Selbstwertgefühl

Hallo!

Das Thema war zwar schon ein paar Mal da, aber die Suche im Archiv hat mir nicht wirklich eine Antwort auf meine Frage geben können. Daher schreibe ich nun doch einen eigenen Artikel und hoffe, dass mir wer ein paar Tipps geben kann.

Es geht um einen guten Freund von mir, der gewisse Probleme mit seinem Selbstwertgefühl und auch Selbstvertrauen hat. Beides völlig unbegründeterweise, geht man von einem einigermaßen objektiven Standpunkt aus; er ist hochintelligent, und bei weitem nicht so hässlich, wie er glaubt; und nebenbei bemerkt einer der besten Freunde, die ich je hatte. Das Problem an sich - übermäßiger Ehrgeiz in Kombination mit mangelndem Selbstwertgefühl trotz guter Leistungen - kenne ich allerdings aus eigener Erfahrung.

Dazu kommt, dass er es immer wieder schafft, seine nähere Umgebung zu verärgern (Schul- bzw. Arbeitskollegen, etc.), die ihn dann entsprechend schikanieren, worauf er mit noch mehr Sarkasmus reagiert, und so weiter. Naturgemäß richtet sich der Spott wieder genau auf die Bereiche, von denen die anderen wissen, dass sie ihn damit besonders treffen. Umgekehrt hat er verständlicherweise „beschlossen“, dass die anderen eh nur Idioten sind, um die er sich nicht weiter zu kümmern braucht. Was als Selbstschutz zwar vielleicht durchaus brauchbar ist, aber nichts an der Situation ändert.

Ich würde ihm wirklich gerne helfen, aber ich weiß nicht, wie. Wir haben zwar gelegentlich über das Thema gesprochen, aber erstens weiß ich auch keine passenden Tipps, und zweitens… Wir sind uns in fast jeder Hinsicht ausgesprochen ähnlich. Dass ich ausgerechnet mit dem Problem, das ihn am meisten belastet, im Moment besser zurechtkomme als er, interpretiert er anscheinend als ein weiteres Versagen seinerseits.

Was kann ich tun?

lG Alpha

bin zwar kein Psychologe, der dass ganz extrem auseinander pfriemeln kann, aber der folgende Tipp sollte wohl immer helfen:

Selbstvertrauen aufbauen geht nicht von heute auf morgen, es braucht Zeit! Hilfreich ist immer eine Bestätigung von anderen, von „wichtigen“ Menschen. Als unglaublich effektiv hat es sich herausgestellt, in einen Verein zu gehen, Sport/Theater/Politik egal, was demjenigen halt liegt,
denn wenn alle an einem Strang ziehen, wird jede Leistung honoriert, und wenn dein Freund wirklich so intelligent ist, wie du sagst, sollte es schon relativ schnell zu (kleinen) Erfolgen kommen.

Selbstvertrauen aufbauen geht nicht von heute auf morgen, es
braucht Zeit! Hilfreich ist immer eine Bestätigung von
anderen, von „wichtigen“ Menschen.Als unglaublich effektiv
hat es sich herausgestellt, in einen Verein zu gehen,
Sport/Theater/Politik egal, was demjenigen halt liegt,
denn wenn alle an einem Strang ziehen, wird jede Leistung
honoriert, und wenn dein Freund wirklich so intelligent ist,
wie du sagst, sollte es schon relativ schnell zu (kleinen)
Erfolgen kommen.

Ja, aber nach etlichen Goldmedaillen in 4 völlig verschiedenen und gleichermaßen schwierigen Wettbewerben kann’s daran ja wohl nicht mehr liegen…

lG Alpha

Hi AO,
was ich so auf die Schnelle zu sagen habe, hilft dem Selbstwertgefühl wohl eher weniger - sorry.

Es ist nur so, dass gerade hochintelligente Menschen die von dir beschriebenen Probleme haben.

Erstens sind solche Menschen nicht nur intelligenter als der Durchschnitt, sondern evtl auch sonst ein bisschen anders. Und oft eben auch empfindlicher.

Das andere ist, dass es verschiedene Arten von ‚Intelligenzen‘ gibt - da gab’s vor ner Weile den Bestseller ‚Emotional Intelligence‘.

emotional intelligence - vereinfacht nenne ich das jetzt mal Soziale Kompetenzen.

Ich zB bin in einer Familie aufgewachsen, in der WISSEN ganz gross geschrieben wurde, schulische Leistung extrem wichtig war, etc.
Aber auf SOZIALE Kompetenzen wurde wenig geachtet! Ich will nicht sagen, dass sie ignoriert wurden - aber wie sollen dir Menschen, die selbige nicht gerade sehr ausgeprägt besitzen, Dir selbige beibringen?

