Seltsame Katzendame ?

Hallo,
ich habe einen Kater (kastriert), dem ich nun eine Kätzin zur
Gesellschaft geben möchte. Momentan habe ich eine Katze aus dem Tierheim hier um zu versuchen, ob sie sich vertragen. Beide sind vom Charakter überhaupt nicht agressiv, meiner ist eher ein Angsthase. Sie verhält sich friedlich,trotzdem gibt es Probleme:

Er hat völlig grundlos Angst vor ihr, geht nur noch in Ausnahmefällen
aufs Klo (ich habe mehrere)weil er sich weigert unter dem Bett
hervorzukommen. Dies ist so extrem, dass ich gesundheitlichen Schaden
befürchte weil er sich das Pinkeln usw. so lange verkneift - er ist
absolut sauber und würde nie woanders hinmachen.

Die Katze benimmt sich in meinen Augen merkwürdig und vielleicht
verweigert er deshalb den Kontakt:
Es ist mir nicht möglich, meinen Kater ein bisschen bevorzugt zu
behandeln (wie man das beim Eingewöhnen machen soll), ich muss sie
wegsperren, damit ich überhaupt nach ihm schauen kann. Er ist völlig
verstört. Ein Kontakt zwischen meinem Kater und mir ist nahezu
unmöglich, da er nicht zu mir kommt weil er Angst vor ihr hat und sie
mich nicht allein zu ihm lässt. Sie ist ihm unheimlich, dabei hat er
normalerweise problemlosen Kontakt zu anderen Katzen wenn diese nicht
agressiv sind.

Mir fällt auf, dass sie sehr sehr häufig und extrem dieses Milchtreten
oder Treteln mit ausgefahrenen Krallen zeigt. Normal wohl ein Zeichen
für Wohlbefinden aber sie macht das überall und ohne dass man sie
streichelt. Ich habe fast den Eindruck dies kann auch gesundheitliche
Hintergründe haben.
Ich mache mir Sorgen wegen Ansteckungsgefahr, sie wurde vermutlich
zusammen mit anderen Katzen im Ausland aufgegriffen und nachts vor
das Tierheim gestellt. Ich weiß nicht ob das Tierheim bezüglich des
Gesundheitszustandes ehrlich zu mir war. Zwei Freundinnen von mir
fanden das Verhalten auch merkwürdig, eine Katze zeigt doch dieses
Treteln nicht grundlos und bei jedem Wort dass man zu ihr sagt und auf jedem Untergrund, selbst auf kalten Fliesen.
Kann mir jemand sagen, was das bedeuten kann ?
Mir kommen die Tränen wenn ich meinen Kater so unglücklich sehe - ob
er wohl merkt dass mit ihr irgendwas nicht stimmt ?

Danke
Angelika

Sorry, die Fragestellerin nochmal… habe etwas vergessen.

Wenn die Kätzin dieses Treteln zeigt fängt sich auch umgehend an zu sabbern - es tropft ihr ganz ordentlich Speichel aus dem Maul, auch das kenne ich so nicht.

Machen Eure Katzen das auch ?
Danke

Hallo,

das Treteln würde ich auch mit viel Fantasie nicht als Krankheitssymptom erkennen. Entweder ist die Katze tatsächlich so entspannt, dass sie sich praktisch rundum wohlfühlt, egal wo sie ist. Oder das Treteln ist für sie eine Art Selbstberuhigung/Hypnose. Sabbern kommt beim Treteln gar nicht so selten vor, da das Verhalten vom Milchtritt beim Saugen an der Mutterzitze abstammt.

Das ist kein Scherz, mein dieses Jahr leider umgekommener Kater hat das auch so gemacht, wenn er auf meinem Schoß saß. Da er ein wildgeborener Kater war, der erst nach der Prägephase Menschenkontakt hatte, besaß er eine große Restscheu. Es dauerte mehrere Jahre, bis er erstmalig auf meinem Schoß (nur mit Decke darunter!) Platz nahm. Und dann tretelte er und schnurrte extrem laut, man merkte richtig, wie angespannt er war, jeder Muskel war gespannt. Das war wie bei einem Kind, das im dunklen Keller singt, weil es Angst hat.

