Seltsames Verhalten (Long Version)

Liebe Wissende,

eine Bekannte, allein-erziehende Mutter (37 J.) mit 3-jähriger Tochter, die seit einigen Wochen zum Kindergarten (vormittags) geht, verdächtigt seit einiger Zeit ihre Umwelt mit teils hahnebüchenen Vorwürfen und Unterstellungen.

Waren es bislang vermeintliche ehemalige „Freunde“, die sie alle hintergangen und betrogen/übervorteilt haben sollen (lt. ihrer Aussage) und in jüngster Zeit ihr Handy abhörten und ihre SMS manipulierten, konfrontierte sie mich gestern in absolut inakzeptablem Tonfall mit diesem Verdacht.

Hatten wir vormittags noch zusammen Kaffee getrunken und für nachmittags verabredet, kam sie kurz nach Mittag wie verwandelt zu mir, erklärte allen Ernstes, sie habe sich bei der Polizei informiert und dort habe man ihr bestätigt, dass ich mit meinem PC ihre Telefonate ab-/mithören und ihre SMS manipulieren könne.

Es ist davon auszugehen, dass die Erkundigung bei der Polizei erfunden ist und bestenfalls etwas „stabilisieren“ soll, was sie ggf. irgendwo aufgeschnappt hat.

Da sie selbst keinen PC hat und (vielleicht deshalb) diese Geräte für „Alleskönner“ und „Teufelszeug“ hält, traut sie mir das technisch zu, weil ich „alle möglichen Daten“ in meinem PC hätte. Sie kommt auf den Abhörverdacht, weil bei jedem ihrer Handy-Telefonate jemand „in der Leitung“ sei. Obendrein habe sie SMS erhalten, wo weder Datun und Uhrzeit, noch Absender-Nr. angezeigt würden - hinter all dem stecke nun nach ihrer Meinung ich.

Nachdem ich sie fragte, ob sie ernsthaft glaube, dass ich derartige verbotene und kriminelle Taten begehe und sie dies nicht eindeutig verneinte, habe ich sie meiner Wohnung verwiesen.

Bei allem Groll, den ich immer noch hege, frage ich mich, was dahinter steckt. Sicherlich ist die Lebenssituation und -perspektive dieser Frau/Familie nicht rosig: Da das Kind außerehelich ist und die Ehe inzwischen geschieden, leben die beiden von HartzIV - der Kindsvater, mit dem es auch immer wieder zu Streitereien kommt, zahlt nur das, was er muss. Nach Ende des Erziehungsurlaubes hat der frühere Arbeitgeber sofort gekündigt und die Chancen im alten Beruf sind gegen Null.

Ich weiss von ihr, dass sie bisweilen Existenzängste hat und deshalb schlecht schläft - aber erklärt das dieses Verhalten?

hi,

es gibt sehr ernste psychische krankheiten, die das symptom mitbringen, dass menschen sich einbilden, ihre umwelt wolle ihnen schaden oder sie würden hintergangen. diese paranoia gibt es in starkem maß bei psychotischen erkrankungen. wenn die betroffenen durch nichts von ihrer idee abzubringen sind, und auch andere irrationale wahnideen dazukommen, ist die krankheit da. ärztliche hilfe wird dringend nötig: psychosoziale dienste, psychiatrieambulanzen, hausarzt…

paranoia gibt es aber auch in gesunden zusammenhängen. deswegen muss nicht jeder, der glaubt, seine arbeitskollegen redeten schlecht über ihn, zum arzt!

wenn du persönlichen kontakt zu der frau hast, hilfst du ihr, indem du sie beobachtest und ihr professionelle hilfe empfiehlst und sie vielleicht dorthin begleitest. der tochter hilft auf jeden fall ein anruf, wie es ihr geht und wie sie die situation einschätzt. biete auch ihr deine unterstützung an und sag ihr, dass du dir sorgen um ihre mutter machst.

Hi,

klingt nach Symptomen von Schizophrenie. Anders als viele denken bezeichnet dieses nämlich nicht eine multiple Persönlichkeitsstörung („Dr. Jekyll und Mr. Hyde“) sondern steht für eine verstärkte, übersteigerte Wahrnehumg der Realität.

