seit nunmehr 5 Jahren bin ich Student, gehe aber
inzwischen kaum noch zur Uni, stattdessen fahre ich
auf Mittelaltermärkte und verdiene dort mein Geld
zum Leben.
Nun habe ich folgendes Problem: Meine Eltern werfen mir
vor, was ich mache, sei Betrug. Offiziell studiere ich
und zahle monatlich 60 Euro für die Krankenkasse und
jedes halbe Jahr die Studiengebühr.
Das wars! Mit meinem Status darf ich ungefähr 7000 Euro
im Jahr dazu verdienen und damit komme ich auch aus.
Nun ist es so: Laut Studienordnung hätte ich schon vor
3 Jahren exmatrikuliert werden müssen (geht trotzdem!)
und so richtig studier ich ja auch nicht.
Aber was müßte ich dann sein in diesem Land?
Selbstständiger? – Nur zahlen die doch 270 Euro
Krankenkasse (privat 120) und Rentenversicherung auch
noch. Das könnte ich mir bei meinem Einkommen niemals
leisten…
Was soll ich machen? Wegen persönlicher Prinzipen
möchte ich keine Sozialleistungen vom Staat beantragen.
Gibt es denn noch andere „Lebensformen“ in diesem Land
von denen ich nichts weiß, die eventuell für mich in
Frage kommen?
Gibt es denn noch andere „Lebensformen“ in diesem
Land
von denen ich nichts weiß, die eventuell für mich in
Frage kommen?
Ich kann doch nicht ewig weiterstudieren…
Warum nicht? Kostet nur irgendwann Semestergebühren. Falls Du nur immatrikuliert bist, um krankenversichert zu sein, kannst Du darauf auch verzichten. Kräht kein Hahn danach, Du darfst nur nicht ernsthaft krank werden. Die meisten Zipperlein verschwinden mit oder ohne Doc eh von alleine und wenn nicht, mußt Du eben Deinen Prinzipien untreu werden und beim Sozialamt vorsprechen. Da wirst Du geholfen.
Es könnte immerhin sein, daß Du irgendwann keine Lust mehr hast, auf Märkten ein sehr bescheidenes und auch noch höchst unregelmäßiges Einkommen zu erzielen. Vielleicht wird Dir irgendwann eine Frau klar machen: „Also Patrick, so gehts nicht mehr weiter…“.
Um für diesen Zeitpunkt gewappnet zu sein, könnte evtl. eine Ausbildung nützlich sein. Ein Studium wäre nicht schlecht. Nur die Immatrikulation bringts aber nicht. Ein Abschluß sollte es schon sein und nach Möglichkeit nicht Tibetanischer Tempeltanz oder Sozialpädagogik mit der Hoffnung auf einen warmen Platz beim Staat. Auch eine gewerbliche Ausbildung bringt Dich auf die eigenen Füße. Von Hufschmied, über Tischler und Glasbläser bis zum Mechatroniker ist für jede Neigung etwas im Angebot. Bei Penny an der Kasse, Aushilfstaxifahrer oder bei McDonalds Nachtdienst am McDrive wären weitere Möglichkeiten, die aber auf die Dauer nicht wirklich prickelnd sind. Oder wie wärs mit Straßenmusik oder sonstiger Kleinkunst in Fußgängerzonen?
Auch wenn es sich nicht so anhört, waren alle Vorschläge ernst gemeint. Falls Du nicht gerade ein Naturtalent in einer Disziplin bist, für die andere Leute zu zahlen bereit sind, kommt als längerfristig tragfähiger Weg nur ein mit Biß durchgezogenes Studium oder eine gewerbliche Ausbildung in Frage. Die Menschheit hat in Naturwissenschaften und Technik abertausende ungelöster Probleme. Du löst ein einziges dieser Probleme und hast fortan ausgesorgt. Oder Du hast Lust auf Abhängigkeit. Dann suchst Du Dir eine Frau mit Geld, die Dich ernährt.
Guten Morgen Patrick,
ich habe etliche Leute im Freundeskreis, die das genauso machen wie Du und auch einige die irgendwann den Absprung geschafft haben. Ist jetzt wahrscheinlich nicht, was Du hören möchtest, aber ich stimme Wolfgang in allen Punkten zu.
Es ist sehr einfach sein Geld als Student nebenher zu verdienen. Ich bin jahrelang Kellnern gegangen bzw. (als das noch gut bezahlt wurde) als Promoterin unterwegs gewesen. Ich schwamm also immer im Geld. Man hat ja auch kaum Abzüge und Kosten in diesem Alter. Meine Eltern haben allerdings immer druck ausgeübt, dass ich alles machen kann was ich will nur das Studium muß zuendegebracht werden. Ich habe sogar noch ein zweites dran gehängt, wegen dem Status und weil ich einfach noch nicht erwachsen werden wollte.
