was soll resi mit einer therapie? ihr chef braucht eine!
Und wie sorgt sie dafür, dass er sie bekommt?
„Hallo, Chef. Würden Sie Sich bitten psychiatrisch behandeln lassen?“
Oder vom Amtsgericht einen Titel zur Zwangseinweisung des Chefs erwirken? Auf welcher Grundlage denn?
Resi hat nun mal nur Kontrolle über ihre eigenen Handlungen.
Der Ursprungsbeitrag deutet allerdings darauf hin, dass diese Kontrolle ihr auch ein wenig entgleist, da sie ein selbstverletzendes Verhalten an den Tag legt.
Viele Leute auf dieser Welt leiden unter A*-Chefs, aber nur wenige davon verletzen sich physisch selbst. Jeder macht das anders. Aber der von Resi derzeit gegangene Weg ist, wie sie sogar selbst erkannt hat, nicht der, den sie die nächsten 20-40 Jahre gehen möchte.
Ein Psychiater ist nicht logischerweise jemand, der Dir bescheinigt, daß Du Psychokeramiker bist und Dich somit von den „Normalen Menschen“ aussondert, sondern viel eher jemand, der aufgrund seines Studiums und seiner Ausbildung mehr über das Verhalten von Menschen weiß als der Normalbürger.
Diese Leute haben gelernt, nicht zu verurteilen, es ist ihr Job genau so etwas nicht zu tun.
Vielmehr hören sie zu und können aufgrund ihres Wissens genau die Fragen stellen, die dem Individuum helfen, selbst die richtigen Antworten zu finden und auch das Selbstvertrauen zu entwickeln, mit der Situation angemessen umzugehen.
Daß „Selbstverletzen“ kein angemessener Umgang mit der Situation ist, wirst Du ja wohl hoffentlich auch nicht bestreiten!
Der Chef ist nicht daran Schuld, dass Resi sich in psychologischen Streßsituationen bei selbst verletzt. Er mag tausendmal dafür verantwortlich sein, dass die arme Resi diesen Streß auch hat, aber auf die Art und Weise, wie Resi den Streß umsetzt, hat er wenig Einfluß.
Nehmen wir mal das theoretische Szenario an, dass Resis Cheffe wirklich in Therapie zur Aggressionsbewältigung geht und eine Fortbildung zu korrekter Mitarbeiterführung macht:
Er wird trotzdem (wenn auch über die Jahre weniger werdend) Entgleisungen haben, und möglicherweise wechselt er eines Tages seinen Job und wird durch ein noch größeres A* ersetzt. Jene Situation erlebe ich in der Realität immer wieder: man denkt „Boah… endlich isser weg“ und hereinspaziert kommt Faktor 10!
Resi hätte dann das Problem wieder.
Wenn sie nicht damit umgehen kann, dann wird sie auch in Zukunft immer wieder darunter leiden und muß mit den physischen Konsequenzen ihrer eigenen „Streßbewältigung“ leben. Und das halte ich für eine Zumutung!
Am Schluß kommt das wieder auf die „Täter-Opfer“ Haltung hinaus:
Resi mag das Opfer eines bösen Vorgesetzten sein, aber sie ist selbst Täter der Narben, die ihre Arme tragen!
Um einmal in Bildern zu sprechen: Ich kann nicht mit Sicherheit verhindern, dass mir irgendwann jemand ins Auto reinfährt. Aber ich kann verhindern, dass ich ohne Airbag fahre!
Zurück zum eigentlichen Thema:
Der Psychiater ist unbeteiligter, damit unbefangener neutraler Beobachter der Situation. Er kann - höchstwahrscheinlich besser als alle hier im Forum zusammen - die Gesamtheit erfassen.
Aus seiner Sicht heraus kann er entscheiden, welche Schritte zu welchem Zeitpunkt am sinnvollsten sind.
Den Chef von heute auf morgen in die Geschlossene einweisen kann er nicht. Aber er kann dafür sorgen dass die Dinge nicht aus dem Ruder laufen.
Wenn Resi ein wenig Selbstvertrauen benötigt, wird er daran arbeiten, damit sie auch tatsächlich die Stirn hat, zum Chef zu gehen.
Sollte Resi nicht die richtigen Worte finden, um ihren Chef in die Bahn zu weisen, kann er dabei unterstützen.
Falls das Selbstverletzen Überhand nimmt, kann er aufgrund seiner Beobachtung sinnvolle, zu Resi passende andere Maßnahmen zur Streßbewältigung aufzeigen.
Ebenfalls kann niemand besser als ein Psychiater beurteilen, ob der Chef wirklich ein Problem hat oder ob das Problem möglicherweise in Resis Wahrnehmung der Situation liegt: in letzterem Fall kann er nämlich bei Resi viel bewirken, was er beim Chef nie könnte.
Zuletzt, sollten die Beobachtungen des Psychiaters wirklich ergeben, daß der Chef eine Gefahr für die Allgemeinheit ist, so kann er sinnvoll Maßnahmen initiieren, die nicht einfach in Repressalien gegen Resi oder Andere enden.
Natürlich kann auch nur diese Person vernünftig entscheiden, ob und in welchem Umfang eine Krankschreibung oder Beurlaubung ein sinnvolles Mittel ist um Fortschritt zu machen.
Der Psychiater dient in dieser Situation wirklich nicht dazu, um Resi als „krank“ abzustempeln, sondern ist pragmatisch gesehen ihr stärkster Hebel, um die Realität so wie sie ist möglichst effektiv in den Griff zu bekommen!
Hierbei kann man natürlich sagen: Resi könnte all das, was der Psychiater ihr helfen kann, auch selbst - das will ich gar nicht leugnen. Aber dazu muss sie viel über die menschliche Natur, sich selbst und ihren Chef lernen. Und das kostet sehr viel Zeit und erfordert einen klaren Kopf.
Und gerade was die Zeit angeht, da halte ich jeden weiteren Tag für vergeudet!
Lieber jetzt direkt Hilfe beanspruchen und die Gesamtsituation schnell in den Griff bekommen als selbst herum zu probieren und bei jedem fehlschlagenden Versuch Wochen an Rückschlägen einzustecken, und somit das eigene Leiden zu verlängern!
Meine Güte, es ist doch keine Schande, Hilfe in Anspruch zu nehmen von Leuten, die ihr Fach gelernt haben!
Gruß,
Michael