Selbstmordgedanken und die polizei

hallo,

eine gute freundin von mir hat gestern eine mail geschrieben in der sie schrieb das sie nicht mehr kann und sich umbringen will. habe daraufhin die polizei gerufen mit dem ergebniss das die wieder gegangen sind. sie muss es wohl geschafft die haben die irgendwie loszuwerden wie auch immer. ich frage mich wie die polizei in 10 min. feststellen will was los ist bei einem menschen der sowas schreibt. frage mich nur ob die sache nun erledigt ist oder ob die sich weiter drum kümmern? und vor allem frag ich mich was ich tun soll nun.

hoffe jemand kann mir weiterhelfen

Tag, Schwarzerose,

objektiv gesehen: Täglich werden Hunderte von E-Mails verschickt, in denen jemand „nicht mehr weiter weiß“. Soll die Polizei dann bei Hilferufen gleich in die Psychiatrie einliefern oder die ganze Nacht am Bett sitzen? Wenn die betreffende Person das beides nicht will und den Polizisten, sagt sie könnten (sollen?) gehen? Es passiert erst einmal nicht weiteres; es sei denn, das wiederholt sich bei derselben Person.

Subjektiv gesehen ist das ein schreckliches Erlebnis, das Dich ja auch hilflos zu machen scheint. Sprich mit der Freundin; auch darüber, dass sie Dich hilflos macht. Wenn es keine vorübergehende kurze Phase ist, sollte sich die Freundin auch darüber Gedanken machen, ob sie nicht professionelle Hilfe (Psychologe oder Psychologin) braucht.

Daumendrückende Grüße vom Vieux

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Hi schwarze rose

habe daraufhin die polizei gerufen mit dem ergebniss das
die wieder gegangen sind

Was soll denn die Polizei da machen? Die sind auf kriminelle Delikte u.ä. geschult. Suizid ist aber kein Verbrechen und nicht strafbar.
Das nächste Mal könntest Du stattdessen den Sozialpsychiatrischen Dienst anrufen. Die machen dann einen Hausbesuch.
Gruß,
Branden

Hallo schwarzerose,
man kann die Polizei anrufen… zur Verhinderung eines Suizids und zur Einleitung einer Zwangseinweisung (dafür braucht es aber auch einen Arzt).

Was ist nun, wenn die Person abstreitet, Suizidabsichten zu haben und der Polizei glaubhaft versichert, alles wäre in Ordnung? Nichts deutet auf eine Eigengefährdung hin. Vielleicht behauptet die Person, es habe sich jemand einen bösen Scherz erlaubt und gar sie selbst habe in der E-Mail ein wenig „überreagiert“ und alles wäre nicht (mehr) so schlimm?

Dann fährt die Polizei wieder weg, weil es nichts zu Verhindern oder Einleiten gibt.

Besser ist es, in dem von dir beschriebenen Fall, den Rettungsdienst zu benachrichtigen. Noch besser: E-Mail ausdrucken (oder weiterleiten) und selbst auch vor Ort sein. So kannst du dem Notarzt noch deine Sichtweise schildern, damit er sich ein Bild machen kann, wie akut die Gefährdung ist und ob eine stationäre Aufnahme nötig ist.

und vor allem frag ich mich was ich tun soll nun.

Deine Freundin anrufen, nachfragen wie es ihr geht. Für sie da sein.
Telefonnummern und Adressen von Hilfsangeboten (z.Bsp. Telefonseelsorge) geben
Anbieten, mit ihr zusammen zum Arzt zu gehen
Wenn du der Meinung bis, es besteht eine akute Gefährdung nicht lange zögern, sondern den Notarzt rufen. Lieber einmal zu früh als zu spät.
E-Mail ausdrucken und zur Hand haben.