Nun die Zeiten ändern sich, ich bin jetzt 33. Ich möchte irgendwam demnächst Kinder und ich will einen Platz wo ich mich wohl fühle. Ich habe wirklich lange mit mir gekämpft, ob ich dieses „seßhafte“ leben in Deutschland führen möchte. Nun für die nächsten Jahre ist es genau das was ich machen werde. Da hilft es mehr oder weniger regelmäßig Kohle aufs Konto zu bekommen. Nach über 10 Jahren Gastro und Jobben hatte ich auch keine Lust mehr dadrauf, ich finde es mittlerweile extrem angenehm für mein Hirn bezahlt zu werden.
Entswchuldige das ich so abschweife, aber Du stehst stellvertretend für Freunde, bei denen ich nicht durchkomme mit meinem Rat. Mach irgendeinen Abschluß, egal wie. Das ist etwas Greifbares. Wir leben in nem Land wo ein Stück Papier mit bescheinigter Ausbildung entscheidend Deine Lebensqualität beeinflußt.
Nebenher kannst Du ruhig weitermachen mit Deinen Märkten, aber setz Deine Prioritäten etwas anders.
Alles Gute
P
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Den sollte man in jeder Schule / Uni ans Schwarze Brett hängen !!!
sagt der Petz, der ein Jahr vor dem Abi Schule abgebrochen hat, sich mehrere (13) Jahre beim Bund rungetrieben hat, danach dann Fachabi mit 37 und Studium mit 40 beendet hat !!!
Falls Du nicht gerade ein Naturtalent in einer
Disziplin bist, für die andere Leute zu zahlen bereit sind,
kommt als längerfristig tragfähiger Weg nur ein mit Biß
durchgezogenes Studium oder eine gewerbliche Ausbildung in
Frage. Die Menschheit hat in Naturwissenschaften und Technik
abertausende ungelöster Probleme. Du löst ein einziges dieser
Probleme und hast fortan ausgesorgt. Oder Du hast Lust auf
Abhängigkeit. Dann suchst Du Dir eine Frau mit Geld, die Dich
ernährt.
Hallo Wolfgang,
die Zeiten, wo ein abgeschlossenes Studium einen Job garantierte, sind doch lange vorbri. Gut, ein Studienabschluss, egal welcher, ermöglicht einem manchen job, aber arbeitslose Akademiker und solche, die ganz was anderes machen, als sie studiert haben, gibt es doch wie Sand am Meer. Ich kenne sogar jede Menge promovierte Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen, die verzweifelt eine Stelle suchen.
Ein Hobby, was Geld bringt ist da gar nicht schlecht. Allerdings nicht ausreichend, wenn’s eben nicht genug einbringt, um alles entscheidende zu bezahlen.
Hallo Patrik,
mein Rat wäre: Wenn’s nicht mehr lang ist, mach Dein Studium fertig, egal wie, oder falls noch zu viel Arbeit, wenigstens die Zwischenprüfung. Ansonsten solltest Du dir überlegen, wie Du ausreichend Geld verdienen kannst, um ein Leben zu führen, das für deine Bedürfe ausreicht. Dazu gehört natürlich auch, dass du deine Krankenversicherung bezahlen musst, denn auch als Student kommst Du irgendwann in ein Alter, wo es nicht mehr zum Studententarif geht. Keinesfalls solltest du Experimente machen und auf die Krankenversicherung verzichten. Wenn’s mit den Märkten nicht reicht, dann musst Du dir ein zweites Standbein aufbauen, darüber solltest Du nachdenken, nicht über deinen Status.
die Zeiten, wo ein :abgeschlossenes Studium einen :Job garantierte, sind doch :lange vorbei.
Garantien gibts natürlich nicht. Es gibt aber einen deutlichen Zusammenhang zwischen Ausbildung und Chancen am Arbeitsmarkt. Das Fehlen eines berufsqualifizierenden Abschlusses minimiert jedenfalls die Chancen am Arbeitsmarkt und ist die klassische Voraussetzung für Dauerarbeitslosigkeit und sorgenvolle Existenz.
Besser spät als nie denke ich. Ich finde es trotzdem löblich auch wenn man ab einem gewissen Alter weniger chancen auf dem Markt hat, trotzdem noch zur Uni geht.
Find ich auf jedenfall eine bessere Einstellung als der:
Dafür bin ich doch zu alt…
Spruch.
Viele Grüße
Novalee
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