Sexuelle Attraktivität von Gesichtern

Hi,

in Anlehnung an den Thread in L&L (Attraktivitätsprofil) hier eine weiterführende Frage.

Im Fernsehen habe ich von einer Studie für eine Singlebörse gehört. Es gibt im Internet bei match.com (keine Werbung - kostet nix) einen interaktiven Test, bei dem man mithilfe von Fotos das eigene Präferenzprofil zur sexuellen Attraktivität von Gesichtern messen lassen kann.

Dazu ein paar allgemeine Anmerkungen:

Es geht nur um das Gesicht, nicht um Körperbau oder gar „Ausstrahlung“.
Alle Fotos stammen von Models, es sind also keine häßlichen Menschen dabei (entstellte usw.)
Die Auswahl erfolgt intuitiv. Binnen Bruchteilen einer Sekunde muß man entscheiden, welches Gesicht sexier ist.
Man bekommt dann einen detaillierten Report über das Ergebnis. Jedes einzelne Gesichtsmerkmal (Farbe von Augen, Haut und Haaren, Gesichtsform, Lippen, Nasenform usw.) wird auf die eigene Präferenz analysiert. Es werden Gesichter vorgeschlagen: „Diese findest du attraktiv - liegen wir richtig?“ „Diese sind nicht dein Typ - liegen wir richtig?“
Es geht NICHT darum, das gängige Schönheitsideal herauszufinden. Die meisten der dortigen Portraits könnten Schauspieler, Popstars und Models sein. Es geht um spezifische Merkmale, die wir als sexy interpretieren.

Den Test mit Frauengesichtern (ich bin f) habe ich nicht gemacht. Wäre natürlich auch interessant, da die Fragestellung dann lauten würde: „Welche dieser Gesichter DENKST DU WÄREN sexy?“

Jetzt meine Frage:

Wie entstehen diese Präferenzen? Ist es angeboren, „auf welchen Typ man steht“? Hängt es vom andersgeschlechtlichen Elternteil ab (das Gegenteil - das Ebenbild)? Prägt die „erste Verliebtheit“? Unhewußte Kindheitserinnerungen?

In L&L meinte ein Poster, daß er gar keine Präferenz hätte sondern dem mehrheitlichen Ideal gefolgt ist. Woher kommt das nun wieder?

Grüße
datafox

Hi,

ein paar Befunde zum Thema:

Cunningham, Barbee & Pike (1990) suchten danach, was das männliche Gesicht attraktiv macht: Sie legten US-Amerikanerinnen Schwarz-weiß-Fotos vor und ließen sie nach der wahrgenommenen Attraktivität beurteilen. Männer mit großen Baby-Augen, kleiner Nase, wuchtigem Kinn, ausgeprägten Wangenknochen und breitem Lächeln waren am beliebtesten. Stirnhöhe, Lage der Augen und Augenbrauen, Pupillengröße und Bart erwiesen sich als unbedeutend. Ein rundes, reines Baby-Gesicht war nicht beliebt, da es nicht männlich genug wirkte. Anscheinend entspricht das Aussehen eines attraktiven Mannes einer Mischung aus kindlichen Zügen, die den Mutterinstinkt ansprechen, und solche von Reife, Erfolg und Dominanz. Ein weiterer Attraktivitätsfaktor ist die Symmetrie der Gesichtszüge.

Die attraktivste Frau ist für Männern dagegen anscheinend die durchschnittliche. Man bekommt ihr Gesicht, indem man möglichst viele Frauengesichter übereinanderkopiert. Langlois & Roggman (1990) kamen zu diesem Befund, nachdem sie 96 männlichen und 96 weiblichen Studenten Einzelbilder und Mischbilder aus je 4, 8, 16 oder 32 digitalisierten Fotos vorgelegt hatten. Dieser Befund konnte durch Johnston und Franklin (1993) bestätigt werden, wobei sich jedoch eine kleine Abweichung vom Durchschnitt zeigte, woraus Eibl-Eibesfeldt (1995) schließt, daß die sexuelle Selektion in Bezug auf Frauen-Gesichter noch nicht abgeschlossen ist. Nach Cunningham (1986) ist ein als schön eingestuftes Frauen-Gesicht durch große Augen, eine kleine Nase, ein kleines Kinn, ausgeprägte Wangenknochen, schmale Wangen und ausdrucksvolle, hohe Augenbrauen gekennzeichnet.