Die Polizei würde ich nur dann zusammen mit dem Notarzt benachrichtigen, wenn:
Adresse nicht bekannt ist (Bsp: reine E-mail/Chat-Bekanntschaft)
Derzeitiger Aufenthaltsort ist unklar (Bsp: Person fährt mit dem Auto innen Wald)
Wenn zusätzlich zur Eigengefährdung von einer Fremdgefährdung ausgegangen werden muss (Bsp: hantieren mit dem Gasherd)

Mit Grüßen
Simone

Tag auch, Branden,

abends ist der Sozialpsychiatrische Dienst oft nicht zu erreichen. Im Netz ist unter Sozialpsychiatrie Hattingen in Notfällen dann als erstes die 110 (Polizei) angegeben; also lag schwarze rose mit ihrem Anruf richtig.
Suizid ist glücklicherweise nicht mehr strafbar (früher wurde man zur „Strafe“ außerhalb der Friedhofsmauern beerdigt); aber wo fangen die Grenzen zu unterlassener Hilfestellung an? Die Beamten dürfen auch nicht einfach wieder gehen, wenn alles auf einen Suizid hindeutet (z. B. ein Seil fertig an der Decke hängt o. ä.). Auch in zehn Minuten kann man sich davon überzeugen, dass akut doch wohl keine Gefährdung vorlag. Das war schon alles richtig gemacht von schwarze rose.
Jetzt gilt es weiter zu helfen, dass so etwas nicht wieder vorkommt, also nicht einfach auf das „nächste Mal“ warten, um dann zu wissen, wie man „richtig“ vorgeht.

Grüße vom Vieux

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Hey!

Also erstmal is solch eine Äußerung in den seltensten Fällen tatsächlich ernst gemeint (was nicht heißt, dass man sie nicht ernst nehmen sollte), sondern eher eine Art Hilferuf deiner Freundin. Die wenigsten Menschen, die wirklich sterben wollen kündigen dies vorher irgendwo an!

Du solltest dich um deine Freundin kümmern, ihr Aufmerksamkeit schenken. Unternimm etwas mit ihr, redet und so weiter. Ich glaube das is das was sie am nötigsten braucht.

Liebe Grüße!

Hallo,

Die wenigsten Menschen, die wirklich sterben wollen
kündigen dies vorher irgendwo an!

Wirklich? Bist du dir da ganz sicher?

Ich glaube das is das was sie am nötigsten braucht.

Glauben ist ja gut und schön und ich schließe nicht aus, dass du Recht haben könntest.
Aber ohne Hintergrundinformationen, halte ich solche Ratschläge für äußerst gewagt.

Mit Grüßen
Simone

Hallo,

Die wenigsten Menschen, die wirklich sterben wollen
kündigen dies vorher irgendwo an!

Wirklich? Bist du dir da ganz sicher?

Ich habe nicht geschrieben, dass ich mir sicher bin, aber jemand der sich umbringen will ruft normalerweise nicht: „Guckt mal was ich hier mache!!!“
Jemand der andere darauf aufmerksam macht, will (aus meiner Erfahrung) abgehalten werden es zu tun.

Des Weiteren hab ich auch geschrieben, dass man solch eine Ankündigung ruhig schon ernst nehmen und sich dem Menschen verstärkt zuwenden sollte, aber sofort Panikmache?

Ich glaube das is das was sie am nötigsten braucht.

Glauben ist ja gut und schön und ich schließe nicht aus, dass
du Recht haben könntest.
Aber ohne Hintergrundinformationen, halte ich solche
Ratschläge für äußerst gewagt.

Was is an dem Ratschlag falsch sich um die Person zu kümmern?
Man kann ja z.B. auch anbieten, dass man sie begleitet professionelle Hilfe aufzusuchen, wenn es ein schwerwiegenderes Problem gibt. Selbst kann man da kaum behilflich sein fürchte ich

Liebe Grüße

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hallo,

habt dank für eure lieben antworten, kann erst schreiben da ich bis eben bei ihr war… naja erst war sie richtig sauer weil ich die polizei gerufen hatte, aber irgendwo zeigte ihr das wie ernst die lage doch ist. ich wusste von das sie insolin bei sich zu hat und das war mir zu ungewiss ob sie damit was anstellt…
naja sie war heut bei ihrem doc und hat mit dem geredet und will sich nun einen psychologen suchen…aber das kann ja auch dauern…frage mich nur was passiert wenn sie wieder solch einen tag hat wo sie nicht mehr will…wohin sie dann gehen kann ohne das sie gleich zwangseingewiesen wird…

Hallo,
ich will nicht alles auseinanderpflücken… aber Aussagen wie „die wenigsten Menschen machen dieses und jenes“, „aber sofort Panikmache?“, „ich glaube (…) was sie am Nötigsten braucht“ halte ich für Betroffene (nämlich den Freunden und Verwandten von Lebensmüden) sehr unbedacht.

