Viele Studenten werden damit Erfahrung gemacht haben: Anmeldeverfahren für Seminare. Steht man nicht auf der Liste, darf man am Seminar nicht teilnehmen.
Kürzlich hatte ich das Glück, von mehreren Seminaren es in keine Liste zu machen. Besonders prekär: Ich bin im 7. Semester, mein Studiengang hat eine Regelstudienzeit von 6 Semestern. Ich möchte mich bald zur Prüfung anmelden, schließlich drohen für mich auch sonst bald Studiengebühren. Diese Seminare sind für mich nun auch Pflichtseminare, die ich für meinen Ergänzungsantrag zur Examensanmeldung nachweisen muss.
In bisherigen Semestern war es oft so, dass die Dozenten angesichts der tatsächlich erschienen Massen an Studenten größere Räume gesucht haben etc., diesmal heißt es aber, auf einer Konferenz sei beschlossen worden, niemanden mehr zusätzlich aufzunehmen: Wer nicht auf der Liste steht, fliegt raus.
Sind solche Anmeldeverfahren überhaupt legal? Unter welchen Bedingungen? Sind solche Listen tatsächlich ein Grund, einen Studenten von einer Veranstaltung auszuschließen? Morgen werde ich versuchen, in zwei Seminare hineinzukommen. Gibt es für mich irgendeine Möglichkeit, die Teilnahme zu erzwingen?
suche Dir einen guten Juristen, der in solchen Dingen Erfahrung hat. Zur Not beim AStA nachfragen, die kennen sich da aus. Die Entscheidung, Leute auf diese Weise rauszudrücken schreit nach einer juristischen Maßnahme.
Indirekt wollen Dir Deine Professoren folgendes mitteilen: „Hilfe! Unsere Mittel sind derartig zusammengestrichen worden, dass wir nicht mehr ein noch aus wissen. Bitte bitte, Liebe Studenten, verklagt den Fachbereich und prozessiert Euch in die Seminare/Praktika/etc., dann ist die Verwaltung gezwungen, die Mittel aufzustocken.“
Sind solche Anmeldeverfahren überhaupt legal? Unter welchen
Bedingungen? Sind solche Listen tatsächlich ein Grund, einen
Studenten von einer Veranstaltung auszuschließen? Morgen werde
ich versuchen, in zwei Seminare hineinzukommen. Gibt es für
mich irgendeine Möglichkeit, die Teilnahme zu erzwingen?
Immer egoistisch bleiben! Vielleicht klingt es banal, aber man setzt sich einfach hinein und geht nicht. Das klappt bei uns immer, vor allem wenn man sein Semester nennt. Ansonsten weiß ich aus guter Quelle, dass man mit Hilfe der Gewerkschaften (falls du so einer angehörst) gute Chancen hat, dagegen zu klagen. Bei uns an der Uni klagten vor einigen Jahren einige Anglistikstudenten, die es wegen solcher Vorfälle nicht in der regulären Zeit zur Prüfung schafften, und gewannen - die Uni musste die entspechenden Seminare anbieten.
Ansonsten finde ich das sehr schade, wenn Dozenten es nicht schaffen, sich der Herausforderung einer großen Gruppe zu stellen. Wir Studies sitzen ja immerhin auch nicht gerade mit Freude auf dem Boden…
…ausserdem solltet Ihr mit Demos/Streiks/Schreiben an das zuständige Kultusministerium/bzw. an Zeitungen Druck machen. (Dazu braucht man keine Rechtsschutzversicherung )
Was zur Zeit passiert ist folgendes:
Die Politik macht „Effizienzreserven“ aus, streicht Assistenten-Stellen und sperrt vakante Professuren.
Wir haben letztes Semester auch einen zusätzlichen Schwung Studenten durch die Praktika geschleust, ohne die notwendigen Mittel dafür zu haben. Im nachhinein haben wir festgestellt, dass uns das im Prinzip etliche tausend Euro Personal gekostet hätte, von denen wir bisher nicht wissen, woher die Gelder kommen hätten sollen. Es handelt sich um zwei Mannmonate, die bisher als „kostenlose“ Überstunden freiwillig von den Assistenten geleistet wurden. Wobei das „Drittmittel-Assistenten“ sind, die gemäss den Bestimmungen des Geldgebers keine Lehraufgaben während der Dienstzeit übernehmen dürfen…
Wir haben uns daraufhin ebenfalls entschieden, das nicht noch einmal in dieser Form zu machen, da so ein Vorgehen von der Politik nicht honoriert wird sondern nur zu weiteren Stellenstreichungen führt („Es geht ja auch so“).
Wenn die Politik „Profilbildung“ fordert und „Eliteuniversitäten“ will, muss sie dafür bezahlen. Für lau ist eine gute Bildung nicht zu haben.
Wie sich heute herausstellte, scheint es doch nicht so schlimm zu sein, wie die Gerüchteküche Glauben machen wollte. Ja, es gab tatsächlich Seminare, in denen nur die Studenten auf der Liste teilnehmen durften, aber es gibt auch Seminare, bei denen die Dozenten nach Lösungen suchen, um die großen Gruppen zu bewältigen (14-Tage-Rhythmus usw.). Da heißt es großes Aufatmen in der Studierendenschaft bzw. bei denjenigen, die einen Platz in diesen Seminaren finden.
Dennoch ist die ganze Geschichte ein Unding und ich hoffe für die Jahrgänge nach mir, dass sich da in den nächsten Semestern etwas tut.