Hallo,
unser Sohn ist 8 Jahre alt und geht in die zweite Klasse. Er ist sehr begabt (die Kinderärztin vermutete Hochbegabung, was sein könnte, da auch der Papa hochbegabt ist), insgesamt freundlich, fröhlich und ausgeglichen.
Obwohl er schon mit 6 Jahren fließend lesen konnte, haben wir ihn erst mit 7 eingeschult, weil er auch im Kindergarten schon bzw. noch sehr sensibel war. D.h. er kam mit Frust schwer klar, war schnell verletzt wenn ihn jemand beleidigte, und er kann auch körperliche Angriffe nicht ertragen und fängt schnell an zu weinen.
Wir dachten uns, dass es ihm gut täte, im Kiga noch ein wenig zu reifen, bevor er eingeschult würde. Diese Entscheidung war, denke ich, richtig. Er langweilt sich in der Schule nicht, weil die Lehrerin ihn gut mit Extra-Aufgaben oder Lesestoff versorgt, und er hat an Reife und etwas Selbstbewusstsein zugelegt. In der Klasse gibt es keine größeren Probleme, er hat Freunde und geht gerne in die Schule.
Aber: Unsere Schule ist wirklich ein sehr behüteter Ort. Sie ist sehr klein, und die Lehrerinnen sind unglaublich engagiert. So kommt es nur sehr selten vor, dass unser Sohn irgendwelchen Fiesheiten ausgesetzt ist.
Die kommen aber nun von anderer Seite. Es gibt im Dorf so eine Clique von Kindern (gehen alle auf andere Schulen!), die sich unseren Sohn als ideales Opfer ausgesucht haben. Ideal deshalb, weil er nicht nur körperliche Angriffe, sondern auch Beleidigungen und Demütigungen kaum ertragen kann. Es genügt schon, wenn die ihn hämisch an Situationen erinnern, wo er geweint hat. Das macht ihn richtig fertig.
Die Kinder selber haben nicht das geringste Einsehen, wenn wir mit ihnen sprechen. Wir haben auch schon mit den Eltern gesprochen, die im Grunde vernünftige Menschen sind, aber beide den ganzen Tag arbeiten und insofern ihre Kinder einfach vernachlässigen.
Ich weiss im Moment nicht, in welche Richtung ich unseren Sohn unterstützen soll. Er IST halt nunmal sensibel und leicht zu verletzen. Wir haben ihn genauso wie unsere Tochter immer ermutigt, seine Gefühle zu zeigen. Nach wie vor stehen wir auch dazu, unsere Kinder zur Gewaltlosigkeit zu erziehen. Aber während unsere Tochter, ebenso erzogen, ein deutlich dickeres Fell hat, also auch mal sowas wie „Lass die doch reden“ sagt, ist unser Sohn nunmal leicht verletzbar.
Im Moment bin ich versucht, mit ihm mal darüber zu reden, dass es manchmal besser ist, sich zusammenzureißen. Den Anderen entgegenzutreten anstatt sich immer nur defensiv zurückzuziehen. Sich ein dickeres Fell zuzulegen, auch mal selber die Krallen zu zeigen, den Anderen zu zeigen, dass man sich nicht alles gefallen lässt.
Aber eigentlich bin ich traurig darüber, dass das nötig sein soll. Müssen wir ihn zu einem typischen, am Ende „abgehärteten“ Erwachsenen machen, der seine Gefühle verschließt und der nur „innen weich“ sein darf, nach außen aber hart, weil er sonst immer ein gefundenes Fressen ist für solche, die andere gerne quälen?
Ich würde mich über viele Meinungen freuen, die mir helfen, zum bestmöglichen Ziel zu kommen…
Matilda
O-Ton Mom: ‚Du sollst keine Prügelei anfangen, aber wenn dich jemand anpackt, dann hau zurück und zwar so, daß derjenige nie wieder auf die Idee kommt, dich anzurühren‘.