Sich bedanken ?

Liebe Sprachbegabte,
Ist diese übliche Redensart richtig, habe dabei immer ein komisches Gefühl. Ich bekomme etwas von jemandem, dann sollte ich doch demjenigen Dank zurückgeben.
sich beschmutzen, sich schämen, sich waschen etc , hat immer etwas mit mir zu tun. „sich bedanken“ geht doch an den, der mir ja etwas gegeben hat.
Wie ist das, wenn jemand dieses verwirrende Deutsch neu lernen muss ?

Danke für Auskunft
Fritz
a.d.Uw.

Hallo Fritz,

sich beschmutzen, sich schämen, sich waschen etc , hat immer
etwas mit mir zu tun. „sich bedanken“ geht doch an den, der
mir ja etwas gegeben hat.

Ich sehe da keinen Widerspruch.
sich waschen, sich bedanken usw. sind Grundformen reflexiver Verben, die man aber nicht notwendiger Weise reflexiv benutzen muß.
Beispiel: Ich wasche mich, du wäschst dich … soweit klar.
aber : ich wasche mich, ich wasche dich, ich wasche ihn/sie/es …

Genauso mit „danken“:
ich danke mir (klar, klingt blöd, ist aber grammatisch korrekt), ich danke dir, ich danke ihm/ihr usw.

Der Ausdruck „sich bedanken“ fordert noch ein Objekt, also eine „Richtung“ (im Dativ):
sich bedanken bei wem
also: ich bedanke mich bei dir, du bedankst dich bei uns …
Das „Problem“ entsteht erst, wenn ich sage: ich bedanke mich bei mir, obwohl wieder grammatisch korrekt.
Ohne Objekt (also Richtung) ist das Ganze nicht vollständig und „klingt“ deshalb eben dann etwas komisch.

Ich hoffe, ich konnte etwas helfen.
Gruß
Roland

Philosophie der reflexiven Verben
Hallo Fritz,

wir hatten hier ja schon mal die entsprechende Frage bzgl. „sich entschuldigen“.

Die grammatisch reflexiven Verben sind keineswegs immer Verben, bei denen Subjekt und Objekt der Handlung identisch sind wie bei „ich wasche mich“.
Wie steht es z.B. bei „ich wundere mich“, „ich freue mich“, „ich traue mich“?

Eine große Schicht innerhalb der reflexiv konstruierten Verben gehört eigentlich zu den „Media“, wie sie aus der griechischen Grammatik bekannt sind (im Lateinischen: „Deponentia“). Diese Verben benennen meist Handlungen, die nicht ins Subjekt-Objekt-Schema passen, weil sie Zustände, Mit- und Rückwirkungen des grammatischen Subjekts bezeichnen, zugleich aber auch nach „außen“ wirken können.

Es ist schade (und in den geistigen Auswirkungen noch viel zu wenig untersucht), dass diese grammatische Klasse in den lebenden Sprachen der idg. Familie verschwunden ist (außer eben in Form von reflexiven Verben), denn eigentlich ist alles Handeln „medial“ und im Subjekt-Objekt-Schema nur abstrakt beschrieben.

„Ich bedanke mich“ heißt eben auch: Ich mache mich zum Dankenden (durch Mimik, Geste, Haltung…)

Gruß,
Pietro