Seltsamer wunsch, störung?

hallo ihr,

ich bin ja im allgemeinen nicht leicht aus der fassung zu bringen.
aber in der vergangenen woche las ich ein chatprofil im internet, welches mich doch etwas die nase kräuseln ließ.
der typ gab doch tatsächlich an, sein sehnlichster wunsch sei die amputation eines beines.
was sagt ihr als fachleute dazu?
ernsthafter defekt? behandlungsmöglichkeit?
ich hab zu dem ja keinen kontakt und will ihn auch nicht bekehren.
nur mal interessehalber, ob sowas öfter vorkommt.

strubbel
&:open_mouth:)

Hallo Strubbel,

vor etlichen Jahren sah ich eine Dokumentation im Fernsehen über ungewöhnliche sexuelle Veranlagungen, die mir bis dahin unbekannt waren - und die Fassung verliere ich ja auch nicht leicht. Es wurde über drei oder vier Menschen berichtet, deren Geschichte erzählt, es gab Interviews mit ihnen.

An zwei dieser Personen erinnere ich mich und einer davon hatte denselben Wunsch wie der Mann, von dem Du schreibst.

Der Mann in dieser Dokumentation erzählte, er hätte in seiner Jugend einen Freund gehabt, der als Kind ein Bein verloren hatte, sich in seiner Ausstrahlung und Lebensfreude davon aber nicht beeinträchtigen ließ, und in ihm einen äußerst starken und über Jahrzehnte bleibenden Eindruck hinterließ.

In mittleren oder höheren Alter erfüllte er sich diesen Wunsch (mit einem Gewehr), von der Obsession war er befreit, ob er dann „glücklich“ war, weiß ich nicht mehr.

Ich vermute, es ist selten. Häufiger ist eine Vorliebe für Körperbehinderungen beim potentiellen Partner: auch vor langer Zeit hatte ich einen Unfall, der acht Wochen Liegegips zur Folge hatte. Ich wurde - im Zusammenhang mit Schadenersatzforderungen - Mitglied in einem Rechtshilfeverein und bekam so einige Male eine Zeitschrift für Behinderte zugesandt. Sie enthielt u. a. Kontaktinserate mit entsprechenden Wünschen. Die Nachfrage dürfte das Angebot übersteigen.

Mich interessiert sehr, wie solche Orientierungen zustande kommen - es handelt sich ja dabei oft um ungeheure emotionale Energien. Ich konnte bisher leider nichts wirklich Informatives finden: Lehrbücher der Psychiatrie z. B. enthalten darüber nur sehr wenig.

Am ehesten denke ich dabei an etwas wie Prägung (siehe Versuche von Konrad Lorenz mit frisch ausgeschlüpften Küken, die jedes beliebige Objekt, das ihnen als erstes gezeigt wurde, für ihr Muttertier hielten).

Vielleicht ist dieses Thema bisher nur sehr schlecht erforscht…

  • oder weiß es jemand besser?

Grüße,

I.

beinamputation

sein sehnlichster wunsch sei die amputation eines beines.

und das ist wirklich sein ernst? ich meine, manche leute schreiben ja den größten blödsinn in profilen…

hat er das noch irgendwie begründet oder steht das da einfach nur so im profil?

Hallo strubbel,

vor einiger Zeit lief eine Reportage mit genau diesem Thema (ich glaub es war auf XXP).
Es wurden einige! Menschen vorgestellt, die genau diesen Wunsch hatten und ihn trotz intensiver Therapie weiter verfplgten.
Einer der Kanditaten war selber Psychologe und war sich der Irrealität seines Wunsches sehr wohl bewust, konnte aber trotzdem dagegen nicht an.

Schräg, aber kein Fake.

Gandalf

Hi Du,

der typ gab doch tatsächlich an, sein sehnlichster wunsch sei
die amputation eines beines.

bin kein Fachleut, aber nachdem ich das hier las

http://www.bmezine.com/news/pubring/20050401.html
(Vorsicht! Nichts für sensible Gemüter!)

wundert mich da nichts mehr. Ich meine, es gibt Leute, die wünschen sich, aufgegessen zu werden, da ist ne schlichte Amputation doch noch harmlos. Es würde mich jedoch wundern, wenn solch ein Wunsch _nicht_ die Kriterien einer ernsthaften Störung erfüllen würde.

Gruß,

Malte.

