Selbstverletzung durch die Arbeit

Guten Abend an Alle!

Ich habe ein wirklich dringendes Problem! Seit 2 Jahren arbeite ich im Einzelhandel, und seit einem Jahr ist es so, dass wenn irgend etwas schief läuft, immer ICH eins drüber bekomme vom Chef! Egal ob ich etwas falsch gemacht habe oder nicht, immer wird auf mich zurück gegriffen! Da scheut der Chef auch nicht vor zurück, mich vor unseren Kunden aufs Niederste zu beleidigen, demütigen, wie dämlich man doch sei und wieso man keine Pillen nehme gegen diese Blödheit, und nun ist es soweit, dass ich mich seit Monaten selbst verletze, weil ich das alles nicht mehr ertrage! Bei ihm ist das reine Willkür, alle anderen Kollegen bekommen mal einen Tag frei, ich jedoch nicht, ohne Begründung! Er scheint mich einfach aus tiefstem Herzen zu hassen und demonstriert das auch!
Ich weiß wirklich nicht mehr, was ich machen soll? Was darf sich der Chef alles herausnehmen? Was ist, wenn ich mit diesem Vorfall zum Hausarzt gehe, schickt der mich in die Geschlossene? Einen Betriebsrat haben wir nicht, an den ich mich wenden kann, der Vorstand ist komplett per „du“ mit meinem Chef, da ist auch keine Hilfe in Sicht! Ich selbst würde sofort kündigen, hätte ich nicht einige Dinge abzubezahlen, und nur das hält micha nd er Arbeit, die mich immer mehr zugrunde richtet,w odurch mein Körper immer mehr verstümmelt wird. Ich weiß nicht mehr ein, noch aus.
Vielleicht kann mir einer von Euch einen Tipp geben, was zu tun ist?

Vielen Dank im Voraus für Eure Mühen!

Grüße, Resi

nabend,

warum lässt du dir das gefallen? das ist ja für typen wie deinen chef wie eine einladung, dich runterzumachen!
verbitte dir dieses verhalten dir gegenüber aufs schärfste! dein chef macht das nur mit dir, weil er es mit dir machen kann! sobald du dich glaubhaft wehrst, wird er kuschen. er ist nämlich ein schisser.

also kopf hoch, nase geputzt und dann ihm ganz sachlich sagen: „so nicht, herr sowieso. befleißigen sie sich bitte in zukunft eines anderrn tons mir gegenüber, denn ich werde ihnen für ihre entgleisungen nicht mehr zur verfügung stehen.“

und DANN erst gehst du zum doc und lässt dich krankschreiben, wenn du es nicht mehr aushältst und überlegst, wo du einen anderen job herbekommst.

auf deine frage: nein, dein chef hat nicht das recht, dich so zu behandeln. so dürfte er noch nicht mal mit seinem hund umgehen.

schöne grüße
ann

Hallo Resi,

ich kann mich da nur anschließen. Allein schon von meinem eigenen Selbstwertgefühl und dem Selbstschutz heraus würde ich so nicht mit mir umspringen lassen. Dass man mal eins auf den Deckel bekommt, ok, das muss man ab können - aber auf Dauer?

Während meines Studiums jobbte ich auch im Einzelhandel und hatte eine Kollegin, die mich anfangs ständig als Frustabbbau-Sandsack benutzte. Nachdem sie mich vor Kunden bloßstellte, nahm ich sie mir - als die Kunden nicht dabei waren!!! - zur Seite und sagte ihr einigermaßen energisch, dass sie bitte vernünftig mit mir reden könne und ich nicht aus Dummsdorf sei. Seitdem war sie zuckersüß mir gegenüber. Wie meine Vorgängerin schon gesagt hat: Wer alles mit sich machen lässt, bietet sich als Opfer an. Jemand sagte mal zu mir: Willst du diejenige sein, die heulend aus dem Büro kommt, oder willst du erhobenen Hauptes rauskommen? Dann weißt du, was du machen musst.

Im Falle des Chefs würde ich allerdings bei einem sachlichen Ton bleiben und ihn KEINESFALLS vor Kunden anmachen. Für dich ist das zwar auch peinlich - aber er sitzt am längeren Hebel.

