Hallo zusammen,
seit kurzem frage ich mich was das für ein Phänomän ist, dass ich zu meinen eigenen Problemen eine relativ große Distanz habe, während mich Schicksale anderer Personen so richtig an Herz gehen.
Wenn ich z.B. einen Fersehbericht sehe in dem es um irgend ein Schicksal geht, geht mir das tagelang nicht aus dem Kopf und ich mache mir viele Gedanken zu diesem Thema. Oder in einem anderem Forum hat ein Mädel kürzlich berichtet dass ihre beiden Kinder tot geboren wurden. Das hat mich total mitgenommen und ich hab tagelang geweint weil sie mir so leid tat - dabei kenne ich sie gar nicht…
Als ich damals mein Kind verloren habe, hat mich das nicht annähernd so getroffen. Oder als meine Katze gestorben ist. Oder sonstige Beispiele, die zwar nicht dramatisch sind, aber ein Muster erkennen lassen. Ich verbiete mir dann immer daran zu denken und lasse meine Trauer höchstens 1-2 Tage zu. Dann wird das Thema abgeschlossen und nie wieder erwähnt. Sobald die Trauer in Form von Stichen im Herzen oder Magen kommt, gibt es ein lautes Stop in meinem Kopf und ich denke dann schnell etwas anderes.
Es ist jetzt nicht so das ich darunter leide, aber mich würde schon interessieren warum mich die Schicksale anderer Menschen so mitnehmen und ich bei den eigenen so distanziert bin?
Grüße, Cora
Hallo,
vielleicht verarbeitest Du Deine eigenen Gefühle mit den Problemen anderer Leute, damit Du den eigenen Schmerz zulassen kannst und Dich nicht selbst ausbremst. Versuche Deinen eigenen Verlust oder Schmerz zuzulassen!
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hi cora,
ich schliesse mich hiermit meiner vorposterin an. gut möglich, dass du eine emotionale barriere für deine eigenen gefühle errichtet hast. weshalb das so ist, kann viele gründe haben (traumas etc.), oftmals ist dann aber die angst vor den eigenen emotionen entscheidend. um deine gefühle, die im hintergrund ja trotzdem ablaufen, zu verarbeiten, weinst du dann bei „belanglosen“ dingen mit.
ich kann dir nur raten, dich mit deiner eigenen gefühlswelt auseinander zu setzen. das kann sehr weh tun und je nach dem auch mal den lebensplan durcheinander bringen. ich denke aber, dass das auf die dauer sehr befriedigend ist.
liebe grüsse,
coco
Hallo Cora,
Du sagst doch selbst, dass Du es Dir verbietest, länger zu trauern, wenn es Dich selbst betrifft.
Ich vermute, Du hast mit Deiner persönlichen Trauer nicht richtig abgeschlossen, und deshalb nutzt Deine Seele jede Gelegenheit, um sich zu erleichtern - wenn Du z.B. von den Schicksalen anderer hörst.
Es ist sicher gesünder, Du würdest die Trauer bei Dir selbst zu Ende bringen - vielleicht befürchtest Du, das nicht durchzustehen? Ich kenne Dich nicht und finde es vermessen, Dir hier Ratschläge zu geben. Doch es ist so, dass seelische Schmerzen sich irgendwann in körperliche Beschwerden umwandeln können - und dann wird man krank, und zwar i.d.R. dort, wo der Körper eine Schwachstelle hat - das kann bei jedem woanders sein.
Vielleicht wendest Du Dich an eine Gruppe Frauen, die das Gleiche durchgemacht hat wie Du, um die Trauer gemeinsam mit ihnen zu bewältigen?
Liebe Grüße, Susanne
Hallo Cora,
in deiner Schilderung deiner seltsamen Distanz habe ich mich wieder gefunden. Zu Herzen gehende Geschichten von Rosemarie Pilcher oder Hedwig Courts-Mahler machen mich z.B. traurig und rühren mich zu Tränen. Dort wo andere nur resigniert mit den Achseln zucken und traurige Situationen einfach akzeptieren, bin ich tagelang am Grübeln und am Heulen. Mit eigenen Schicksalsschlägen gehe ich da ganz anders um.
Es kann vielschichtige Gründe dafür geben. Ich habe mir schon sehr lange darüber Gedanken gemacht und habe keine klare Antwort dafür gefunden. Zum einen habe ich diese Eigenschaft auch bei meiner Mutter beobachten können. Zum anderen habe ich in meinem Leben schon sehr viel schlimmes erlebt, dass verarbeitet werden musste. Letztlich halte ich mich für sehr sensibel und gleichzeitig halte ich mich für stark und kann sehr viel aushalten. Vielleicht verdränge ich vieles und es haben sich daraus resultierende Narben auf der Seele gebildet.
Also, zumindest ist für mich deine „Distanz“ nachvollziehbar. Die Ursachen dafür sind wie ich schon sagte vielschichtig. Solange aber dieses Phänomen kein Problem für dich wird kannst du gut damit leben.
LG
Peter