Als Soforthilfe für Deinen Kater würde ich dafür sorgen, dass er nachts ungestört von der Neukatze bleibt, diese also in einem separaten Zimmer übernachten lassen. Tausche Gerüche zwischen den Beiden aus, indem Du sie mit derselben Socke über der Hand abreibst, besonders an den Kopfseiten. Möglicherweise ist ihm die Neukatze sehr unheimlich, weil sie sich auch für ihn ungewöhnlich verhält.

Um weitere Tipps geben zu können, brauche ich etwas mehr Info über Deinen Kater. Wie lebt er (Wohnung, Freigang?), kennt er andere Katzen in seinem „Haus“ oder war er meist allein, wie früh wurde er entwöhnt und was Dir sonst noch einfällt.

Gruß,

Myriam

Hallo Angelika,

mein Dicker tretelt wie behämmert, jedesmal, wenn ich im Bad bin oder auf dem Weg dorthin.

Dabei stopft er sich meine Wolldecke in den Mund, nuckelt und kaut drauf rum und gibt ein überaus entsetzlich klingendes, langanhaltendes Klagegeheul zum besten. Glücklicherweise durch die im Maul befindliche Decke ein wenig gedämpft.

Dies tut er seit 10 Jahren. Seltsame Hobbies haben die manchmal.

Aber um das Fremdeln von deinem Burschen würde ich mir schon Sorgen machen.

Gruß

Annie

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

1 „Gefällt mir“

Hallo Myriam,

danke für Deine ausführliche Antwort. Ich denke die beiden nachts auseinanderzusperren ist eine gute Idee.

Mein Kater ist ca. 6, die Kätzin ca. 3 Jahre alt. Ich habe ihn vor 3 Jahren aus dem Tierheim geholt. Ich hielt ihn zuerst als Freigänger und er hatte regelmäßigen unkomplizierten Kontakt mit nicht agressiven Nachbarkatzen. Auffällig ist, dass er sich überhaupt nicht wehren kann, er ist da etwas unbeholfen. Im Tierheim bekam er dauernd Schläge von anderen Katzen.
Über seine Kindheit weiss ich nichts, denke aber er kann das Jagen/ den Tötungsbiss wohl nicht, in drei Jahren war eine Libelle das einzige Beutetier mit dem ich ihn sah. Er muss früher bereits als Wohnungskatze gelebt haben und ich habe ihn jetzt seit einiger Zeit wieder in der Wohnung (problemlos) da es massive Schwierigkeiten mit einem Nachbar gab. Deshalb soll er jetzt zum Ausgleich eine Gefährtin bekommen.

Ich habe Bedenken, ob sie die richtige Katze für uns ist, da sie so viel Raum und Zeit einnimmt (ob man will oder nicht) dass er zu kurz kommt.Und - da er sich auch hier nicht wehren kann habe ich Bedenken ob das jemals funktioniert. Und ich selbst möchte auch mal ungestört ins Bett liegen oder sonstwas machen was sie auch nicht zulässt. Man muss sehr sehr radikal werden damit sie mal Ruhe gibt und so garstig möchte ich keine Katze behandeln.Ich habe schon viele anhängliche Katzen erlebt (und finde das sonst schön) aber sowas habe ich noch nicht erlebt.

Mein Kater tut mir wahnsinnig leid, es ist ein Bild des Jammers und mir kommen normal nicht so schnell die Tränen.Sie tut mir auch leid, wahrscheinlich ist sie so weil sie ihr leben lang zu kurz kam. Deine Interpretation ihres Tretelns ist glaube ich treffend.
Aber kann ich ihm all das zumuten ?