Das Kind hat sogar einen Namen: Apotemnophilie
Hallo Strubbel,

ich erinnere mich an einen solchen ‚Wunsch‘, der vor einigen jahren durch die Medien ging, wobei der Typ seinerzeit nicht das geringste sexuelle Interesse an der Amputation hatte - er hat sein Bein schlicht als einen Fremdkörper empfunden und wollte, daß es verschwindet.

Nach der ICD-10-Klassifizierung fällt es unter F65.8 (‚sonstige Störungen der Sexualpräferenz‘)/unter DSM-IV 302.9s (‚nicht näher bezeichnete Paraphilie‘); ist zwar selten, aber sie kommt eben vor…

Viele Grüße

Renee

Hallo Renee,

irgendwie begreife ich Dein Posting nicht, vielleicht kannst Du mich aufklären:

ich erinnere mich an einen solchen ‚Wunsch‘, der vor einigen
jahren durch die Medien ging, wobei der Typ seinerzeit nicht
das geringste sexuelle Interesse an der Amputation hatte - er
hat sein Bein schlicht als einen Fremdkörper empfunden und
wollte, daß es verschwindet.

Warum würdest Du so einen Fall, zu dem Du ja auch noch ganz explizit sagst, dass der Wunsch nach Amputation nicht an sexuelles Interesse gebunden wäre, dann als „Störung der Sexualpräferenz“ klassifizieren (was natürlich im Zuge der Analyse als richtig, genauso aber als grundfalsch sich erweisen könnte)?

(das gleiche gilt natürlich auch für Strubbels „Fall“, weil wir hierzu ja nun gar keine Hintergründe kennen)

Nach der ICD-10-Klassifizierung fällt es unter F65.8
(‚sonstige Störungen der Sexualpräferenz‘)/unter DSM-IV 302.9s
(‚nicht näher bezeichnete Paraphilie‘);

Viele Grüße
franz

P.S.: Weshalb empfindest Du einen solchen Wunsch als ‚Wunsch‘?

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Hallo Strubbel,

der typ gab doch tatsächlich an, sein sehnlichster wunsch sei
die amputation eines beines.

Vielleicht bereitet es ihm Schmerzen,
vielleicht ist es schon längere Zeit fraglich, ob sein Bein erhalten werden kann oder ob es entfernt werden muss, so dass er sich nun eben die definitive und endgültige Entscheidung wünscht,
vielleicht ist es auch -nun ja- eine Störung.

was sagt ihr als fachleute dazu?

Abgesehen davon, dass ich kein Fachmann bin, würde ich -wäre ich einer- erstmal fragen: zu was? wozu soll ich was sagen, wo es doch mangels Information gar nichts zu sagen gibt?

ernsthafter defekt?

Den Wunsch sich ein Bein amputieren lassen zu wollen, ist wohl immer „ernsthaft“, unabhängig davon, ob der „Defekt“ nun eher im Bein oder eher im Wunsch liegt.

Viele Grüße
franz

Hallo Franz,

irgendwie begreife ich Dein Posting nicht, vielleicht kannst
Du mich aufklären:

Ich werde es versuchen…

Warum würdest Du so einen Fall, zu dem Du ja auch noch ganz
explizit sagst, dass der Wunsch nach Amputation nicht an
sexuelles Interesse gebunden wäre, dann als „Störung der
Sexualpräferenz“ klassifizieren (was natürlich im Zuge der
Analyse als richtig, genauso aber als grundfalsch sich
erweisen könnte)?

Ich würde gar nichts… Es ist allerdings offenbar so, daß die meisten Fälle von Apotemnophilie im Zusammenhang mit besonderen Wünschen in puncto Sexualität auftraten und halt so klassifiziert wurden. Vielleicht wurde gar dem von mir erwähnten Amputationswilligen ein latentes sexuelles Interesse unterstellt. Warum es so ist? Keine Ahnung… Vielleicht haben die Erfinder des ICD-10-Codes einmal zu viel ‚Am Anfang war das Feuer‘ gesehen. Vielleicht auch einmal zu viel den Film, an dessen Titel ich mich beim besten Willen nicht erinnern kann; es war kein Porno - der Film lief vor Monden mal ganz normal kurz nach 22:00 Uhr, aber es gab da eine Szene, die man als Stumpf-Fick bezeichnen könnte. Ein schwules Pärchen, einer der Jungs nimmt seine Unterschenkelprothese ab und vögelt den anderen mit dem Stumpf. Die Szene war völlig abgefahren…

Wie auch immer: ob nun sexuell geprägt oder nicht - es gibt so viel Seltsames auf dieser Welt.