Ein Gesunder kann zwischen Dingen, die ihm tatsächlich persönlich gelten, und zufälligen Abläufen um ihn herum unterscheiden. Heißt: wenn auf der Straße ein Auto an dir vorrüber fährt denkst du nichts dabei weil es reiner Zufall ist und keinen Bezug zu dir hat - da fährt eben rein zufällig ein Auto vorbei.
Der Schizophrene hält es aber nicht für Zufall, sondern überlegt welche Bedeutung dieses Auto für ihn hat, was ihm dieses Ereignis sagen will. Sein Gehirn schafft die realistische Trennung zwischen „geht mich an“ und „geht mich nicht an“ nicht.

Also ist der Schizophrene permanent dabei Dinge um ihn herum verstehen und erklären zu wollen, weil ja sämtliche, eigentlich völlig unbedeutenden Dinge seiner Meinung nach eine Bedeutung, eine Aussage, für ihn haben.

Das stößt natürlich schnell an logische Grenzen - der „Ausweg“ ist dann oft das alles als Strategie einer diffusen, äußeren Macht zu sehen. Irgendeine versteckte Macht steuere das alles, man werde überwacht, abgehört, Stimmen aus dem Off reden mit einem…

Der Stress, der damit einhergeht - Verfolgungswahn ist verständlicherweise anstrengend weil permanent Dinge auf den Kranken einprasseln, die er auf sich bezieht und die verarbeitet bzw. erklärt werden müssen - führt dann auch schnell zu körperlichen Symptomen, Erschöpfung etc. Die wird dann wiederum oft mit Strahlen oder Vergiftungen erklärt, mit denen man verseucht werde (und wenn dann zufällig wirklich das Brot schimmelig wird ist auch noch ein „Beweis“ für den Verdacht da…)

Viele Schizophrene haben den Eindruck ihre Gedanken oder Handlungen würden von der fremden Macht gesteuert, sie können nicht frei denken, und außerdem würde auch ihr Denken überwacht, mittels phantastischer Abhörtechnik, einem implantierten Chip im Kopf etc. Wenn dann der Nachbar seinen Sessel verrückt - was du und ich hören, aber völlig belanglos ausfiltern würden - ist das für den Betroffenen sofort ein weitere Beweis für seine These.

Wenn man nahezu alles auf sich bezieht, allem eine Bedeutung beimißt, finden sich natürlich auch permanent „Beweise“ dafür, dass es keine Zufälle gibt sondern irgendwelche bösen Kräfte im Hintergrund die Strippen ziehen.

Man sollte nicht versuchen einem Schizophrenen den Unsinn seines Denkens vor Augen zu führen, das klappt nicht. Es sind andererseits aber absolut interessante Menschen, weil die Ideen und Erklärungsmuster für belanglose Alltagsgeschehnisse entwickeln, die extrem interessant sind und jeden Buchautor zum Millionär machen würden. Man kann sich als Gesunder nicht so eine phantastische Gedankenwelt bauen wie ein Schizophrener sie sich baut…

Gruß,

MecFleih

Hallo MecFleih,

vielen Dank für Deine aufschlussreichen Ausführungen - in der Tat scheint die Frau in einer ganz eigenen Welt zu leben.

Mit ihrem 3-jährigen Kind unternimmt sie zwar sehr viel, aber das ist natürlich kein „Austausch auf Augenhöhe“ und auch sonst hat sie nur wenig Kontakt: mit den Geschwistern überworfen, mit Frauen „kann“ sie nach eigener Aussage nicht und Männer wollen nach ihrer Aussage von ihr immer „das eine“ - folglich ist sie sehr viel allein (abends) und das begünstigt die (Krankheits-) Entwicklung vermutlich weiter . . .

Wie kann ich der Frau helfen - mehr oder minder bin ich der Letzte in ihrem näheren Umfeld?

Hi alpha,

danke für Deine Ausführungen - bei wikipedia habe ich mich zu Psychose schlau gemacht. Da trifft einiges zu . . .

wenn du persönlichen kontakt zu der frau hast, hilfst du ihr,
indem du sie beobachtest und ihr professionelle hilfe
empfiehlst und sie vielleicht dorthin begleitest. . . .