Vielleicht hilft es dir, wenn du dir mal überlegst, welche Arbeiten du gut erledigst, die andere Kollegen nicht so gut machen. Ich hatte immer gute Karten, weil ich zuverlässig gearbeitet habe und ich superfreundlich und hilfsbereit zu den Kunden war.

Ansonsten empfehle ich den doppelten Boden: nebenbei bewerben, nix darüber sagen (bloß nicht, auch nicht zu den netten Kollegen!) und wenn du was Neues hast, kündigen.

Viel Glück und Kopf hoch
schleichrabe

P.S.: Lass bitte das schneiden!

HAllo,bitte geh zum Arzt, der wird dafür sorgen dass du eine Therapie bekommst (geht auch ambulant vermutlich) und dich vor allem erst einmal krankschreiben. Damit bist duauch erst einmal aus dem Betrieb raus und kannst dir aus diesem „Urlaub“ heraus einen neuen Job suchen.
Gute BEsserung
Susanne

Hallo Resi1986,

Zu meiner Qualifikation: Ich habe beim AAmt (heute Agentur für Arbeit) gearbeitet. Dann bin ich in die Krankenpflege gewechselt. Inzwischen studiere ich an einer FH in Sachen „Pflegedienstleitung“ und arbeite in der pflegerischen Leitung eines Psychiatrischen Krankenhauses als Assistent mit.

Zu Deinem Anliegen:
Ich kann Dir nur unbedingt anraten, nicht weiter zu zögern und möglichst bald Deinen Hausarzt aufzusuchen! Gerne möchte ich Dir die Sorge davor nehmen, dass Du in die „Geschlossene“ geraten könntest:

Das ist so ein Horror-Zerrbild, das in unserer Gesellschaft von der Psychiatrie vorherrscht - das aber mit der Realität nicht (mehr) viel gemein hat. Es ist mehr ein Film- und Fernseh-Klischee.

Psychiatrische Kliniken sind heute moderne Krankenhäuser mit meist offenen STationen und i.d.R. kurzen Verweilzeiten. Geschlossen geführte Stationen gibt es auch noch. Diese sind aber Patienten mit „aktuer Eigen- oder Fremdgefährdung“ vorenthalten. Das, was Du schilderst, klingt für mich ganz und garnicht danach. Aktute Eigengefährdung wäre zum Beispiel das Thema einer akuten Suizidgefahr.

Nur dann dürfte Dein Arzt Dich auch einfach so „einweisen“. Dein Hausarzt hätte also in Deinem Fall weder die rechtliche Möglichkeit, noch einen Grund, Dich irgendwo hin zu schicken.

Dafür hätte Dein Hausarzt aber ganz andere sinnvolle Möglichkeiten:

  • er könnte dich krank schreiben, damit Du mal etwas Abstand gewinnst und die weiteren Schritte in Ruhe abwägen kannst
  • er könnte Dir Kontaktdaten zu Psychologen vermitteln (wo man z.B. 1x die Woche zur Beratung hin gehen kann)
  • falls es wirklich so ernst ist könnte er Dir eine ambulante psychiatrische Therapie vermitteln, um die Problematik der Selbstverletzung in den Griff zu bekommen
    usw.

Evtl würde das alles auch den Druck von Dir nehmen, evtl Hals über Kopf zu kündigen. Denn Du weißt ja sicher auch [und hier schalte ich um auf den AAmt-Experten in mir], dass Du bei eigener Kündigung eine Sperrzeit bekommen würdest. Du würdest also im Endeffekt auch noch finanziell „bestraft“ werden dafür, dass Du es auf der Arbeit nicht mehr ausgehalten hättest.

Eine viel bessere Perspektive wäre es doch, wenn Dein Hausarzt Dir Unterstützung anbieten könnte (durch die oben genannten Möglichkeiten), sich in Ruhe und geordnet nach einer neuen Tätigkeit umzusehen.

Mehr möchte ich gar nicht raten - ein Beratungsgespräch von Angesicht zu Angesicht mit einem kompetenten Arzt ist meiner Meinung nach im Moment durch nichts, was wir Dir raten könnten, zu ersetzen!

