Sexueller Missbrauch - Isolationstheorie

Liebe Experten,

bald steht meine mündliche Abiturprüfung im Fach Pädagogik an.
Ein gewähltes Thema von mir ist sexueller Missbrauch. Jedoch habe ich
soeben festgestellt, dass ich große Probleme mit dem Erklären der
Isolationstheorie habe.
Im Internet finde ich dazu leider keine Informationen und deswegen
bitte ich euch um Erklärungshilfe…

Liebe Grüße,
Marie

Hi,


dass ich große Probleme mit dem Erklären der Isolationstheorie habe.

Die Isolationstheorie geht davon aus, dass in Familien, in denen die Mitglieder eine hohe soziale Isolation aufweisen, auch ein höheres Risiko für inzestuösen (!) Missbrauch aufweisen.

Also Familien, die sich nach außen hin verschließen, dicht machen, zusammenhalten. Kontakte mit fremden (Kindern)* werden zb. kritisch beäugt oder unterbunden. Das Greifen der äußeren Systeme wie Schule, Nachbarschaft, auch Ämter bei auffälligen Verhaltensweisen, was normalerweise relativ gut fuktioniert, wird umgangen, weil die Familie wie eine Wand da steht, alles abprallen lässt und eben zusammen hält. Deswegen spricht man in dem Zusammenhang von einer „paranoiden Familienfestung“.

Innerhalb der Familie muss das Klima aber noch lange nicht gut sein. Viel mehr geht es um Angst vor Veränderungen oder davor, dass einer aus dieser Mauer ausbrechen könnte, was wiederum Druck erzeugt, der häufig auf psychische oder physische Weise weitergeleitet wird.

Ich wage mal das hinkende Beispiel der häufig in Krimiserien klischeehaft dargestellten Dorfgemeinschaft um das bildlich zu machen. Gegenüber der Polizei wird geschwiegen und alle halten dicht. Tatsächlich kann sich aber keiner leiden, es gibt Drohungen gegeneinander, manchmal Gewalt, der Rest schweigt, weil er sich nicht traut oder weil er selbst „Dreck am stecken hat“.
Man fragt sich, „warum sagt da keiner was?“
Aber irgendwie haben alle individuelle Gründe, weshalb nicht.

Die Isolationstheorie wird übrigens auch zur Erklärung herangezogen, weshalb in stark ländlichen Gegenden sowie Großstädten der inzestuöse Missbrauch (angeblich) häufiger stattfindet als in Gegenden mit einer mittleren Bevölkerungsdichte.
Beide, wenn auch gegensätzliche, Wohnverhältnisse sind dadurch geprägt, dass sich eine soziale Isolation besonders gut aufrecht erhalten lässt, entweder durch die regionale Einsamkeit oder aber durch die hohe Anonymität in der Großstadt.
(selten kennen Mieter in Hochhäusern ihre Nachbarn oder gar deren Verhältnisse. In mittleren Mehrfamilienhäusern deutlich eher. Es wird angenommen, dass die nachbarschaftliche Kontrolle höher ist. Die Verhältnisse familiärer- auf Spielplätzen, im Supermarkt was auch immer) Durchaus ein diskussionswürdiger Ansatz.
(z.B. versus steigende Individualität erhöht das Risiko)

* Kinder haben nämlich wiederum Eltern- es entstehen nicht kontrollierbare Kontakte, sollte das eigene Kind zb. dort zu Besuch sein etc. Darum in erster Linie die Kontakte der Kinder- die eigenen steuere ich ja selbst.

Hi,

um das noch anzufügen… nur kurz

nicht zu vergessen, die Isolation INNERHALB der Familie.
Durch gegenseitiges Ausspielen, Drohungen, durch angeheizte Eifersucht, durch Bevorzugung zb. und weitere Taktiken, die dazu dienen, das Vertrauen zwischen Mutter/Tochter oder zwischen den Geschwistern zu erschütten, damit sich nicht ausgetauscht wird.
Oft werden Geschwister voneinander emotional isoliert und wissen nichts vom Geschehen des anderen und haben keine Möglichkeit zu vertrauen oder zu reden.

Gruß
Schiwa

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Ich danke euch ganz doll für eure Antworten… Bin gerade dabei, Vorbereitungen zu treffen, um in den Mai zu tanzen und werde mir eure Erklärungen morgen genüsslich in der Sonne zu Gemüte führen und mich wahrscheinlich noch mal mit Rückfragen melden…

Schon mal ein ganz herzliches Dankeschön und euch einen schönen Abend!!