Senf - eines der giftigsten Dinge überhaupt?

Hallo,

ich hör immer wieder mal wieder die Bemerkung im Bekanntenkreis, daß Senf, wenn es von der Zusammensetzung her nochmal erfunden werden würde, heutzutage keinen Lebensmittelprüfer mehr überstehen würde, da er ja hochgradig „giftig“ sei. Zufällig weiß ich auch noch, daß die Bemerkung ursprünglich mal von einem Chemiker stammt, der das im ersten Semester von seinem Prof vermittelt bekommen hat.

  1. interessiert mich die Sache an sich - also was dahinter steckt bzw. was überhaupt damit gemeint ist

  2. interessiert’s mich schon deshalb, weil egal was für eine kritsche Bemerkung ich bzgl. Lebensmittel manchmal mache, immer die Antwort kommt: „ach, ist doch nicht so schlimm, wenn Du wüßtest was in Senf erst drin ist…“ - und das nervt dann irgendwann:wink:

Viele Grüße,
Christiane

Hi Christine,

das ist eines der hartnäckigen Gerüchte, die es rund um die Lebensmittel gibt. Da hört einer, das ein Kampfstoff Senfgas (oder such Senföl) heißt und folgert messerscharf, daß Senf auch giftig ist.
Dann behaupten andere das Senf dumm macht, aber das hat wohl einen anderen Grund, den ich allerdings nicht kenne und den ich für genauso dahergezogen vermute.

Es ist allerdings wirklich so, daß einige ettablierten Speisen bei einer Neuzulassung durchaus Probleme kriegen würden (speziell einige Käsesorten), aber das ist eine andere Geschichte.

Gandalf

der sehr gerne sehr scharfen Senf ißt

Hallo !

Senf ist nicht giftig und macht auch nicht dumm!
Ganz im Gegenteil, Senf hat heilende Wirkung. Wie schon 1563 von B.A. Matioli in seinem Gesundheitsbuch schrieb: „Senff ist gutt dem magen, zerteylt die groben speyss … reumt die brust, macht wohl ausreuspern, ist derhalben gutt denen, welche den atem schwerlich aus- und einziehen“.

Die Griechen entlockten dem Senf seine Schärfe, indem sie die Senfkörner zermahlten und anschließend mit Wasser oder Essig zu einer Paste vermengten.
Nach einer gewissen Zeit entwickeln dann die freigesetzten Senföle ihre charakteristische Schärfe.
Columella, der Theoretiker des römischen Landbaus, nannte die Gewürzpaste deshalb „mustum ardens“, brennender Most.
Im französischen wurde daraus „moutarde“, im Deutschen Mostrich oder Mostert. Erst später hat der aus dem Griechischen stammende, ältere Begriff Senf diese Wörter aus dem Sprachschatz verdrängt.

Bei einem herzoglichen Bankett in Burgund (1336) soll jeder der 1000 Gäste ein halbes Pfund Dijon-Senf konsumiert haben. Das ist zwar kein Beweis für die Ungefährlichkeit, aber wenn ein Gewürz schon mehr als 600 Jahre gegessen wird, sehe ich da keine Gefahr.

Gruß Max

Zufällig weiß ich auch noch, daß die Bemerkung
ursprünglich mal von einem Chemiker stammt, der das im ersten
Semester von seinem Prof vermittelt bekommen hat.

Hallo Christine,

also manche menschen verscheißern einfach gerne mal verschüchterte Erstsemester! Andres kann ich mir diesen Unfug nicht erklären. Senf ist eindeutig nicht gilftig (s. das Posting von Max).

Grüsse
Anna

Immer wieder gerne zitiert…
…wird das „Stimmt’s-Archiv“ der Zeit.

Hallo,
auch hierzu gibt’s einen interessanten Artikel:
http://www.zeit.de/2002/10/Wissen/200210_stimmts_sen…

Gruß Alex

ich hör immer wieder mal wieder die Bemerkung im
Bekanntenkreis, daß Senf, wenn es von der Zusammensetzung her
nochmal erfunden werden würde, heutzutage keinen
Lebensmittelprüfer mehr überstehen würde, da er ja hochgradig
„giftig“ sei. Zufällig weiß ich auch noch, daß die Bemerkung
ursprünglich mal von einem Chemiker stammt, der das im ersten
Semester von seinem Prof vermittelt bekommen hat.

  1. interessiert mich die Sache an sich - also was dahinter
    steckt bzw. was überhaupt damit gemeint ist

  2. interessiert’s mich schon deshalb, weil egal was für eine
    kritsche Bemerkung ich bzgl. Lebensmittel manchmal mache,
    immer die Antwort kommt: „ach, ist doch nicht so schlimm, wenn
    Du wüßtest was in Senf erst drin ist…“ - und das nervt dann
    irgendwann:wink:

Viele Grüße,
Christiane

Danke an alle!
Hi Alex,

klasse, damit kann ich wenigstens was anfangen.

