hilfe aber erst werden, wenn so ein Mensch Perspektiven hat.

Wenn das Thema Selbstmord aufgeworfen wird, ist das ein wichtiges Signal und ernstzunehmen, auch wenn es selbstredend Leute gibt, welche dadurch Druck auf andere machen wollen, um es bequemer zu haben. Ungeachtet dessen ist es wichtig, echte und ehrliche Fälle wachsam zu verfolgen und zu begleiten.

Wenn allerdings die Depression echt ist, dann gibt es auch lebendige Augenblicke, sogenannte Lichtmomente. Erst nach langer Zeit einer Depression verschwinden diese normalerweise. D. h. der betreffende Mensch sollte nebst dunklen Zeiten wohl auch Höhenflüge an Selbstvertrauen und Wunschdenken haben. Wenn so ein Mensch in diesen Zeiten gefordert und gefördert wird, führt das oft zum Erfolg. Allerdings braucht so ein Mensch Kontakte, Begleitung und insbesondere ein Sozialleben.

Es ist daher wichtig, dass die betreffende Person sich nicht oft und lange in die Einsamkeit zurückzieht, solange diese Depressivität andauert. Nur nach längerer Zeit der inneren Ausgeglichenheit und reiflichen Überlegung ist die Einsamkeit für solche Menschen sinnvoll.

D. h. beste Hilfe - nebst allfälliger ärztlicher, die der betreffende Mensch vielleicht nur zeitweise nicht will - ist das regelmässige Mitmachen bei Anlässen, wo Menschen sind, z. B. wöchentlich, evtl. auch 2-3 mal wöchentlich, sei es in Vereinen oder unter Kumpels.

Sinnvoll könnte es bspw. sein, ihn an soziale Anlässe mitzunehmen. Das bedingt als Voraussetzung, dass Ihr bereits so etwas wie ein Grundverhältnis habt, in welchem er Dir genug vertraut, um sich nicht bevormundet zu fühlen.

Falls er Dir nicht so sehr vertraut, solltest Du zuerst diese grundsätzliche Basis bauen - durch öfteres Befolgen Deines Interesses an ihm und unverbindliche gemeinsame Aktivitäten.

Um ihm das Leben einfacher zu machen, würde ich zunächst damit beginnen, ihn regelmässig zu kontaktieren, etwa alle zwei bis vier Wochen systematisch zu besuchen, sofern ihm das einigermassen zusagt; später auf einmal wöchentlich intensivieren, zuzüglich Eurer bisherigen Kontaktierungen.
Es kann vorkommen, dass bereits durch einen oder zwei solche Besuche das Problem entschärft wird, wenn Du ihm gut zuhörst.
Gruss
Mike

Hallo!

Ich hatte vor einigen Monaten ein sehr ähnliches Problem mit meiner Freundin!

Ich habe Eltern informiert-- damit auch ein Stück weit Verantwortung abgeben können…ich habe Nummern rausgesucht für psychologische Notdienste, die sie jederzeit hätte anrufen können…und ich habe immer wieder versucht, daß da Therapie stattfinden MUSS!!

Das Ende vom Lied ist- daß die Freundin immer noch in dieser Frustsituation ist-- aber einfach NICHTS selber dagegen tun will!

Ich selber- habe mich darüber immens aufgerieben- mir unglaubliche Sorgen und Gedanken gemacht…- und muss jetzt sagen, daß man letztlich nichts tun kann, wenn der andere keine Hilfe will!

Ich bin sogar soweit gegangen, daß ich mich nicht mehr als „Mülleimer“ habe benutzen lassen…denn nur darum ging es in meinem Fall…- man sollte bedauern, man sollte zuhören…bemitleiden…aufbauen…aber ändern sollte sich bloss nichts!

Was ich damit sagen möchte- Du wirst nicht wirklich helfen können, wenn der andere das einfach nciht will!
In einer scheinbaren Akutsituation kann man natürlich immer Polizei und Notarzt anrufen- kann auch von weitem so dann Hilfe einbringen…-- aber letztlich bleibt ein Mensch so eigenbestimmt, daß die Möglchkeiten von aussen recht gering sind!
Zwangseinweisung- nach dem Telefonat mit einer Hotline für psychische Probleme- sind nur in Extremfällen möglich…also letztlich wohl fast kaum umsetzbar und ein Thema!

Wenn Du die Kraft hast zuzuhören…dabei zu bleiben und es macht Dich nciht kaputt…-- dann kannst Du den Blick ja dafür behalten-- da sein…-- aber wenn es für Dich zu schwer wird-- sei ganz offen zu dieser Person- sag ihr, daß Dir die Belastung und Sorge zuviel wird…- und schau nach DIR!!
Du tust schon viel, wenn Du redest und anbietest da zu sein…-- es ist toll, daß du das tust-- nur muss es für Dich auch ertragbar sein!

kitty