Viele Grüße und gutes Gelingen! Tom

HAllo,bitte geh zum Arzt, der wird dafür sorgen dass du eine
Therapie bekommst

was soll resi mit einer therapie? ihr chef braucht eine!

gruß
ann

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hallo,

warum tut ihr alle so, als sei resi die, die behandelt werden muss??
resi mag schüchtern - oder besser: eingeschüchtert! - sein, aber sie ist doch nicht krank! ich finde solche ratschläge unverantwortlich!

bestenfalls könnte man ihr raten, irgendwann einmal eine psychotherapie zur stärkung ihres selbstbewusstseins zu probieren. das wächst aber auch ganz von allein, wenn sie gegen gegner wie ihren chef erfolge erzielt.
akut braucht nur eins: ruhe vor diesem stinker, notfalls per gelbem schein.

warum man IHR aber jetzt mit der psychiatrischen keule kommen muss, weiß ich beim besten willen nicht. SIE ist weder verhaltensgestört noch gibt es ein medikament, das ihren leidensdruck verringert.

gruß
ann

Diese Kritik kann ich jetzt mal überhaupt nicht nachvollziehen - zumal sie sich selbst widerspricht.

Mir liegt es fern, irgend jemanden krank zu reden. Umso weniger, da ich 1. kein Arzt bin und 2. niemals so unverantwortlich wäre, das per „Ferndiagnose“ in einem Forum zu tun.

Aber: Jeder kompensiert übermäßigen Druck anders. Sie hat beschrieben, wie sie das tut. Das einfach zu ignorieren wäre fahrlässig. Deshalb der Rat mit dem Arzt.

Mit dem Thema Psychiatrie habe ich (zugegeben) etwas zu weit ausgeholt. Wollte damit aber nur Missverständnisse klären bzw. unbegründete Ängste lindern.

@Ann: Du schreibst etwas von gelbem Schein. Und wer stellt den bitteschön aus?

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was soll resi mit einer therapie? ihr chef braucht eine!

Und wie sorgt sie dafür, dass er sie bekommt?
„Hallo, Chef. Würden Sie Sich bitten psychiatrisch behandeln lassen?“
Oder vom Amtsgericht einen Titel zur Zwangseinweisung des Chefs erwirken? Auf welcher Grundlage denn?

Resi hat nun mal nur Kontrolle über ihre eigenen Handlungen.
Der Ursprungsbeitrag deutet allerdings darauf hin, dass diese Kontrolle ihr auch ein wenig entgleist, da sie ein selbstverletzendes Verhalten an den Tag legt.
Viele Leute auf dieser Welt leiden unter A*-Chefs, aber nur wenige davon verletzen sich physisch selbst. Jeder macht das anders. Aber der von Resi derzeit gegangene Weg ist, wie sie sogar selbst erkannt hat, nicht der, den sie die nächsten 20-40 Jahre gehen möchte.

Ein Psychiater ist nicht logischerweise jemand, der Dir bescheinigt, daß Du Psychokeramiker bist und Dich somit von den „Normalen Menschen“ aussondert, sondern viel eher jemand, der aufgrund seines Studiums und seiner Ausbildung mehr über das Verhalten von Menschen weiß als der Normalbürger.
Diese Leute haben gelernt, nicht zu verurteilen, es ist ihr Job genau so etwas nicht zu tun.
Vielmehr hören sie zu und können aufgrund ihres Wissens genau die Fragen stellen, die dem Individuum helfen, selbst die richtigen Antworten zu finden und auch das Selbstvertrauen zu entwickeln, mit der Situation angemessen umzugehen.
Daß „Selbstverletzen“ kein angemessener Umgang mit der Situation ist, wirst Du ja wohl hoffentlich auch nicht bestreiten!

Der Chef ist nicht daran Schuld, dass Resi sich in psychologischen Streßsituationen bei selbst verletzt. Er mag tausendmal dafür verantwortlich sein, dass die arme Resi diesen Streß auch hat, aber auf die Art und Weise, wie Resi den Streß umsetzt, hat er wenig Einfluß.

