Hallo,
Eben, kann ja mal passieren. Mein kleiner Bruder, auch Jurist,
hat mal zu mir gesagt: „Recht hat nichts mit Gerechtigkeit zu
tun. Das hab ich immerhin im ersten Semester schon gelernt.“
Ich denke, er hat damit Recht.
das denke ich auch. Das darf aber nicht dazu verleiten, zu
meinen, dass im Gegensatz dazu Rache etwas mit Gerechtigkeit
zu tun hätte.
Das glaube ich auch nicht. Ich halte den Begriff der Gerechtigkeit sowieso für schwer definierbar. Eine Definition, die allen gefällt, wird es wohl nie geben.
Rache ist bestimmt auch nicht gerecht, denn damit wird wieder anderen unrecht getan, aber ich kann es nachvollziehen. Selbst wäre ich allerdings wohl viel zu feige für Rache, nicht wegen der Strafe, die auf mich wartet, sondern weil ich später mit dem leben muss, was ich getan habe.
Für die Tugend der Gerechtigkeit ist die andere
Tugend der Besonnenheit Voraussetzung. Wer aber in Fragen der
Rechtsprechung emotional „argumentiert“, der ist nicht
besonnen - und also auch nicht gerecht.
Schon, aber wem unrecht geschehen ist, der hat es schwer, nicht emotional zu reagieren oder zu denken. Besonnenheit zu wahren oder auch nur zu haben, besonders in so extremen Situationen, ist eines der schwersten Dinge, die es gibt.
Mit anderen Worten: Erhöhte Strafandrohungen müssen gut
überlegt sein. Wer z. B. - ganz extrem - die Todesstrafe für
Kinderschänder fordert, der hat keine Mittel mehr, den Täter
vom Mord abzuhalten.
Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich von der Todesstrafe halten soll. Du hast sicher recht, dass ein Täter sicherlich auch schlimmere Taten begeht, wenn die Strafe sowieso die gleiche ist, der Tod. Außerdem denke ich, dass der Henker ja auch zum Täter wird, indem er die Strafe ausführt. Kann man jemandem sowas zumuten/aufbürden? Aber wo ist die Grenze für einen Täter, eine Tat nicht zu begehen, wenn die Strafe zu gering ist? Zwei Jahre und Geld für 16 Vergewaltigungen - ich bin durchaus auch betroffen und etwas geschockt. Und extreme Strafmilderung für Taten, die begangen wurden, wenn der Täter - z. B. unter Alkohol- oder Drogeneinfluss - nicht mehr wusste, was er tat bzw. sich später nicht mehr erinnern kann… ich verliere da schon ein wenig das Vertrauen in die Rechtsprechung, wenn ich so was lese oder höre. Und ich kann auch die Emotionen und Rachegedanken von Opfern verstehen, erst recht in solchen Situationen.
Man muss diese Dinge immer von
verschiedenen Seiten betrachten - und Ideallösungen gibt es
leider nicht.
Ja, das stimmt leider. Es wird wohl kein System geben, mit dem jeder zufrieden ist, aber das heißt nicht unbedingt, dass ich mich zufrieden geben und hinnehmen muss, was ich habe, ohne mal darüber zu meckern, wenns mir hochkommt.
Herzliche Grüße
Thomas Miller
Gruß,
die Elbin