Du bist genau richtig
Hallo Olga,
… dein Beitrag hätte von mir kommen können 
Du hast so einen schönen, positiven Spruch auf deiner VIKA, warum so pessimistisch?
Ich würde es einfach anders formulieren: du „wälzt“ nichts auf deinen Vater ab, sondern ich sehe es als Laie so:
der Mensch ist ein Produkt aus Erbanlagen, aus dem, was die elterliche Erziehung - also erste Bezugspersonen im Leben - aus einem gemacht hat, und aus dem, was wir als Erwachsene aus unserem Leben gemacht haben und aus dem, wie uns Lebensumstände, Schicksalsschläge und der Umgang mit ihnen geprägt hat.
Dein Vater ist ein Mosaikstein darin. Er hat dich geprägt - nicht mehr und nicht weniger. Es kann wie überall auf der Welt nicht alles „glatt gegangen“ sein in der Erziehung, da bleiben Narben, das ist ganz normal. Die einen kommen besser damit klar, die anderen weniger gut.
Viele entwickeln ihre Abwehrmechanismen vielleicht, um sich mit der Problematik nicht auseinandersetzen zu müssen oder wollen es nicht, obgleich die elterliche Erziehung noch sehr wohl ins Erwachsenenalter mit hineinspielt (das leugnet beispielsweise mein „Übervater“, der niemals einen „Fehler“ zugibt).
Die anderen, nämlich Menschen wie du und wie ich auch, wir merken, dass wir aufgrund unserer „Narben“ an unsere Grenzen stoßen, sie nicht selbstständig angehen können. Das ist STÄRKE, sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht. Das ist MUT, sein Leben neu zu ordnen, Traumata aufzuarbeiten.
Es bedarf nicht eines chaotischen Familienlebens voller Drogen, Schlägereien und Alkohol, damit ein Kind später als Erwachsener so seine Probleme bekommt, deren Wurzeln auch in der Kindheit liegen.
Du bist genau auf dem richtigen Weg. Und du bist nicht „unnormal“ und nicht „verrückt“, sondern du siehst gerade, dass du auf deinem Lebensweg Probleme hast, du hast Hoffnung und eine Perspektive, dies ändern zu können.
Das hat nichts mit jemandem die Schuld geben zu tun, sondern du bist so stark, dass du Hilfe anzunehmen bereit bist und deinen Weg zu meistern.
Sieh den Therapeuten an als eine Art „Krückstock“ - so hat es meiner mir jedenfalls erklärt: da ist eine Krücke, die dich ein Stück des Weges begleitet, bei dir ist, dir Halt gibt, bis du wieder „alleine laufen kannst“, sprich, deine Probleme aufgearbeitet hast.
Das ist eine wunderbare Entdeckungsreise, wenngleich sie auch zu Beginn sehr heftig werden KANN, nicht muss. Am Anfang, wenn viele unangenehme Dinge von früher zur Sprache kommen, verschlechtert sich manchmal das eigene Befinden, man glaubt, verrückt zu werden, es nicht auszuhalten. Aber das ist nur eine Art „Erstverschlimmerung“, wie man sie auch von manchen Medikamenten kennt … die geht vorüber und ebnet nur den Weg in eine wunderbare Zukunft - frei von unnötigen Ängsten, Panikattacken, Abwehrmechanismen - so weit, wie man es eben zulässt, selbst zu gehen.
Du bist genau auf dem richtigen Weg! Ich wünsche dir alles Gute dabei.
Christina