Mein Mann und ich erziehen unseren Sohn in 2 Sprachen bzw. spricht mein Mann mit unserem Sohn eine andere Sprache. Mein Mann ist Schweizer, hat aber zuhause schwedisch gesprochen, ist jedoch zeitlebens in der Schweiz aufgewachsen. Ich selbst spreche CH-deutsch und unsere gemeinsame Sprache ist auch CH-deutsch.
Mein Mann spricht mit unserem Sohn (1) schwedisch und ich merke, dass ich ich dabei ausgeschlossen fühle. Es ist, als ob die beiden eine Art „Geheimsprache“ haben. Klar verstehe ich auf diesem sprachlichen Niveau noch alles, aber ich kann nicht am Dialog teilnehmen, es kann kein Trialog daraus werden, weil die beiden für sich alleine sind. Ich fühle kein Familiengefühl, keine verbindende Sprache - entweder mein Mann ist im Dialog mit unserem Kleinen oder ich. Unsere gemeinsame Sprache ist natürlich deutsch, die Umgebungssprache.
Bisher war es so, dass seine Familie jeweils ge-„switched“ hat, wenn jemand (z.B. ich) dabei war, der nicht schwedisch sprach, jetzt ist das kein Thema mehr und die Sprache wenn seine Familie dabei ist, ist strikt schwedisch.
Ich fühle mich häufig etwas ausgeschlossen - blöd von mir, ich weiss. Ich komm dagegen aber nicht an, fühle als ob mein Mann sich mit unserem Sohn und seinen Eltern verbindet anstatt mit unserem Kleinen und MIR. Wir haben keine gemeinsame Sprache zu Dritt… Er kann beide Sprachen absolut fliessend (hat alle Schulen auf deutsch gemacht, nie in Schweden gelebt).
Mein Sohn spricht seit einiger Zeit seine ersten Worte (auf deutsch) und wir können dies nicht gemeinsam fördern, weil mein Mann ja andere Wörter hat. Wir können uns auch nicht gemeinsam freuen, weil man Mann darauf wartet, dass er erste schwedische Wörter bringt. Wir können die Wörter nicht verstärken, bestätigen, gemeinsam neue Wörter locken - ich find’s schwierig und möchte das so gerne zu zweit tun!
Mein Mann beherrscht Deutsch fast besser als Schwedisch, wenn auch er schwedisch perfekt und fliessend spricht - was haben wir für Alternativen, damit es für mich erträglicher wird? Wie kann ich mich weniger ausgeschlossen fühlen?
Mein Mann beherrscht Deutsch fast besser als Schwedisch, wenn
auch er schwedisch perfekt und fliessend spricht - was haben
wir für Alternativen, damit es für mich erträglicher wird? Wie
kann ich mich weniger ausgeschlossen fühlen?
Das ist eigentlich der entscheidende Satz. Du fühlst dich ausgeschlossen.
Tu das Gegenteil:
Freu dich, dass dein Mann so ein gutes Verhältnis zum Sohn hat um umgekehrt, freu dich, dass dein Mann sich so gut um die Kinder bemüht, andere gehen in die Arbeit kommen heim und wollen nur Sportschau und Bier. Ok ist etwas krass geschrieben, aber etwas Wahres ist dran.
Und vor allem: Freu dich dass deine Kinder so leicht zweisprachig aufwachsen.
Lass den beiden ihren kleinen Geheimnisse, sie tun dir nicht weh, im Gegenteil sie können leicht über eine Geburtstagsüberraschung für dich reden.
Stärke dein Selbstbewusstsein, deine „jungs“ reden nicht schlecht über dich, denn das ist dein Problem.
ich weiß nicht, ob es die allein glücklich machende Möglichkeit ist, aber es wird ja immer wieder behauptet, dass ein Erfolgsfaktor zweisprachiger Erziehung genau die Konsequenz ist, die Du so bemängelst. D.h. der Ansatz, dass bestimmte Personen mit einer bestimmten Sprache in Verbindung gebracht werden, und daher auch konsequent mit dem Kind nur in dieser Sprache sprechen.
