Sensationslust, was treibt Menschen dazu?

Hi

Im Zuge einer Diskussion kam die Frage auf, was Menschen eigentlich dazu bringt z.B bei Unfällen stehenzubleiben, nicht um zu helfen, sondern um zu schauen.

Oder sich jede Schlagzeile reinzuziehen, wenn irgendwo auf der Welt etwas schlimmes passiert.

Oder zu beobachten wie ein Haus oder so bis auf die Grundmauern niederbrett, während andere versuchen dieses Haus zu löschen.

oder, oder…die Beispiele lassen sich ja fortsetzen.

Ist es die Erleichterung, daß einem selbst nichts passiert ist?
„Schadenfreude“, weil man ja selber nie einen Unfall bauen würde oder kein Haus hat, daß abbrennen kann?

Woran liegt es wirklich, daß sich die meisten Menschen einer gewissen Faszination nicht entziehen können, wenn etwas schlimmes passiert?

Gruß
Edith

Gutentag littlePanda,

vielleicht der Genuss vom ausgeschüttete Adrenaline? Welche sich sofort einstellt beim Sehen von Gefahr?

Gruss: Ge-es

Huhu!

Das bezweifel ich, Tiere schauen ja auch nich bei Gefahr zu, sondern nehmen die Beine in die Hand und dann haste-was-kannste, egal ob sie selber bedroht sind oder nicht.

Ich tendiere eher, wie der Fragesteller es auch schon angedeutet hat, zur Kartharsis - Es erfüllt einen mit Entsetzen, aber es ist ein sicheres Entsetzen gpaart mit Erleichterung, dass es einen selber nicht betrifft. Ich denke, Schadenfreude ist da weniger im Spiel. Der Mensch braucht es einfach, zu wissen, dass es einem selber gar nicht so schlecht geht.

Aber ich habe dazu keine Quellen, das ist nur eine persönliche Interpretation.

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Bystander-Effekt
Hallo,

Im Zuge einer Diskussion kam die Frage auf, was Menschen
eigentlich dazu bringt z.B bei Unfällen stehenzubleiben, nicht
um zu helfen, sondern um zu schauen.

hier treffen zwei Dinge zusammen, die voneinander zu unterscheiden sind:

…nicht um zu helfen, sondern um zu schauen.

dazu paßt das Stichwort: Verantwortungsdiffusion. Wenn schon viele da sind, entsteht die Annahme, daß wohl schon andere das Nötige in die Wege geleitet haben, sodaß man sich selber nicht mehr exponieren muß. 1964 ist in USA eine Frau vor den Blicken vieler umgebracht worden, ohne daß jemand eingegriffen hat - während 30 Minuten! Dieser Fall war Anlaß, zu untersuchen, wie es zu solchem Nicht-Eingreifen kommen kann:

http://www.social-psychology.de/sp/konzepte/bystande…

Die zweite Sache hat mit dem Auftreten außergewöhnlicher Ereignisse zu tun. Ein Aspekt unter mehreren ist dabei, glaube ich, die für einen selbst kostenlose Lust an der Unterbrechung des Alltagseinerleis.

Grüße,

I.

Nicht nur das
Hallo!

Es erfüllt einen mit
Entsetzen, aber es ist ein sicheres Entsetzen gpaart mit
Erleichterung, dass es einen selber nicht betrifft. Ich denke,
Schadenfreude ist da weniger im Spiel. Der Mensch braucht es
einfach, zu wissen, dass es einem selber gar nicht so schlecht
geht.

Es ist nicht nur das: Schon der Neandertaler musste genau hingucken, wenn ein anderer zu Schaden gekommen ist, wie es passiert ist - damit ihm nicht Gleiches widerfährt. Insofern ist es in unsere Gene gepflanzt, dass wir bei Gefahrensituationen und wenn andere verletzt oder sogar getötet werden ein riesiges Interesse daran haben, genau zu erfahren, was passiert ist und wie und wie es ausgeht.

Ich finde diese These sehr einleuchtend!

Liebe Grüße
Flaschenpost

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hi

vielleicht der Genuss vom ausgeschüttete Adrenaline? Welche
sich sofort einstellt beim Sehen von Gefahr?