Selbstredend ist die Frau davon überzeugt, selbst kerngesund und bei klarstem Verstand zu sein - wir, ihre Umwelt, ticken ihrer Meinung nach nicht richtig. Also muss nicht sie zum Arzt, sondern alle andern . . .

. . . der tochter hilft auf jeden fall ein anruf, wie es ihr
geht und wie sie die situation einschätzt. biete auch ihr
deine unterstützung an und sag ihr, dass du dir sorgen um
ihre mutter machst.

Die Tochter ist drei Jahre alt und (natürlich) total auf die Mutter fixiert. Sie würde mit jeder Sache sofort zu ihrer Mutter rennen, die natürlich sagen würde, dass es ihr super gut geht und ich krank sei . . .

Hat diese Erkrankung Auswirkungen auf das Kind, die Erziehung? Nimmt das Kind ggf. Schaden?

Sie haben Post *owt*

Hi Tom, hi McFly

Wie kann ich der Frau helfen - mehr oder minder bin ich der
Letzte in ihrem näheren Umfeld?

DU wahrscheinlich gar nicht, bist nicht „neutral“. Solche Menschen
sind schwer zu händeln.
Alles weitere sie o. g. Mail.

@McFly:
Super geschrieben, so kenn ich es auch von einer betr. Bekannten.

LG
D

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Hallo,

Wie kann ich der Frau helfen - mehr oder minder bin ich der
Letzte in ihrem näheren Umfeld?

Das ist schwierig, da du sie zu nichts zwingen kannst. Letztlich läuft es darauf hinaus dass sie mehr oder weniger freiwillig in eine Therapie geht - oder dazu gezwungen werden muß wenn sie sich und andere gefährdet. Letzteres sehe ich aber noch nicht.

Normalerweise sind Schizophrene nicht gefährlich. Man stellt sich oft vor dass das die Leute sind, denen Stimmen gesagt haben wollen dass sie irgendwelche Verbrechen anrichten sollen, aber das stimmt so nicht, das sind eher andere Formen von Persönlichkeitsstörungen.

Schizophrene glauben eher beschimpft zu werden, hören Vorwürfe oder werden für Fehlverhalten verantwortlich gemacht. Die Angst vor der unsichtbaren, offenbar allgegenwärtigen Macht schüchtert die kranken eher ein. Das sind also in der Regel keine gefährlichen Menschen, denen man den Rücken nicht zudrehen kann, sondern eher verfolgte und verängstigte Personen.

Kritisch würde es nur wenn sie sich in die Enge gedrängt fühlen, wenn sie also z. B. meinen bewaffnen zu müssen um sich verteidigen zu können oder mit 1000 Kerzen gegen die Strahlung vom Nachbargrundstück, die Außerirdischen oder die bösen Geister vorgehen - schließlich könnte es einen Brand geben.

Dein Problem dürfte sein dass du ein Teil des Überwachungssystems bist, ihrer Meinung nach. Die Frage ist ob sie dir genügend vertraut wenn du ihr erklärst dass du diesen oder jenen Verdacht hast und gerne möchtest dass sie in therapeutische Hände kommt. Aber ein Versuch, darüber zu reden, kann nicht schaden. Lehnt sie das ab kannst du wenig machen.

Da man psychisch Kranken oft nicht über den Weg traut vereinsamen diese Menschen häufig und gerade bei Schizophrenen kommt hinzu dass die sich auch selber tendentiell abkapseln, denn sie trauen dem Umfeld oft nicht und verdächtigen es Teil der Überwachungsmaschinerie zu sein.

Du kannst interessiert nachfragen und dir erklären lassen wieso sie glaubt dass sie überwacht wird, was dahinter steckt, wie sie glaubt dass alles funktioniert. Ich habe selten interessantere Gespräche erlebt als mit Schizophrenen, weil die für alles irgendeine Erklärung haben.
Dass da gerade eine Ameise über den Weg läuft - kein Zufall, es hat einen Grund, den der Betroffene als Botschaft/Nachricht/Bedeutung für sich begreift. Dass da gerade eine Fliege im Zimmer ist - kein Zufall, sondern das ist ein Spion mit Mikrofon. Warum? Weil… blablabla.
Oder der Betroffenen glaubt dass ein Schauspieler im Fernsehen nur zu hm spreche. Es ist hochinteressant zu fragen wie das sein könne, da die Sendung ja öffentlich ausgestrahlt wird…
Diese Menschen bauen Konstrukte und Erklärungen, haben Denkmuster, bei denen du abschnallst weil sie sich eine unglaubliche Welt basteln. Total interessant!