An deiner Stelle würde ich halt zusehen, meine eigenen Sprachkenntnisse voran zu treiben, um nicht das Gefühl zu haben, ausgeschlossen zu sein, und die Geschichte ansonsten als wunderbare Chance für das Kind zu begreifen.
BTW: Mein Sohnemann lernt von seinen Au-Pair (leider viel zu wenig) nebenbei auch etwas Russisch, und es gab Zeiten, da sprach und verstand er mehr russische Wörter als deutsche (bzw. bestimmte Begriffe kannte er eben nur auf russisch), und es kam dadurch zu kuriosen Situationen, über die ich heute noch herzhaft lachen kann. Wenn dein Kind offensichtlich durstig ist, aber alle Angebote ablehnt, darunter auch Wasser, dann aber „Voda“ (k.A. ob die Schreibweise richtig ist) haben will, dann lernst Du eben auch mit, und gut ist Bis heute haben sich in der Familie dadurch einige russische Begrifflichkeiten so verfestigt, dass wir schon aufpassen müssen, gegenüber Dritten auf die deutschen Bezeichnungen zu achten.
Hallo,
erst einmal würde ich sagen du solltest aufhören Schuldgefühle zu haben weil du dich ausgeschlossen fühlst. Du schreibst
Ich fühle mich häufig etwas ausgeschlossen - blöd von mir,
das finde ich nicht - da ist überhaupt nix blöd von dir. Du scheinst dir darüber wirklich Gedanken zu machen, siehst dich selbst und deine Emotionen sehr kritisch und versuchst die Situation einfühlsam von allen Seiten zu betrachten - dafür kannst du dir erst einmal auf die Schulter klopfen so eine Herangehensweise ist nämlich nicht selbstverständlich. Nicht blöd von dir sondern blöde Situation! Die sicherlich nicht besser wird wenn sich zu deinem Gefühl des Ausgeschlossen-Seins auch noch Schuldgefühle gesellen.
Der Vorschlag du könntest mit deinem Kind zusammen Schwedisch lernen wäre natürlich die optimale Lösung, die Frage ist nur ob du dafür ausreichend Zeit hast?
Ich frage mich ob du schon einmal mit deinem Mann so darüber geredet hast? Was er dazu gesagt hat? Ob bei ihm angekommen ist, dass dir das „wir-Gefühl“, (wie ich finde völlig nachvollziehbar) fehlt? Vielleicht findet ihr gemeinsam einen Weg die Situation zu verbessern. Dein Mann könnte z.B. für dich dolmetschen, zwar ist es wichtig, dass er konsequent mit dem Kind bei einer Sprache, also in eurem Fall Schwedisch bleibt, das bedeutet aber nicht, dass er in Gegenwart eures Kindes mit dir nicht auch Deutsch sprechen darf. Dein Mann darf (sollte) eben nur mit dem Kind nicht Deutsch sprechen und den Kleinen natürlich auch weiterhin anhalten mit ihm Schwedisch zu sprechen.
Dass du dich bei den von dir beschriebenen Familientreffen ausgeschlossen fühlst finde ich ebenso nachvollziehbar. Allerdings verstehe ich auch nicht so ganz warum die Familie deines Mannes nicht weiterhin, zumindest in Gesprächen an denen du beteiligt bist, Deutsch spricht? Dass sie alle mit dem Kind Schwedisch sprechen und auch von dem Kleinen erwarten, dass er mit ihnen Schwedisch spricht ist ja super. Aber das hindert doch niemanden daran mit dir Deutsch zu sprechen und/oder für dich zu dolmetschen.
Abschließend möchte ich dir noch etwas Mut machen: in diesem Punkt arbeitet die Zeit ausnahmsweise mal für einen. Je besser und sicherer dein Sohn mit der Zeit spricht umso flexibler könnt/werdet ihr mit der Zweisprachigkeit umgehen. Die konsequente Trennung der Sprachen ist ja vor allem zu Beginn der Sprachentwicklung des Kindes besonders wichtig um es nicht zu verwirren.
Liebe Grüße
Sabrina