Jetzt stellt sich nur die Frage, wollte der Prof seine Studenten verarschen oder hatte der es auch nicht kapiert?? Na, egal…

Gruß,
Christiane

…und vom Onanieren wird man blind! :smile:) (oT)

ich dachte, davon gibts Rückenmarkschwund :smile: (oT)

Aber, aber!

Das ist zwar kein Beweis für die Ungefährlichkeit, aber wenn
ein Gewürz schon mehr als 600 Jahre gegessen wird, sehe ich da
keine Gefahr.

Obwohl man zur Entlastung sagen muß, dass man wohl auch kaum eine Zeitung aus diesem Jahre mit der Sterbeanzeige finden wird: „der Gute Onkel Artur starb an einer Überdosis Senf“

Denk mal drüber nach!

Das hätte uns die Geschichte aber übermittelt!!

Wie auch die vielen Toten während der Pestzeiten, von ihnen gab es auch keine Anzeigen. (Und wir wissen davon).
Oder von den armen Römern, die so viel aus Bleigefäßen tranken und dann impotent wurden. (Und wir wissen davon).

Nichts geht verloren, seitdem es die Schrift gibt!
Gruß Max

Nun ja, einer der „Scharfstoffe“ im Senf (im schwarzen nämlich), das Allylsenföl (Allylisothiocyanat) ist tatsächlich giftig (sehr heftige Reizwirkung). Schwarzer Senf wird für scharfe Mischungen genommen, die milderen Sorten bestehen allein oder überwiegend aus gelbem Senf, der den weniger heftigen Wirkstoff 4-Hydroxybenzylsenföl enthält.

Nach dem, was ich bisher in Erfahrung bringen konnte, enthält scharfer Senf höchstens einige Zehntel Prozent Allylsenföl.

Sicherheitsdatenblatt hierzu:
http://www.cdc.gov/niosh/ipcsngrm/ngrm0372.html

Doch, wie immer: die Dosis macht das Gift. Auch mit Alkohol oder Kochsalz kann man sich umbringen, wenn man’s übertreibt…

Und: eine Brühwurst oder Leberkäse ohne Senf: für mich unvorstellbar. Muss einfach sein, und milden Senf esse ich löffelweise (auch als Medizin, wenn mal was im Magen quer liegt). Löwensenf, jedoch etwas vorsichtiger dosiert, ist auch eine leckere Sache…

Gruß,
Franz

Hallo Franz,

bist Du zufällig Chemiker? (nur um die Ehre der Chemiker wieder zu retten:wink:

Also, zugegeben, so ganz überzeugt haben mich die Postings nun auch nicht, da ich nicht recht glauben konnte, daß ein Prof so ein Blödsinn erzählt. (Was nicht generell heißt, daß Profs keinen Blödsinn erzählen!)

Nun ja, einer der „Scharfstoffe“ im Senf (im schwarzen
nämlich), das Allylsenföl (Allylisothiocyanat) ist tatsächlich
giftig (sehr heftige Reizwirkung). Schwarzer Senf wird für
scharfe Mischungen genommen,

Was um aller Welt ist schwarzer Senf? Gibt’s den hier bei uns? Ist der also schwarz, so richtig schwarz? Nie gesehen!

die milderen Sorten bestehen
allein oder überwiegend aus gelbem Senf, der den weniger
heftigen Wirkstoff 4-Hydroxybenzylsenföl enthält.

Hmm, und dieser Wirkstoff wäre heute verboten, wenn man nochmal Senf „erfinden“ würde? Weißt Du das zufällig?

Doch, wie immer: die Dosis macht das Gift. Auch mit Alkohol
oder Kochsalz kann man sich umbringen, wenn man’s
übertreibt…

Na klar, nur die Aussage, daß man heutzutage eben keinen Senf mehr „erfinden“ könnte, fand ich halt interessant.

Und: eine Brühwurst oder Leberkäse ohne Senf: für mich
unvorstellbar.

Nun gut, betrifft mich nicht, ich hasse nichts mehr als Brühwurst oder Leberkäs:wink:

Und Weißwurst „erstick“ ich immer in einer Überdosis süßen Senf -aber da der nicht scharf ist, ist wohl auch kein Senföl darin?! Was ist da drin außer Zucker?

Vielen Dank, daß Du noch was dazu geschrieben hast!

Gruß,
Christiane

  • Haaren in den Handflaechen und Kleinhirntumor