Ich weiß nicht so recht, ich würde auch dazu tendieren, daß Adrenalin eher zum Wegrennen animiert als zum zusehen.
Aber möglich ist beim Menschen ja alles, schließlich behauptet er von sich ja, daß er sich vom Tier unterscheidet

Gruß und Danke
Edith

Hi

hier treffen zwei Dinge zusammen, die voneinander zu
unterscheiden sind:

Beide klingen einleuchtend. Der Link ist erschreckend, wenn auch „faszinierend“, wozu Menschen fähig sind

Gruß und Danke
Edith

Hi

Der Mensch braucht es
einfach, zu wissen, dass es einem selber gar nicht so schlecht
geht.

Auch eine einleuchtende Möglichkeit

Aber ich habe dazu keine Quellen, das ist nur eine persönliche
Interpretation.

Mir geht es ja auch um persönliche Interpretationen und nicht nur um wissenschaftliche Quellen. Denn beides ist interessant für mich bei der Beantwortung der Frage.

Gruß und Danke
Edith

Hi

Es ist nicht nur das: Schon der Neandertaler musste genau
hingucken, wenn ein anderer zu Schaden gekommen ist, wie es
passiert ist - damit ihm nicht Gleiches widerfährt.

Aber wie kann man das, wenn man z.B. zu einem Unfall kommt und nur noch die Trümmer usw. rumliegen?

Ich finde diese These sehr einleuchtend!

Ja und nein, irgendwie fehlt mir da was, um es für mich wirklich einleuchtend zu machen, aber ich finde es einen intressanten Denkansatz

Gruß und Danke
Edith

Gutentag LadyLockenlicht,

Ich tendiere eher, wie der Fragesteller es auch schon
angedeutet hat, zur Kartharsis - Es erfüllt einen mit
Entsetzen, aber es ist ein sicheres Entsetzen gpaart mit
Erleichterung, dass es einen selber nicht betrifft.

Kann sein. Teilweise schon. Aber wie steht es dann mit dem Katastrophen Tourismus? Stierkämpfe etc. Um zu sehen wie dort sinnlos getötet wird, ist man sogar bereit Geld dafür zu zahlen? Und dann gibt es ja noch den Boxsport.

Ich denke,
Schadenfreude ist da weniger im Spiel.

Ja, ich glaube auch, dass Schadenfreude in so einem Fall keine Rolle spielt.

Gruss: Ge-es

Hallo,

Beide klingen einleuchtend. Der Link ist erschreckend, wenn
auch „faszinierend“, wozu Menschen fähig sind

der Mensch des Mittelalters war auch erschrocken darüber, wenn ein Blitz in seiner Nähe eingeschlagen hat, und fasziniert davon, wozu Naturgewalten fähig sind. Dann, im 18. Jahrhundert, wurde der Blitzableiter erfunden, und seit über hundert Jahren nutzen wir diese „Naturgewalt“, die Elektrizität. Wieviel wissen wir über die „Naturgewalten“ der (Massen-)Psychologie, und was nutzen wir davon?

Wie im Link zu lesen ist, handelt die Sozialpsychologie von dem, worin Menschen einander ähnlich sind. Und diese 38 Nachbarn, die zugeschaut, aber nicht gehandelt haben, sind keine Ansammlung des Bösen, sie sind in weiten Teilen so ähnlich wie Du und ich. Ich habe überhaupt den Eindruck, daß wir, oder die Meisten von uns von der Psychologie, und da besonders von der Sozialpsychologie erschreckend wenig Ahnung haben. Das Wissen wäre bereits vorhanden - es dringt nicht durch, wir wenden es kaum an, obwohl wir viel Nutzen daraus ziehen könnten.

Wir sehen voller Erstaunen auf die Zeit des Nazi-Terrors und erschrecken uns darüber, wozu Menschen fähig sind. Aber es sind nicht irgendwelche besonderen oder besonders schlechte Menschen, sondern wiederum Menschen wie Du und ich. Nach dem ersten Erstaunen sollten wir diese Zeit, aber auch andere Gesellschaftskatastrophen als Fundgrube des Sozialpsychologischen begreifen und ganz nüchtern studieren, um auf diese Weise etwas zu finden wie einen „Blitzableiter“, denn wir haben ihn bis heute nicht, und verglichen mit der Physik, sind wir noch nicht einmal im 18. Jahrhundert angekommen.

Grüße,

I.