habe vor längerer Zeit mal einen Satz gelesen, den ich hier in abgewandelter Form wiedergeben will:
A unterscheidet sich von B nur durch C.
Semantisch ist es uns klar, daß wir C auf A beziehen. Sagen wir etwa: Der neue Fernseher unterscheidet sich vom alten nur durch die Fernbedienung, beziehen wir letztere auf den neuen Fernseher. Kann mir jemand anhand eines Satzstrukturbaums oder ähnlichem erläutern, wie da die grammatikalische Gesetzmäßigkeit ist? Welche strukturelle Beziehung besteht zwischen A und C, daß sie sich näher stehen, als B und C?
Hallo Joachim,
ich finde den Satz gar nicht so eindeutig und finde auch nicht, daß man C eindeutig auf A beziehen kann. Dein Beispiel kann genausogut bedeuten, daß die beiden Geräte verschiedene Fernbedienungen haben. Du meintest offenbar die Lesart „A unterscheidet sich von B dadurch, daß C ein Merkmal von A ist, aber nicht von B“.
Die unterschiedlichen Lesarten sind im Grunde unterschiedliche verkürzte satzwertige Aussagen. Wie man das in einem Bäumchen darstellt, habe ich vergessen, ist zu lange her. Aber herauskommen müßte so etwas wie
a) A unterscheidet sich von B. A hat als Merkmal C, B hat als Merkmal (nicht C)
bzw.
b) A unterscheidet sich von B. A hat als Merkmal C1, B hat als Merkmal C2
Und dann müßte man irgendwie Kausalität verdeutlichen zwischen den beiden Sätzen.
Hallo Joachim,
Grundsätzlich gehe stimme ich Aia zu, dass da nichts Eindeutig ist.
Aber die Aussage ist:
A-B=C.
Daraus lässt sich nicht ableiten, dass C näher bei A oder B liegt.
Semantisch ist es uns klar, daß wir C auf A beziehen. Sagen
wir etwa: Der neue Fernseher unterscheidet sich vom alten nur
durch die Fernbedienung, beziehen wir letztere auf den neuen
Fernseher.
Hier sprichst du von A=neu und B=alt. Aus Erfahrung nehmen wird an, dass A (der Neue) technologisch fortschrittlicher ist als B (der Alte) und nehmen an, dass der alte keine hatte.
Dies kann aber FALSCH sein. Da folgene Möglichkeiten auch richtig sind:
Der Alte hatte keine FB, der Neue aber wohl.
Der Alte hatte eine FB, der Neue nicht.
Die FB des Alten ist anders als die des Neuen.
Neuer Modellsazt:
Die Orange unterscheidet sich von der Zitrone nur durch die Farbe.
Ist jetzt „Farbe“ näher bei „Zitrone“ oder näher bei „Orange“ ???
Dein Beispiel zeigt deutlich wie man Missverständnisse erzeugt.
Danke für die Antworten!
Ich antworte mal euch beiden auf einen Schlag:
C LIEGT tatsächlich näher an A, als an B; so viel weiss ich 100%ig. Und es gibt einen grammatikalischen Grund dafür, der eben nicht aus semantischen Kategorien resultiert, sondern in Strukturbäumen darstellbar ist - und nach dem suche ich weiterhin…
In diesem Satz sollte eigentlich alles klar sein, da A Subjekt ist:
Das Merkmal C kann sich also nur auf A beziehen, d.h. (A ± C = B):
* A hat etwas, was B nicht hat.
* A fehlt etwas, was B eben hat.
Anders sieht es aus, wenn man den Satz so dreht:
Der Unterschied zwischen A und B ist C.
Hier ist C Subjekt. Es ist aber nicht klar, ob sich C direkt auf A oder B bezieht oder ob es nur das Ergebnis ist. Es kommen somit mehrere Varianten in Betracht:
A+C = B
A-C = B
A = B+C
A = B-C
A-C = B+C
A+C = B-C
A-B = C
B-A = C
und wie erklärst Du dann den Satz mit der Orange und der Zitrone von dem anderen Beitragschreiber, dessen Namen ich jetzt leider nicht parat habe (Peter?) Da haben doch beide das Merkmal C (Farbe), nur eben in unterschiedlichen Varianten.
und wie erklärst Du dann den Satz mit der Orange und der Zitrone…
Da haben doch beide das Merkmal C (Farbe), nur eben in unterschiedlichen Varianten.
A unterscheidet sich von B nur durch C.
Die Orange unterscheidet sich von der Zitrone nur durch die Farbe.
Auch hier kann sich die Farbe nur auf die Orange beziehen, also ist das Unterscheidungsmerkmal die Farbe orange. Somit: A hat eine andere Farbe als B. Da der Inhalt klar ist, denken wir aber unweigerlich auch an die andere Farbe, d.h. gelb. Das ist aber nur eine Assoziation, die mit der Grammatik nichts zu tun hat.
Anders sieht es beim zweiten Fall aus:
Der Unterschied zwischen Orangen und Zitronen sind die Farben (orange und gelb).
so ist es wohl. Inzwischen ist mir auch ein „Test“ eingefallen, der Deine These bestätigt. Man braucht nämlich nur ein Possessivpronomen zu C hinzuzusetzen.
Beispiel: Der Hund unterscheidet sich von der Katze durch SEINEN Charakter. Nicht durch IHREN.