Um in der Welt klarzukommen, musste ich mir, und muss immer noch, mir diese Fähigkeiten selber aneignen. Und dass, wenn diese fehlen, das Selbstwertgefühl im Keller ist, ist ja nun nicht verwunderlich.

Ich würde Deinem Freund (und u.U. auch Dir, da Du beschreibst, ihm ähnlich zu sein) sowas in der Richtung ‚training sozialer Kompetenzen‘ empfehlen. Das soll nicht heissen, dass er sich allgemein anders verhalten soll, damit er nicht ‚aneckt‘. Sondern dass er zB lernt, mit Kritik umzugehen - sowohl mit echter, als auch mit ‚bullying‘.

Dass er manch andere Leute als intellektuelle Idioten ansieht, ist ja nicht verwunderlich - im Gegensatz zu ihm sind sie es ja auch quasi. Nur sind sie halt, was die emotional intelligence angeht, eben schlauer - und nutzen seine Schwächen aus.

Oops, jetzt hab ich ziemlich viel laienhafter geschrieben, als ich vorhatte, und es wird immer länger, ohne dass ich was handfestes sage.

Sorry, hoffe es hilft trotzdem erstmal nen bisschen.
Muss jetzt endlich mal an meinen Berg von Arbeit ran.

Gruss, Isabel

Hallo,

ich hatte selbst diese Probleme, mit mir selbst und auch mit Freundinnen. Ich habe nur dabei gelernt dass man niemandem helfen kann der sich nicht helfen lassen will. Ich hab meine Probleme sehr gut in den Griff bekommen als ich mich entschlossen habe das es so nicht weiter geht und ich bereit war Hilfe anzunehmen. Ich hab ein Jahr lang Verhaltenstherapie hinter mir und bin viel selbstbewußter als vorher. Ich rede auch meine eigenen Leistungen nicht mehr so herab.Das würd ich ihm mal vorschlagen und dabei sagen dass man nicht total gestört ist wenn man da hin geht sondern einfach so schlau ist das Angebot zu nutzen sein Leben zu verbessern. Die Krankenkassen zahlen auf jeden Fall 5 Probierstunden danach muß man die Behandlung beantragen. Auf keinen Fall soll er Psychoanalyse machen, das dauert Jahre und hilft meiner Meinung nach nicht so gut.
Ich hoffe ich konnte helfen
Ciao
Nora

Ja, aber nach etlichen Goldmedaillen in 4 völlig verschiedenen
und gleichermaßen schwierigen Wettbewerben kann’s daran ja
wohl nicht mehr liegen…

lG Alpha

Der Seblstwert ergibt sich aus allen Bereichnen des Selbstkonzepts und deren Wichtung. Im Sinne eines hohen Selbstwerts ist es wichtig sich in den Bereiche, die für das eigene Selbstkonzept wichtig sind positiv einzuschätzen bzw. die Bereiche des Selbstkonzepts, in denen man sich positiv bewertet mgl. stark zu gewichten.

Er sollte sich also bewusst machen, in welchen Bereichen er sich gering schätzt und kritisch hinterfragen, ob diese Einschätzung gerechtfertigt und ob dieser Bereich tatsächlich so wichtig ist. Gleichzeitig sollte es ihm nicht schwer fallen Bereiche zu finden, in denen er stark ist und diese hervorzuheben.

Für Menschen mit hohem Ehrgeiz, zu denen ich mich auch zähle, ist es wichtig zu wissen, dass in der Natur des Ehrgeizigen liegt, seine sich selbst überkritisch einzuschätzen. Allerdings gibt es fast nichts, was am eigenen Erfolg größeren Anteil hat als diese kritische Selbstwahrnehmung.

Um die Verzerrung zu überwinden ist es sehr hilfreich sich vorzustellen, wie man sich jemand anderes in der eigenen Situation sehen würde bzw. wie man sich selbst in der Situation eines anderen sehen würde. Hierbei sollte man nicht unbedingt „überlegene“ Konkurrenten als Vergleichspartner wählen, sondern einen von den anderen 6 Mrd.

Wie kommt es dazu, dass er andere verärgert? Liegt es vielleicht daran, dass er sich gegen die Verletzung seines Selbstwerts durch andere wehrt, die daraufhin zurückschlagen.

Hat er immer dieses Selbstwertproblem, oder schätzt er sich oft auch besonders positiv ein? Ehrgeiz geht meiner Erfahrung nach oft mit einem unstabilem hohen Selbstwert einher.