Aber versuch’ nicht zu begründen warum das Quatsch wäre und alles gar nicht so sei, denn du kannst keine Gegenbeweise bringen. Du hast keinen Beweis dafür dass der Schauspieler nur eine Rolle spielt und kannst nicht begründen warum es nicht so ist dass dessen Aussagen aber speziell für denjenigen in den Film eingebettet wurden, um ihm etwas mitzuteilen.

Also versuch’ mal mit ihr zu reden, vielleicht kannst du etwas erreichen. Ansonsten finden sich im Netz bestimmt auch Hilfen, an wen du dich in deiner Umgebung wenden kannst.

Und keine Angst haben, es ist keine Schande im Kopf krank zu sein. Es ist genauso viel oder wenig schlimm wie in allen anderen Körperbereichen auch.

Gruß,

MecFleih

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Hallo Tom,

. . . der tochter hilft auf jeden fall ein anruf, wie es ihr
geht und wie sie die situation einschätzt. biete auch ihr
deine unterstützung an und sag ihr, dass du dir sorgen um
ihre mutter machst.

Ich frage mich wirklich wie es zu solchen Antworten kommen kann. Ich bin weder besonders aufnahmefähig, noch verfüge ich über ein phänomenales Gedächtnis, aber dass die Tochter ein Kleinkind ist, hatte ich bis zum Lesen des letzten Wortes im Kopf! Ich fand den Artikel -trotz anderer Ankündigung- weder besonders lang, noch zu krude formuliert um am Ende vielleicht die Angabe „34-jährig“ und die Aussage, dass es eine Tochter gibt, durcheinander zu bringen.

Die Tochter ist drei Jahre alt und (natürlich) total auf die
Mutter fixiert. Sie würde mit jeder Sache sofort zu ihrer
Mutter rennen, die natürlich sagen würde, dass es ihr super
gut geht und ich krank sei . . .

Ich halte nichts davon, sich am Satzanfang zu entschuldigen (z.B. „Sorry, aber …“) um dann irgendwelche „Hämmer“ rauszuhauen. Daher werde ich mich nicht eingangs entschuldigen in sehr direkter und klarer Weise zu fragen, ob du das hier

Hat diese Erkrankung Auswirkungen auf das Kind, die Erziehung?
Nimmt das Kind ggf. Schaden?

wirklich ernst meinst. Du bist in der Lage Artikel zu schreiben, die beim ersten Lesen verständlich sind, grobe Fehler sind mir weder bei der Orthographie, noch beim Aufbau deines Berichtes aufgefallen. Daraus schließe ich, dass du über eine normale Intelligenz verfügst. Und daraus wiederum schließe ich, dass du diese Frage NICHT ernst meinen kannst! Suchst du eine Entschuldigung für untätiges Zuwarten?

In deiner unmittelbaren Umgebung ist ein Kind in Not! Ein dreijähriges Kind, das weder versteht, noch formulieren könnte was mit ihm geschieht. Dass und warum sein Leben so seltsam ist. Dass es selbst und seine Mutter helfende Hände brauchen. Egal von wo, Jugendamt, karitative Einrichtungen, Sozial-Psychiatrischer Dienst des örtlichen Gesundheitsamtes, Familienfürsorge, völlig gleichgültig. Das sind nämlich nicht gemeingefährliche Institutionen deren Mitarbeiter nichts anderes im Sinn haben als möglichst vielen Menschen in möglichst kurzer Zeit so viel Schaden wie nur möglich zuzufügen. Auch wenn immer wieder mal gern behauptet wird, dass es anders wäre.

Die meisten der dort Tätigen würden recht schnell erkennen, dass hier eine psychisch kranke Mutter in der Gefahr schwebt irgendwann durch ihre Ängste, Zwänge, verzerrte Wahrnehmung ihrem Kind zu schaden. Dass sie dies selbstverständlich nicht will, und daher für die Zeit bis sie selbst gesund genug ist das zu erkennen von ihrem Kind getrennt werden muss, oder -je nach Schwere der Erkrankung- sehr stark beaufsichtigt werden muss, um nach ihrer vollständigen Gesundung wieder allein und selbstverantwortlich mit ihrem Kind zu leben.

