Hallo Strubbel,
vor etlichen Jahren sah ich eine Dokumentation im Fernsehen über ungewöhnliche sexuelle Veranlagungen, die mir bis dahin unbekannt waren - und die Fassung verliere ich ja auch nicht leicht. Es wurde über drei oder vier Menschen berichtet, deren Geschichte erzählt, es gab Interviews mit ihnen.
An zwei dieser Personen erinnere ich mich und einer davon hatte denselben Wunsch wie der Mann, von dem Du schreibst.
Der Mann in dieser Dokumentation erzählte, er hätte in seiner Jugend einen Freund gehabt, der als Kind ein Bein verloren hatte, sich in seiner Ausstrahlung und Lebensfreude davon aber nicht beeinträchtigen ließ, und in ihm einen äußerst starken und über Jahrzehnte bleibenden Eindruck hinterließ.
In mittleren oder höheren Alter erfüllte er sich diesen Wunsch (mit einem Gewehr), von der Obsession war er befreit, ob er dann „glücklich“ war, weiß ich nicht mehr.
Ich vermute, es ist selten. Häufiger ist eine Vorliebe für Körperbehinderungen beim potentiellen Partner: auch vor langer Zeit hatte ich einen Unfall, der acht Wochen Liegegips zur Folge hatte. Ich wurde - im Zusammenhang mit Schadenersatzforderungen - Mitglied in einem Rechtshilfeverein und bekam so einige Male eine Zeitschrift für Behinderte zugesandt. Sie enthielt u. a. Kontaktinserate mit entsprechenden Wünschen. Die Nachfrage dürfte das Angebot übersteigen.
Mich interessiert sehr, wie solche Orientierungen zustande kommen - es handelt sich ja dabei oft um ungeheure emotionale Energien. Ich konnte bisher leider nichts wirklich Informatives finden: Lehrbücher der Psychiatrie z. B. enthalten darüber nur sehr wenig.
Am ehesten denke ich dabei an etwas wie Prägung (siehe Versuche von Konrad Lorenz mit frisch ausgeschlüpften Küken, die jedes beliebige Objekt, das ihnen als erstes gezeigt wurde, für ihr Muttertier hielten).
Vielleicht ist dieses Thema bisher nur sehr schlecht erforscht…
- oder weiß es jemand besser?
Grüße,
I.