Wie entstehen diese Präferenzen?

Dazu schreiben Langlois und Mitarbeiter (1987, zitiert nach Eibl-Eibesfeldt, 1995):

Die Ergebnisse zwingen uns zu einem radikalen Umdenken, was den Ursprung der Bevorzugung physischer Schönheit und Stereotype betrifft. Ob nun im Nervensystem des Kindes festgelegt oder in der räumlichen Anordnung von Gesichtern, die Tendenz, bestimmte Gesichter vor anderen auszuwählen oder vorzuziehen, ist in einem sehr frühen Lebensalter vorhanden, lange vor irgendwelchen signifikanten Einflüssen zeitgenössischer kultureller Werte, Definitionen oder Stereotypen. Unsere Ergebnisse widersprechen der gängigen Annahme, daß physische Schönheit willkürlich definiert, kulturell abhängig sei und bloß allmählich erlernt werde. Die Ergebnisse deuten eher darauf hin, daß die rudimentären Anfänge der Bevorzugung von Schönheit bereits in der Kindheit vorliegen, und daß wohl ein universeller Schönheitsstandard existiert, der kulturellen und zeitweiligen Variationen unterworfen ist.

Gruß,

Oliver Walter

und daß wohl ein universeller Schönheitsstandard
existiert, der kulturellen und zeitweiligen Variationen
unterworfen ist."

hallo oliver!

das war interessant aber leider nicht das was ich wissen wollte!
daß es einen durchschnitt der präferenzen gibt, bestreite ich nicht (auch das kann man sich auf dieser seite anzeigen lassen). es ging eher um individuelle unterschiede zwischen einzelnen personen. warum finden manche blonde anziehend, andere nicht? warum finden manche gebräunte haut als schön und andere nicht? runde gesichter, lange gesichter, grüne augen, braune augen? hier gibt es eindeutig unterschiede und prozentuale zuordnungen wie zb. „30% aller frauen finden meditarrane typen anziehend“, „40% finden triangulare mesomorphen anziehend“ (jeder gesichtstyp hat einen namen) usw. woher stammen nun diese unterschiede? mit schönheitsideal kann das nichts mehr zu tun haben!

gruß
datafox

Hallo Datafox,

daß es einen durchschnitt der präferenzen gibt, bestreite ich
nicht

ich sprach doch von keinem Durchschnitt der Präferenzen, sondern berichtete von einem Schönheitsideal.

Ist die Untersuchungsmethode möglicherweise eine andere? Bei den von mir zitierten Arbeiten wurden den Versuchspersonen Bilder / Fotos vorgelegt. Wie finden die Betreiber der Website, auf die Du Dich beziehst, die Präferenzen heraus?

Gruß,

Oliver Walter

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hi,

ich sprach doch von keinem Durchschnitt der Präferenzen,
sondern berichtete von einem Schönheitsideal.

auch darum ging es nicht. ohgott ich zweifle an meiner fähigkeit zu formulieren :smile:

Wie finden die Betreiber der
Website, auf die Du Dich beziehst, die Präferenzen heraus?

es liegen (wahrscheinlich hunderte) von porträtfotos vor, die alle nach gesichtsmerkmalen katalogisiert sind. man muß spontan auswählen, manchmal zwischen zwei, manchmal zwischen fünf, und dann aus zufällig aufpoppenden bildern auf diejenigen hinklicken, die man mag/nicht mag.

zuerst kommt eine grobe auslese der no-nos. beispiel: glatzen und afrikaner fallen gleich raus. in der folge kommen dann keine glatzen und afrikaner mehr. der computer hat bereits geschnallt, daß man glatzköpfige männer nicht mag und afrikanische (schwarze) nicht sexy findet. eine andere frau sieht das vielleicht umgekehrt: glatzen können sexy sein und schwarzafrikaner ebenfalls (nur für mich halt nicht).

der computer erstellt dann am ende „den traummann“ bzw. „die traumfrau“. ein allgemeines schönheitsideial herauszufinden ist NICHT ziel der studie, sondern die unterschiede zwischen einzelnen präferenzen darstellbar zu machen. am ende des tests kriegt man beispielfotos vorgestellt, die alle dem präferierten typ wie magisch entsprechen.

ich möchte wissen wie der präferierte typ zustandekommt. warum mag ich keine glatzen? warum gefielen mir manche männer mit brille besser als ohne? warum mag ich dreitagebärte aber keine schnurrbärte? warum mag ich olivfarbene haut mehr als weiße? usw usf.