Sie würden mit großem Engagement nach Lösungen suchen -und sie finden- die Mutter und Tochter einander nicht entfremden lassen, sie würden dem Kind nicht erzählen, dass die Mutter „schlecht“ „verrückt“ oder weiß der Bäcker was, wäre. Sie würden dem Kind sagen, dass seine Mutter eine zeitlang nicht richtig für es sorgen könne, und daher andere Menschen das übernehmen müssten, bis die Mutter wieder gesund ist und sie wieder zusammenleben können. Sie würden ihm sagen, dass es die Mama, die es nach wie vor lieb habe, besuchen könne sobald es ihr etwas besser ginge.

Wie würdest du dich fühlen, wenn du nächste Woche in der Zeitung läsest, dass eine abgekapselt lebende Mutter eines dreijährigen Mädchens aufgrund psychischer Störungen die Überzeugung entwickelt habe, dass fremde Mächte ihr Trinkwasser vergifteten und ihr nicht erlaubten die Wohnung zu verlassen?

Um Himmelswillen -und dem des Kindes- Tu was! Heute!!

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Hallo,

wenn die Mutter nicht einsichtig ist und eine Gefährdung des Kindes befürchtet werden muss, wäre wohl die Kinderfürsorge die richtige Adresse.

Die Mutter wirst Du wahrscheinlich nicht überzeugen können, also … (s. o.)

Grüße
Morrighan

Liebe Renate,

vielen Dank für Deine Antwort und insbesondere für Deine Interpretationen zu mir - damit kann ich leben.

Ich würde Deinem Artikel inhaltlich zustimmen und ihn auch als hilfreich mit einem * „bedenken“, wäre die Situation so klar dramatisch, wie Du es zu sehen scheinst.

Trotz des Eindrucks, den mein Posting ggf. auf Dich und andere macht, bin ich von dem Vorfall/Vorwurf „geschockt“ und total überrascht. Dieses Verhalten der Frau erlebe ich als nicht normal i. S. v. üblich, d. h. sie ist keineswegs dauerhaft oder jeden Tag so drauf. Im Großen und Ganzen ist mit ihr ein gutes Auskommen, sonst würden wir nicht zusammen Kaffee trinken und ich wäre nicht so überrascht. Die Verdächtigungen gegen ihre Ex-Männer tat ich bisher als verspätete „Abrechnung“ mit diesen Männern ab und maß dem nicht diese Bedeutung und diesen Ernst-gemeinten Bezug bei.

Der „Auftritt“ bei mir war also auch deshalb so schockierend für mich, weil ich früheren Aussagen dazu (über andere Menschen) kaum Beachtung schenkte.

Wie dem auch sei - ich mag nicht auf Grund dieses (für mich) bisher einmaligen Vorfalls mit Kanonen auf Spatzen schießen. Die Auswirkungen eines gegen den Willen der Frau von außen erfolgenden „Eingriffs“ in ihr Leben sind wahrscheinlich für das Kind weitgehender als einen „Ausraster“ der Mutter zu erleben, wobei das Kind nicht einmal dabei war.

Insofern, liebe Renate, muss ich Dir klar und eindeutig widersprechen: Meine diesbezügliche Frage war (und ist es immer noch) absolut Ernst gemeint. Allerdings hätte ich vielleicht treffender formulieren können, ab wann/welchem Stadium einer solchen Erkrankung (die ja bisher nur auf Grund meiner Beschreibungen fern-diagnostiziert ist) das Kind Schaden nehmen kann.

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Hallo MecFleih,

du hast hier eine vermutliche Diagnose gestellt, die so nicht unbedingt zutreffen MUSS.

Und grade deine Aussage :

Das ist schwierig, da du sie zu nichts zwingen kannst.
Letztlich läuft es darauf hinaus dass sie mehr oder weniger
freiwillig in eine Therapie geht - oder dazu gezwungen werden
muß wenn sie sich und andere gefährdet. Letzteres sehe ich
aber noch nicht.

ist bezüglich Prognose (gefährdet niemanden) zu leichtsinnig. Der Zustand solche Personen kann sich ziemlich schnell ändern.