Nehmen wir mal das theoretische Szenario an, dass Resis Cheffe wirklich in Therapie zur Aggressionsbewältigung geht und eine Fortbildung zu korrekter Mitarbeiterführung macht:
Er wird trotzdem (wenn auch über die Jahre weniger werdend) Entgleisungen haben, und möglicherweise wechselt er eines Tages seinen Job und wird durch ein noch größeres A* ersetzt. Jene Situation erlebe ich in der Realität immer wieder: man denkt „Boah… endlich isser weg“ und hereinspaziert kommt Faktor 10!
Resi hätte dann das Problem wieder.

Wenn sie nicht damit umgehen kann, dann wird sie auch in Zukunft immer wieder darunter leiden und muß mit den physischen Konsequenzen ihrer eigenen „Streßbewältigung“ leben. Und das halte ich für eine Zumutung!

Am Schluß kommt das wieder auf die „Täter-Opfer“ Haltung hinaus:
Resi mag das Opfer eines bösen Vorgesetzten sein, aber sie ist selbst Täter der Narben, die ihre Arme tragen!
Um einmal in Bildern zu sprechen: Ich kann nicht mit Sicherheit verhindern, dass mir irgendwann jemand ins Auto reinfährt. Aber ich kann verhindern, dass ich ohne Airbag fahre!

Zurück zum eigentlichen Thema:
Der Psychiater ist unbeteiligter, damit unbefangener neutraler Beobachter der Situation. Er kann - höchstwahrscheinlich besser als alle hier im Forum zusammen - die Gesamtheit erfassen.
Aus seiner Sicht heraus kann er entscheiden, welche Schritte zu welchem Zeitpunkt am sinnvollsten sind.
Den Chef von heute auf morgen in die Geschlossene einweisen kann er nicht. Aber er kann dafür sorgen dass die Dinge nicht aus dem Ruder laufen.
Wenn Resi ein wenig Selbstvertrauen benötigt, wird er daran arbeiten, damit sie auch tatsächlich die Stirn hat, zum Chef zu gehen.
Sollte Resi nicht die richtigen Worte finden, um ihren Chef in die Bahn zu weisen, kann er dabei unterstützen.
Falls das Selbstverletzen Überhand nimmt, kann er aufgrund seiner Beobachtung sinnvolle, zu Resi passende andere Maßnahmen zur Streßbewältigung aufzeigen.
Ebenfalls kann niemand besser als ein Psychiater beurteilen, ob der Chef wirklich ein Problem hat oder ob das Problem möglicherweise in Resis Wahrnehmung der Situation liegt: in letzterem Fall kann er nämlich bei Resi viel bewirken, was er beim Chef nie könnte.
Zuletzt, sollten die Beobachtungen des Psychiaters wirklich ergeben, daß der Chef eine Gefahr für die Allgemeinheit ist, so kann er sinnvoll Maßnahmen initiieren, die nicht einfach in Repressalien gegen Resi oder Andere enden.
Natürlich kann auch nur diese Person vernünftig entscheiden, ob und in welchem Umfang eine Krankschreibung oder Beurlaubung ein sinnvolles Mittel ist um Fortschritt zu machen.

Der Psychiater dient in dieser Situation wirklich nicht dazu, um Resi als „krank“ abzustempeln, sondern ist pragmatisch gesehen ihr stärkster Hebel, um die Realität so wie sie ist möglichst effektiv in den Griff zu bekommen!

Hierbei kann man natürlich sagen: Resi könnte all das, was der Psychiater ihr helfen kann, auch selbst - das will ich gar nicht leugnen. Aber dazu muss sie viel über die menschliche Natur, sich selbst und ihren Chef lernen. Und das kostet sehr viel Zeit und erfordert einen klaren Kopf.
Und gerade was die Zeit angeht, da halte ich jeden weiteren Tag für vergeudet!

Lieber jetzt direkt Hilfe beanspruchen und die Gesamtsituation schnell in den Griff bekommen als selbst herum zu probieren und bei jedem fehlschlagenden Versuch Wochen an Rückschlägen einzustecken, und somit das eigene Leiden zu verlängern!

Meine Güte, es ist doch keine Schande, Hilfe in Anspruch zu nehmen von Leuten, die ihr Fach gelernt haben!

Gruß,
Michael

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