Wir hätten halt auch gerne, dass sich die Katzen anfreunden und nicht nur dulden. Das wäre doch auch für die Tiere schade. Die meisten Kater würden den Neuankömmling zurückweisen und sich ihre Streicheleinheiten und Sonstiges holen - aber sowas bekommt meiner im Leben nicht hin.

Hast Du noch einen Rat für mich ?
Danke und liebe Grüße LG Angelika

Hallo,

das Treteln würde ich auch mit viel Fantasie nicht als
Krankheitssymptom erkennen. Entweder ist die Katze tatsächlich
so entspannt, dass sie sich praktisch rundum wohlfühlt, egal
wo sie ist. Oder das Treteln ist für sie eine Art
Selbstberuhigung/Hypnose. Sabbern kommt beim Treteln gar nicht
so selten vor, da das Verhalten vom Milchtritt beim Saugen an
der Mutterzitze abstammt.

Das ist kein Scherz, mein dieses Jahr leider umgekommener
Kater hat das auch so gemacht, wenn er auf meinem Schoß saß.
Da er ein wildgeborener Kater war, der erst nach der
Prägephase Menschenkontakt hatte, besaß er eine große
Restscheu. Es dauerte mehrere Jahre, bis er erstmalig auf
meinem Schoß (nur mit Decke darunter!) Platz nahm. Und dann
tretelte er und schnurrte extrem laut, man merkte richtig, wie
angespannt er war, jeder Muskel war gespannt. Das war wie bei
einem Kind, das im dunklen Keller singt, weil es Angst hat.

Als Soforthilfe für Deinen Kater würde ich dafür sorgen, dass
er nachts ungestört von der Neukatze bleibt, diese also in
einem separaten Zimmer übernachten lassen. Tausche Gerüche
zwischen den Beiden aus, indem Du sie mit derselben Socke über
der Hand abreibst, besonders an den Kopfseiten. Möglicherweise
ist ihm die Neukatze sehr unheimlich, weil sie sich auch für
ihn ungewöhnlich verhält.

Um weitere Tipps geben zu können, brauche ich etwas mehr Info
über Deinen Kater. Wie lebt er (Wohnung, Freigang?), kennt er
andere Katzen in seinem „Haus“ oder war er meist allein, wie
früh wurde er entwöhnt und was Dir sonst noch einfällt.

Gruß,

Myriam

Hi,

es wurde ja schon einiges gesagt, nur eine Ergänzung zum Treteln hab ich noch: Seinerzeit zeigte unser alter Kater sein Leben lang genau das Verhalten, inkl. Sabbern und an Decken nuckeln etc. Das war ein Findelkind, der definitiv zu jung war, um von der Mutter wegzukommen. Vielleicht hängt es also damit zusammen, wie jung die von der Mutter wegkommen und ob sie richtig „abgestillt“ wurden (wie heißt denn das bei Katzen?).

Gruß und frohes Neues
Cess

Hallo

wir hatten auch mal eine Katze, die beim Treteln gesabbert hat. Auch Unmengen! Aber sie hat das Schnurren auch nicht vertragen und spätestens nach 3 Minuten ist sie auf den Boden gesprungen und hat gehustet, als ob sie ersticken würde.
Ganz schlimm war das.
Und der letzte Kater, der uns zugelaufen ist, hat auch draussen auf den Bodenfliesen der Terasse getretelt, als wir ihn das erstemal sahen. Er war ca 12 Wochen alt. Er wollte sich ganz sicher beruhigen oder unbedingt gestreichelt werden und hat sich nicht getraut.

Zu deinem Kater kann ich leider nichts sagen, aber ich denke mal das sich das schon noch gibt. Solange sie sich nichts tun.

Gruss
Karen

Hallo Angelika,

ich würde den beiden noch etwas Zeit geben - vor vielen, vielen Jahren hatte ich auch einmal eine - aufgrund ihrer Vergangenheit - hochgradig verhaltensgestörte Katze, welche auf einen Neuzugang ebenfalls so reagierte, dass sie für geraume Zeit hinter der Couch verschwand und nicht mehr hervorzulocken war.

