Hallo Babs,
Ich möchte mich mit einem kleinen Textil bzw Modeladen
selbstständig machen. Ware also Lieferanten, Ladenlokal usw
habe ich schon alles (wurde mir überlassen) Nun meine Fragen,
da ich noch Schülerin bin habe ich mich mal etwas umgehört und
mitbekommen das es sowas wie ein erweitertes Hobby gibt,
Das wäre die steuerlich die erste Möglichkeit: Hobby heißt im EStG Liebhaberei. Diese ist dann gegeben, wenn keine Gewinnerzielungsabsicht besteht. Im Handel wird dieses in der Regel nur dann akzeptiert, wenn tatsächlich nur Verluste geschrieben werden.
was
ist dort die Besonderheit, wie sieht so ein Kleingewerbe aus?
Den Begriff gibts in diesem Sinn nicht. Es gibt im Umsatzsteuerrecht den Kleinunternehmer (§ 19 Abs 1 UStG). Ein Kleinunternehmer muß keine USt abführen, aber er kann auch keine Vorsteuer anrechnen. Kalkuliert also ausschließlich mit Bruttopreisen. Vorsicht bei Warenbezug aus Großhandel - unter Kaufleuten sind Nettopreise üblich. Wenn Du fast ausschließlich an Privat verkaufst, ist die Umsatzbesteuerung für Kleinunternehmer ein Vorteil für Dich. Die Bedinungen dafür sind: Umsatz im laufenden Jahr weniger als 17.500 EUR und im Vorjahr weniger als 50.000 EUR. Das reicht bei einem Laden für Bekleidung nicht sehr weit…
Ein anderer Begriff, der ungefähr das bedeutet, was Du beschreibst, ist der Minderkaufmann (§ 4 Abs 1 HGB). Minderkaufmann trotz Handelsgewerbe kannst Du sein, wenn Du einen absolut überschaubaren Betrieb hast: So gut wie keine Lagerhaltung, keine Kommissionsware, keine komplexen Bonus- und Rabattvereinbarungen, kein Zahlungsverkehr per Wechsel usw. usw. Bringt einige Vorteile mit sich: Du musst bei einem Umsatz bis 260.000 Euro und Gewinn bis 25.000 Euro keine (Voll)buchführung machen, nicht bilanzieren (Überschussrechnung genügt) und hast im Geschäftsverkehr einige Erleichterungen (z.B. gilt es beim Minderkaufmann noch nicht als mündlich geschlossener Vertrag, wenn er mit dem Kopf nickt…)
Kann ich jemanden einstellen?
Das kannst Du immer, auch als Privatperson z.B. einen Butler. Wenn ich jetzt anfange, Dir die steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Aspekte davon zu erzählen und dann noch paar Takte Arbeitsrecht, sind wir heute abend noch nicht fertig.
Und so weiter und so fort.
Und hier liegt des Pudels Kern. Die zwei konkreten Fragen, die Du gestellt hast, haben bereits einen ganzen Schwall an Antwort notwendig gemacht. Ruf doch einmal bei Deiner IHK an, wann dort Existenzgründerseminare stattfinden. Zum Thema Personal gibts auch ganz ordentliche Infoveranstaltungen von einigen Ersatzkassen. Wenn Du Dir alle Informationen, die Du willst und brauchst, beim Steuerberater gegen Zeitgebühr holst, bist Du mit Deiner Firma pleite bevors überhaupt losgeht. Ein rechtzeitiger Besuch beim Steuerberater ist schon auch wichtig, etwa damit Du erfährst, wie Du Dein Belegwesen organisieren kannst und die Buchhaltung vorbereiten kannst usw. Aber da solltest Du vorher schon ziemlich viel selber wissen, sonst wirds richtig teuer.
Einstweilen kannst Du Dich auch mit dem Archiv zu diesem Brett und zu den Brettern Steuern, Versicherungen, Ämter und Behörden beschäftigen - da sind sicherlich schon viele von Deinen Fragen diskutiert worden.
Schöne Grüße
MM