LG
datafox

Hallo,

warum
mag ich keine glatzen? warum gefielen mir manche männer mit
brille besser als ohne? warum mag ich dreitagebärte aber keine
schnurrbärte? warum mag ich olivfarbene haut mehr als weiße?
usw usf.

woher soll jemand wissen, woher Deine Präferenzen für olivfarbene Haut usw. stammen? Aber ich würde stark tippen, daß *solche* Präferenzen aus der individuellen Lebensgeschichte (plus der der Peer Group) stammen, wenn die von mir zitierten universell sein sollen.

Beste Grüße,

Oliver Walter

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Aber ich würde stark tippen,
daß *solche* Präferenzen aus der individuellen
Lebensgeschichte (plus der der Peer Group) stammen

ja DAS wäre aber schon interessant! angeblich ist es falsch, daß blondinen bevorzugt werden. warum? woher kommt die individuelle vorliebe für haarfarben usw.? manche sagen, man spiegelt den eigenen andersgeschlechtlichen elternteil, manche sagen das genaue gegenteil. was stimmt also? und was ist die „peer group“? „lebensgeschichte“ ist mir zu vage.

die „allgemeinen vorlieben“ betrachte ich mal als wissenschaftlich erwiesen.

gruß
datafox

Hi Datafox,

ich habe mal einen Artikel gelesen, da ging es um eine statistische Auswertung zu dem Thema. Es wurden die Schönheitsideale von mehreren tausend Versuchspersonen ausgewählt und per Computer überlappt. Dabei hat man festgestellt, dass die Menschen im Allgemeinen solche Gesichter am schönsten finden, die besonders gleichmäßig geformt sind. Sozusagen der „Durchschnittstyp“.

Grüße
Andreas

Hi Andreas,

Das schrieb ich Datafox auch schon. Aber das meint sie nicht.

Gruß,

Oliver Walter

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Hallo Datafox,

ja DAS wäre aber schon interessant! angeblich ist es falsch,
daß blondinen bevorzugt werden. warum? woher kommt die
individuelle vorliebe für haarfarben usw.? manche sagen, man
spiegelt den eigenen andersgeschlechtlichen elternteil, manche
sagen das genaue gegenteil. was stimmt also?

dazu kann ich Dir jetzt auf die Schnelle nichts sagen, was Studienergebnisse anbelangt.

und was ist die „peer group“?

Darunter versteht man die Gruppe der Gleichaltrigen. Der Begriff wird besonders für gleichaltrige Jugendliche verwendet.

„lebensgeschichte“ ist mir zu vage.

Ja, das verstehe ich schon. Aber was soll man sagen, außer daß Deine Vorlieben für olivfarbene Haut usw. sehr wahrscheinlich durch Deine Lebensgeschichte bedingt sein werden? Es können solche Faktoren wie die Vorlieben / Einstellungen Deiner Eltern und Familie, Deiner Jugendfreunde (peer group), das Aussehen Deiner ehemaligen Sexualpartner und die von Dir konsumierten Medieninhalte (auch Werbung) sein.

Ich muß jetzt weg.

Tschüß sagt

Oliver Walter

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Hi datafox,

auf die Gefahr einer weiteren Themaverfehlung hin (ob wir Dich noch in den Wahnsinn treiben?:wink:)

Ich könnte mir folgendes vorstellen:
In der Fortpflanzung sind IMHO 2 Dinge wichtig:

  1. stabiler Genpool: -> zu große Ähnlichkeit bedroht über Inzucht das weitere Bestehen einer menschlichen Gemeinschaft.
  2. stabiles Gemeinwesen: -> zu große Unähnlichkeit schafft Unfrieden im Gemeinwesen, was der Aufzucht von Kindern nicht dienlich ist.