Ich glaube, wir lassen jetzt besser die Psychiater & Psychologen ran. :wink:

Viele Grüße

Renee

P.S.: Weshalb empfindest Du einen solchen Wunsch als ‚Wunsch‘?

Weil Besessenheit kein Wunsch ist. Weil es für die Menschen, die es betrifft, mehr als ein Wunsch ist. Weil ich es nicht verstehen und/oder nachvollziehen kann. So krank/idiotisch/schräg/was-auch-immer wir - sprich: die Normalos - diesen ‚Wunsch‘ finden; diese Menschen werden erst glücklich, wenn der Störenfried (Arm, Bein, & Co.) weg ist.

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Hallo Renee,

Ich glaube, wir lassen jetzt besser die Psychiater &
Psychologen ran. :wink:

Lassen wir das! :wink:

Es ist allerdings offenbar so, daß die
meisten Fälle von Apotemnophilie im Zusammenhang mit
besonderen Wünschen in puncto Sexualität auftraten und halt so
klassifiziert wurden.

Wenn „Apotemnophilie“ festgestellt wird, dann ist es meines Wissens nach immer schon als „Paraphilie“ klassifiziert, das heißt, der „Wunsch nach Amputation“ ist nicht notwendig eine Apotemnophilie, wenn er es aber ist, dann logischerweise auch eine Paraphilie, weil eben der Begiff „A.“ bereits besagt, dass es sich um „puncto Sexualität“ handelt.

Vielleicht auch einmal zu viel den Film,
an dessen Titel ich mich beim besten Willen nicht erinnern
kann; es war kein Porno - der Film lief vor Monden mal ganz
normal kurz nach 22:00 Uhr, aber es gab da eine Szene, die man
als Stumpf-Fick bezeichnen könnte. Ein schwules Pärchen, einer
der Jungs nimmt seine Unterschenkelprothese ab und vögelt den
anderen mit dem Stumpf. Die Szene war völlig abgefahren…

Da könnte mann gleich neidisch werden… (vielleicht will Strubbel ja gerade uns bekehren :wink:

Viele Grüße
franz

Hi Renee,

aber es gab da eine Szene, die man
als Stumpf-Fick bezeichnen könnte. Ein schwules Pärchen, einer
der Jungs nimmt seine Unterschenkelprothese ab und vögelt den
anderen mit dem Stumpf. Die Szene war völlig abgefahren…

die Vorliebe für Partner mit körperlichen Abnormitäten, z.B. in Form von amputierten Gliedmaßen, wird tatsächlich in der ICD-10 als Störung der sexuellen Präferenz bezeichnet. Diese heißt aber Amelotatismus oder Acrotomophilie und ist etwas anderes als der Wunsch, seine Extremitäten abzutrennen (Apotemnophilie).

Grüße,

Oliver Walter

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Hi strubbel,

ganz interessant ist in dem Zusammenhang eine Seite sowohl zur Vorliebe für amputierte Geschlechtspartner als auch zum Verlangen, amputiert zu sein:

http://www.different2.net/intro.html

mit einem Interview eines beide Impulse erlebenden 40jährigen Mannes namens Paul:

http://www.different2.net/paul.php

Paul spricht im Zusammenhang mit dem Wunsch, amputiert zu sein, von der „Body Integrity Identity Disorder“. Über diese Störung und ihre vergleichsweise junge Geschichte in Psychiatrie und Psychologie berichtet die „New York Times“ vom 22.März dieses Jahres

http://www.nytimes.com/2005/03/22/health/psychology/…

mit Bild eines der darüber forschenden Psychiater, Dr. Michael First.

Grüße,

Oliver Walter

Apotemnophil
hallo renee,

na endlich mal was, wo ich noch dazulernen kann, es noch nicht kenne.
stumpfick.
*tse*

grinsende grüße

strubbel
X:open_mouth:)

dankeschön!
hallo an alle,

vielen dank für eure anregungen und beiträge.
es scheint also eher wenig therapierbar zu sein.
da es explizit in einem chatprofil des betreffenden erwähnt wurde, sogar an erster stelle, gehe ich schon von einer verbindung mit dem bereich der sexualität aus.
daß es leute gibt, die auf sex mit amputierten stehen, war mir bekannt.
in einer stadtillustierten von berlin, der „zitty“ annoncierte früher oft ein typ, der sowas suchte.

strubbel
Y:open_mouth:)

Hallo Helena!

und das ist wirklich sein ernst? ich meine, manche leute
schreiben ja den größten blödsinn in profilen…

Genauso wie der, der aufgegessen werden wollte.

Viele Grüße
HylTox
*nueinbisslpervers*