Wenn mir jemand schriftlich gibt sein Leben ein Ende setzen zu wollen, ich die Information habe, dass er Insulin o.ä. da hat… dann geh ich den radikalen Weg.

ICH will nicht die nächsten Jahre mit irgendwelchen Selbstvorwürfen leben. Wer mir so etwas zumutet, dem mute ich gerne den Notarzt und die damit verbundenen Unahnnehmlichkeiten zu. Das hat nichts mit Panik zu tun, eher vorrausschauender Eigenschutz.
Wer sich umbringen will, soll das tun. Aber bitte nicht mir vorher eine Verantwortung aufbürden

Du kennst die Ursprungsposterin nicht… und schon gar nicht deren lebensmüde Freundin.

Vielleicht wäre es ja das erste mal, dass du davon liest, jemand habe doch per E-Mail seinen (anschließend „erfolgreichen“) Suizid vorher angekündigt…?

Und vielleicht kann es auch sein, dass die Zahl der ungeklärten, nicht- natürlichen Todesfälle mit Hinweis auf Suizid deutlich niedriger ist, als die Zahl der Abschiedsbriefe/Hilferufe/etc. + Suizid?

Wer weiss… wer weiss…

Und vielleicht möchte die Ursprungsposterin auch keine Verantwortung aufgebürdet bekommen, sondern das Wissen und das Gefühl alle ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben?

Ein bisschen kümmern ist sicher nicht falsch… sofern man sich in der Lage sieht, die Situation 100% einschätzen zu können und man die oft jahrelang quälenden Folgen der eigenen Fehleinschätzung, Überforderung, etc. in Kauf nehmen würde.

Mit Grüßen
Simone

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Hi!

Also wenns wieder ganzganz schlimm kommt, dann kann sie sich selbst freiwillig einweisen (in eine psychiatrische Klinik - es gibt auch sehr schöne!). Aber vielleicht hilfts ihr ja auch schon, einfach ein paar Notfall-Adressen von Freunden/Familie zu haben, wo sie jederzeit hin kann und willkommen ist (so es denn da jemanden gibt)? In manchen Städten gibts Notschlafstellen (für Jugendliche, Drogenabhängige, Obdachlose; ok, nicht die allerbeste Wahl, aber da ist sie auf alle Fälle nicht allein! Allerdings die Frage ob sie da nicht die falschen Leute kennenlernt…) - da gibts meist Sozialarbeiter oder andere professionelle Ansprechpartner. Vielleicht hilfts auch schon ein paar Notfall-Telefonnummern da zu haben; vielleicht Deine, vielleicht die Telefon-Seelsorge vielleicht ein Krisendienst (also hier in Mittelfranken gibts sowas, ich weiß nicht obs sowas bei Euch auch gibt; aber die Telefonseelsorge müßte da weiterleiten können).

Übrigens ich finde Du hast ganz richtig gehandelt. Auch daß Du jetzt weiterhin Kontakt hälst und Dich nicht verschreckt zurück ziehst. Ist halt die Frage ob Du das auf Dauer leisten kannst (denn Dich belastet es bestimmt auch). Kommt drauf an, ob es sich bei der Freundin um eine bald überstandene Krise handelt oder ob da nicht noch mehr dahinter liegt (z.B. irgendwelche psychischen Probleme, Persönlichkeitsstörung, Drogen) da könntest Du aber zumindest als Beistand ihr helfen sich professionelle Hilfe zu suchen.

Bye, Körst