Hallo Petra,
Dem Wikipedia-Artikel zufolge ist ein Leerverkauf dasselbe wie
eine Short-Position. Nun habe ich aber in den letzten Tagen
schon öfter den Tipp gelesen, man sollte doch für diese oder
jene Aktie eine „Short-Position“ eingehen.
Wenn jemand etwas leerverkauft z.B. eine Aktie, dann bedeutet dies, dass er etwas verkauft, was er tatsächlich gar nicht besitzt.
Beispiel:
Du hast ein Depot das ausschließlich aus Siemens-Aktien besteht. Nun willst Du aber Daimler-Aktien leerverkaufen ? Wat nu ?
Du gehst zu Deiner Bank und bittest sie, für Dich eine Short-Position auf Damiler einzurichten. Dazu wird die Bank dann (wir nehmen mal an dies wäre problemlos möglich - siehe unten) von einem anderen Depot, in welchem sich tatsächlich Daimler-Aktien befinden, Daimler-Aktien entnehmen und diese Dich verkaufen lassen.
Allerdings: Irgendwann will derjenige, der die Daimler-Aktien tatsächlich in seinem Depot hatte und von dem sie „geliehen“, diese auch wieder haben. D.h. für Dich, dass Du die Damiler-Aktien zurückgeben musst. Da Du sie aber immer noch nicht hast, Du hattest ja lediglich geliehene Aktien verkauft, musst Du nun tatsächlich Damiler Aktien am Markt kaufen, um diese dem Leiher zurückgeben zu können.
Warum macht man diese Short-Geschäfte ?
- Risikomanagement
- Spekulation
Zu 2:
Heute steht die Damiler-Aktie bei sagen wir 60 Euro. Du arbeitest vielleicht bei Daimler am Band und merkst, dass die Autos immer schlechter werden. Darauf hin gehst Du zu Deiner Bank und willst diese Daimler-Aktien, die Du nicht besitzt, leerverkaufen, da Du einen Kursverfall (in Folge der schlechter werdenden Qualität der Autos) erwartest.
Fällt der Kurs tatsächlich, sagen wir hier auf 45 Euro, machst Du einen Gewinn, da Du die Aktien ja irgendwann einmal zurückkaufen musst.
Zur Erinnerung: Du hattest zu 60 verkauft und musst zu 45 zurückkaufen. Daraus folgt ein Gewinn von 15 Euro pro Aktie.
Noch etwas Allgemeines zum Leerverkauf:
- So etwas ist für den Privatanleger zwar möglich, aber man sollte nach Möglichkeit die Finger davon lassen. Warum ?
Es besteht praktisch die Möglichkeit, dass es zu unbegrenzten Verluste n aus solchen Geschäften kommt. Dies rührt daher, dass Du die Aktien (die Du mal leerverkauft hast) irgendwann mal zurückkaufen kannst. Diese „Handelsstrategie“ geht aber nur auf, wenn Du billiger zurückkaufen kannst (in dem Beispiel waren das die 45 Euro).
Nun können Aktien aber -theoretisch- unbegrenzt steigen und das wäre dann dein unbegrenzter Verlust. Zum Vergleich: Kaufst Du eine Aktie tatsächlich, könnte sie im schlimmsten Falle „nur“ auf den Wert Null fallen, da Aktien niemals einen negativen Wert annehmen können.
- Das Prinzip des Leerverkaufens widerspricht dem eigentlichen Geschehen an den Börsen/Kapitalmärkten. Warum ?
Die Mehrheit der Anleger setzt auf steigende Kurse und so verhalten sich dann auch die Kapitalmärkte. Leerverkäufe zielen aber auf die genau andere Richtung (fallende Kurse) ab.
Mit Ausnahme der Zeiten nach 2000 (Börsencrash) ist es daher schwierig, die Leerverkäufe als „echte Anlagestrategie“ zu verfolgen.
- Short-Positionen machen im Grunde nur Sinn, wenn ein erheblicher Kapitaleinsatz damit verbunden ist. Dies ist aber gerade für den Privatanleger ebenfalls i.a.R. nicht gegeben.
VG
TraderS
Wird hier allen Ernstes harmlosen Amateuranlegern empfohlen,
für die entsprechenden Aktien einen Leerverkauf zu tätigen,
oder habe ich etwas falsch verstanden?
Schöne Grüße
Petra