Du hast zwar mehr Erfahrungen als wir hier, aber ich habe auch paranoiden Schizophrenen erlebt, der zunehmend und ziemlich schnell sich und die Anderen massiv gefährdet hat (er schlug seine Frau krankenhausreif-weil sie als Feind erkannt wurde). Und der Arzt meinte, die Entwicklung wäre gar nicht so außergewöhnlich. Ein anderer hat sich umgebracht. Das heißt: so pauschal kann man das gar nicht beurteilen.

Zumal sich hinter solchen Störungen auch ernsthafte körperliche Krankheiten verbergen können (z.B. Hirntumoren).

Aufgrund dessen, dass die Frau ein Kleinkind hat, würde ich dem Tom schon raten, dass er sich zu mindestens mit dem Vater des Kindes oder mit Jugendamt in Verbindung setzt.

Und wenn solche Personen abgleiten, da hilft weder Logik, noch Rhetorik oder taktische Schachzüge, weil die Abgleitung eigene Wege geht, die so unvorhersehbar sind, wie sonst was.

Kein Thema für ein Forum oder für ein Stammtisch. :frowning:
Wollen wir nur hoffen dass die Frau so schnell wie möglich professionelle Hilfe bekommt.

Gruß,
Maja

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Hallo,

du hast hier eine vermutliche Diagnose gestellt, die so nicht
unbedingt zutreffen MUSS.

Selbstverständlich, deswegen habe ich im ersten Posting auch sehr vorsichtig formuliert „klingt nach Symptomen von…“ und nicht „sie hat…“

Das ist schwierig, da du sie zu nichts zwingen kannst.
Letztlich läuft es darauf hinaus dass sie mehr oder weniger
freiwillig in eine Therapie geht - oder dazu gezwungen werden
muß wenn sie sich und andere gefährdet. Letzteres sehe ich
aber noch nicht.

ist bezüglich Prognose (gefährdet niemanden) zu leichtsinnig.
Der Zustand solche Personen kann sich ziemlich schnell ändern.

Klar kann es sich ändern. Ich habe das nur auf den momentanen Status bezogen, der klang nicht so dramatisch. Um jemanden zwangseinzuweisen müssen ziemlich viele Bedingungen erfüllt sein weil die Freiheit eines der wichtigsten Rechtsgüter ist und man - aus gutem Grund - nicht „einfach so“ Leute wegsperren kann, nur weil das irgendwem vielleicht gefallen würde. Sonst würden reihenweise Leute weggesperrt, einfach nur weil sie irgendwem gerade mal im Weg waren.

so pauschal kann man das gar nicht beurteilen.

Zumal sich hinter solchen Störungen auch ernsthafte
körperliche Krankheiten verbergen können (z.B. Hirntumoren).

Da hast du Recht, man kann es aus der ferne gar nicht beurteilen. Ferndiagnosen sind immer abzulehnen.

Aufgrund dessen, dass die Frau ein Kleinkind hat, würde ich
dem Tom schon raten, dass er sich zu mindestens mit dem Vater
des Kindes oder mit Jugendamt in Verbindung setzt.

Yep.

Gruß,

MecFleih

hallo tom,

während ich mir alle beiträge durchgelesen habe suchte ich immer nach der aufmerksamkeit aufs kind und fand da erst im vorletzten beitrag etwas dazu.

aber du hast eben geantwortet du siehst keine akute gefahr (ausraster seitens der mutter) für das kind…soweit so gut - schonmal darüber nachgedacht was das kind für eine prägung erfahrt durch die mutter?
geht man davon aus das die mutter pschisch krank ist und nicht wirklich das alles erlebt - also für alle real - aber für sie selbst - lernt ihr kind die welt mit den augen der mutter zu sehen - also ich weiss nicht wie ihr das seht - ich habe die ahnung das es nicht ohne folgen sein wird wenn meine mutter in einer anderen welt lebt und mir ständig sagt das (z.b.) grün eigentlich rot ist…