Als wir dann kurz davor waren, für das so unglaublich furchterregende *gg* Katzenkind, das uns da ins Haus geschneit war, ein anderes Zuhause zu suchen, ist unsere ‚Alte‘ schließlich doch noch aufgetaut - und in der Folgezeit hat sich dann auch in weiten Bereichen ihr gesamtes Verhalten normalisiert.

Beste Grüße

=^…^=

Hallo,

das klingt für mich als Außenstehende so, als wäre Dein Kater ein potentielles Mobbing-Opfer, der außerdem bisher (oder zumindest seit längerem) keine anderen Katzen in seiner Wohnung kennt.

Da Katzen kleine Schweine sind, reagieren viele auf das ängstliche Verhalten eines typischen Opfers mit Agressionen und Angriff. Deine Neukatze tut das nicht, was für sie spricht - viele andere Katzen hätten die Chance genutzt, der Memme mal so richtig einen reinzuwürgen. Das kann übrigens noch kommen, sobald sich Madame etwas besser eingelebt hat.

Ich glaube, Du musst Dich zuerst mal von der Vorstellung lösen, dass Dein Kater und eine andere Katze mittelfristig kuschelnd im Körbchen liegen und sich putzen werden - das passiert nicht so oft, wenn man erwachsene Katzen zusammenführt. Dies soll natürlich kein Argument für die Einzelhaltung sein! Aber über eine „gute Bekanntschaft“ geht es oft nicht hinaus, wenn man erwachsene Katzen miteinander vergesellschaftet.

Die Neukatze könnte früh entwöhnt und handaufgezogen sein, das würde die extreme Anhänglichkeit erklären. Das kann sehr nervig sein, wenn Du damit auf Dauer nicht klar kommst, suche lieber eine andere Zweitkatze. Die ideale Zweitkatze ist sozial kompetent ( = spät entwöhnt, immer positiv mit Artgenossen zusammen gewesen), nicht zu spät kastriert, gleichgeschlechtlich, im Temperament ähnlich und körperlich weder stark unterlegen noch überlegen.

Wenn Du es mit einer anderen Zweitkatze versuchen möchtest, lasse die beiden Tiere nicht gleich zusammen. Gib der Neukatze die Chance, sich in einem getrennten Raum zu akklimatisieren und sorge für Geruchsaustausch. Willst Du es mit dieser aktuellen Zweitkatze weiterversuchen, trenne sie nachts, bis sich der Kater etwas beruhigt hat. Feliway/Felifriend können helfen, schaden aber zumindest nicht.

Viel Erfolg,

Myriam

1 „Gefällt mir“

Hallo, ich nochmal.

Bitte nimm dir das nicht gar zu sehr zu Herzen. Bevor der kleine Kerl sich nun vollends vor Gram verzehrt, solltest du die kleine Schmuseterroristin in gute Hände weitergeben.

Denn du schreibst ja, das Madame diese offensive Buhlerei auch bei anderen Menschen an den Tag legt.

Also wird sie vermutlich auch bei jemand Anderem die benötigte Zuwendung einzufordern (und hoffentlich auch zu erhalten) in der Lage sein.

Ein Freund von mir hat auch so ein Teil. Allerdings Erstkatze. Nach einiger Zeit holte er sich ein ganz ausgesprochen reserviertes Katertier dazu. Der wanzt sich ohnehin so selten an seinen Dosenöffner ran, dass Schmusebäckchen damit in gar keinster Weise Probleme hat. Und zu kurz kommt er für seine Verhältnisse auch nicht.

Seinerzeit mußte ich insgesamt drei herzallerliebste Biester schweren Herzens weggeben, weil die olle Edith jedesmal eine krankhafte Mordlust ihrer eigenen Spezies gegenüber entwickelte mit allen fröhlichen Nebenerscheinungen.

Und so wechselten Mia, Polly und Luzie ihr Hauspersonal und warden glücklich und zufrieden bis an ihr hochbetagtes Ende.

Liebe Grüße

Annie