Sexualstraftäter

Hallo,
es ist ja irgendwie die landläufige Meinung, dass Sexualstraftäter
nicht „heilbar“ wären.
Stimmt dies bzw. woher kommt dies?

Gruss

Auch Hallo,
Da es DEN Sexualstraftäter nicht gibt kann deine Frage nicht beantwortet werden.
Meinst du Pädophile? Vergewaltigter? Menschen die Sexuelle Demütigungen als Folter einsetzen…

Neurophysiologische Veränderungen, genetisch oder erworben stehen in Verbindung mit z.B der Anlage zu Aggressivität oder einer sexuellen Ausrichtung. Allerdings ist das dann nur ein Faktor von vielen.

Und selbst, wenn man es ‚sicher‘ wüsste wo im Gehirn oder dem Genom der Schaden liegt - von einer Behandlung wäre man dann noch weit entfernt, denn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird es nicht einen fest umrissenen Bezirk geben, den man dann ohne weiteren Schaden herausoperieren könnte.

Denn: wäre unser Gehirn so einfach, dass wir es einfach verstehen könnten, wären wir so einfach, dass wir es einfach nicht verstehen könnte.
Gruss…lux

Nachtrag
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Hallo,

wohl kaum eine Fragestellung ist so von Legenden und Laienmeinungen geprägt wie diese. Wie schon gesagt, gibt es „den Sexualstraftäter“ nicht, und gibt es auch nicht „die Sexualstraftat“. Da geht mit vielen die schmutzige Phantasie durch, was da alles vorgelegen haben mag, wenn man von einem Sexualdelikt spricht. Die Bandbreite von Aufdringlichkeit die zur sexuellen Nötigung überschwappt bis hin zum jahrelangen erzwungenen Geschlechtsverkehr mit Minderjährigen, brutalen Vergewaltigungen unter Einsatz massiver körperlicher Gewalt und entsprechend motivierten Tötungsdelikten ist genau so riesig wie die dahinter stehende Bandbreite der Ursachen bei den Tätern.

Die hinter einer sexuellen Nötigung stehenden Ursachen wird man üblicherweise schneller und besser in den Griff bekommen können, als die hinter massiveren Delikten stehenden Motivationen. Und natürlich gibt es durchaus auch den nicht therapierbaren Gewalttäter, der auf Dauer so sicher untergebracht werden muss, dass er keinen Schaden mehr anrichten kann.

Aus der Kriminalistikvorlesung beim omnimedienpräsenten Prof. P. sind mir in dem Zusammenhang zwei Dinge recht gut in Erinnerung geblieben:

  1. Eigene, nicht verarbeitete Opfererfahrung hat einen großen Einfluss auf eigene Delinquenz. D.h. es ist nicht nur Sozialarbeitergeschwätz, wenn von der schweren Kindheit gesprochen wird.

  2. Soweit Täter therapierbar sind und auch angemessen therapiert werden ist dies ein guter Garant dafür, dass es zu keinen weiteren Übergriffen kommt. Ca. 4/5 dieser Täter wird nicht rückfällig. D.h. es ist gerade nicht so, dass „das alles Wiederholungstäter“ sind.

Erschreckend übrigens auch ein anderes wissenschaftlich widerlegtes Ammenmärchen: Auch Opfer können massiv von geeigneten Therapien profitieren, aber eine erste Studie zu diesem Thema löste so massive Proteste von angeblichen Opferschützern aus, die das „lebenslang leidende Opfer“ als Galionsfigur vor sich her tragen und offenbar brauchen (um nicht zu sagen missbrauchen), dass hierzu kaum noch veröffentlicht wird. Somit werden viele Opfer um mögliche und hilfreiche Therapie gebracht und finden sich mit einem unnötigen lebenslangen Leiden ab, obwohl durchaus Hilfe möglich wäre. Aber diese angeblichen Opferschützer können so natürlich weiterhin schön in das Horn blasen, dass es ja immer nur um die Täter und nie um die Opfer ginge (wobei ihnen genau an denen offenbar weniger als daran gelegen ist pauschal Täter auf Lebzeiten einzusperren, unabhängig davon was da von wem verbrochen wurde und wie gut oder schlecht dieser therapierbar ist/therapiert wurde). Hierbei wird dann natürlich auch geflissentlich übersehen, welche Rolle die eigene Opferrolle in der Biographie vieler Täter spielt.

Gruß vom Wiz