Ich könnte mir vorstellen, dass hieraus die Natur einen Mittelweg gewählt hat. Einerseits beflügelt der Reiz des Neuen durchaus einen Teil der Geschlechter, damit eine Genauffrischung stattfinden kann, andererseits muss zwangsläufig natürlich auch das vorhandene ausreichen, denn ansonsten würden wir aussterben.
Es wäre schließlich fatal gewesen, wenn alle blonden, skandinavischen Hünen vor Jahrtausenden nur noch geil auf kleine, dunkelhaarige Asiatinnen gewesen wären (vice versa)…

Weiterhin ist mit Sicherheit das Elternhaus stark prägend. Hier werden Wesenszüge, aber auch das Aussehen von Partnern meines Erachtens weitergegeben. Ich erwische mich mittlerweile auch, dass ich erschreckenderweise:wink: Frauen attraktiv finde, die meiner Mutter ähnlich sind. Ziemlich ödipalisch das ganze, vor allem, da ich weiß, dass ich damit nicht glücklich werde:wink:

Und zuletzt ist die Gesellschaft über ihre Moden prägend. Da meines Erachtens viele Beziehungen auch aus Statusgründen eingegangen werden, sind diejenigen bevorteilt, die der herrschenden Mode (=Schönheitsideal) gehorchen. Dann findet man in Umfragen schlicht auch diejenigen attraktiv, die hochgejubelt werden, da nur wenige meines Erachtens den Mut haben, von diesem Schema offiziell weit abzuweichen.
Ein Beispiel: Sich zu outen, dass man auf kleine, pummelige Frauen steht, dürfte heute nicht ganz einfach sein…

schnell geschossene Grüße
Jürgen

.

Ich erwische mich mittlerweile
auch, dass ich erschreckenderweise:wink: Frauen attraktiv finde,
die meiner Mutter ähnlich sind.

huch bei mir isses umgekehrt :smile: ähnlich der mutter, jedoch das gegenteil vom vater, obwohl dem vater emotional näher als der mitter. bin ich jetzt latent lesbisch? :smile:

Und zuletzt ist die Gesellschaft über ihre Moden prägend. Da
meines Erachtens viele Beziehungen auch aus Statusgründen
eingegangen werden, sind diejenigen bevorteilt, die der
herrschenden Mode (=Schönheitsideal) gehorchen.

ja. aber da beißt sich die katze in den schwanz: entstehen diese schönheitsideale nicht durch derartige umfragen? ich kann mir vorstellen, daß die macher einer boygroup auf exakt so einen test zurückgreifen und 1000 pubertierende mädels auf ihren geschmack testen. und was dann rauskommt ist eine gruppe, bei der für jede „was dabei ist“ und jeder einzelne dem allgemeinen ideal entspricht, nen süßer blonder, nen knackiger latino, ein heißer schwarzer usw.

Ein Beispiel: Sich zu outen, dass man auf kleine, pummelige
Frauen steht, dürfte heute nicht ganz einfach sein…

auf jeden fall.

gruß
datafox

Hi!

Der folgende Zeit-Artikel beschäftigt sich z.T. mit diesem Thema, vielleicht hilft er Dir ja weiter:

http://www.zeit.de/2004/07/N-Attraktivit_8at-neu

Gruß,
Anja

Hallo Anja,

http://www.zeit.de/2004/07/N-Attraktivit_8at-neu

sehr gut, daß Du diesen Artikel gefunden hast. Ich habe ihn ´kurz gescannt und festgestellt, daß er u.a. über die Arbeiten berichtete, auf die ich mich in meinem ersten Posting hier bezog. Anscheinend liefert er auch neuere Befunde der Forschergruppe um Johnston. Ich werde ihn mir ´mal zu Gemüte führen.

Dafür auch ein Sternchen von mir.

Gruß,

Oliver Walter

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.

Hallo,

ja. aber da beißt sich die katze in den schwanz:

Durchaus. Aber es liegt m.M. keine simple Kausalität vor. Statt dessen unterliegt die Bildung des Schönheitsideals durch die Medien einer ständigen Interaktion zwischen den Konsumenten und den Medien. Die Medien greifen Trends (ermittelt durch Umfragen) auf, verstärken damit einen Trend, der Trend wandelt sich im Laufe der Zeit durch andere Einflüsse, die Medien passen ihr Bild wieder an und verstärken damit den Trend erneut etc. Ein ständiger Fluß bei dem den Medien die Rolle zukommt, Schönheitsideale „griffiger“ zu machen bzw. klarere Abgrenzungen von attraktiv vs. unattraktiv zu schaffen.

Gruss
Enno