lange rede kurzer sinn - ich bin der meinung dass man zumindest jemanden zuständigen informieren musss - das jugendamt oder so etwas in der art -
denn ich bin der meinung gerade WEIL du nicht wirklich weisst was sache ist kannst du nicht einfach sagen - so schlimm ists noch nicht für das kind - du bist nicht dabei wenn sie alleim mit dem kind ist und du kannst nicht wissen welchen dingen das kind ausgesetzt ist - man darf aber davon ausgehen das die mutter 24 std. am tag denkt wie und was die denkt und das in all ihr tun und lassen einfliesst…

ich finde die vorstellung sehr belastend und meine das eine neutrale instanz zumindest ein auge auf mutter und tochter haben sollte oder gar eine art unterstützug für das kind, damit es noch eine alternative erlebt die die welt in vielen akuten situationen wieder ins gerade licht rückt…
und dann fällt mir in meiner blühenden phantasie noch weiteres ein - was wenn sie aufmal denkt man will sie vergiften - und ihr kind nichts oder nur noch wenig zu essen bekommt oder anderes? - will sagen - bist du sicher dass du die verantwortung dafür übernehmen kannst? denn du sagst ja, es besteht keine gefahr (und wenn morgen eine besteht bewezifel ich dass du davon kenntnis bekommst bevor etwas passiert - oder haste doch ne kamera in der wohnung stehen?:wink:

so oder so steckst du nicht drinnen - und du kannst nicht einschätzen ob und welche schäden das kind bekommen kann oder bekommen wird.
wieso willst du dennoch für das kind entscheiden? - zumindest verstehe ich dein posting so.

vielleicht überlegst du es dir ja doch nochmal - und gibst gewisse informationen - deine wahrnehmungen weiter an jene deren job es ist abzuwägen welche art hilfe man eltern zukommen lässt - auch gegen ihren willen wenn es sein muss - zum schutze des kindes (zumindest halte ich das für die aufgabe eines jugendamtes z.b)
ich würde mir jedenfalls kein abschliessenes urteil erlauben wollen und damit entscheiden ob ich profis informiere - ich würde es tun damit die entscheiden können was ich eben nicht kann…

LG
nina

sorry…kindesalter überlesen
hi,

erstmal sorry: ich habe übersehen, dass das kind drei jahre alt ist. von daher ist der vorschlag mit dem anruf natürlich quatsch. die idee dahinter allerdings nicht! nicht nur psychisch kranke eltern, sondern auch deren kinder leiden erheblich unter der krankheit mit. daher möchte ich meinen vorschlag insofern verändern, als dass du ein noch sorgevolleres auge auf das kind werfen musst, wenn es erst drei ist. jugendliche haben ja schon mehr autonomie und ressourcen zur lebensführung und problembewältigung.

mache eine mitteilung an das jugendamt, auch schriftlich. wenn es geht, besuche die mutter und schaue mal nach dem kind.

das kind kann in erster linie durch mangelnde versorgung schaden nehmen, weil die mutter vielleicht in ihrer eigenen krise so mit sich beschäftigt ist, dass sie das kind dabei nicht ausreichend versorgt. ist das der fall, und das müßte geprüft werden, muß man der mutter und dem kind helfen. das geht mit psychiatrischer hilfe für die mutter in verbindung mit dem jugendamt.

Dank und Sachstand
Liebe Freunde,

ich möchte auf diesem Wege allen danken für Ihre Tipps und auch Warnungen.

Inzwischen haben sich die Wogen geglättet - eine ausführliche Aussprache in angenehmer Atmosphäre brachte mir einige Hintergrundinfos, so dass ich den „Ausraster“ inzwischen anders sehen kann: Neben ihrer allgemein schwierigen und belastenden Situation war es am Vorabend zu einer Begegnung mit dem Ex-Mann gekommen, deren Nachwirkungen am anderen Tag das Fass zum Überlaufen brachten und ich quasi als Stellvertreter des Ex jene verbalen Prügel bezog, die ihm galten.

Da unser Verhältnis ansonsten gut und unbelastet war/ist, will ich es damit bewenden lassen. Ich habe allerdings klar gesagt, dass ich solche Beschuldigung nicht akzeptiere. Selbst meinen Vorschlag, wegen der Sache den Arzt oder einen Therapeuten aufzusuchen, konnte sie in Ruhe anhören und so stehen lassen. Ich bin allerdings durch den Vorfall gewarnt und werde ein wachsames Auge haben . . .