Hallo Robin,
leider hatte ich schon lange keine Titanic mehr in der Hand und der Eulenspiegel ist mir nur am Rande bekannt.
Aber aufgrund der Geschichte beider Magazine dürfte zumindest vor der Wiedervereinigung ein recht großer Unterschied bestanden haben.
Der Eulenspiegel wurde sicherlich genau beobachtet und unerwünschte Beiträge wurden zensiert. Im Westen kam es dagegen langsam in Mode, dass sich bestimmte Promi-Gruppen schon fast geehrt fühlten, wenn man sie veräppelte.
Mit dem Aufkommen der Spassgesellschaft dürfte es den Satire-Magazinen wohl ähnlich ergangen sein, wie dem Kabarett im Fernsehen. Der Überfluss an unsinniger Komik verdrängte langsam die spitze Satire und den feinsinnigen Humor.
Das Faszinierende an der Satire ist ja gerade, dass sie Missstände aufdeckt und sie der Lächerlichkeit preisgibt. Der feinsinnige Humor ist da etwas gnädiger, entlarvt ebenfalls das Fehlverhalten, akzeptiert es aber als menschlich gegeben und lacht darüber.
Mit der Comedy-Welle dagegen verlegte sich der Humor mehr auf Clichés und Plattheiten. Gelacht wird über alles und jeden und selbst wenn es mal politisch wird, geht es meist nur um Schadenfreude.
Ich habe mal einen kurzen Blick auf die Internetseiten von Titanic und Eulenspiegel geworfen. Titanic hatte eine imitierte Amazon-Seite mit Bettina Wulffs Buch. Unten drunter war zu lesen: „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, haben auch folgende Artikel bestellt“ und es folgte eine Aufzählung erotischer Literatur und Utensilien.
Die Botschaft ist klar: Frau Wulff macht viel Tamtam um die Spekulationen um eine Rotlichtvergangenheit, aber eigentlich setzt sie es zielgerecht für den Verkaufsstart ihres Buches ein.
Der Eulenspiegel hatte ein altes Gemälde, das derart manipuliert war, dass es nach „Organhandel“ aussieht. Auch hier ist klar, dass es um den Skandal um die Organspenden geht.
Im ersten Fall wird die Person ganz gezielt aufs Korn genommen, im zweiten Fall wird die Sache an sich kritisiert ohne bestimmte Personen anzuprangern.
Ob diese vorsichtigere Art des Eulenspiegel nun aber typisch ist, vermag ich nicht zu beurteilen.
Mehr kann ich dazu leider nicht beitragen.
Viel Glück mit dieser Arbeit!
Horst